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Cademario
Wappen von Cademario
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Luganow
Kreis: Kreis Agno
BFS-Nr.: 5161i1f3f4
Postleitzahl: 6936
Koordinaten: 712622 / 97646Koordinaten: 46° 1′ 15″ N, 8° 53′ 35″ O; CH1903: 712622 / 97646
Höhe: 792 m ü. M.
Fläche: 3,96 km²
Einwohner: 796 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 201 Einw. pro km²
Website: www.cademario.ch
Cademario, links oben das Kurhaus

Cademario, links oben das Kurhaus

Karte
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Cademario ist eine politische Gemeinde in der Region Malcantone im Kreis Agno im Bezirk Lugano des Kantons Tessin in der Schweiz. Der Name dürfte sich von Casa de Mario (Haus von Mario) ableiten.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Cademario liegt im oberen Malcantone auf der westlichen Seite des Vedeggiotals. Der höchste Punkt liegt auf einer Höhe von 974 Metern bei der Alpe Agra, der tiefste Punkt auf 374 Metern oberhalb Bioggio. Rund 16 Prozent der Landfläche Cademarios werden landwirtschaftlich genutzt, knapp 80 Prozent sind bewaldet. Das Klima ist aufgrund der besonnten und windgeschützten Lage mild, fast mediterran.

GeschichteBearbeiten

Das Gebiet um Cademario war bereits während der Eisenzeit besiedelt, wie ein 1939–1940 in La Forcora (zwischen Cademario und Aranno) ausgegrabenes Gräberfeld mit Brandbestattungen beweist. 1163 wird das Dorf erstmals als Cademerio erwähnt, 1335 als Cadelmario Superiore, um es von Cadelmario Inferiore zu unterscheiden, dem heutigen Bosco Luganese, das sich 1783 abtrennte. Zu Cademario gehören die Weiler Renera und Bogno. Früher gehört auch das Dorf Bioggio im Tal zur Gemeinde. Um 1000 besass der Bischof von Como in Cademario Güter und Rechte, die später zumindest teilweise an die Benediktinerabtei Sant’Abbondio in Como übergingen, deren Abt in Cademario ein Haus besass. musste in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts dem Herzog von Mailand 44 Soldaten stellen.[2]

OrtsbürgergemeindeBearbeiten

Ehemalige Ortsbürgerfamilien sind Braga, De Mozo, De Tessia, Fontana (di Cademario), Gilardi, Indemini, Idempne, Lepori (De Leporibus), Magnoli, Orlando, Pomina, Rosso (del Rosso), Rubeo (del Rubeo), Rossi, Sarbore (del Sarbore) und Speranza.

Lebende OrtsbürgerfamilienBearbeiten

  • Alberti (De Alberti), Bernardazzi, Carletta, De Vittori (Devittori, Vittori), Fontana (di Bosco Luganese), Jermini, Monti (Monte, Montinus), Moriggia, Panzera, Pianca (Planca, Piancha, Pyancha), Righetti, Vanetta.

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1599 1696 1801 1900 1950 1970 1980 1990 2000[3] 2005 2010 2014 2016 2017
Einwohner 500 370 331 347 422 435 451 474 610 674 718 745 791 796

WirtschaftBearbeiten

Schon seit Jahrhunderten werden die Hänge vom Dorf bis nach Bioggio hinunter mit Reben bebaut. Die Rebberge bedeckten 1990 noch eine Fläche von 600 Aren und trugen 22'000 Rebstöcke. Manche Rebberge mussten in den letzten Jahrzehnten den zahlreichen Zweitwohnsitze weichen, die sich heute weit den Hang hinunterziehen. Von der einst bewirtschafteten Alpe Agra im Wald oberhalb des Dorfes ist nur der Name geblieben, alle Gebäude sind verschwunden. Cademario war wegen der einzigartigen und von Nordwind geschützten Aussichtslage, des milden Klimas und der ganztägigen Besonnung in den 1910er-Jahren eines der ersten Dörfer des Luganese, das für den Tourismus entdeckt wurde.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Cademario, Kirche Sant'Ambrogio vecchio
 
Kurhaus kurz nach seiner Fertigstellung
  • Alte Pfarrkirche Sankt Ambrosius (Sant’Ambrogio vecchio) und Friedhof: Die romanische Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde wahrscheinlich auf den Grundmauern einer älteren Kirche erbaut. Im 14. Jahrhundert wurde sie mit einem Seitenschiff ergänzt und mit Fresken ausgeschmückt, von denen sich Reste erhalten haben. Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche ein weiteres Mal erweitert. Ihre Achse wurde dabei nach Norden gedreht, ein rechteckiger Chor wurde angebaut sowie das Bodenniveau angehoben. Das letzte Mal renoviert wurde die Kirche 2004. Sie ist im Kulturgüterschutz-Inventar der Schweiz gelistet[4][5] und Friedhof
  • Pfarrkirche Sant’Ambrogio (ehemalige Santa Maria del Popolo)[4][6] Sie entstand im frühen 17. Jahrhundert, später wurde sie vergrössert und 1833 neu geweiht.
  • Kurhaus Cademario, Architekten: Arnoldo Ziegler, Achille Galli. 1914 errichtete der Naturheilarzt Adolf Keller auf einer Höhe von 850 Metern inmitten eines 10'000 m² grossen Parks hoch oberhalb des Dorfes das Kurhaus Cademario, das damals höchstgelegene Kurhaus des Kantons[4]. Keller setzte auf die Methoden des Naturheilers Arnold Rikli (1823–1906). Fleisch und Alkohol waren untersagt, dafür gab es vegetarische Diätkost, Kräutertee und Sonnenbäder, streng nach Geschlechtern getrennte Frischluft-Gymnastik und Barfuss-Spaziergänge zu allen Jahres- und Tageszeiten sowie Bäder im ungeheizten Freiluft-Schwimmbad, dem ersten des Kantons[7]. Zum Kurhaus gehört eine von Keller angelegte Parkanlage mit der bedeutendsten Kakteensammlung des Kantons Tessin. 1917 wurde das Kurhaus zusammen mit dem Kurhaus Monte Bré zur Kuranstanstalten A. G. vereinigt. Die ärztliche Leitung hatte Keller, die wirtschaftliche Max Pfenning. In den Jahren 1924/25 wurde das Kurhaus durch den Anbau des Westflügels erweitert. Keller betrieb das Kurhaus bis zu seinem Tod 1969. Noch zwei Generationen wurde das Haus von der Familie Keller geleitet. In den 1980er und 1990er Jahren wurde ein modernes, der Öffentlichkeit zugängliches Wellnesszentrum gebaut. 2006 kam es in den Besitz der Hotelgruppe Tessal SA. Für gut 30 Millionen Franken wurde es während vier Jahren zu einem luxuriösen Wellness-Hotel umgebaut. Die Gebäudehülle ist nach wie vor denkmalgeschützt. Der unterste Teil der terrassenartig oberhalb des Kurhauses von Keller angelegten Gartenanlage mit Blumen und Kräutern musste Rasenflächen weichen. Erhalten hat sich die Aussichtsterrasse im obersten Teil und das Gewächshaus mit Kellers Kakteensammlung.[4] neue Baute (1924/1925), Architekt: Otto Heidemann[8]
  • Die Nekropole im Ortsteil Forcora ist im Kulturgüterschutz-Inventar der Schweiz gelistet[4][9]
  • Naturreservat Alpe Agra, eingetragen im Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung.[10]
  • Schalenstein im Ortsteil Quadrella (800 m ü. M.)[11]

SportBearbeiten

Die Associazione Sportiva Cademario[12] (Abk. AS Cademario, Cademario oder im Dialekt "Canvée") ist ein im Jahre 1925 gegründeter Fussballverein. Er spielt derzeit (2017) in der 3. Liga der Federazione Ticinese di Calcio[13]. Cademario wurde fünf Mal Meister der ehemaligen Malcantonesischen Liga in den Saisons 1944/45, 1945/46, 1953/54 und 1954/55 und 1958/59.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Cademario – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Cademario auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 11. Juli 2017).
  3. Bernardino Croci Maspoli: Cademario. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 15. Februar 2005.
  4. a b c d e Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 395–397.
  5. Alte Pfarrkirche Sankt Ambrosius
  6. Pfarrkirche Sant’Ambrogio (ehemalige Santa Maria del Popolo)
  7. Kurhaus Cademario
  8. Fabrizio Panzera u. a.: I cento anni del Kurhaus di Cademario. Una tradizione che continua Edizioni Ticino Management, anno 14, numero 63, Lugano novembre 2014
  9. Nekropole bei Forcora
  10. Decreto di protezione dello Stagno Agra
  11. Franco Binda: Il mistero delle incisioni, Armando Dadò editore, Locarno 2013, S. 48–49.
  12. Associazione Sportiva Cademario (italienisch) auf ascademario.ch
  13. Federazione ticinese di calcio - Federazione ticinese di calcio. Abgerufen am 20. Januar 2017 (italienisch).