Baumbesetzung

Eine Baumbesetzung ist eine meist öffentlichkeitswirksame Aktionsform von Umweltschützern, mit der auf eine durch Infrastrukturmaßnahmen bedrohte Natur aufmerksam gemacht werden soll. Der besetzte Baum steht daher meist stellvertretend für eine bedrohte Natur. Baumbesetzung ist eine Form der Direkten Aktion. Gesetzesverstöße werden mit dem Verweis auf höhere Werte von den Besetzern in Kauf genommen. In der Regel finden Baumbesetzungen unmittelbar vor der zu erwartenden Fällung statt. Durch ihren spektakulären Einsatz versuchen Baumbesetzer so, die Umsetzung einer bereits getroffenen Entscheidung zu verhindern.

AktionenBearbeiten

 
Die durch Robin Wood besetzte Buche in Dresden
 
RobinWood-Aktivisten und Plattformen in der Buche

Die längste Baumbesetzung in Deutschland wurde 2010 von Mitgliedern der Aktionsgemeinschaft Robin Wood durchgeführt. 34 Tage besetzten ununterbrochen zwischen vier und elf Menschen eine fast 300-jährige Rotbuche in Dresden, um damit den Bau der Waldschlößchenbrücke zu verhindern. Die besetzte Buche wurde schließlich von einem Sonderkommando der Polizei geräumt und anschließend gefällt.[1]

Weitere Aufsehen erregende Baumbesetzungen in Deutschland waren:

  • im Kelsterbacher Wald bei Frankfurt im Jahr 2009[2]
  • im Hamburg-Altonaer Gählerpark wurden im Winter 2009 / 2010 von Anwohnern, unterstützt von Robin Wood, über drei Monate fünf Bäume besetzt und bewohnt und damit erfolgreich die von Vattenfall Europe geplanten Fällungen von rund 400 Bäumen für den Bau einer Abwärmeleitung für das im Bau befindliche Kohlekraftwerk Moorburg verhindert.[3]
  • im Stuttgarter Schlossgarten von 2010 bis 2012[4]
  • im Hambacher Forst seit dem Jahr 2012 nahezu durchgehend.
  • im Treburer Oberwald östlich des Flughafens Frankfurt am Main wurden von Januar bis November 2018[5], unterstützt von Robin Wood,[6] Bäume besetzt, um damit den Bau eines Autobahnzubringers zur Bundesautobahn 5 für das im Bau befindliche Terminal 3 zu verhindern.[7]
  • der Dannenröder Wald ist seit dem 1. Oktober 2019 von ca. 100 Aktivisten, die sich für die vollständige Erhaltung des Waldes einsetzen und eine Rodung durch den Bau der Bundesautobahn 49 (A 49) verhindern wollen, besetzt. Das Protestcamp erhält hessen- und bundesweite Aufmerksamkeit.[8][9]
  • In der Innenstadt von Ravensburg besetzten Aktivisten seit dem 12. Dezember 2020 einen Baum, um auf das Nichthandeln der Stadt aufmerksam zu machen.[10][11] Nach der ersten Räumung bauten sie am nächsten Abend ein neues Baumhaus.[12][13]

Die weltweit bekannteste und längste Baumbesetzung ging von der US-amerikanischen Umweltaktivistin Julia Butterfly Hill aus. Sie lebte aus Protest gegen die Firma Pacific Lumber 738 Tage (über zwei Jahre) auf einem Küstenmammutbaum (Redwood) in Kalifornien. Ihr Alltag spielte sich auf zwei verhältnismäßig kleinen Holzplattformen ab, die in etwa 60 Meter Höhe mit Seilen befestigt waren. Im zweiten Jahr ihrer Besetzung errichteten zwei Mitglieder der Umweltschutzorganisation Earth First!, die die Baumbesetzung unterstützte, noch eine dritte Plattform. Diese befand sich nur in etwa 30 Metern Höhe und diente als Presse- und Besucherplattform. Julia Butterfly Hill benutzte Klettergurt und Seil für den Auf- und Abstieg und anfangs zwischen den Plattformen. Später bewegte sie sich in den Ästen der Baumkrone, wo sie die meiste Zeit verbrachte, ungesichert. Die Baumbesetzung des etwa 600 Jahre alten Redwoods verlief erfolgreich. Nach Verhandlungen erklärte sich der Chef von Pacific Lumber am 18. Dezember 1999 einverstanden, den Baum und ein Gebiet von 12.000 m² um ihn herum unter Schutz zu stellen.[14]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Polizei beendet Baumbesetzung. Süddeutsche.de, 17. Mai 2010, abgerufen am 12. November 2013.
  2. Ganz oben. (Nicht mehr online verfügbar.) Greenpeace Magazin, Januar 2010, archiviert vom Original am 13. November 2013; abgerufen am 13. November 2013.
  3. Blicklicht, TU Cottbus: Moorburgtrasse gestoppt – Baumbesetzung beendet (Memento vom 23. Januar 2016 im Internet Archive) (PDF; 286 kB), abgerufen am 5. August 2017
  4. Gute Aktionen für K21. (Nicht mehr online verfügbar.) Robin Wood Internetseite, 13. November 2013, archiviert vom Original am 13. November 2013; abgerufen am 13. November 2013.
  5. Protestcamp am Flughafen geräumt. In: Frankfurter Rundschau. 6. November 2018, abgerufen am 23. November 2018.
  6. Baumbesetzung gegen drohenden Kahlschlag für den Frankfurter Flughafen – Robin Wood. In: robinwood.de. 12. Januar 2018, abgerufen am 23. Januar 2018.
  7. Protest gegen Bau von neuem Flughafen-Terminal. In: welt.de. 17. Januar 2018, abgerufen am 23. Januar 2018.
  8. Ein Besuch bei den Aktivisten im Dannenröder Forst: „Wir gehen nicht weg!“ 23. Juli 2020, abgerufen am 1. August 2020 (deutsch).
  9. Süddeutsche Zeitung: Ärger nach Urteil zum A49-Ausbau: Waldbesetzer bleiben aktiv. Abgerufen am 1. August 2020.
  10. Start. Abgerufen am 11. Januar 2021.
  11. Stadt lässt Ravensburger Klimacamp räumen. Abgerufen am 11. Januar 2021.
  12. ZEIT ONLINE. Abgerufen am 11. Januar 2021.
  13. SWR Aktuell Baden-Württemberg: Klimaschutz-Baumhaus in Ravensburg von Polizei geräumt | ARD Mediathek. Abgerufen am 11. Januar 2021.
  14. Julia Butterfly Hill: Die Botschaft der Baumfrau, Riemann Verlag, ISBN 3-570-50015-2