Albert Kitzl

rumänisch-deutscher Schauspieler

Albert Kitzl (* 1943 in Bakowa, Königreich Rumänien) ist ein rumänisch-deutscher Schauspieler.[1][2]

LebenBearbeiten

Anfangsjahre in RumänienBearbeiten

Kitzl wurde im rumänischen Banat geboren, in einem Dorf, das nur wenige Kilometer vom Geburtsort der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller entfernt liegt. Seine Familie gehörte zur deutschsprachigen Minderheit der Banater Schwaben.

Er absolvierte von 1969 bis 1973 ein insg. vierjähriges Studium an der Staatlichen Film- und Schauspielhochschule in Bukarest. Bereits während seines Studiums spielte er am Deutschen Staatstheater Temeswar. 1969 trat er dort in Die Kaktusblüte auf. Nach seinem Studienabschluss wurde er zunächst an das Jüdische Staatstheater Bukarest verpflichtet. Später ging er dann ans Bulandra-Theater nach Bukarest. 1977 kam Kitzl als Spätaussiedler nach Deutschland.[3]

Theater in DeutschlandBearbeiten

Er hatte Theaterengagements in Essen, am Stadttheater Bern, am Schauspielhaus Frankfurt, am Schauspielhaus Köln (in der Spielzeit 1984/85 als La Hire in Die Jungfrau von Orleans; Regie: Jürgen Flimm) und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. 1987 war er von Peter Zadek an das Deutsche Schauspielhaus Hamburg engagiert worden, wo er 1987 als Reineke Fuchs von Johann Wolfgang von Goethe in der Regie von Michael Bogdanov auftrat.[3] Weitere Engagements hatte er am Schauspielhaus Düsseldorf (1993 als Basow in Sommergäste von Maxim Gorki) und am Theater in der Josefstadt in Wien.

Mehrfach trat Kitzl in Theaterstücken des israelischen Dramatikers Jehoschua Sobol auf, 1987 in seinem Debüt am Deutschen Schauspielhaus Hamburg in Die Palästinenserin (Regie: David Mouchtar-Samorai, mit Renan Demirkan) und 1996 im Rahmen der Wiener Festwochen in der Uraufführung des Stücks Alma – A Show Biz ans Ende (UA im Sanatorium Purkersdorf, Regie: Paulus Manker, mit Susi Nicoletti, Johanna Wokalek, Paulus Manker und Leon Askin), das 1999 verfilmt wurde. 1998 gastierte er bei den Bad Hersfelder Festspielen.

In der Spielzeit 2001/02 war er festes Ensemblemitglied am Schauspiel Frankfurt. Dort trat er als Polonius in Hamlet, als Oronte in Der Menschenfeind und als Bauer Veit Tümpel in Der zerbrochne Krug auf. 2004 spielte er am Schauspiel Frankfurt gemeinsam mit Felix von Manteuffel in Denis Diderots Dialog Rameus Neffe.[4] In der Spielzeit 2003/04 übernahm er an den Hamburger Kammerspielen die Rolle des Truffaldino in Carlo Goldonis Lustspiel Der Diener zweier Herren; Regie führte Michael Bogdanov.[5][6] 2005 gastierte er an den Hamburger Kammerspielen mit Rameus Neffe in der Produktion des Schauspiels Frankfurt. In der Spielzeit 2007/08 trat er am Schauspiel Köln als Patenonkel Risto Mihaijlov in dem Theaterstück Fremdes Haus von Dea Loher auf. 2009 verkörperte Kitzl am Schauspiel Köln, neben Helga Uthmann (Theater Dortmund) und Lucas Gregorowicz, den alten Ehemann Petey Boles in Harold Pinters Frühwerk Die Geburtstagsfeier.[7] 2011 spielte er in einer Inszenierung von Alvis Hermanis an den Städtischen Bühnen Köln in der Halle Kalk den Diener Sachar in einer Bühnenfassung des Romans Oblomow.[8]

Film und FernsehenBearbeiten

Erste Filmrollen spielte Kitzl Ende der 1970er Jahre in Rumänien. Ab Anfang der 1980er war er regelmäßig in deutschsprachigen Kino- und Fernsehproduktionen zu sehen. Kitzl übernahm dabei meist prägnante Nebenrollen. Oft spielte er Figuren mit Migrationshintergrund. Er wurde, aufgrund seines südländischen Aussehens, häufig als Türke, Italiener, Grieche, Rumäne oder Araber besetzt.

Kitzl hatte Kinorollen in den Spielfilmen Charlie & Louise – Das doppelte Lottchen (1994, als Sülo), Long Hello & Short Goodbye (1999; als Drogendealer), Absolute Giganten (1999; als Boss und Elvis Presley-Imitator), September (2003; als Herr Moshen) und Dreiviertelmond (2011; als Herr Arslan). In dem Filmprojekt The Tulse Luper Suitcases (2003) von Peter Greenaway spielte er im 1. Teil The Moab Story einen Zigeuner und Mechaniker aus Bukarest.[3]

Er wirkte in den Fernsehfilmen Reise in die Nacht (1998, neben Ulrike Kriener als türkischer Anwalt Ali Dicle), Der Preis der Sehnsucht (1999, neben Christiane Hörbiger als Pavel, der kranke Vater des Callboys Aleksandr), Frische Ware (2000, als gerissener Hausierer Köpferl Hansei), Operation Rubikon (2002, als Waffenschieber Anton Czarny) und Schimanski: Das Geheimnis des Golem (2004, als Herr Fränckel, Mitglied der Jüdischen Gemeinde) mit.

Mehrfach war Kitzl auch in der Krimireihe Tatort zu sehen: in Tatort: Kleine Diebe (2000, als Rumäne Popescu), in Tatort: Tod aus Afrika (2006, als aus Tschetschenien stammender Asylant Jaragi) und Tatort: Schwindelfrei (2013, als Techniker Wasili). In dem Donna Leon-Krimi Wie durch ein dunkles Glas (2009) hatte er eine kleine Rolle als Trattoria-Besitzer. In dem ZDF-Fernsehfilm Mutter muss weg (2012) spielte er neben Bastian Pastewka und Judy Winter den Auftragskiller Josip.

Kitzl wirkte auch in zahlreichen Fernsehserien mit. In der ARD-Vorabendserie Motzki hatte er 1993 eine durchgehende Serienrolle als türkischer Gemüsehändler Gülüsan Ükzknürz. Außerdem übernahm er Episodenrollen in den Fernsehserien Rennschwein Rudi Rüssel (2008, als Onkel Rakim), SOKO Wien (2009, als Rumäne Radu Brucan), SOKO Stuttgart (2010, als serbischer Lokalwirt Milan Saric) und Forsthaus Falkenau (2013, als Schäfer Georgios).

In dem ZDF-Fernsehfilm Nägel mit Köppen (2012) verkörperte er den Griechen Dimiris. Er spielte die Urlaubsbekanntschaft der weiblichen Hauptfigur Petra Koslowski (Ulrike Kriener), der nach vielen Jahren erfährt, dass er Vater eines unehelichen Sohnes ist. In dem Fernsehfilm Bis zum Ende der Welt, der im November 2014 in der ARD-Themenwoche „Toleranz“ erstmals ausgestrahlt wurde, verkörperte Kitzl, an der Seite von Christiane Hörbiger, den Großvater Silvano, das Familienoberhaupt einer Roma-Familie. In der ARD-Krimireihe Der Kroatien-Krimi hatte er im dritten Film Mord auf Vis (Erstausstrahlung: Januar 2018) eine der Episodenrollen; er spielte den alten Zeugen Marko, den mit dem örtlichen Polizeichef ein schreckliches Geheimnis aus der Vergangenheit verbindet.[9][10] Im November 2018 war er in der ZDF-Serie Die Spezialisten – Im Namen der Opfer an der Seite von Natalia Bobyleva in einer Episodenhauptrolle zu sehen; er war der Russlanddeutsche Waldemar Kremer, der im Alkoholexzess seinen eigenen Sohn getötet hat, von dem er annahm, dass er ermordet worden war.[11] In der ARD-Krimireihe Der Prag-Krimi hatte er im zweiten Fall Der kalte Tod (Erstausstrahlung: Dezember 2018) ebenfalls eine der Episodenrollen; er spielte den alten Jan Koller, der als Hausmeister in einer Prager Senioren-WG lebt, und mit seinem Sohn, dem Kriminalermittler der Fernsehreihe, nichts mehr zu tun haben will.[12]

SprechertätigkeitBearbeiten

Kitzl wirkte auch als Sprecher für Hörspiele und Hörbücher.[1] Über den Erzählband Niederungen wurde er auf das literarische Werk seiner Landsmännin Herta Müller aufmerksam.[1] Er nahm Kontakt zu ihr auf und ist seitdem mit ihr befreundet.[1] Niederungen nahm er gemeinsam mit Marlen Diekhoff als Hörbuch auf.[1] 2014 sprach er die Titelrolle des Kotzbrockens in dem Kinderhörspiel Sultan und Kotzbrocken in einer Welt ohne Kissen von Claudia Schreiber in einer Produktion des SWR.[13]

PrivatesBearbeiten

Kitzl ist verheiratet.[14] Seine Frau war Tänzerin.[14] Kitzls Tochter Joanna Kitzl ist ebenfalls Schauspielerin.

Kitzl lebte seit 1987 mit seiner Familie in Hamburg.[3] Er lebt aktuell (Stand: November 2018) in Berlin.[2]

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

Hörspiele (Auswahl)Bearbeiten

  • 2008: Verhandlungssache (Radio Tatort, WDR), Rolle: Hasan Arif, Regie: Thomas Leutzbach
  • 2010: Testosteron (Radio Tatort, WDR), Rolle: Arthur Kowallek, Regie: Claudia Johanna Leist
  • 2010: Warlords (Radio Tatort, WDR), Rolle: Arthur Kowallek, Regie: Claudia Johanna Leist
  • 2010: Osman – Der Dschinn in der Klemme (Dreiteiler), Regie: Thomas Werner (WDR)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Albert Kitzl Kurz-Vita bei Hörbuch Hamburg. Abgerufen am 3. Januar 2015
  2. a b Albert Kitzl bei schauspielervideos.de
  3. a b c d Der Diener mehrerer Herren. In: Hamburger Abendblatt vom 13. Mai 2004
  4. Manisch-depressiver Diderot: Felix von Manteuffel und Albert Kitzl spielen "Rameaus Neffe" im Frankfurter Schauspiel in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2. Mai 2004. Abgerufen am 3. Januar 2015
  5. Zwei Herren dienen dem Diener zweier Herren in: DIE WELT vom 12. Januar 2004
  6. Albert Kitzl brillierte als Vollblutkomödiant. In: Hamburger Abendblatt vom 19. Januar 2004
  7. Harold-Pinter-Inszenierung: Warten auf den Abtransport Aufführungskritik in Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 10. Juni 2009. Abgerufen am 3. Januar 2015
  8. SEHNSUCHT SAMOWAR (Memento vom 4. Januar 2015 im Internet Archive). In: Kölner Theaterzeitung. März 2011. Abgerufen am 3. Januar 2015
  9. Der Kroatien-Krimi: Mord auf Vis. Handlung, Besetzung und Bildergalerie. Offizielle Internetpräsenz Das Erste. Abgerufen am 14. November 2018.
  10. Albert Kitzl spielt Mirko. Offizielle Internetpräsenz Das Erste. Abgerufen am 14. November 2018.
  11. Die Spezialisten - Im Namen der Opfer: Shenjas Rückkehr. Handlung und Bildergalerie. Prisma.de. Abgerufen am 14. November 2018.
  12. Der Prag-Krimi: Der kalte Tod. Handlung und Besetzung. Offizielle Internetpräsenz Das Erste. Abgerufen am 14. November 2018.
  13. Sultan und Kotzbrocken in einer Welt ohne Kissen (2/4). Inhalt, Besetzung und Produktionsdetails. Abgerufen am 3. Januar 2015
  14. a b Joanna Kitzl. Vita bei Family Style Management Ltd. Abgerufen am 9. August 2019.