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Carsten Rentzing

Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens
Bischof Carsten Rentzing am 11. Juni 2017 im Dom zu Wurzen – qua Amt zugleich Stiftsherr des Doms

Carsten Uwe Rentzing (* 27. September 1967 in Berlin) ist ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe. Er ist seit 2015 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Carsten Rentzing studierte ab 1987 an der Freien Universität Berlin Rechtswissenschaften und Philosophie. Er fand erst als Erwachsener zum Glauben, studierte ab 1989 Theologie und Philosophie in Berlin, Frankfurt am Main und Oberursel und schloss mit dem Kirchenexamen ab.[1] Während seines Studiums in Frankfurt wurde er Mitglied der Alten Prager Landsmannschaft Hercynia im CC. Nach einem Vikariat in den Kirchgemeinden Oelsnitz und Zwota[2] wurde er 1999 in der sächsischen Landeskirche ordiniert. Seine erste Stelle als Pfarrer trat Rentzing im Erzgebirge in einem Neubauviertel von Annaberg-Buchholz an; im August 2010 wechselte er in den vogtländischen Musikwinkel. Mit seiner Frau teilte er sich dort die anderthalb Pfarrstellen in Markneukirchen und Landwüst.[3] Rentzing gehörte der 26. und 27. Landessynode an, war sächsischer Vertreter in der 11. und 12. EKD-Synode und amtierte in der 11. Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) als Zweiter Vizepräsident.

Am 31. Mai 2015 wurde er in der Stichwahl im sechsten Wahlgang einer Sondersynode knapp vor dem sächsischen Landesjugendpfarrer Tobias Bilz zum Nachfolger von Landesbischof Jochen Bohl gewählt,[4] der Ende August 2015 aus Altersgründen aus seinem Amt ausgeschieden ist. Die Wahl dauerte mit sechs Wahlgängen ungewöhnlich lange, da selbst im fünften Wahlgang bei nur noch zwei Kandidaten keiner eine absolute Mehrheit an Stimmen der Synodalen erreichen konnte.[5] Rentzing wurde am 29. August 2015 durch den leitenden Bischof der VELKD, Gerhard Ulrich, in sein Amt eingeführt.[2] Die Amtszeit ist nach Änderung des entsprechenden Kirchengesetzes im Jahr 2007 erstmals auf zwölf Jahre begrenzt.[6][7]

Rentzing ist seit 2017 Präsident des Martin-Luther-Bundes. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des 2004 neu gegründeten Martin-Luther-Vereines in Sachsen.[8]

PromotionBearbeiten

Rentzing wurde an der Universität Leipzig promoviert. Seine Dissertation aus dem Jahr 2003 hat das Thema Die Rede vom Bösen bei Karl Barth und Martin Luther – ein systematisch-historischer Vergleich unter besonderer Berücksichtigung von Barths kirchlicher Dogmatik III,3 und Luthers Genesisvorlesung 1535–1545.[9]

PositionenBearbeiten

Rentzing gilt als „scharfer Kritiker des Mehrheitsprotestantismus“[10] und wird zuweilen der evangelikalen Strömung zugeordnet. Er selbst bezeichnet sich aber nicht als Evangelikalen, sondern bevorzugt die Bezeichnung „konservativer Lutheraner“.[11] Er gehört zu den Erstunterzeichnern der Initiative „Zeit zum Aufstehen“[12] und ist auf deren Homepage als einer der Initiatoren aufgeführt.[13]

Rentzing kritisiert die Position, „alle Menschen seien okay“ und bedürften nicht der Erlösung durch die Gnade Gottes. Evangelische Theologen, die dies verträten, würden „Jesus Christus als Bringer des Heils verdunkel[n]“ und ein Herzstück des Glaubens aufgeben.[14]

Der Sächsischen Bekenntnisinitiative nahestehend, vertritt Rentzing die theologisch konservative Position, dass homosexuelle, verpartnerte Pfarrer nicht in einem Pfarrhaus zusammenleben sollen. Er steht damit im Widerspruch zu einem 2010 getroffenen Beschluss der EKD-Synode, demzufolge es schwulen und lesbischen Pfarrern und Pfarrerinnen erlaubt sein soll, mit den jeweiligen Lebenspartnern im Pfarrhaus zusammenzuwohnen. Nach längeren Kontroversen verblieb 2012 die sächsische Landeskirche unter Führung von Landesbischof Jochen Bohl – anders als zahlreiche andere Landeskirchen innerhalb des EKD – bei der prinzipiellen Ablehnung von homosexuellen Beziehungen von Pfarrern, indem sie einen Beschluss von 2001 aufrechterhielt, nachdem „eine homosexuelle Beziehung nicht im Pfarrhaus gelebt und nicht zum Inhalt der Verkündigung gemacht werden darf“.[15] Laut Rentzing sage die Bibel, „dass die homosexuelle Lebensweise nicht dem Willen Gottes“ entspreche. In der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen ist seitdem eine Öffnung der Pfarrhäuser für homosexuelle Partnerschaften nur in Ausnahmefällen und nach ausdrücklichem Gemeindebeschluss möglich.[14] Rentzing kündigte an, diesen Beschluss mitzutragen. Auch eine kirchliche Trauung homosexueller Paare – wie sie in einigen evangelischen Landeskirchen möglich ist – lehnt Rentzing ab, eine Segnung solcher Paare hält er allerdings für diskutabel.[11] Die Möglichkeit zur Segnung wurde 2016 eingeführt.

FamilieBearbeiten

Rentzing ist verheiratet mit der Pfarrerin Maria Rentzing;[16] das Ehepaar hat vier Kinder.[5]

WeblinksBearbeiten

ZeitungsbeitragBearbeiten

  • Thomas Mayer: Berlin-Spandau, Annaberg-Buchholz, Markneukirchen, Dresden. Carsten Rentzing (48) wird Ende August neuer Evangelischer Landesbischof in Sachsen – ein Hausbesuch. In: Leipziger Volkszeitung, 3. August 2015, S. 5.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Leipziger Volkszeitung, 1. Juni 2006, S. 5
    R. Meinel: Markneukirchen hat ein neues Pfarrer-Ehepaar. Vogtland-Anzeiger, 17. August 2010.
  2. a b Bischofseinführung am 29. August in der Dresdner Kreuzkirche (Memento des Originals vom 25. September 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.evlks.de, abgerufen am 26. August 2015
  3. Adina Rieckmann: Porträt Carsten Rentzing. (Memento des Originals vom 24. Oktober 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mdr.de MDR Sachsen, 29. Mai 2015.
  4. Wahl des Landesbischofs, der Landesbischöfin: Wahlberichterstattung. (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.evlks.de Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens, 31. Mai 2015.
  5. a b Carsten Rentzing ist künftiger Landesbischof. (Memento des Originals vom 26. August 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mdr.de MDR Sachsen, 1. Juni 2015.
  6. Annette Binninger: Wahldrama mit dem Segen des Herrn. Sächsische Zeitung, 31. Mai 2015.
  7. EVLKS: Kirchengesetz zur Regelung dienst- und versorgungsrechtlicher Verhältnisse des Landesbischofs und des Präsidenten des Landeskirchenamtes (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.evlks.de (Landesbischof-Präsident-Dienstgesetz). 23. April 2007.
  8. Sächsischer Landesbischof Rentzing ist neuer Präsident des Martin-Luther-Bundes, ekd.de, Artikel vom 21. November 2016.
  9. Carsten Rentzing: Die Rede vom Bösen bei Karl Barth und Martin Luther: ein systematisch-historischer Vergleich; unter besonderer Berücksichtigung von Barths kirchlicher Dogmatik III,3 und Luthers Genesisvorlesung 1535–1545. Dissertation an der Universität Leipzig, 2003; DNB 968726437
  10. Matthias Kamann: Gegner der Homo-Ehe werden stärker. In: Welt Online, 16. Oktober 2015.
  11. a b Katharina Rögner, Thomas Schiller: "Wir müssen miteinander reden, auch wenn es wehtut". Interview mit Carsten Rentzing. In: evangelisch.de, 23. August 2016.
  12. An die Mitte der Kirche: „Zeit zum Aufstehen“. Medienmagazin pro, 8. April 2014.
  13. Homepage der Initiative „Zeit zum Aufstehen“; abgerufen am 9. Juni 2015.
  14. a b Matthias Kamann: „Bibel sieht Homosexualität nicht als Gottes Willen“. Interview mit Carsten Rentzing. In: Welt Online, 12. Februar 2016.
  15. Gründung der Sächsischen Bekenntnis-Initiative
  16. Übersicht über Mitarbeitende der Nicolai-Kirchengemeinde Markneukirchen; abgerufen am 9. Juni 2015.