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Das 17. Jahrhundert begann am 1. Januar 1601 und endete am 31. Dezember 1700. Die Weltbevölkerung zu Beginn dieses Jahrhunderts wird im Mittel auf 560 Millionen Menschen geschätzt, während sie zum Ende des Jahrhunderts schätzungsweise auf 600 Millionen Menschen anstieg.[1]

Die im 16. Jahrhundert begonnene Vernetzung aller Kontinente, u. a. durch ein globales Handelsnetz, intensivierte sich in diesem Jahrhundert weiter. Dabei traten die Niederländer als globale Handelsmacht hervor und drängten die iberischen Reiche zurück. Auch Frankreich und in zunehmenden Maße England engagierten sich im Welthandel. Der Einfluss der Europäer blieb im globalen Maßstab beschränkt, da China und Indien die weltweit größten Volkswirtschaften waren und das Osmanische Reich seine starke Position behielt.[2] So charakterisierte ein frühneuzeitliches Gleichgewicht zwischen den Weltregionen den globalen Handel.[2]

Die klimatischen Bedingungen auf dem Höhepunkt der kleinen Eiszeit führten zu Ernteausfällen, denen Hungersnöte und Seuchen folgten. Da zusätzlich zahlreiche verlustreiche Kriege geführt wurden, gewannen sowohl viele Zeitgenossen als auch nachfolgende Historiker den Eindruck, dass es sich beim 17. Jahrhundert um ein Krisenjahrhundert handelte.[3] Das Krisenphänomen trat jedoch regional und zeitlich in sehr unterschiedlicher Intensität auf.[3] Machtpolitische Auseinandersetzungen wurden durch konfessionelle und religiöse Gegensätze stark aufgeladen und verstärkten diese noch. Von diesen war der Dreißigjährige Krieg, der große Teile Mitteleuropas verwüstete und dessen Bevölkerung signifikant reduzierte, eine der heftigsten Auseinandersetzungen. Innenpolitische Auseinandersetzungen oft entlang der Konfessionsgrenzen forderten in England, Polen und Frankreich hohe Opferzahlen. In vielen Reichen kämpften die Monarchen, die die politische Macht immer weiter zentralisieren und bürokratisieren wollten, gegen die Stände. Dieser Kampf ging regional sehr unterschiedlich aus. Während sich Frankreich zum Vorbild für den europäischen Absolutismus entwickelte, gewann in England das Parlament große Macht gegenüber dem Monarchen.

Nachdem es mit dem Versuch gescheitert war, Wien zu erobern, wurde das Osmanische Reich zunehmend schwächer, während die österreichischen Habsburger ihre Expansion auf dem Balkan begannen und ihr Reich zum Vielvölkerstaat wurde. Russland und das indische Mogulreich setzen ihre im vorherigen Jahrhundert begonnene Expansion ihrer Reiche zu eurasischen Imperien fort. Auch China begann seinen Expansionsprozess, nachdem es zuvor mit der Machtergreifung der mandschurischen Qing-Dynastie einen Umbruchprozess mit zahlreichen Kriegsopfern und wirtschaftlichem Niedergang erlebt hatte. Das zuvor geeinigte Japan beschränkte sich auf den territorialen Status quo und reduzierte seine Außenkontakte stark.

Die Nachfrage der Plantagenwirtschaft der Karibik und Lateinamerikas nach Arbeitskräften wurde durch eine immer größere Zahl afrikanischer Sklaven befriedigt. Dehnten die Niederländer ihr Kolonialreich besonders in Südostasien aus, begannen England und Frankreich die Kolonisation Nordamerikas.

Inhaltsverzeichnis

EuropaBearbeiten

Das Europa des 17. Jahrhunderts wird der Epoche der frühen Neuzeit zugerechnet.[4] Der Kontinent gliederte sich in zahlreiche christlich geprägte Territorialreiche. Am Ende des Jahrhunderts beherrschten die katholischen spanischen Habsburger immer noch einen großen Teil der iberischen Halbinsel, Süditaliens und die spanischen Niederlande, verloren aber Portugal und die evangelischen nördlichen Niederlande endgültig. Das katholische Frankreich hatte sein Territorium um bedeutende Gebiete im Osten erweitert, während die englische Krone Irland, Schottland und das anglikanische England beherrschte. In der Mitte lag das in viele keine Fürstentümer zersplitterte Heilige Römische Reich deutscher Nation, dessen Kaiser ihr Heimatterritorium Österreich um die Gebiete Ungarns und des nördlichen Balkans erweiterten. Dabei drängten sie das Osmanische Reich auf dem Balkan zurück. Das evangelische Schweden dehnte sein Territorium ins Baltikum aus, während Polen die östliche Ukraine an Russland verlor.

Zentraleuropa und SüdosteuropaBearbeiten

Auseinandersetzungen um die konfessionelle Orientierung der Territorien im Heiligen Römischen Reich und die vom Kaiserhaus betriebene Gegenreformation eskalierten 1618 im Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs. Er führte in Mitteleuropa zu einer politischen und wirtschaftlichen Katastrophe. Der deutschsprachige Raum geriet in den Brennpunkt europäischer Interessen. Schweden unterstützte im Dreißigjährigen Krieg offiziell die deutschen Protestanten, Frankreich nahm im Verlauf des Krieges eigene Machtinteressen als katholische Nation wahr. Söldnertruppen aus ganz Europa kämpften auf Seiten der verschiedenen Heerführer, die wie Albrecht Wallenstein erhebliche eigene Macht gewannen.

Die Kriegsführung nahm im Verlauf unkontrollierte Züge an: Städte wurden belagert und geplündert – die belagernden Armeen mussten aus dem Umland ernährt werden. Marodierende Söldnertruppen mussten sich selbst ernähren und taten dies ungezügelt mit Einsatz von Gewalt gegen die Landbevölkerung. Mitteleuropa erlitt im Verlauf der dreißig Jahre von 1618 bis 1648 einen Bevölkerungsrückgang und einen Einbruch der landwirtschaftlichen Produktivität. Der Westfälische Friede beendete 1648 die militärischen Auseinandersetzungen mit einer Bestätigung der Kompromissformel, die bereits ein Jahrhundert zuvor gefunden worden war: Die einzelnen Territorien erhalten die Macht, über die Religion im eigenen Land bestimmen zu können.

In Ausnutzung der Destabilisierung, die protestantische Gruppen im Balkangebiet und dem heutigen Ungarn der katholisch-habsburgischen Macht bereiten, riskiert das Osmanische Reich – heimlich von Frankreich unterstützt – in den frühen 1680ern einen Angriff auf Österreich, der aber in einem militärischen Debakel endet. Die Belagerung Wiens scheitert 1683, nachdem Truppen Polens, verschiedener Reichsterritorien und der Republik Venedig der Stadt zu Hilfe kommen. Namentlich Bayern, nach Bündniswechsel unter dem neuen Kurfürsten seit 1679 in Allianz mit Wien (statt Frankreich), engagiert sich an der „Befreiung“ Ungarns und des Balkans in den Kriegszügen der 1680er, die bis Belgrad und Temesvar gehen und den Grundstein für den späteren habsburgischen Vielvölkerstaat legen.

Mitteleuropa gewannen in den kriegerischen Auseinandersetzungen des Jahrhunderts nicht die Position, aus der sich eine wirtschaftliche Konsolidierung erzielen ließ. Nachteilig war für die deutschen Territorien dabei insbesondere die Binnenlage und die politische Zersplitterung. Lediglich Hamburg konnte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vom Seehandel erheblich profitieren – Hamburg dominierte den skandinavischen Handel und den Handel mit Zucker in Nordeuropa – fungierte jedoch nicht London vergleichbar als Hauptstadt. Leipzig gewann in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts unter den deutschen Städten gegenüber Nürnberg und Augsburg Gewicht durch die Messen, über die ein größeres Volumen des kontinentalen Ost-West-Handels abgewickelt wurde – eine politische Macht im deutschen Sprachraum kam Leipzig dabei ebenso wenig wie Hamburg zu.

WesteuropaBearbeiten

NiederlandeBearbeiten

 
Am Ende des zweiten Englisch-Niederländischen Krieges (1665–1667) brannten die Niederländer englische Schiffe auf dem Medway nieder.

Das 17. Jahrhundert wird als goldenes Zeitalter der nördlichen Niederlande bezeichnet.[5] Die Republik der Vereinigten Niederlande erlangte im vorherigen Jahrhundert die faktische Unabhängigkeit von Spanien, die sie bis zu ihrer formalen Anerkennung im Westfälischen Frieden von 1648 immer wieder gegen die Iberer verteidigte. Dies hielt sie jedoch nicht davon ab, das europäische Machtvakuum des beginnenden Jahrhunderts auszunutzen und zur europäischen Großmacht und zur Welthandelsmacht aufzusteigen. Grundlage des Aufstiegs war die politische und wirtschaftliche Struktur, die sich von den anderen europäischen Reichen grundlegend unterschied. Der Staatsverband aus verschiedenen Provinzen wurde von einer ständischen Versammlung, den Generalstaaten, geleitet.[6] Daneben gab es das Amt eines Statthalters, das erblich durch Mitglieder des Hauses Oranien-Nassau besetzt wurde.[6] Die Machtstellung der Statthalter, deren Aufgabe es war sich um Justiz, Religionsangelegenheiten und Militär zu kümmern, schwankte im Laufe des Jahrhunderts.

Im Gegensatz zu seinen europäischen Nachbarn, dessen Bevölkerung zum weit überwiegenden Teil in der Landwirtschaft arbeitete, war in den Niederlanden der Produktions- und später auch der Dienstleistungssektor bedeutender. Alle drei Sektoren konzentrierten sich auf Geschäftsbereiche, bei denen mit wenig Arbeitseinsatz hohe Erträge erzielt werden konnten. Viele Rohstoffe, wie Getreide aus dem Ostseeraum, konnten die Niederländer günstig importieren.[5] Ein gelungenes Zusammenspiel von modernster Schiffbautechnik und innovativen Finanzdienstleistungen führte zu den mit Abstand günstigsten Frachtraten. So erlangten die Nordwesteuropäer eine Vormachtstellung im Welthandel, die sie militärisch absicherten. Die Amsterdamer Börse war die Bedeutendste Europas und der Gulden, eine stabile Währung, fand weltweit Anerkennung.

In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts machten die Engländer den Niederländern die Vorherrschaft im Welthandel mit mehreren Kriegen streitig. Im Frieden von Breda des Jahres 1667, der federführend von Johan de Witt ausgehandelt wurde, einigten sich beide auf eine Abgrenzung ihrer Kolonial- und Handelsinteressen. Im darauffolgenden Holländischen Krieg, einem See- und Landkrieg, kämpften England und Frankreich zusammen, um die Niederlande territorial zu schwächen. Nur durch die Flutung eines Teils ihres Landes konnten sich die Niederländer unter hohen Kosten retten.[6] Die zunehmend merkantilistische Abschottungspolitik der europäischen Großmächte, insbesondere Englands, schwächten die trotz der weltweiten Präsenz stark vom europäischen Handel abhängige niederländische Wirtschaft. So löste England die Niederlande in ihrer Stellung als Welthandelsmacht ab.

EnglandBearbeiten

Eine eigene Konfliktsituation religiös-staatlicher Dimension wurde in England ab den 1640ern ausgetragen. Die Macht der regierenden Stuarts insbesondere auf dem Gebiet der Religion fand hier nur geteilte Anerkennung. Es entstand eine Spaltung zwischen Anhängern des Königs, Royalists, und Anhängern des Parlaments, Roundheads. Beide Strömungen sprachen (ab den 1680ern gefolgt von den Tories und Whigs) bis in das 18. Jahrhundert ein breites Spektrum an Strömungen im konfessionell politischen Kampf an: Die einen mit Parteigängern, die (heimlich) die Rekatholisierung befürworteten, sowie mit Gruppen, die explizit für eine Stärkung der Anglikanischen Kirche in ihren hohen Würden eintraten; die anderen mit Angeboten einer Stärkung bürgerlicher Rechte, deren Schutz das Parlament übernehmen sollte. Sie rekrutierten sich in den 1640ern vor allem aus dem puritanischen Lager. 1649 wurde in einer revolutionären Erhebung des Parlaments Karl I. hingerichtet. Sein Sohn Karl II. begab sich in französischen Schutz, während in England die Gewaltherrschaft Cromwells anbracht, die 1660 endete, als sich zeigte, dass das neue Regime nicht in der Lage war, eine Kontinuität der Herrschaft über Cromwells Tod hinaus herzustellen. Karl II. wurde im Akte der „Restauration“ ins Land zurückgeholt und König gegenüber einem Parlament, dem er erhebliche Macht einräumen musste.

Eine geschlossene neue politische Situation richtete sich in den 1680ern ein: England erlebte 1688 eine zweite Revolution, der Nachfolger Karls II. wurde, da er eine Rückführung der Nation in den Katholizismus befürchten ließ, abgesetzt und mit militärischer, vom Parlament organisierter Gewalt aus dem Land vertrieben. Sein Rückzug verlief über Irland nach Frankreich. Die Regentschaft wurde dem mit einer englischen Erbin verheirateten Wilhelm III. zugesprochen, dem Regenten, der in den 1670ern den Widerstand der Niederlande gegen Frankreich organisierte. Als Frankreich 1689 die Pfalz angriff, trat Wilhelm III. maßgeblich für das Bündnis der ihm unterstehenden Machtbereiche der Niederlande und Englands mit dem Reich ein. Eine europäische Allianz gegen Frankreich mit Dauer bis 1698 war die Folge. Im Spanischen Erbfolgekrieg fand sie 1701–1712 ihre zweite Auflage.

England etablierte in den beiden Revolutionen ein neues politisches System der weltlichen Parlamentsmacht gegenüber der Monarchie. Die Glorious Revolution machte denkbar, was nach der ersten Revolution und der Enthauptung Karls I. undenkbar schien: Dass ein Parlament friedlich bestimmen kann, welcher Regent die Macht im Interesse der jetzt unabhängigen Bürger ausübt.

England hatte bis in die 1660er kaum eine Möglichkeit mit den Niederlanden zu konkurrieren. Der Bürgerkrieg verhinderte in den Jahren 1640 bis 1660 eine Bündelung der Kräfte zwischen Londons Wirtschaftsmacht und der englischen Krone. Die 1660er brachten England zunächst nur eine unsichere Stabilität – erst die Glorious Revolution von 1688 besserte die Lage. In ihren Folgen war diese zweite Revolution Englands für die Niederlande verheerender als die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen beiden Nationen in den 1670ern im Kampf um die Vormacht zur See. Die Glorious Revolution führte zur vorübergehenden Einigung der Nationen unter der Krone Wilhelms III. von Oranien, Wilhelm entschied sich als König von größtem Einfluss in seiner Heimat für militärische Aktionen der Niederlande und Englands gegen Frankreich – für Auseinandersetzungen, in denen England sich als die Macht herauskristallisierte, die in Europa das Gleichgewicht der Mächte bestimmen konnte.

Zu den Faktoren, die Ende des 17. Jahrhunderts Amsterdam gegenüber London an Macht als Finanzumschlagplatz verlieren ließen, gehörten neben der politischen Stabilisierung auch die der englischen Währung. Die international stabile Münze war bis hierhin der niederländische Silbergulden. Die Währung mit Zukunft wurde das britische Pfund Sterling, das nach einer Entwertung des kursierenden Silbergeldes gegenüber dem kursierenden Gold (und nach konsequentem Abfluss des international gehandelten Silbers) gegenüber dem Gold stabilisiert wurde. England führte in dieser Krise effektiv die Golddeckung der eigenen Währung ein – ein zukunftsweisender Schritt. Zu einem weiteren Faktor, der London gewinnen ließ, gehörte mehr noch der nun massiv wachsende Handel mit den Kolonien und Indien.

FrankreichBearbeiten

 
Ludwig XIV. verkörperte das Bild des absoluten Monarchen.

Frankreich wurde im Laufe des Jahrhunderts politisch wie kulturell zur führenden Macht Europas.[6] Im jahrhundertelangen Dauerkonflikt mit den Habsburgern versuchte die französische Krone zunächst, deren Vormachtstellung in Europa durch Diplomatie und finanzielle Unterstützung von Kriegsparteien zu verhindern. Ab den 30er Jahren griff Frankreich zunehmend mit eigenen Armeen in die Konflikte ein.[7] Mit ihren Streitkräften, die unter Ludwig XIV. zum größten Heer Europas anschwollen,[6] vergrößerte die französische Krone ihr Territorium im Zuge der Reunionspolitik vor allem zulasten des Heiligen Römischen Reiches. Mit dem Frieden von Rijswijk, der dem Pfälzischen Erbfolgekrieg folgte, wurde 1697 die französische Expansion gestoppt. Die generische Allianz europäischer Großmächte zwang Frankreich erstmals zur Rückgabe eroberter Gebiete.

Nachdem die beiden Ersten Minister Kardinal Richelieu und Kardinal Mazarin die Königsmacht zunehmend gestärkt hatten, wurde Ludwig XIV. als Sonnenkönig zu einer Ikone des absolutistischen Königtums.[7] In mehreren Schritten beschnitten die Kardinäle die politische Macht der Stände. Im Jahr 1614 wurde ihre Versammlung, die Generalstände, zum letzten Mal einberufen und die Adelsopposition, wie die Hugenotten und die Anführer der Fronde, wurde politisch entmachtet oder getötet. Dem Sonnenkönig gelang es, den Adel auch örtlich an seinen Hof zu binden, indem er ihn in einem streng organisierten höfischen Zeremoniell um seine Gunst wetteifern ließ. Die höfische Prachtentfaltung steigerte nicht nur das königliche Prestige unter den französischen Adeligen,[6] sondern auch viele europäische Fürsten und Adelige wetteiferten dem französischen Vorbild nach.[7] Die starke Stellung Frankreichs in der Modewelt wurde in diesem Jahrhundert begründet.

Nach dem Konkordat des 16. Jahrhunderts hatten Frankreichs Monarchen großen organisatorischen und politischen Einfluss auf die katholische Kirche des Landes. Diesen in Geiste des Gallikanismus auszudehnen gelang Ludwig XIV. jedoch nicht. Im Bestreben einen einheitlichen Glauben in seinem Reich zu etablieren, unterdrückte der Monarch den Jansenismus und hob das Toleranzedikt von Nantes, das den 5 % Hugenotten Glaubensfreiheit zusicherte, auf.[7] Damit veranlasste er deren Exodus aus Frankreich.[6]

Die absolute Königsmacht war in der Praxis eingeschränkt. Einerseits erschwerten lange Verkehrswege und schlechte Kommunikation sowie passiver Widerstand die Durchsetzung der königlichen Befehle. Andererseits musste der Monarch Rücksicht auf örtliche Rechtsvorstellungen und Stände-Privilegien nehmen.[7] Da sich der oft wohlhabende Adel- und der Klerus aufgrund von Vorrechten weitgehend von Beiträgen zu den Staatseinkünften befreien konnten, musste der Dritte Stand die wachsenden Steuerlasten tragen. Aus diesem ragte das Rentierbürgertum, eine kleine Schicht von Landbesitzern und Kaufleuten, aufgrund ihres materiellen Wohlstandes heraus. Sie kauften die Ämter, die die Krone zur Einnahmenerzielung verkaufte, und konnten so ihren Stand erhöhen. Demgegenüber blieb die städtische Unterschicht und die 95 % der Bevölkerung umfassende Landbevölkerung relativ arm. Der Fronde-Aufstand und die höheren Militärausgaben führten in der zweiten Jahrhunderthälfte zu Hungersnöten und eine Schwächung der Wirtschaft.[7] Auch der Wegzug der hugenottischen Kaufleute und Facharbeiter minderte die Wirtschaftsleistung. In der zweiten Jahrhunderthälfte versuchte Jean-Baptiste Colbert im Auftrag der Krone, die Wirtschaft durch merkantilistische Maßnahmen zu beleben.[6] Er verfolgte eine auf Exportüberschuss ausgerichtete Zollpolitik, errichtete Manufakturen und verbesserte die Infrastruktur.

SpanienBearbeiten

Zu Beginn des Jahrhunderts setzte sich die Herrschaft der spanischen Habsburger-Monarchie aus vielen unterschiedlichen Territorien zusammen. Diese umfassten die gesamte iberische Halbinsel, Süditalien, die spanischen Niederlande und das iberische Kolonialreich.[6] Um ihr Reich zusammenzuhalten und ihre anfangs starke politische Machtposition zu behalten, führten die Könige zahlreiche Kriege. Zwar gelang es ihnen die Abspaltung einiger Territorien zu verhindern, doch mussten sie die Abtrennung Portugals und die endgültige Loslösung der nördlichen Niederlande hinnehmen. Auch die politische Hegemonie innerhalb Europas schwand im Laufe des Jahrhunderts.[6]

Die zahlreichen Teilkönigreiche unter der spanischen Krone waren sehr heterogen organisiert. Die Bemühungen der Krone, die Teilreiche politisch und wirtschaftlich zu vereinheitlichen, scheiterten und die lokalen Adeligen konnten ihre Macht sogar noch ausbauen.[6] Sie investierten unzureichend in ihre landwirtschaftlichen Güter. Unter anderem durch diesen Investitionsmangel und die hohe Inflation nahm die Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Wirtschaft gegenüber den west- und mitteleuropäischen Ökonomien stark ab.[6] Dies führte zu einem starken Handelsbilanzdefizit. Hinzu kam ein starker Bevölkerungsrückgang durch Seuchen und Hungersnöte sowie die Vertreibung der getauften Moslems, Morisken, die sich negativ auf die Wirtschaft auswirkten. Bemühungen die Wirtschaft zu reformieren scheiterten zunächst an der verschwenderischen Hofhaltung und den hohen Militärkosten. Erst am Jahrhundertende konnte Karl II. durch eine merkantilistische Politik die spanische Wirtschaft stärken und so die Grundlagen für den Wirtschaftsaufschwung im folgenden Jahrhundert legen.

Im Gegensatz zum wirtschaftlichen Niedergang steigerten der Hof und Adelige ihre Repräsentationskosten stark. Dies förderte eine Blüte großer Kreativität in Kunst und Literatur, sodass die Spanier trotz wirtschaftlichem Niedergang von einem "Goldenen Zeitalter" sprechen.[6] Die Literatur von Calderón de la Barca und die Bilder von Velázquez zeugen beispielhaft von diesem Glanz.

Nord- und OsteuropaBearbeiten

In Nordosteuropa setzte sich der im 16. Jahrhundert begonnene Konflikt um das Baltikum zwischen Schweden, Russland und Polen fort.[4] Zu Beginn des Jahrhunderts konnte sich dort Schweden unter König Gustav II Adolf durchsetzen und von Russland Ingermanland und von Polen Livland und einige wirtschaftlich lukrative Ostseehäfen gewinnen. Polen hatte zur selben Zeit in die Konflikte um den russischen Zarenthron eingegriffen und große Gebiete Russlands erobert. Zwar konnte es nicht die Besetzung des Zarenthrons beeinflussen, aber im Waffenstillstand von Deulino russische Territorien gewinnen und damit seine größte Ausdehnung erzielen.

In der zweiten Jahrhunderthälfte geriet Polen stark in die Defensive. Ein Kosakenaufstand, der Chmelnyzkyj-Aufstand, in der Ukraine eskalierte, führte zum Eingreifen Russlands und zum Verlust der Gebiete östlich des Flusses Dnepr an Russland.[8] Gleichzeitig nutzten Schweden und das Kurfürstentum Brandenburg die Schwäche Polens aus und besetzten weite Gebiete Polens. Der Vertrag von Oliva im Jahr 1660 sicherte Polen einen Großteil seines Territoriums und Schweden seine Vormacht im Baltikum. Die Kurfürsten von Brandenburg, die vorher das Herzogtum Preußen durch dynastische Nachfolge bekommen hatten, erhielten von Polen die volle Souveränität für dieses Gebiet. Mit dieser Souveränität begann nicht nur ihr Aufstieg im Heiligen Römischen Reich, sondern sie wurden auch ein Machtfaktor in Osteuropa. Im Süden wurde Polen vom Osmanischen Reich bedrängt. Die von ihm besetzten Teile der Ukraine erhielt Polen im Jahr 1699 zurück, nachdem es zur Niederlage der Osmanen bei Wien unter Johann III. Sobieski einen entscheidenden Beitrag geleistet hatte.[8]

Die Kriege der zweiten Jahrhunderthälfte forderten unter der polnischen Zivilbevölkerung große Opfer. Insbesondere die Schweden zerstörten bis zu einem Drittel der Dörfer und Städte. Dadurch sank die Getreideproduktion um mehr als die Hälfte.[8] Während des Kosakenaufstandes kam es zu größeren Pogromen gegen Juden[9] und Katholiken. Der polnische Adel, der sich ethnisch mit dem Sarmatismus legitimierte, hatte durch die Schollenpflicht der Bauern und die Institution der Wahlmonarchie eine sehr starke Stellung. Besonders in der zweiten Jahrhunderthälfte war der König auf seine finanzielle und militärische Unterstützung angewiesen und konnte selbst nur geringe Ressourcen für die Kriegsführung mobilisieren.[4] Der im vorherigen Jahrhundert begonnene Zuwachs des Einflusses der katholischen Kirche setzte sich in diesem Jahrhundert fort und die Glaubenstoleranz nahm ab.[8]

 
Territoriale Expansion Schwedens 1560–1660

Schwedens expandierte in diesem Jahrhundert zur europäischen Großmacht. Mit Hilfe königlicher Regalien und ausländischer vor allem französischer Unterstützungszahlungen konnte das skandinavische Land eine große schlagkräftige Armee aufbauen.[4] Nach der Expansion im Ostseeraum griff Schweden in den Dreißigjährigen Krieg ein, der ihm ertragreiche Territorien im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation einbrachte. Um neue Gebiete zu erobern und die bisher eroberten Territorien sowie die Vormachtstellung im Ostseeraum zu verteidigen, führte Schweden Kriege mit Polen, Dänemark und Brandenburg. Negative Folgen militärischer Niederlagen konnte Schweden durch diplomatische Erfolge bei den anschließenden Friedensverhandlungen weitgehend abwehren. Viele seiner Kriege waren durch Bündnisse verwoben mit anderen europäischen Kriegen.

In innenpolitischen Auseinandersetzungen schafften es die schwedischen Könige, die schwedischen Stände von ihren Kriegen zu überzeugen. Bürger und Kleinadelige wurden durch die Vergabe von Verwaltungsposten an den Gewinnen aus den eroberten Gebieten beteiligt.[4] Von den Aufträgen zur Ausrüstung der Armee profitierten in zunehmenden Maße Besitzer der neu gegründeten oder expandierenden Manufakturen der Metallverarbeitung, Waffenproduktion und Textilindustrie. Durch Propaganda, die Schweden als den Retter der Protestanten vor der vermeintlichen katholischen Expansion darstellte, sollte weitere Kriegsbegeisterung geweckt werden. Die schwedischen Armeen versorgten sich auf ihren Kriegszügen vornehmlich durch Plünderung der Ressourcen des Feindeslandes. Die Finanzierung der Armee in Friedenszeiten, aber auch die expandierende Hofhaltung Königin Christinas, brachten die Krone in finanzielle Schwierigkeiten.[4] Das starke Interesse der unteren Stände an der schwedischen Expansion führte zur Abgabe vieler Ressourcen an die Krone.[9] Damit hatten die schwedischen Könige zum Jahrhundertende große absolutistische Macht, mit der Karl XII. im Jahr 1700 in den Großen Nordischen Krieg ging.

 
Das russische Reich um 1700

Das 17. Jahrhundert begann für Russland mit einer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Krise, "Zeit der Wirren" genannt. Zahlreiche Usurpatoren rangen um den Zarenthron, während viele Russen gleichzeitig bei einer Hungersnot starben. Erst Michael Romanow, der 1613 Zar wurde und eine über 300-jährige Zarendynastie begründete, konnte das Land stabilisieren. Im Laufe des Jahrhunderts bauten die Zaren ein militärisch schlagkräftiges, autokratisches Reich mit Ausrichtung auf die Moskauer Zentrale weiter aus. Zwar gab es in Russland zahlreiche autonome Gruppen, doch sie waren nicht stark genug, um ein Gegengewicht zur Zentrale zu bilden.[9] Dies galt auch für die orthodoxe Kirche. Sie geriet in eine Krise, nachdem sich ein Teil der Gläubigen einer Ritenreform im Jahr 1667 verweigerte und ausgestoßen wurde.[9] Der ausgestoßene Kirchenteil konnte Verfolgungen und Diskriminierungen überstehen und existiert noch heute. Hingegen erholte sich die sich immer stärker differenzierende Wirtschaft und wuchs in der zweiten Jahrhunderthälfte, wobei die Zahl der Handwerker stieg.[9] Hörige und Bauern waren zwar durch die Schollenpflicht an den adeligen Grundbesitz oder ihr Dorf gebunden, hatten jedoch aufgrund der Weite des Landes oft die Gelegenheit zu fliehen.

Während des gesamten Jahrhunderts setzte Russland seine maßgeblich von Kosaken getriebene Expansion nach Osten durch Sibirien fort, die an der Pazifikküste ihren vorläufigen Halt fand. Wichtiger Antrieb war die Jagd und der Handel mit Fellen. Dieser wurde aufgrund der lukrativen Gewinne so extensiv betrieben, dass einige Tiere vor dem Aussterben standen.

Lebensbedingungen und ErnährungBearbeiten

Auch nach der Verbesserung der Lebensverhältnisse, die nach 1648 eintritt, bleibt die Sterblichkeit in Europa – und aller Welt – enorm hoch. Das hat hauptsächlich mit der fehlenden Hygiene zu tun, die für eine hohe Säuglingssterblichkeit sorgt. Die Berechnungen, die Edmond Halley Ende des 17. Jahrhunderts aufgrund der ihm aus Breslau zugänglich gemachten Daten durchführte, offenbaren, dass die Lebenserwartung insgesamt bei knapp über 17 Jahren lag. Wer die ersten Jahre überlebte, konnte allerdings hoffen, eines Tages eine Familie zu gründen und noch das Heranwachsen der Kinder zu erleben.

Man liest oft, Menschen seien mit 40 Jahren alt gewesen, da die Lebenserwartung allgemein niedrig lag. Alt war man ab 60. Es war ein anderes Problem, dass man kaum wusste, welche Krankheiten tödlich waren. Es gehörte zum Lebensgefühl des 17. wie des 18. Jahrhunderts, dass man ein schweres Fieber oder einen Infekt unverzüglich als Anzeichen einer womöglich tödlichen Krankheit sah.

Die Tuberkulose war zwischen 20 und 40 ein erhebliches Problem, wie auch das Kindbett mit seinen Infektionen für die gebärende Frau. Dennoch sollte man vorsichtig damit sein, mit den Statistiken ein spezielles „barockes Lebensgefühl“ steten Schwankens zwischen Leben und Tod zu verbinden. Das Lebensgefühl änderte sich erst mit dem ausgehenden 18. Jahrhundert und dem nun greifenden medizinischen Fortschritt.[10]

Bis etwa 1650 ernährte sich die Oberschicht sowohl der islamischen als auch der christlichen Welt von London bis Delhi nahezu gleich. Bis zu diesem Zeitpunkt bestimmten dicke, stark gewürzte Pürees oder Pasten (z. B. die Mandelsulz), süße oder säuerliche Soßen, gekochtes Gemüse und angewärmter, gewürzter Wein (Hypocras) den Speisezettel, alle Hauptgerichte wurden gezuckert. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts jedoch änderte sich in Mitteleuropa die Auswahl und Zusammensetzung der Speisen fundamental und ähnelte nun unseren Essgewohnheiten: Hauptgerichte wurden nicht mehr so stark gewürzt und Zucker wurde nur noch für die Nachspeise verwendet, Soßen wurden auf der Basis von Fetten und Ölen hergestellt und Obst und Gemüse wurde nun auch roh verzehrt. Der abrupte Wandel in der Ernährung spiegelt den Wandel im wissenschaftlichen und medizinischen Weltbild der Menschen jener Epoche wider, die u. a. die Verdauung nicht mehr als ein Vorgang des Garens, sondern als Gärung („Fermentation“) im Sinne einer chemischen Umsetzung verstanden. Gleichzeitig waren die Ärzte des 17. Jahrhunderts von den Lehren des Paracelsus (1493–1541) beeinflusst, der die vier Elemente der Antike durch die drei Prinzipien Sal, Sulfur und Mercurius ersetzte. Sal (Salz, Mehl) stellte hierbei das den Geschmack-gebende Prinzip dar, Mercurius (Essig, Wein, Fleischextrakt) stand für das flüchtige bzw. gasförmige Element und Sulfur (Öl, Butter, Schmalz) machte die Speisen fettig. Letzteres Prinzip, so die Vorstellung, besaß die Fähigkeit, Sal und Mercurius zu verbinden und bildete deshalb die Basis vieler Soßen. Die Unterschicht war von dieser Änderung in der Ernährungsweise kaum betroffen, musste sie sich doch weiterhin und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein von Hafergrütze und Mehl- bzw. Gemüsesuppen mit Brot ernähren.

Auch wenn die damalige Ernährungslehre heute seltsam anmuten muss, ist die westliche Küche auch heute noch vom damaligen Gedankengut geprägt, was sich sowohl in der Zusammensetzung der Speisen als auch in ihrer Abfolge eines Menüs widerspiegelt.

Kirche, Religion und GlaubeBearbeiten

In den europäischen Ländern setzte sich die im vorherigen Jahrhundert begonnene Konfessionalisierung fort. Die Obrigkeiten leiteten verschiedene Maßnahmen ein, um die Bevölkerung zum Glauben an das jeweilige Bekenntnis und die daraus folgenden Verhaltensweisen anzuhalten. Im Laufe der ersten Jahrhunderthälfte hatten sich Mehrheitsbekenntnisse in den Ländern so verfestigt, dass es den Monarchen wie in England nicht mehr gelang, ihr Bekenntnis gegen die Bevölkerungsmehrheit durchzusetzen.[4] Religiöse Minderheiten waren oft starken Repressalien ausgesetzt. Deshalb wanderten viele, wie die Hugenotten und Puritaner, in andere europäische Länder oder nach Amerika aus.

 
Hexenverbrennung

Die Hexenverfolgungen des 16. Jahrhunderts setzten sich fort und erreichten in der ersten Jahrhunderthälfte ihren Höhepunkt. Sie fußten auf einem jahrhundertealten Glauben an Hexen.[11] Nach Naturkatastrophen und Unglücken suchte die Bevölkerung Sündenböcke, ferner gab es unter den Gebildeten starke Propagandisten einer Hexenverfolgung. Besonders Fürsten kleiner Territorien ließen sich beeinflussen und förderten oder duldeten die Hexenprozesse, die fast ausschließlich durch weltliche Gerichte durchgeführt wurden. Einflussreiche Juristen erklärten Zauberei und damit zusammenhängende Verbindungen mit dem Teufel zu Ausnahmeverbrechen und rechtfertigten so Prozesse, in denen fast jeder Angeklagte seiner Verurteilung zum Tode nicht entgehen konnte. Begünstigung von Denunziation, die Anwendung von Folter und die Verurteilung der Angeklagten zum Tod durch Verbrennen waren kennzeichnend für diese Prozesse. Der Widerspruch in kirchlichen und akademischen Kreisen richtete sich gegen diese Prozessordnungen und weniger gegen den Glauben an Hexen als solches. In großen Territorien hörten die Fürsten auf diese Stimmen, sodass die Hälfte der Hexenprozesse in den kleinen Fürstentümern des Heiligen Römischen Reiches stattfand. Auch in Schottland und der Schweiz gab es größere Wellen von staatlich durchgeführten Hexenprozessen. In England, Frankreich und Südeuropa blieben die Verbrennungen wegen vermeintlicher Hexerei aufgrund von hohen Anforderungen an die Beweisführung und Interventionen der Landesfürsten auf wenige Einzelfälle beschränkt. Die Verurteilten, überwiegend Frauen, kamen nicht nur aus gesellschaftlichen Randgruppen, sondern auch signifikant aus den dörflichen und städtischen Eliten bis hin zum Klerus.

WirtschaftBearbeiten

Die Niederlande wurden die große Wirtschaftsmacht des mittleren 17. Jahrhunderts, Großbritannien übernahm diese Position in den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts. Wirtschaftskraft lag, wie sich im 17. Jahrhundert herausstellte, weniger im Geldbesitz als in der Fähigkeit aus Warenhandel und Finanzverkehr Mehrwerte schaffen zu können. Die Niederlande demonstrierten dies als Staatsverband, der über keine Rohstoffe verfügte und in der landwirtschaftlichen Produktion unbedeutend blieb. Amsterdam gewann als wichtigster europäischer Handelsplatz zentrale Bedeutung. Finanzielle Transfers bewegten theoretisch große Mengen an Edelmetall, mit denen die Zahlungen geschahen. Tatsächlich wurde an der Börse über ein Wechselsystem weitgehend bargeldlos gehandelt. Geld blieb als finanzielle Deckung der Warentransfers an den Orten, die miteinander handelten. Gegeneinander verrechnet wurden im Wechselgeschäft, das die Börsen abwickelten, effektiv Warenlieferungen. Je größer die Warenlieferungen, die in einer Handelsstadt in verschiedene Richtungen angeboten wurden, desto größer wurde ihr Gewicht als Ort, an dem die Handelsleistungen provisorisch gegeneinander verrechnet werden konnten – das ist verkürzt erklärt das System, das im 17. Jahrhundert Amsterdams Börse zum größten Finanzumschlagplatz machte. Im frühen 18. Jahrhundert übernahm London als Metropole des Welthandels diese Position: Mit einem größeren Warenumsatz, der in London zwischen Handelsorten in aller Welt verhandelt wurde, korrelierte der größere bargeldlose Finanztransfer, der den Warentransfer deckte.

WissenschaftenBearbeiten

Auch wenn man das 17. und 18. Jahrhundert heute als die beiden Jahrhunderte sieht, in denen die Naturwissenschaften aufkamen, blieben sie bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein von geringem öffentlichen Interesse. Europas Universitäten bieten im 17. Jahrhundert das Studium in den vier Fakultäten Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie. Letzteres Feld bleibt dem Grundstudium mit Angeboten von der Geschichte bis zur Poesie und zur Rhetorik vorbehalten.

Die Naturwissenschaften bleiben im 17. Jahrhundert Materie von elitären Gruppierungen, finanziert von einzelnen Fürsten, die Observatorien einrichten, sowie von reichen Privatleuten, die die Experimente „curieux“ finden. Eine gezieltere Forschung wird von der Royal Society betrieben, von der maßgebliche Impulse ausgehen, Wissen mit praktischer Nutzung zu verbinden. Sie gibt Anregungen, Reiseberichte zu sammeln, sie interessiert sich für Verbesserungen der Navigation und der Kartographie. Ihre Forschung bleibt jedoch einem elitären Gelehrtennetz vorbehalten. Die Ergebnisse englischer oder kontinentaleuropäischer Universitäten lassen vergleichbare Forschungen kaum zu.

Gleichwohl gewinnen die Universitäten an Bedeutung. Auf dem Kontinent werden sie, nach 1648, Orte, an denen Karrieren vergeben werden. Nachwuchs aus bürgerlichen Familien studiert in den modischen Universitäten Jenas, Halles und Leipzigs Ende des Jahrhunderts mit der Aussicht, von hier aus Positionen in Stadt und Staat oder Pfarreien zu erlangen.

Der Lehrbetrieb wurde in Deutschland bis auf Ausnahmen weiterhin auf Latein gehalten. Dennoch bereitet sich mit dem Aufstieg der Universitäten als Karrieregaranten die Entwicklung des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts vor, in der die Wissenschaften zu zentralen staatlichen und öffentlichen Institutionen werden. Das wird deutlich, sobald man auf das Pressewesen sieht, das die universitäre Buchproduktion umgibt: es schafft eine Öffentlichkeit, die im Lauf des 18. Jahrhunderts einen rasanten Aufstieg nimmt.

Zu den grundlegend neuen Erkenntnissen in den Naturwissenschaften gehörten die von Newton entdeckten Gesetze der klassischen Mechanik. Diese stütze auch das heliozentrische Weltbild, das durch die mathematische Präzisierung durch Kepler zunehmend an Unterstützern gewann. Die astronomischen Entdeckungen wurden gestützt durch die Entwicklung optischer Geräte, wie des Fernrohres. Andererseits waren Erkenntnisse der Optik, wie die Lichtgeschwindigkeit, mit der Astronomie verknüpft.

Kunst, Kultur und MedienBearbeiten

Im deutschen Sprachraum etablierte sich in der Kunst- und Literaturgeschichte im 20. Jahrhundert eine Perspektive auf das Barock als Stilideal des 17. Jahrhunderts. England und den Niederlanden wird dabei zugestanden, diese Phase kaum ausgeprägt zu haben, hier habe die Aufklärung Mitte des 17. Jahrhunderts bereits begonnen. Das Wort Barock hatte im 17. Jahrhundert keine Bedeutung. Ein Epochenverzug zwischen den Niederlanden und England hier und dem (noch barocken) Kontinent da, ließ sich im 17. Jahrhundert noch viel weniger behaupten. Das europäische Kommunikationsnetz und der intensive Kulturaustausch gestattete europaweit das Gefühl, im selben Jahrhundert zu leben.

Statt vom Barock zu sprechen, sprach man von nationalen Geschmäckern. In der Musik wurden Opern im französischen und im italienischen Stil komponiert; der deutsche Stil wurde demgegenüber als „gemischter“ gehandelt. Mit Lust am „Curieusen“ kamen in dieselben Opern und Ballette jederzeit nach Bedarf „türkische“ oder „polnische“ Tanzsätze, die nur entfernt mit Musik Polens und der Türkei zu tun hatten, jedoch angenehm fremd im Spektrum anmuteten. Französischer und italienischer Geschmack bestimmte ebenso die Architektur. In der Malerei prägte neben diesen beiden Stilen der niederländische Stil mit seinen Landschafts- und Architekturbildern sowie der Genremalerei den internationalen Kunstmarkt.

Man strebte Kunstfertigkeit, Eleganz, Neuheit an – das 17. Jahrhundert brachte im selben Streben keine Literatur-, Kunst- oder Musikgeschichte auf, mit der sich die Gegenwart in immer neuen Schüben von einer laufend neu geschaffenen Vergangenheit abgegrenzt hätte. Es gab aus europäischer Sicht nur eine einzige Moderne, die sich bis 1650 in Orientierung an die Antike vom Mittelalter abgrenzte. Diese Abgrenzung wurde mit der „Querelle des Anciens et des Modernes“ Ende des 17. Jahrhunderts komplexer: Die Moderne grenzte sich nun zunehmend auch von der Antike ab, die in einzelnen Werken (wie etwa den Epen Homers) nun unerträglich roh erschien. Man strebte nach vollendeten Kunstwerken, nicht nach einem permanenten Wechsel der Epochen und produzierte in dieser Situation keine eigene Epocheneinschätzung, der unser heutiger Begriff des Barock entsprechen könnte. Unsere (in der Essenz meist negativen) Attribute des Barocken (Schwulst, hohles Pathos etc.) hätte man auf alle Fälle als nicht auf das eigene Streben nach Moderne zutreffend abgelehnt.

Gleichzeitigkeit ließ sich in der Abgrenzung des Mittelalters von der Antike definieren. Positiv manifestierte sie sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Europa als eigene Europamode (siehe das Stichwort Galant). Sie wurde getragen vom europäischen Ideal der französischen „Galante Conduite“, die sich ab den 1640ern ausbreitete und im höfischen Umgang das strengere „spanische“ Zeremoniell ablöste. Natürlichkeit, Eleganz, Wendigkeit sprachen für die neue Mode, die unter dem Wort des Galanten insbesondere in Deutschland einen Stilbegriff fand, der bis in die 1720er fortlaufen sollte.

Noch weitaus weniger ließen die politischen Ereignisse Sonderwege zu. Der Dreißigjährige Krieg, in der Zeit der „große deutsche Krieg“ genannt, war ein internationales Ereignis, das Machtinteressen von Schweden bis Frankreich involvierte. Die Konflikte mit dem expandierenden Osmanischen Reich zwangen Europa zu einer Wahrnehmung internationaler Ereignisse. Schließlich entwickelten sich Beziehungsgeflechte auf dem Gebiet der Religion, die gerade Südost-Europa neu einbanden: Protestantische Kleingruppen erhielten in Polen, Ungarn und Siebenbürgen zeitweilig lokalen Schutz und hatten Einfluss auf die politischen Ereignisse (so begünstigten Initiativen protestantischer Gruppen in Ungarn den Vorstoß des Osmanischen Reichs auf die habsburgischen Lande in den frühen 1680ern). Ein sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts rapide ausbreitendes Zeitungswesen sorgte für einen zunehmend einheitlichen Informationsstand in Europa.

Man wahrt europäische Perspektiven in rückblickenden historischen Darstellungen in Anbetracht dieser Umstände präziser, wenn man Stilideale und Moden unter den Begrifflichkeiten der Zeit erfasst und ansonsten vom 17. Jahrhundert spricht. In der internationalen Forschung setzte sich als größerer Rahmen hierfür der Begriff der Frühen Neuzeit durch, die vom Mittelalter bis in die Französische Revolution reicht und damit den größeren Zeitraum 1500–1800 abdeckt, über den nun beliebig differenziert gesprochen werden kann – deutsch mit einem Interesse am Barock, von dem sich die Aufklärung abgrenzen kann oder internationaler mit Erörterungen von Entwicklungen, die sich in der Zeit bereits benennen ließen.

Drama in Poesie und MusikBearbeiten

Entgegen den gelehrten Bestrebungen in der Poesie, die Kultur der Antike wieder einzurichten, richtet sich mit dem 17. Jahrhundert ein eigenes Spektrum der Gattungen ein. Mit dem Beginn des 17. Jahrhunderts gewinnt die Oper als Gattung Konturen. Der Theorie nach übernimmt sie vom Drama der Griechen dessen Offenheit für die Musik. Tatsächlich bricht sie mit den Konventionen der griechischen Tragödie, da sie den glücklichen Schluss zur Regel macht, das Ende in einem höfischen Fest. Pragmatiker rechtfertigen dies damit, dass man weltlichen Machthabern, den wichtigsten Auftraggebern, kaum etwas anderes zumuten könne. Zudem sieht man die Poesie dort in größter Vollkommenheit, wo sie das Zusammenspiel mit der Musik erlaubt. Die Oper wird im Lauf des 17. Jahrhunderts zur wichtigsten poetischen Produktion an den Höfen, die über sie gegenüber dem zugelassenen Publikum Pracht demonstrieren. Für Dichter wird es zunehmend interessant, für die Oper zu schreiben. Ihre Texte werden zu den Opern gedruckt und am Ende als Andenken aufbewahrt, sie werden zudem ob ihrer Poesien für sich genossen.

Am Hof hat neben der Oper die Komödie Raum, die wie die Oper im italienischen und französischen Stil besteht.

Oper und Komödie finden im Lauf des 17. Jahrhunderts zunehmend ein bürgerliches Publikum durch die Arbeit von reisenden Truppen, die in städtischen Sälen oder an größeren höfischen Bühnen gastieren. Reiche Städte wie Hamburg und London bieten der Oper und der Komödie Ende des 17. Jahrhunderts eigenen Raum in einem kommerziellen Betrieb.

Eine eigene Tradition findet das Drama der Haupt- und Staatsaktionen und der Komödien, wie Shakespeare sie auf Londons städtischen Bühnen zu Beginn des 17. Jahrhunderts vorlegte. Auf dem Kontinent entsteht hier ein Geschäft für Wandertruppen, die sich auf spektakuläre Effekte, Kampfszenen und inszenierte Hinrichtungen verstehen.

In den katholischen Gebieten entwickelt sich, was inszenierte Poesie anbetrifft, zunehmend unabhängig schließlich eine Kultur inszenierter, der Oper naher Musik, am Ende des Jahrhunderts auch in protestantischen Gebieten in Form von Oratorien und Kantaten.

Eine Nischenproduktion entsteht auf dem Gebiet des Dramas mit gymnasialen Aufführungen, die Schülern das Rollenspiel lehren. Die meisten heute als Barocktragödien und -Komödien klassifizierten Werke stammen aus dieser Nischenproduktion.

Epos und kleinere GattungenBearbeiten

Epische Poesie sollte zwar nach der aristotelischen Poetik einen hohen Stellenwert genießen, auf dem Gebiet des heroischen Epos geriet die Produktion jedoch mit bestellter und freiwillig sich Regenten andienender Panegyrik in Misskredit. Leser bemängelten, dass sie kaum längere Passagen in Versen ermüdungsfrei lesen konnten. Hier gewann der Roman in Prosa Terrain, das eigentlich der Poesie zukommen sollte. Auf dem Gebiet der Epik hatte das satirische Versepos größere Chancen, Leser zu finden – als Satire auf das hohe Epos, wie als Option auf politische und theologische Kontroversen zu rekurrieren.

Kleinere Gattungen der Poesie florierten erheblich, insbesondere, da sich mit ihnen zu allen Anlässen bürgerlichen und höfischen Lebens Geld verdienen ließ. Es wurde im deutschsprachigen Raum im Lauf des 17. Jahrhunderts Mode, beliebige bürgerliche Feste wie Beerdigungen, Jubiläen, Eheschließungen mit Auftragswerken zu schmücken, die für Geld verfasst in geringer Auflage gedruckt am Ende unter die Gäste gingen. (Siehe eingehender das Kapitel Casualpoesie)

Buchmarkt und ZeitungswesenBearbeiten

 
Die englische Buchproduktion 1600–1800, Titelzählung nach dem English Short Title Catalogue. Die Statistik zeigt deutlich – eine Besonderheit des englischen Marktes – das Aufkommen der aktuellen politischen Berichterstattung mit der Revolution 1641/42. Die Höhepunkte der Presseaktivität liegen vor 1730 jeweils in politisch turbulenten Jahren. Als Phasen zeichnen sich die Bürgerkriegszeit mit abfallender Produktion, die Zeit der Kriege gegen die Niederlande (1670er) und der Großen Allianz (1689–1712) ab. Mitte des 18. Jahrhunderts setzt ein neues Wachstum mit bald exponentieller Kurve ein, hinter dem entscheidend der Aufstieg der Belletristik steht.

Mit dem 16. Jahrhundert ermöglichte der Buchdruck im deutschsprachigen Raum den aktuellen Austausch – die Reformation verbreitete sich zum guten Teil mit dem neuen Medium. Zudem ist im Nordwesten Europas ab ungefähr 1600 eine starke Zunahme der Alphabetisierung der Bevölkerung zu beobachten.[12] Das 17. Jahrhundert schafft der neuen Technologie des Buchdrucks wachsende Märkte in Politik, Theologie und Wissenschaften.

Politik ist zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf das Engste mit theologischen Kontroversen verknüpft, gewinnt im 17. Jahrhundert jedoch mit der Zeitung ein eigenes Medium. Diese entwickelt sich von der Flugblattschrift zum in der Regel drei Mal wöchentlich erscheinenden Blatt. Zeitungen breiten sich Mitte des 17. Jahrhunderts in Westeuropas Städten aus, die Drucker stellen mit der Post eingehende Meldungen kommentarlos zusammen. Die Perspektive liegt auf der Außenpolitik, was die Blätter gegenüber der landesinternen Zensur weitgehend unproblematisch macht. Die Qualität der Berichterstattung wächst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erheblich; das ist vor allem ein Verdienst der niederländischen Zeitungsverleger, die von Regenten und aus politisch interessierten Kreisen mit Nachrichten versorgt werden, die sodann vor Europas Öffentlichkeit Fakten schaffen.

Während der lokale Buchmarkt zum guten Teil mit theologischer Ware handelt, die im Zeitalter konfessioneller Auseinandersetzungen erhebliche Konjunktur hat, gewinnt der internationale Buchmarkt Bedeutung mit überregional absetzbarer Produktion auf Latein und auf Französisch. Die sich verschärfenden Zensurbestimmungen in Frankreich sorgen ab Mitte des 17. Jahrhunderts für eine Verlagerung des französischsprachigen internationalen Buchdrucks in die Niederlande.

Im deutschen Sprachraum werden die Universitätsorte Leipzig, Halle und Jena ab Mitte des 17. Jahrhunderts interessante Verlagsstandorte. Leipzig kann durch die Buchmessen dabei eine zentrale Stellung im Handel einnehmen, aus dem sich die katholischen Verlagsorte jedoch zunehmend zurückziehen, da hier im Tausch gehandelt wird, für den ihre Ware aus konfessionellen Gründen immer weniger in Frage kommt.

Ein schmales Marktsegment entwickelt sich im 17. Jahrhundert mit den belles lettres vornehmlich französischsprachiger Ware, die Bürger und Adel mit Memoires, Historien, Romanen und Gedichten adressiert. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gewinnt dieses Marktsegment die Macht, international Moden zu setzen. Die galante Conduite verbreitet sich vor allem mit Romanen und neuen unterhaltsamen Journalen wie dem Mercure Galant.

Ende des 17. Jahrhunderts gewinnen drei Produktionen des Buchmarkts Macht für neue Entwicklungen: Das alphabetisch sortierte Lexikon (das sich in handlichen Bändchen besonders dem Zeitungsleser andient), das wissenschaftliche („literarische“) Journal, das den gesamten Buchmarkt beobachtet, aus allen Wissenschaften, zunehmend aber auch aus den belles lettres berichtet (aus denen im 18. Jahrhundert die Literatur im neuen Wortsinn hervorgehen wird). Bleiben Zeitungen kommentarlose Sammlungen außenpolitischer Nachrichten, so bieten rezensierende Journale Ende des 17. Jahrhunderts die politische Analyse, dort wo sie neueste Publikationen aus der aktuellen Geschichte berühren. Eine interessante Nischenstellung nimmt auf demselben Markt in Deutschland die Literaturgeschichte ein, die Studenten einen zitierbaren Überblick über die Wissenschaften gibt. Aus ihr entsteht im Laufe des 19. Jahrhunderts die moderne Literaturgeschichte, mit der Literatur im neuen Wortsinn Bildungsgegenstand werden wird.

AfrikaBearbeiten

Außer Marokko standen alle afrikanischen Mittelmeeranrainer unter der Oberherrschaft des Osmanischen Reiches. Marokko stürzte mit dem Tod des letzten starken Saadier-Herrschers Ahmad al-Mansur in einen Bürgerkrieg und zersplitterte in zahlreiche Herrschaftsbereiche. In den 1660er Jahren einigte die Alawiden-Dynastie, die bis heute die Oberhäupter des Landes stellt, Marokko wieder. Dabei stützte sie sich erstmals in der marokkanischen Geschichte nicht auf einen Berber-Stamm, sondern auf Militärsklaven.[13]

Die Provinzen im osmanischen Maghreb erreichten einen immer höheren Grad an Selbständigkeit. Lokale Janitscharen, Korsaren und Berberstämme übernahmen unter eigenen Beys und Deys die faktische Macht.[14] Diese ging so weit, dass sie vom Sultan abgeschlossene Verträge mit anderen Staaten für ihren Herrschaftsbereich nur anerkannten, wenn sie zugestimmt hatten. Wie im gesamten Maghreb war die Piraterie auf dem Mittelmeer, die die Versklavung von Schiffsbesatzungen und europäischer Küstenbewohner einschloss, ein wichtiger Wirtschaftszweig. Auch in der Provinz Ägypten gewannen die lokalen Eliten gegenüber dem Vizekönig zunehmend an Einfluss.[15] Die Verschriftlichung von Literatur im lokalen arabischen Dialekt war ein weiterer Schritt zur Eigenständigkeit. Einerseits nahm die strategische Bedeutung dieser Provinz für das osmanische Reich durch den Verlust des Jemen ab, andererseits migrierten zahlreiche Bewohner anderer Reichsprovinzen nach Ägypten.[15]

War das Afrika südlich der Sahara in den vorherigen Jahrhunderten mit dem Norden durch den Transsaharahandel stark verbunden, schwächten sich diese Beziehungen in diesem Jahrhundert zugunsten einer Ausrichtung auf den europäisch dominierten Küstenhandel ab. Die Großreiche wie Songhai und Kongo zerfielen und viele kleine Herrschaften prägten den Kontinent. Die Europäer waren im Wesentlichen auf den Inseln und mit einigen Forts und Handelsniederlassungen an der West- und Ostküste Afrikas präsent. Kenntnisse über das Innere Afrikas hatten sie bis zum 19. Jahrhundert nicht. Der starke Anstieg des Asienhandels der Niederländischen Ostindien-Kompanie sah sie dazu veranlasst, am südafrikanischen Kap einen Versorgungsstützpunkt für ihre Schiffe zu errichten. Um diesen herum siedelten sich Mitte des Jahrhunderts niederländische Siedler an, die den Stützpunkt versorgten.[16]

Zwar wurden weiterhin Güter wie Gold und Elfenbein exportiert, doch beeinflusste der Sklavenhandel nicht nur die afrikanische Wirtschaft,[16] sondern auch die innerafrikanischen Beziehungen. Schon in den vorherigen Jahrhunderten hatten Europäer und Araber zahlreiche Menschen als Sklaven aus Sub-Sahara-Afrika verschleppt, doch vervielfachte sich die Anzahl der versklavten Menschen in diesem Jahrhundert. Die Zahl der Sklaven, die Europäer und im geringeren Umfang Araber bei einheimischen Zwischenhändlern im Tausch gegen Schusswaffen und Konsumgüter tauschten, überstieg die Zahl der von ihnen selbst auf Sklavenjagten versklavten Menschen deutlich. Die steigende Nachfrage aus Übersee animierte Afrikaner zu immer mehr Sklavenjagten und Kriegen, auf denen sie Kriegsgefangene versklaven konnten. Dabei behielten die afrikanischen Militärmachthaber einen kleineren Teil der Sklaven für sich. Im Laufe des Jahrhunderts erweiterten sich die Gebiete, von denen Sklaven verschifft wurden, bis hin zu einigen Regionen Ostafrikas. In Ostafrika wurden die Oman-Araber im Laufe des Jahrhunderts zu den größten Sklavenhändlern.[16] Der Großteil des europäischen Sklavenhandels war das Vorrecht privilegierter englischer, französischer und niederländischer Handelskompanien. Im 17. Jahrhundert wurden rund 1,3 Mio. Afrikaner nach Amerika verschleppt, wobei viele Sklaven schon auf den Transportschiffen starben. Diese Kompanien etablierten den Atlantischen Dreieckshandel. Die Sklavenschiffe luden in Amerika Kolonialwaren, schifften sie nach Europa und luden dort Waffen und Konsumgüter für den Verkauf in Afrika. Die Ausgangshäfen für die Sklaventransporte lagen in Westafrika und im 17. Jahrhundert verstärkt in Luanda. Zielgebiete der Sklaventransporte waren vorwiegend Brasilien und zunehmend die Karibik aber auch Asien. Die südafrikanischen Siedler versklavten nicht nur die ansässige Bevölkerung, sondern importierten Sklaven aus Asien und anderen Teilen Afrikas nach Südafrika.

AsienBearbeiten

Osmanisches ReichBearbeiten

 
Sultan Murad IV. beim Festessen

Das Osmanische Reich war eine Regionalmacht mit Territorien auf dem Balkan, im nördlichen Afrika und im Nahen Osten. Bis zum Jahr 1672, dem Jahr seiner größten Ausdehnung, erweiterte es sein europäisches Territorium.[17] Verlor es Gebiete an seine Feinde, so konnte es diese bis auf den Jemen zurückerobern. Dem gescheiterten Eroberungsversuch von Wien im Jahr 1683 folgten dauerhafte Gebietsverluste auf dem Balkan an die Habsburger. Unterbezahlung ehemaliger Militärs und Staatsbediensteter war ein wichtiger Grund, der im Laufe des Jahrhunderts zu zahlreichen Celali-Aufständen führte, die jedoch niedergeschlagen werden konnten.[14]

Im 17. Jahrhundert veränderten sich die politischen und wirtschaftlichen Strukturen des Reiches grundlegend.[18] Im Gegensatz zu ihren Vorgängern mischten sich die meisten Sultane in diesem Jahrhundert wenig in die Politik ein.[14] Die Politik gestalteten Großwesire, hohe Militärs, Religionsgelehrte und Mitglieder der Verwaltung. Aber auch einflussreiche Personen, wie Eunuchen und Haremsdamen übten ihren politischen Einfluss aus.[18] Besonders bei minderjährigen Sultanen waren die Sultansmütter bis Mitte des 17. Jahrhunderts entscheidend an der Regierung beteiligt. Danach konnten die Großwesire aus der Familie Köprülüs ihr Amt wesentlich stärken.[17] Im gesamten Reich blühte ein System der Patronage. Die davon profitierenden Favoriten, wurden oft in hohe Staatsämter gebracht, ohne die dafür notwendige Qualifizierung zu besitzen.

Aufgrund der häufigen Kriege und militärtechnischen Neuerungen benötigte der Staat ständig steigende Geldmittel für stetig wachsende Söldnertruppen. Zur Beschaffung der Geldmittel wurde eine wachsende Zahl an Steuerpachten vergeben. Dazu wurden oft Tımare, Landnutzungsrechte für die meist militärische Unterstützung als Gegenleistung verlangt wurde, in Steuerpachten umgewandelt. Dies begründete einen starken Trend zur Monetarisierung der Wirtschaft. Die Kurzfristigkeit der Steuerpachten führte zu einer hohen Belastung für die Landbevölkerung.[14] Zwar profitierte der Hof kurzfristig von den hohen Pachterlösen, verlor jedoch direkten Einfluss in den Provinzen. Als Kompensation für die entgangen laufenden Einnahmen führte der Sultanspalast Zölle auf Exporte nach und Importe von Europa ein, die jedoch neue Abhängigkeiten schufen.[13] Die Wirtschaftspolitik war auf eine gute Versorgung des Reiches mit Gütern ausgerichtet, was ein Außenhandelsdefizit in Kauf nahm und staatliche Preisregulierung für wichtige Güter einschloss.[18] Eine weitere Wirtschaftsregulierung fand durch Handwerkerzünfte statt. Handwerk und Handel bekamen zunehmend Konkurrenz durch Janitscharen, die durch Geschäftstätigkeit ihren oft mäßigen Sold aufbesserten. Andererseits traten immer mehr Handwerker untrainiert Militäreinheiten bei, um deren steuerliche Begünstigungen zu bekommen.[17] Dies führte einerseits zu einer Verschränkung von Militär und Wirtschaft und anderseits zu einer Verringerung der militärischen Leistungskraft.[14]

In der osmanischen Hauptstadt entwickelte sich ein breitgefächertes kulturelles Leben. So wurde eine große Bibliografie islamischer Werke geschrieben und das geografische Wissen über die Welt dargestellt. Erstmals erreichten Reiseerzählungen ein größeres Publikum und die osmanische Musik wurde in Notenschrift notiert.[17] Gegen den verbreiteten Genuss von Kaffee, Tabakwaren, die Prachtentfaltung des Hofes, die Umgehung des Zinsverbotes und die religiösen Tänze der Derwischorden richtete sich die Kritik islamischer Puritaner. Deren Einfluss versuchten die Wesire durch Einbindung ihrer Führer in den Staatsapparat für sich zu nutzen.[17] Vor allem aufgrund religiöser Vorbehalte entstand ein Klima, das Innovationen außerhalb des Militärs skeptisch begegnete.[13] Auch die religiös begründete Verhinderung des Buchdrucks durch Muslime verhinderte die Wissensverbreitung.[18]

West- und ZentralasienBearbeiten

Persien wurde seit dem vorherigen Jahrhundert durch die Safawiden-Dynastie regiert. Seit dieser Zeit war der schiitische Islam die dominierende Konfession des Landes, durch die sich das Land von seinen großen sunnitischen Nachbarn und Konkurrenten, dem Osmanischen Reich und dem Mogul-Reich, unterschied. Zu Beginn des Jahrhunderts eroberte Schah Abbas I. große Gebiete von seinen Nachbarn, wie das Gebiet um Bagdad, die jedoch zu einem erheblichen Teil unter den ihm folgenden Schahs wieder verloren gingen. Als politische und religiöse Gegner der Osmanen unterhielten die Schahs aktive diplomatische Beziehungen zu den europäischen Gegnern der Osmanen. Der Frieden von Qasr-e Shirin 1639 begründete nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen einen achtzigjährigen Frieden mit den Osmanen. Seine Nachfolger, mit Ausnahme von Abbas II. (reg. 1642 –1666), verloren durch ihre schwache Politik auch innenpolitisch an Macht und Einfluss.[19] Zum Ende des Jahrhunderts verband sich das vorher zentralistisch orientierte Militär, dessen soziale Stellung der Hof vernachlässigt hatte, mit lokalen Gruppen. So kam es zu einer Regionalisierung des Reiches, ohne dass sich die Reichseinheit auflöste.[13]

Das safawidische Reich wurde von mehreren rivalisierenden Gruppen getragen. Die turkmenischen Kizilbasch, die das Reich zu Beginn trugen und ihre Lehen verwalteten, wurden zu Beginn des Jahrhunderts zugunsten einer Zentralisierung weiter zurückgedrängt. Hingegen gewannen die neuen mehrheitlich kaukasischen Königstruppen, die dem Schah unmittelbar unterstanden und direkt aus den Krondomänen entlohnt wurden, zunehmend an Einfluss.[19] Ihr hoher Geldbedarf führte zu einer wenig nachhaltigen Ausbeutung der Krondomänen. Eine weitere mächtige Gruppe war die schiitische Geistlichkeit. Ihre wirtschaftliche Machtbasis waren die umfangreichen Ländereien, die die schiitischen Heiligtümer besaßen. Die von ihnen durchgesetzte Verfolgung von Sunniten und Sufies zum Ende des Jahrhunderts trug weiter zur Destabilisierung des Reiches bei.[19] Auch die persisch geprägte Verwaltung und einige Kaufmannsgruppen zählten zu den Machtfaktoren.

Zu Beginn des Jahrhunderts erlebte Persien eine wirtschaftliche Blüte. Abas I. förderte die Wirtschaft durch ein einheitliches Münzwesen, Reformen des Pacht- und Steuersystems sowie der Förderung des Handwerks. Durch die Erweiterung des Straßennetzes wurden zunehmend mehr Gebiete des Landes mit den regionalen Wirtschaftszentren insbesondere Isfahan verknüpft und ein reichsweiter Markt entstand.[13] In Isfahan gewann der Schah zunehmend die Kontrolle über die Seidenproduktion. Rohseide war neben Textilien eines der wichtigsten Exportgüter. Führende Exporteure waren die niederländische und englische Handelsgesellschaft, VOC und EIC. Diese versorgten fast ausschließlich den persischen Markt mit dem notwendigen Münzmetall.[13] Als im Laufe der zweiten Jahrhunderthälfte die persischen Exportgüter aufgrund von Marktverschiebungen ihre Attraktivität verloren, hatte dies aufgrund der fehlenden Geldzufuhr auch negative Auswirkungen auf den persischen Binnenhandel und verursachte wirtschaftliche Probleme.

Der persische Hof entfaltete in diesem Jahrhundert eine große Pracht, wobei die Schahs sich offen einem breiteren Publikum präsentierten. Persische Künste, von denen ein Teil die Förderung des Hofes genoss, inspirierten die Kultur der Nachbarn Osmanisches Reich und Mogulreich.

Vom Kaspischen Meer bis zu den mongolischen Hochebenen erstreckten sich mehrere Reiche, die sowohl nomadisch geprägt Landstriche als auch städtisch und agrarisch geprägte Gegenden hatten. Im Usbeken-Khanat hatte nach dem Tod Abdallähs die Astarkhaniden-Dynastie die Macht übernommen. Ihre Herrschaft konzentrierte sich um die zwei Herrschaftszentren Buchara und Balch. Buchara blühte als Knotenpunkt des internationalen Handels und war ein Zentrum der Miniaturmalerei.

Nördlich des Tarimbeckens formierte sich nach dem Verfall der Oriaten-Allianz in den 1620er Jahren das Dsungarenreich. Ab den 1640er Jahren expandierte es in das Siebenstromland im Westen und in das Tarimbecken. Insbesondere der Herrscher Galdan genoss die Unterstützung des buddhistischen Dalai Lama. So ging er bei seiner Expansion in die nördliche Mongolei auch gegen konkurrierende buddhistische Strömungen vor. Seine mongolischen Widersacher riefen die Chinesen zur Hilfe, die Galdans Heer vernichtend schlugen. In den folgenden Jahrhunderten war die Mongolei unter chinesischer Herrschaft.

Indischer SubkontinentBearbeiten

 
Expansion des Mogulreiches

Zu Beginn des Jahrhunderts hatte der muslimische Großmogul Akbar ein Reich hinterlassen, das den Norden des Indischen Subkontinents umfasste. Im Laufe des Jahrhunderts dehnten seine Nachfolger das Mogulreich zu seiner größten Ausdehnung aus. In den 1680er Jahren war das Mongulreich die erste Macht nach dem Maurya-Reich des dritten vorchristlichen Jahrhunderts, die wieder fast den gesamten indischen Subkontinent beherrschte.[20] Lediglich im äußersten Süden konnten sich einige hinduistisch geprägten Reiche halten.

Unter dem Großmogul Jahangir entfaltete der Hof am relativ friedlichen Anfang des Jahrhunderts eine große Pracht. Der Herrscher ließ zahlreiche Bauten in einem Stil errichten, der sowohl von islamisch-persischen als auch von indisch-hinduistischen Einflüssen geprägt war. Er und sein Nachfolger errichteten unter anderem prachtvolle Grabmale, von denen das Taj Mahal das Berühmteste ist. Ausladende symmetrische Gartenanlagen waren ebenfalls ein Merkmal der Mogularchitektur. Besonders unter Jahangir wurde ein realistischer Malereistil gefördert, während sein Sohn die Miniaturmalerei förderte.[20] Jahangir begründete die Tradition eines sehr prunkvollen Hofzeremoniells, das die Verbundenheit der Mogulen mit den Würdenträgern des Reiches durch Riten stärkte. Geschichten über die Pracht am Hof prägten in Europa den Eindruck vom sagenhaften Reichtum der Mogulen.

In der Regierungszeit Shah Jahans (1628–1658) zeigte sich eine Zunahme der kriegerischen Auseinandersetzungen. Einerseits konnte er seine Widersacher in Nordindien besiegen,[20] andererseits scheiterte sein Feldzug nach Transoxanien.[21] Mit seinem Sohn, Großmogul Aurangzeb (Regierung 1658–1707), nahmen die militärischen Aktivitäten noch weiter zu. Er eroberte den Dekkan und die südlichen gelegenen Sultanate Bijapur und Golkonda.

Aurangzeb wandte sich viel stärker als sein Vater einem strengen sunnitischen Islam zu und von der religiösen Toleranz seiner Vorgänger ab. Durch Verbote hielt er den Hof an, ein vorbildliches Leben nach dem Islam zu führen.[20] Er förderte die Verbreitung des Islams durch Ausrichtung religiöser Feste und den Bau von Moscheen. Anderseits schränkte er andere Religionen und Konfessionen stark ein. Nichtmuslime mussten wieder eine Kopfsteuer zahlen, die sein Urgroßvater abgeschafft hatte. Ferner konfiszierte er das steuerfreie Land nicht-islamischer Glaubensgemeinschaften und Privatpersonen und verbot den Neubau von Tempeln. Dennoch blieb Indien ein mehrheitlich hinduistisches Land.

Das Rückgrat der indischen Wirtschaft war die Landwirtschaft.[20] Besonders im Norden wurde die landwirtschaftliche Fläche verdoppelt und der Anbau durch neue Infrastruktur effektiver gemacht. Erste Ansätze die Nutzfruchtwirtschaft zu kommerzialisieren machten die zahlreichen Neugründungen und das Wachstum indischer Städte möglich.[20] Sie waren der Motor für die Ausweitung der innerindischen Handelsstrukturen. Neben der sehr kleinen Oberschicht und der sehr großen Unterschicht bildete sich im städtischen Milieu eine kleine Mittelschicht heraus. Das sich zunehmend spezialisierende Gewerbe befriedigte sowohl die indische als auch die ausländische Nachfrage, wobei die Textilindustrie für die Exportwirtschaft die größte Bedeutung hatte. Die zunehmende Kommerzialisierung und das starke Wirtschaftswachstum erforderten eine starke Ausweitung der Geldmenge, die durch den Import großer Mengen Silbers befriedigt wurden. Dieses war die wichtigste Tauschware vor allem europäischer, aber auch arabischer und persischer Händler.

In diesem Jahrhundert breitete sich die ursprünglich in den Militärlagern entstandene Sprache Urdu in den weltlichen Bereich stark aus.[21] Urdu ist heute eine der verbreitetsten Sprachen Südasiens. Für die blühende Literatur spielte das am Hof populäre Persische eine große Rolle.

Zwar hatten die Mogulen in ihrem gesamten Herrschaftsgebiet die Oberherrschaft, doch war die Intensität der Herrschaft unterschiedlich. Lediglich in den Kernprovinzen von Kabul bis Allahabad konnten sie eine starke direkte Kontrolle ausüben, während die Rajas der Randgebiete eine relativ hohe Autonomie hatten.[20] Mehrere Hafenstädte, über die der internationale Handel abgewickelt wurde, waren unter Kontrolle europäischer Reiche oder Handelsorganisationen. In der zweiten Jahrhunderthälfte hatte das Mogelreich mit mehreren regionalen Aufständen, u. a. der Marathen zu kämpfen, die es nur mit Mühe unter Kontrolle bekam.

In ihrem heterogen Reich bemühten sich die Mogulen, zentrale Machtstrukturen aufzubauen. Die Verwaltung stützte sich auf eine große Zahl von Amtsträgern, denen ein Rang (Mansab) in einem ausdifferenzierten Rangsystem zugeordnet war. Alle waren ausschließlich dem Mogul verantwortlich, der ihnen die Einkünfte eines festgelegten Gebiets, ein Jagir, zuwies. Dies konnten sie unabhängig verwalten, schuldeten dem Mogul im Gegenzug Abgaben und die Bereitstellung von Kavallerie. Die Inhaber wechselten regelmäßig die Stellen, damit sie keine lokale Machtbasis aufbauen konnten. Unter Aurangzeb stieg die Zahl der Amtsträger stark an und konnte mit der Zahl ertragreicher Jagirs nicht mithalten.[21] Die hohen Militärausgaben veranlassten Aurangzeb, die Abgaben immer stärker zu erhöhen. Zudem konnte der Hof die Steuereinnahmen nur schlecht kontrollieren, so dass Provinzbeamte und Landadlige für sich selbst weit mehr Steuern eintrieben, als sie an den Hof weiterleiteten, vor allem aus Zöllen. Nicht zuletzt der Aufschwung des Handels trug so zur Stärkung der Provinzen bei und erschloss auch Aufständischen wesentlich mehr Ressourcen.[22] Andererseits motivierte der Steuerdruck Bauern und Grundherren zu Aufständen.[21] Der bedeutendste Aufstand war der der Marathen, einer Gruppe alteingesessener Kleinadliger und ihrer Soldaten im westlichen Dekkan. Diese waren früher Vasallen Bijapurs und verbreiteten nach dessen Eroberung mit einer Mischung aus Straßenräuberei und Guerillakrieg unter dem Anspruch, eine echte hinduistische Herrschaft wiederzuerrichten, Angst und Ratlosigkeit im Dekkan und bei Hofe. 1664 plünderten sie ungestraft die mogulische Haupthafenstadt Surat.[23]

ChinaBearbeiten

 
Qing-Kaiser Kangxi

Zu Beginn des Jahrhunderts geriet China in einen immer weiter eskalierenden Strudel von Strukturproblemen. Die Kaiser der Ming-Dynastie waren entscheidungsschwach, sodass am Hof rivalisierende Cliquen die Macht übernahmen.[24] Die Inkompetenz der Kaiser sowie die Auseinandersetzungen und die Korruption der Cliquen lähmten das Regierungshandeln. Ferner war das Staatsvermögen durch den Imjin-Krieg aufgebraucht. Durch Strukturdefizite bei der Steuererhebung blieb das Steueraufkommen niedrig, wobei die Steuersätze für einfache Leute hoch waren.[24] Die Lage verschlimmerte sich noch durch die Auswirkungen der kleinen Eiszeit. Auf ihrem Höhepunkt kam es in China zu Hungersnöten und Epidemien, sodass die Bauern keine Abgaben mehr abliefern konnten. Viele Untertanen der Ming rebellierten. Die Rebellionen eskalierten und Aufständische unter dem Bauernführer Li Zicheng plünderten Peking und trieben den Ming-Kaiser im Jahr 1644 in den Selbstmord.[24]

Vor den Toren der Chinesischen Mauer wartete die Armee der Mandschu, die nun die Macht übernahmen und die Qing-Dynastie gründeten. Zu Beginn des Jahrhunderts hatte Nurhaci die durch Handel wohlhabend gewordenen Stämme nordöstlich von China geeint. Er ließ eine einheitliche mandschurische Schrift entwickeln und ordnete die Armee nach festen Gruppen, sogenannten Bannern. Das neu etablierte Reich dehnte seine Macht auf die gesamte Mandschurei und die chinesischen Gebiete nördlich der Großen Mauer aus. Nach der Eroberung Pekings und der Ausrufung der Qing-Dynastie im Jahr 1644 führten die Mandschu noch bis 1683 Krieg, um das ganze Land unter ihre Kontrolle zu bringen. Insbesondere im Süden leisteten zahlreiche mit den Ming loyale Städte und Regionalherrscher erheblichen Widerstand, den die Mandschu mit viel Grausamkeit und zahlreichen Massakern an der Bevölkerung brachen.[24]

Bis in die 1690er Jahre hatten die Dsungaren ein großes Reich in Zentralasien erobert, das China als Konkurrenz in Zentralasien wahrnahm. Zur Sicherung ihrer Macht griffen die Chinesen das dsungarische Heer, das in die Mongolei eindrang, an, besiegten es und bauten ihre Macht in der Region durch die Eroberung der gesamten Mongolei aus.[25] Mit ihrem neuen Nachbarn Russland regelten die Chinesen 1689 vertraglich den Grenzverlauf.[25]

Die politischen Ereignisse veränderten die Gesellschaft Chinas. Mit den Qing wurde China zu einem multiethnischen Vielvölkerreich, in dem die Mandschu eine Vormachtstellung einnahmen. Im Norden Chinas wurden große Flächen Land konfisziert und Enklaven geschaffen, zu denen die Chinesen keinen Zutritt hatten. Allgemein legten die Kaiser darauf wert, dass die ethnischen Gruppen ihres Vielvölkerreiches getrennt voneinander blieben. Sie zwangen die Chinesen, die Haartracht der Mandschu anzunehmen und sich wie diese die vorderen Haare zu rasieren sowie einen langen Zopf zu tragen. Zahlreiche Chinesen fassten dies als Erniedrigung auf, was zur Ablehnung der Mandschu in chinesischen Bevölkerungskreisen beitrug.[24] Die chinesischen Riten und das Verwaltungssystem wurden von den Mandschu mit geringen Modifikationen übernommen. Auch sie wählten die Beamten durch ein mehrstufiges Prüfungssystem aus.

War in vielen Regionen die Subsistenzwirtschaft und der Tauschhandel vorherrschend, so waren insbesondere die Küstengebiete Südchinas in den internationalen Handel eingebunden. Bis auf das portugiesische Macao gab es keine ausländisch kontrollierten Handelsemporien an Chinas Festlandküsten. Die Niederländer errichteten für einige Jahrzehnte einen Stützpunkt auf der Insel Taiwan, wurden jedoch von chinesischen Truppen vertrieben.[25] Bestimmend für den Handel waren chinesische Lokalfürsten, die den Export mithilfe von Händlergilden monopolisierten. In den 1680er Jahren gewann die Qing-Dynastie die Kontrolle über den Außenhandel, von dem sie durch ein System von Zollstationen profitierte. Zunächst erlitt der Handel in der zweiten Jahrhunderthälfte durch die von den Qing veranlasste Zwangsumsiedlung der Küstenbewohner und eine Depression Einbrüche. Zum Jahrhundertende schaffte Kaiser Kangxi durch wirtschaftsfördernde Maßnahmen, wie seine Steuerpolitik, einen Konjunkturaufschwung.[25] Große Bedeutung für die chinesische Wirtschaft hatte der Import amerikanischen, aber vor allem japanischen Silbers, das als Währung diente. Erst mit dem Konjunkturaufschwung gewann Kupfergeld wieder eine größere Bedeutung.[25]

Schon zur Ming-Zeit öffnete sich China für europäisches Wissen, das einige jesuitische Missionare vermittelten, die unter den Qing in höchste Ämter am Hof aufstiegen. Dazu mussten sie sich der chinesischen Kultur stark anpassen. Zur Missionierung einer sehr kleinen Minderheit von Chinesen zum christlichen Glauben trugen auch andere Missionare bei, die mit den Jesuiten in Streit über den Grad der Anpassung der Glaubensrituale an die jeweilige Kultur, Ritenstreit, gerieten.

Einerseits waren die Kaiser der Qing-Dynastie für neues Wissen aufgeschlossen, andererseits führten sie den rationalistischen Zweig des Neokonfuzianismus der Ming-Zeit nicht nur fort, sondern förderten ihn.[25] Sie ließen ein großes Geschichtswerk über die Ming-Zeit erstellen. Im Gegensatz zur Mehrheit der Gelehrten, die mit den Qing kooperierten, standen viele Ming-Loyalisten den Qing ablehnend gegenüber. Sowohl um sich von den mandschurischen Qing abzugrenzen, als auch um ein Gegenmodell zu einer sich immer stärker diversifizierenden Gesellschaft zu entwickeln, propagierten einige einen chinesischen Nationalismus und behaupteten eine Überlegenheit der chinesischen Ethnie.[24] Auch die absolutistische Macht des Kaisers sahen sie kritisch.[25]

Bei ihrer Analyse der Ursachen für den von ihnen als Niederlage empfundenen Untergang der Ming entfernten sich die Oppositionellen langsam von traditionellen konfuzianischen Methoden. So bediente sich Gu Yanwu, bei seinem Bestreben die ursprünglichen konfuzianischen Wahrheiten zu erfassen, der Methode der Textanalyse. Damit stand er am Beginn einer Entwicklung, bei der Beweis und induktive Ableitung von Wissen die traditionellen deduktiven Ansätze ablösten. Dies führte am Jahrhundertende zu Zweifeln, ob die überlieferten konfuzianischen Lehren zur Wirklichkeit des 17. Jahrhunderts passten. Durch den starken Anstieg der Produktion gedruckter Werke fanden die anklagenden Berichte einiger Intellektueller ein großes Publikum.

Korea und JapanBearbeiten

Hohe Bevölkerungsverluste und die Zerstörung eines Teils der Produktionsmittel, Infrastruktur und Kulturgüter durch den Imjin-Krieg der 1590er Jahre ließen Korea geschwächt in das neue Jahrhundert. Als die Koreaner der Aufforderung der jenseits der koreanischen Nordgrenze erstarkten Mandschuren nicht nachkamen, ihr traditionelles Bündnis mit Ming-China zu lösen, erzwangen in den 1620er und 30er Jahren jene die Tributabhängigkeit durch mehrere blutige Feldzüge nach Korea.[26] Die Wirren und Zerstörungen der bürokratischen Aufzeichnungen nutzen einige Koreaner, um im rigiden Ständesystem aufzusteigen und sich Landeigentum anzueignen.[26] Im Großen und Ganzen blieb jedoch das System erhalten, bei dem unter einem König verschiedene Clans der privilegierten Adelsschicht um die Macht kämpften. Diese Clans hatten sich zum Jahrhundertende in vier Gruppen gespalten. Nachdem die mandschurischen Qing den chinesischen Kaiserthron innen hatten, kam es in Korea einer weitgehenden Abschließung gegenüber der Welt. Innerhalb dieser Welt entwickelte sich ein langsamer Wirtschaftsaufschwung durch vermehrten Handel.

 
Burg-Edo vor ihrer Zerstörung durch einen Großbrand

Nach dem Sieg in der Schlacht von Sekigahara war Tokugawa Ieyasu der unangefochtene militärische Führer in Japan. Er begründete das Tokugawa-Shogunat, eine Herrscher-Dynastie, die Japan bis 1868 regierte. Mit Edo, dem heutigen Tokio, begründete er eine neue Hauptstadt, nach der auch die Epoche, Edo-Zeit, benannt wurde. Von Edo leiteten die Shogune zahlreiche Maßnahmen ein, um die Macht bei sich zu konzentrieren und dem Land nach einem Jahrhundert der Zersplitterung und militärischen Auseinandersetzungen Ruhe und Stabilität zu bringen.

Die Shogune bewirkten ihre formale Anerkennung durch den Tennō, den japanischen Kaiser. Die faktische Macht lag jedoch bei ihnen, sodass sie die Macht des Tennō stark beschneiden konnten. Die Rechte der Daimyos, Japans Lokalfürsten, beschränkten sie abgestuft nach dem Grad ihrer Loyalität. Zusätzlich banden sie sie durch Residenzpflicht und Verpflichtungen zur Aufwartung in der Hauptstadt an sich. Ferner wurde ihnen ein hierarchisches auf den Shogun ausgerichtetes Verwaltungssystem beiseitegestellt. Innerhalb dieses Rahmens besaßen die Daimyos in ihren Herrschaftsbereichen weitgehende Selbstverwaltungsrechte. Auch die buddhistischen Tempel und schintoistischen Heiligtümer wurden unter staatliche Aufsicht gestellt. Das Christentum, eine Minderheitsreligion in Japan, wurde mit immer stärkeren Verboten belegt, bis in den 30er Jahren eine systematische Christenverfolgung das Ende dieser Religion in Japan besiegelte.[27] Der starke portugiesische und spanische Einfluss auf Japan durch christliche Missionare sowie zahlreiche Christen unter den Gegnern der Shogune beeinflussten ihre Entscheidung zur Verfolgung dieser Religion.

Zur Politik der Machtkonzentration in der Person des Shogun gehörte auch die Politik der Abschottung gegenüber dem Ausland. Kein Japaner durfte das Land verlassen.[28] Zu den wenigen Handelspartnern, die mit Japan zum Ende des Jahrhunderts noch Geschäfte machen durften, gehörten Chinesen, Koreaner und Niederländer. Diplomatie und Außenhandel wurden durch den Staat über wenige Häfen, wie den von Nagasaki, gesteuert.[27]

Im 17. Jahrhundert stieg der Anteil der Städter in Japan stark an, wobei die Städte Edo, Osaka und Kyōto dominierten. Edo, die neue Hauptstadt, wuchs im 17. Jahrhundert extrem schnell zu einer der größten Städte der Welt. Die Nachfrage der Stadtbewohner und der Handel zwischen den Städten führten zum Jahrhundertende zu einem starken Wirtschaftsaufschwung. Trotz Verstädterung blieb Japan mit einer städtischen Bevölkerung von 4 % ein Agrarland, dessen Hauptnahrungsmittel Reis war. Die Bauern bildeten dann auch die mit Abstand größte Gruppe. Sie waren an ihre Dorfgemeinschaften gebunden und haften kollektiv für Abgaben. Die Erweiterung der Agrarflächen und bessere Anbaumethoden ließen die Bevölkerung stark wachen.

Japans Kultur prägten die städtischen Handwerker und Kaufleute.[28] Mit dem Anstieg der Produktion von Druckerzeugnissen und der Einrichtung neuer Schulen stieg die Lesefähigkeit der Bevölkerung stark an. Der Neo-Konfuzianismus fand immer mehr Anhänger, die einen Diskurs mit den Anhängern des Buddhismus und des Shintō, der traditionellen japanischen Riten, anregten.

Der Indische Ozean und SüdostasienBearbeiten

 
Nachbau eines Ostindienfahrers

War Portugal im 16. Jahrhundert zeitweise die dominierende Macht im Indischen Ozean und südostasiatischen Handel, so traten in diesem Jahrhundert privatrechtlich organisierte Handelskompanien mehrerer europäischer Reiche ihren Siegeszug an. Vor allen die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) eroberte sich eine führende Stellung im Handel mit Gewürzen der südostasiatischen Inselwelt.[29] Durch die Ausgabe von Aktien kam die VOC zu einem großen Kapitalstock, mit der sie in Ostindienfahrer genannte Schiffe investierte.[29] Diese waren den portugiesischen Schiffen überlegen, sodass es der VOC gelang, einen großen Teil der portugiesischen Emporien in Südostasien und auf Sri Lanka zu übernehmen. Im Gegensatz zu den Portugiesen kontrollierte die VOC nicht nur einige entscheidende Handelswege, sondern zwang die Gewürzproduzenten, insbesondere auf den Molukken-Inseln, unter Gewaltandrohung ausschließlich an sie zu liefern.[29] Auf den Banda-Inseln tötete und versklavte sie die einheimische Bevölkerung und ließ die Gewürze von niederländischen Siedlern produzieren. Vor Ort stationierte Schiffe sicherten das Monopol im Gewürzhandel. Die Operationen wurden vom Hauptstützpunkt Batavia geleitet. Mit einigen Ausnahmen übte die VOC ihre Macht von einigen Handelsstützpunkten aus, während sie mit lokalen Machthabern Verträge abschloss, wobei sie den Vertragsabschluss manchmal mit Waffengewalt erzwang. War der Schwerpunkt der VOC zunächst im Gewürzhandel, verlagerte sie zum Jahrhundertende ihre Fracht auf luxuriöse Textilen und andere Fertigwaren aus Asien. Dabei nahm der Handel mit China eine zunehmende Bedeutung ein. Angeregt durch die chinesischen Produkte entstand in Europa die Mode der Chinoiserie, die im 18. Jahrhundert ihre Blüte erreichte. Im Lauf des Jahrhunderts stieg auch der innerasiatische Handel der VOC an.

Die niederländische Handelsgesellschaft war primär kommerziell ausgerichtet, sodass sie im Gegensatz zu den iberischen Mächten keine aktive christliche Missionierung betrieb. Parallel zu den Europäern betrieben Araber, Perser und Südostasiaten maritimen Handel im Indischen Ozean. Im Vergleich zu den Europäern handelten sie mehr mit groben Textilien sowie Massenwaren und waren mit kleineren Schiffen unterwegs. Im Gegensatz zur Anonymität der Handelsgesellschaften beruhte ihr Handel auf persönlichen Bindungen, individuellem Unternehmertum oder kleineren Personenzusammenschlüssen. Durch die Expansion dieses Handelssektors im Laufe des Jahrhunderts entstand ab den 1670er Jahren eine durch Überangebot verursachte Krise.

Auf dem südostasiatischen Festland festigten sich die vom Buddhismus geprägten Reiche. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts vereinten die Herrscher Anaukpetlun und Thalun das zuvor in mehrere Reiche zersplitterte Birma wieder und dehnten ihren Einfluss bis nach Nordthailand aus. Ihr westlicher Nachbar, das Küstenreich Arakan, war einerseits dem Druck des Mongulreiches anderseits dem von Portugiesen und Niederländern ausgesetzt. Die birmanischen Könige stabilisierten ihr Reich durch Land- und Verwaltungsreformen. Der Wechsel der Hauptstadt von der Küstenstadt Pegu zum inländischen Ava war eine Maßnahme, um die Außenorientierung Birmas zu verringern. Trotzdem setzten die wiederkehrenden Invasionen Chinas Birma in der zweiten Jahrhunderthälfte stark zu.[29] Birmas östlicher Nachbar das thailändische Ayutthaya öffnete sich hingegen ausländischen Einflüssen und versuchte mit einer Schaukelpolitik zwischen den einzelnen europäischen Handelsgesellschaften und den verschiedenen asiatischen Händlernetzen, für sich den größten politischen und wirtschaftlichen Vorteil zu erlangen. Nachfolgekämpfe um den Königsthron schwächten das Land zeitweise und führten ab 1688 zu einer Abkehr von der liberalen Handelspolitik.[29] Da weder Birma noch Ayutthaya längerfristig die Oberhand in der Region erringen konnten, blieb den kleineren Reichen wie Laos und Kambodscha Raum für ihre Entwicklung. In Vietnam gewann der Klan der Nguyen mehr und mehr die Oberhand. Er eroberte das südlich gelegene Reich der Cham und gliederte es in Vietnam ein.[29]

AmerikaBearbeiten

NordamerikaBearbeiten

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Mittelamerika einschließlich der Karibik unter spanischer Kolonialherrschaft, während das Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten von Amerika und Kanadas von zahlreichen unabhängigen indigenen Völkern besiedelt wurde. Im Laufe des Jahrhunderts kämpften Engländer, Franzosen, Niederländer und Spanier um die Inseln der Karibik, wobei die Spanier einige Inseln an ihre europäischen Konkurrenten verloren. Beim Kampf gegen die anderen europäischen Reiche vergaben vor allem die Engländer Kaperbriefe an Piraten, während die Niederländische Westindien-Kompanie (WIC) verstärkt selbst die Raubüberfälle organisierte.[30] Die zweite Hälfte des Jahrhunderts gilt als goldenes Zeitalter der Piraterie in der Karibik. Für die europäischen Reiche waren die Inseln deshalb interessant, weil sie mit der Plantagenwirtschaft hohe Gewinne erzielen konnten. Als Arbeitskräfte nutzten sie im großen Maßstab afrikanische Sklaven.[30]

 
Ansicht des niederländischen Nieuw Amsterdam (heute New York)

Für viele europäische Herrscher und die niederländische WIC war die Karibik wirtschaftlich wesentlich lukrativer als das nördlich davon gelegene Amerika, was sich in ihren Prioritäten niederschlug. Die Engländer verfolgten dort eine effektive Einwanderungsstrategie. So wurde die Anzahl der in kleinen englischen Kolonien angesiedelten Menschen weit größer als die der Franzosen, Niederländer und Schweden. Die europäischen Siedler nahmen den einheimischen indigenen Stämmen Land sowohl durch Waffengewalt als auch durch Tausch gegen Waren. Während die Zahl der Europäer in Nordamerika wuchs, starben viele Einheimische an den von den Immigranten mitgebrachten Krankheiten, gegen die sie kaum Abwehrkräfte besaßen.

Die europäischen Migranten hatten sowohl sehr heterogene religiöse Anschauungen als auch unterschiedliche wirtschaftliche Ressourcen. Zu ihnen zählten auch zahlreiche Menschen aus den deutschen Ländern. Die Engländer konnten die meisten Kolonisten ansiedeln. Von diesen kam ein signifikanter Teil nach Amerika, um nach ihren religiösen Vorstellungen zu leben, die in Europa nicht geduldet wurden. Die englische Krone vergab sehr oft Erlaubnisse, meistens Charters, an Konsortien privater nicht-adeliger Geldgeber. Dadurch konnten diese ihre Territorien im Rahmen der königlichen Privilegien selbst organisieren. Sehr oft entstanden enge Dörfer, um eine Kirche. In den Kolonien südlich des Flusses Delaware herrschten größere Plantagen vor, wo insbesondere Tabak angebaut wurde.[30] Auf ihnen arbeiteten Kontraktarbeiter, die sich als Entgelt für die Überfahrt zu einer mehrjährigen Arbeitsleistung für den Kontraktpartner verpflichteten. Erst als diese Ende des Jahrhunderts ausblieben, begannen die Plantagenbesitzer afrikanische Sklaven zu kaufen.

LateinamerikaBearbeiten

Ein massiver Ausgriff Europas auf die Welt setzte mit der Entdeckung Amerikas 1492 ein. Das 16. Jahrhundert erlebte die gewaltsame Inbesitznahme Lateinamerikas durch spanische und portugiesische Eroberer. Das erste Interesse galt der Plünderung der Goldvorkommen und bescherte Spanien und Portugal keinen langfristigen Vorteil. Die Preise für Gold sanken mit dem wachsenden Angebot. Die Ausbeutung Lateinamerikas brachte ihre eigene Entwertung mit sich. Plantagen wurden in Lateinamerika eingerichtet, entwickelten jedoch nicht die Kraft, die beiden iberischen Kolonialmächte vor dem politischen und wirtschaftlichen Niedergang zu schützen, den sie im 17. Jahrhundert erleben.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Andreas Weigl: Bevölkerungsgeschichte Europas: von den Anfängen bis in die Gegenwart. Böhlau Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-8252-3756-1, S. 40.
  2. a b Christian Kleinschmidt: Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit. Verlag C.H.Beck, München 2017, ISBN 978-3-406-70800-8, S. 36–37.
  3. a b Bernd Hausberger: Ein Jahrhundert zwischen Belcanto, Piraterie und Inflation. In: Bernd Hausberger (Hrsg.): Die Welt im 17. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-267-6, S. 11–33.
  4. a b c d e f g Robert von Friedeburg: Europa in der frühen Neuzeit (= Neue Fischer Weltgeschichte. Band 5). S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-10-010623-0, S. 219, 246, 254, 294–297.
  5. a b Michael North: Geschichte der Niederlande. 4. Auflage. Verlag C.H.Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65339-1, S. 37–65.
  6. a b c d e f g h i j k l m Michael Limberger: "Goldenes Zeitalter" oder "eisernes Jahrhundert"? - Westeuropa. In: Bernd Hausberger (Hrsg.): Die Welt im 17. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-267-6, S. 39–66.
  7. a b c d e f Peter Claus Hartmann: Geschichte Frankreichs – Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 5. Auflage. Verlag C.H.Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-67330-6, S. 23–35.
  8. a b c d Jürgen Heyde: Geschichte Polens. 3. Auflage. Verlag C.H.Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-50885-1, S. 41–42.
  9. a b c d e Hans-Heinrich Nolte: Apokalypse oder Aufklärung? - Osteuropa. In: Bernd Hausberger (Hrsg.): Die Welt im 17. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-267-6, S. 71–95.
  10. Siehe zu Lebenserwartung und Statistiken eingehender Edmond Halleys Veröffentlichung für die Royal Society (1696).
  11. Rainer Decker: Hexen. Primus Verlag, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-89678-838-2.
  12. Max Roser, Esteban Ortiz-Ospina: Literacy. In: OurWorldInData.org. 2018, abgerufen am 25. März 2018 (englisch).
  13. a b c d e f Reinhard Schulze: Im globalen Wettbewerb des 17. Jahrhunderts - Die islamische Welt. In: Bernd Hausberger (Hrsg.): Die Welt im 17. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-267-6, S. 185- 209.
  14. a b c d e Gudrun Krämer: Geschichte des Islam. Verlag C.H.Beck, München 2005, ISBN 3-406-53516-X, S. 226–227.
  15. a b Johanna Pink: Geschichte Ägyptens - Von der Spätantike bis zur Gegenwart. Verlag C.H.Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66713-8, S. 126.
  16. a b c Andreas Eckert: Sklavenhandel und politische Fragmentierung. In: Bernd Hausberger (Hrsg.): Die Welt im 17. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-267-6, S. 165–166,179.
  17. a b c d e Suraiya Faroqhi: Geschichte des Osmanischen Reiches. 5. Auflage. Verlag C.H.Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-46021-0, S. 59–61, 73.
  18. a b c d Gudrun Krämer: Der Vordere Orient und Nordafrika ab 1500 (= Neue Fischer Weltgeschichte. Nr. 9). S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-10-010829-6, S. 241, 265, 308.
  19. a b c Monika Gronke: Geschichte Irans. C.H.Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-48021-8, S. 74–82.
  20. a b c d e f g Michael Mann: Das Imperium der Mogulen – Südasien und der Indische Ozean. In: Bernd Hausberger (Hrsg.): Die Welt im 17. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-267-6, S. 217–242.
  21. a b c d Hermann Kulke, Dietmar Rothermund: Geschichte Indiens – Von der Induskultur bis heute. 2. Auflage. Sonderausgabe. Verlag C.H.Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60414-0, S. 263–267.
  22. Sumit Guha: "Rethinking the Economy of Mughal India", in: Journal of the Economic and Social History of the Orient, Vol. 58, Nr. 4 (2015), Leiden
  23. Michael Naylor Pearson: „Shivaji and the Decline of the Mughal Empire“, in: Journal of Asian Studies XXXV/2 (Feb. 1976), Ann Arbor, S. 221–35.
  24. a b c d e f Kai Vogelsang: Geschichte Chinas. 3. Auflage. Reclam-Verlag, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-15-010933-5, S. 385–407.
  25. a b c d e f g Angela Schottenhammer: Ein Weltreich im Umbruch - China. In: Bernd Hausberger (Hrsg.): Die Welt im 17. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-267-6, S. 275–276, 285–288, 303.
  26. a b Marion Eggert, Jörg Plassen: Kleine Geschichte Koreas. Verlag C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52841-4, S. 82–95.
  27. a b Sepp Linhart: Erster Schritt zur Errichtung eines Imperiums - Japan. In: Bernd Hausberger (Hrsg.): Die Welt im 17. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-267-6, S. 319–321;323–339.
  28. a b Manfred Pohl: Geschichte Japans. 5. Auflage. Verlag C.H.Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66440-3, S. 44–58.
  29. a b c d e f Tilman Frasch: Eine Region in der Krise? - Südostasien. In: Bernd Hausberger (Hrsg.): Die Welt im 17. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-267-6, S. 247–270.
  30. a b c Claudia Schnurmann: Neue Welten für Europäer und Amerikaner - Nordamerika. In: Bernd Hausberger (Hrsg.): Die Welt im 17. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85476-267-6, S. 131–161.