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18. Jahrhundert

Jahrhundert

Das 18. Jahrhundert begann am 1. Januar 1701 und endete am 31. Dezember 1800. Die Weltbevölkerung zu Beginn dieses Jahrhunderts wird im Mittel auf 600 Millionen Menschen geschätzt, während sie zum Ende des Jahrhunderts schätzungsweise auf 970 Millionen Menschen anstieg.[1][2] Somit übertraf das weltweite Bevölkerungswachstum dieses Jahrhunderts das kumulierte Wachstum der vorherigen fünf Jahrhunderte. Während die globale Vernetzung aller Kontinente weiter voranschritt, wandelte sich der Globus von einer multipolaren Welt mit ihrem frühneuzeitlichen Gleichgewicht zu einer zunehmend europäisch dominierten Welt, wobei Großbritannien zum mächtigsten europäischen Akteur wurde.[3] Diese Stellung erreichte es durch seine Vorreiterrolle im Welthandel und der Industrialisierung. Durch die Vernetzung Europas mit der Welt hatten europäische Konflikte vielfach Auswirkungen in anderen Teilen des Globus.[1] Europäische Handelsgesellschaften spielten im globalen Handel eine große Rolle, wobei es ihnen gelang regional oder sektoral Handelsmonopole mit Waffengewalt aufzubauen und zu verteidigen. In einigen Regionen, wie Ost- und Südostasien, spielten sie hingegen eine geringe Rolle.

Die europäisch-amerikanische Bewegung der Aufklärung forderte eine rein rationale Weltsicht und Gestaltung der Gesellschaft. Sie beeinflusste nicht nur Kunst, Literatur und Bildung, sondern auch die Politik. Deshalb sprechen einige Historiker auch vom „Jahrhundert der Aufklärung“. In diesem Jahrhundert begann in Westeuropa die Transformation von einer ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft.[4] Viele Aufklärer unterstützten die herrschenden Monarchen bei der Modernisierung ihres Reiches, kam es jedoch zur Revolution versuchten sie diese zu steuern und gestalteten die neue Ordnung entscheidend mit. Mit der französischen und amerikanischen Revolution begann die Epoche des bürgerlichen, modernen Verfassungsstaates. Nach zahlreichen europäischen Kriegen begann sich ein Gleichgewicht von fünf europäischen Großmächten zu formen, das bis zum Ersten Weltkrieg Europas Politik prägte. Eine dieser Großmächte, Russland, wurde nach grundlegenden Reformen von Staat und Armee nicht nur eine europäische Großmacht, sondern expandierte auch als größter Flächenstaat Asiens.

In Asien wandelte sich das indische Mogulreich von einem zentralen Verband zu einem losen Staatenbund.[5] Neben nachhaltigen Strukturreformen der Regionalreiche brachte der Transformationsprozess zahlreiche Kriege und Erbfolgekriege mit sich. In diesem Umfeld schaffte es die Britische Ostindien-Kompanie, in der zweiten Jahrhunderthälfte neben der Konföderation der Marathen zur mächtigsten Organisation Südasiens zu werden. Das Chinesische Kaiserreich setzte seine Expansion in Asien fort bis es 1759 seine größte Ausdehnung erreichte. Dieses große Reich erlebte wirtschaftlichen Wohlstand und starkes Bevölkerungswachstum. Japan verfolgte weiterhin seine Abschottungspolitik gegenüber dem Rest der Welt, während sich die Staaten des südostasiatischen Festlandes konsolidierten und ihre Unabhängigkeit gegen europäische und chinesische Herausforderer verteidigten. Auf der südostasiatischen Inselwelt bauten die Chinesen ihre Präsenz und ihren Einfluss stark aus.

Durch ihren Sieg über die Franzosen waren die Briten vorübergehend zur mächtigsten Kolonialmacht des Nordamerikanischen Kontinents geworden. Diese Vormachtstellung verloren sie mit der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika. Wirtschaftlich profitierten die Vereinigten Staaten wie auch die europäischen Kolonien der Karibik und Lateinamerikas von der Arbeitskraft von Millionen afrikanischer Sklaven. Die Jagd nach Sklaven und die Verschiffung nach Amerika erreiche in diesem Jahrhundert ihren Höhepunkt.[1]

Inhaltsverzeichnis

EuropaBearbeiten

 
Europa im Jahr 1789

Das Europa des 18. Jahrhunderts wird im Wesentlichen der Epoche der Frühen Neuzeit zugerechnet. Der Kontinent gliederte sich in zahlreiche christlich geprägte Territorialreiche. Die Reiche Westeuropas hatten in groben Zügen die heutige Ausdehnung. Die Mitte Europas war in zahlreiche mittlere und Kleinstterritorien zersplittert, die Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation waren. Unter ihnen ragten Preußen und Österreich heraus, die in diesem Jahrhundert vor allem durch ihre Territorien außerhalb des Reiches sich zu europäischen Großmächten entwickelten. Auch die Bedeutung Russlands stieg mit dem Erwerb zahlreicher Territorien. Dies geschah teilweise zulasten Schwedens, das zusammen mit den Niederlanden in die zweite Reihe europäischer Reiche zurückfiel.[1] Großer Verlierer war Polen, dessen Territorium unter Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt wurde.[1] Das Osmanische Reich konnte seine Territorien auf dem südlichen Balkan trotz einiger vorübergehender Verluste halten.

Zentral- und SüdosteuropaBearbeiten

Von den zahlreichen Territorien in der Mitte Europas, die Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation waren, waren Bayern, Sachsen und das mit Großbritannien in Personalunion regierte Kurfürstentum Hannover größere Herrschaftsgebiete. Durch zahlreiche Kriege unter anderem gegen Österreich stieg Preußen neben diesem zum bedeutendsten Akteur im Reich auf.

Preußens Herrscher von der Dynastie der Hohenzollern erlangten zu Beginn des Jahrhunderts mit der Königswürde eine symbolische Rangerhöhung. Sie bauten ein starkes Heer auf, führten aber bis 1740 kaum kriegerische Auseinandersetzungen. Im Jahr 1740 eroberte Friedrich der Große im Rahmen des Österreichischen Erbfolgekrieges das österreichische Schlesien und wehrte alle Rückeroberungsversuche ab. Im darauffolgenden Siebenjährigen Krieg, indem Preußen mit Frankreich, Österreich und Russland mächtigen Gegnern gegenüberstand, konnte Friedrich den Status halten. Mit der Teilungen Polens gewann sowohl Preußen als auch Österreich weiteren Besitz außerhalb des Heiligen Römischen Reiches dazu.

Preußens Kriegsgegner Österreich verlor mit Schlesien seine ertragreichste Provinz. Um Maria Theresia die Nachfolge als Herrscherin über alle österreichischen Territorien zu sichern, hatte Österreich viel Geld ausgegeben, was für die Armee fehlte. Schon vor der Niederlage gegen Preußen hatte Österreich einige bis 1718 eroberte Gebiete auf dem Balkan wieder an das Osmanische Reich verloren. Wie in Schlesien scheiterten auch auf dem Balkan weitere Rückeroberungsversuche.[6] Dort war Österreich mit den zunehmenden Machtansprüchen Russlands konfrontiert. Als Konsequenz der Niederlagen führte die Krone zahlreiche Reformen im Militär, der Verwaltung und des Besteuerungssystems durch. Der Versuch insbesondere Joseph II. eine absolutistische Herrschaft aufzubauen, gelang nur ansatzweise.[6] Zwar vergrößerte sich der Hofstaat und eine zentrale Bürokratie wurde aufgebaut, doch durch ein Patronage-System bei der Vergabe der Hofämter behielt der österreichische Adel einen großen Teil seiner Macht. Auch der ungarische Adel konnte seine starke Stellung behaupten.

WesteuropaBearbeiten

GroßbritannienBearbeiten

 
Der Sieg in der Seeschlacht bei Kap St. Vincent von 1780 gegen die Spanier war einer der zahlreichen Siege der Royal Navy im 18. Jahrhundert.

Die Königreiche England und Schottland, die zuvor von denselben Monarchen regiert wurden, schlossen sich im Act of Union von 1707 zum Königreich Großbritannien zusammen. Im Jahr 1717 erbte ein Zweig der protestantischen Welfen, die auch Kurfürsten von Hannover waren, vor dem Hintergrund des Act of Settlement die Krone. Dennoch mussten sie ihre Legitimität gegenüber den Anhängern der katholischen Nachfolger Jakob II. lange rechtfertigen. Erst nach dem gescheiterten Umsturzversuch der Jakobiten von 1745/46 fühlte sich die Dynastie genügend sicher, um stärker in die aktive Politik einzugreifen. Als Konstitutionelle Monarchen waren sie bei vielen Entscheidungen auf die Zustimmung des Britischen Parlaments angewiesen. Dieses konnten nur Männer bestimmter Stände und Besitzer eines Mindestvermögens wählen, sodass große Bevölkerungsteile vom Wahlrecht ausgeschlossen waren. Weiterhin repräsentierten die Wahlkreise in keiner Weise die tatsächliche Verteilung der Bevölkerung. So waren fast ausschließlich Adelige im Britischen Parlament vertreten, da diese über den nötigen Einfluss und das notwendige hohe Vermögen für eine Wahl verfügten. Während bürgerliche Schichten durch Lobbyarbeit Einfluss nahmen, versuchten sich die anderen Schichten durch regelmäßige Krawalle, „riots“, Gehör zu verschaffen. Um 1700 hatten sich zwei Parteien herausgebildet, Whigs und Tories, deren Grundansichten sich in einigen Politikfeldern grundlegend unterschieden.

In zahlreichen europäischen Kriegen, die oft auch einen außereuropäischen Schauplatz hatten, stieg Großbritannien zur führenden Großmacht und zur Seemacht auf. Großbritannien konzentrierte sich auf seine Kriegsmarine und investierte im Gegensatz zu seinen europäischen Rivalen relativ geringe Beträge in seine Landstreitkräfte. Obwohl Frankreich, die Niederlande und Spanien ihre Flotten in der zweiten Jahrhunderthälfte massiv aufrüsteten, behielt Großbritannien seine Vormachtstellung auf See.[1]

FrankreichBearbeiten

 
Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 wurde zum Symbol für die Französische Revolution.

Die französischen Monarchen hatten den Anspruch, alle wichtigen politischen Entscheidungen absolutistisch und zentral zu treffen.[7] In der Realität hatte der Adel jedoch Einflussmöglichkeiten seine Interessen durchzusetzen. Der Adeligen, von denen viele großes Grundvermögen besaßen, genossen wirtschaftliche und rechtliche Privilegien. Die finanziellen Lasten für den Staat trugen die Bürger und Bauern. Eine führende Rolle bei der Bewahrung der Privilegien nahm der vom Amtsadel dominierte Pariser oberste Gerichtshof (Pariser Parlement) ein, der zunehmend das Recht zur Blockade von königlichen Gesetzen dazu nutzte, seine Privilegien gegen Reformversuche zu verteidigten.[7] Nach dem missglückten Papiergeldexperiment John Laws schaffte die merkantilistische Politik des Ministers de Fleury von 1726 bis 1743 Währungsstabilität und Wirtschaftsaufschwung.

Das Regierungssystem baute auf einem starken Monarchen auf, doch nach dem Tod Ludwig XIV. wurde die Monarchie zunehmend schwächer. So überließ sein Nachfolger nach dem Tod de Fleurys die Herrschaft teilweise seinen Mätressen.[7] Danach führten hohe Staatsausgaben durch Kriege und Hofhaltung gepaart mit einer Reformunfähigkeit zu prekären wirtschaftlichen Verhältnissen des Staates. Verluste von Kolonialterritorien in Amerika und Indien sowie eine zunehmend stärkere Polemik gegen die Monarchie in der öffentlichen Diskussion schwächten ihr Ansehen.[7] Der König versuchte, durch die Freigabe der Getreideexports einen wirtschaftlichen Aufschwung zu erzielen. Als Nebenwirkung trafen Missernten und die damit verbundene Inflation die Stadtbevölkerung umso härter. Hinzu kamen Spannungen auf dem Land, wo der Landadel seinen Grundbesitz zulasten der bäuerlichen Allmende ausgeweitet hatte.[4] Im Jahr 1789 eskalierten die Probleme zur Französischen Revolution. Der König rief nach über einem Jahrhundert die Versammlung der Generalstände ein, um die Finanzen neu zu ordnen. Da die Vertreter des Dritten Standes aus Bürgern und Bauern, die den ganz überwiegenden Teil der Bevölkerung repräsentierten, nicht mehr den alten Ständeproporz akzeptierten, gründeten sie die Nationalversammlung zur alleinigen Repräsentation der Bevölkerung.[7] Kurz danach eskalierte der städtische und bäuerliche Protest gegen die wirtschaftliche Benachteiligung in gewaltsamen Aktionen gegen die alten Autoritäten. Die Nationalversammlung schaffte viele Privilegien der alten Eliten ab, führte die Gewaltenteilung ein und verfasste die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte.[7] Weil Frauen in der Erklärung unerwähnt blieben, veröffentliche Olympe de Gouges eine Erklärung zu Frauenrechten.[4] Adel und die Kirche wurden entmachtet und es entstand ein bürgerlicher Verfassungsstaat. Der neu verfasste Staat finanzierte sich zu einem Teil durch die Säkularisation von Kirchengütern. Danach erklärte Frankreich Österreich den Krieg, der sich zu einem Krieg mit einer europäischen Fürstenkoalition ausweitete, die zuvor mit der Beseitigung der Revolution gedroht hatte. Die Angst der Revolutionäre vor einer Besetzung Frankreichs durch ausländische Mächte war einer der Gründe, die zu einer starken Radikalisierung der Revolution führten. Die Radikalisierung erreichte mit dem Terrorregime des „Wohlfahrtsausschusses“ ihren Höhepunkt. In dieser Zeit wurden der oft zögerlich agierende König und die Königin geköpft. Das anschließend herrschende Direktorium nahm einige Freiheiten wieder zurück und setzte Napoleon Bonaparte an die Staatsspitze. Dieser hatte sich zuvor an der Spitze eines Revolutionsheeres einen Namen gemacht.[1] Die Revolutionsheere eroberten bis zum Jahrhundertende an Frankreich angrenzende Territorien, unter anderem auf der italienischen Halbinsel, Holland und die deutschsprachigen Gebiete westlich des Rheins.[7]

SpanienBearbeiten

Das Ergebnis des Spanischen Erbfolgekrieges brachte Spanien mit dem Dynastiewechsel zu den spanischen Bourbonen eine Orientierung weg vom österreichischen hin zum französischen Lager. Zur Wahrung des europäischen Gleichgewichts herrschte die spanische Dynastie nicht mehr über Territorien außerhalb der Iberischen Halbinsel. Die Spanischen Niederlande fielen an Österreich, während Süditalien nur kurzfristig an Österreich fiel und ab 1735 von Seitenlinien des spanischen Königshauses regiert wurde.

Die Reformen der neuen Dynastie gestalteten das Iberische Spanien zentralistischer. Wirtschaftsreformen schafften die Binnenzölle ab, sodass ein einheitlicher Wirtschaftsraum entstand.[8] Zusammen mit der Förderung von Gewerbe und Industrie führten die Reformen zu einem Wirtschaftsaufschwung. Von diesem profitierte auch der Staat aufgrund von Steuerreformen. In den 1780er Jahren erlebte Spanien das Ende der Reformen und einen Wirtschaftsabschwung.[8] Dauerhafte Kriege folgten, für die Spanien trotz Kolonien und Wirtschaftsreformen weit weniger Ressourcen mobilisieren konnte als sein Kriegsgegner Großbritannien. Die Französische Revolution, die Spaniens Elite in Befürworter und Gegner teilte, schwächste das Land innenpolitisch.

OsteuropaBearbeiten

In Polen hatte der Adel, der den Monarchen wählte, eine sehr starke Stellung. Er ernannte aufgrund hoher Bestechungsgelder vorwiegend ausländische Monarchen. Zu Jahrhundertbeginn erlitt Polen im Großen Nordischen Krieg, unter anderem durch das Scheitern des Sachsen August des Starken, große Zerstörungen und hatte keinen außenpolitischen Einfluss mehr. Polen konnte sich danach wirtschaftlich wieder erholen. Verwaltungs-, Struktur- und Armeereformen blieben jedoch aufgrund von Streitigkeiten zwischen den Adelsgruppen untereinander und zwischen Hof und Adel aus. So stellte Polen keine starke Armee, die auf dem technischen und taktischen Niveau der Nachbarn war.[9] Bei den Adeligen standen sich Befürworter Preußens und Russlands unversöhnlich gegenüber. Ein Vertrag mit Russland führte schließlich zum Bürgerkrieg, in den die Nachbarn Polens involviert wurden. Diese teilten am Ende einen Teil Polens unter sich auf. Im Geiste der Aufklärung wurde in Polen eine Verfassung verabschiedet. Dies nahmen Österreich, Russland und Preußen zum Anlass in zwei weiteren Stufen Polen ganz unter sich aufzuteilen.

Mit seinem Sieg gegen Schweden im Großen Nordischen Krieg erreichte Russland nicht nur einen Ostseezugang, sondern stieg auch endgültig in die Gruppe der europäischen Großmächte auf.[10] Zum Sieg trugen die Verbesserung der russischen Armee und der Aufbau einer Marine bei. Diese Veränderungen waren Teil zahlreicher Militär-, Wirtschafts- und Gesellschaftsreformen, die Peter der Große durchführte. Dabei kopierte er westeuropäische Technik und gesellschaftliche Standards. Die Reformen betrafen im Wesentlichen die russische Elite, die sich zunehmend nach Westen orientierte. Das Leben der Unterschichten wurde hingegen kaum verändert.[10] Der Bau der neuen Hauptstadt Stadt Sankt Petersburg, mit seiner an Westeuropa orientierten Architektur, war ein Symbol der Wendung Russlands nach Westen.[10] Er kostete aber auch viele Menschenleben. In diesem Jahrhundert, in dem die russische Bevölkerung stark wuchs, expandierte Russland unter anderem bis zur Halbinsel Krim. Zwar regierten die Zaren ihr Vielvölkerreich autoritär, doch konnten sie das Reich nur begrenzt vereinheitlichen. Der Adel konnte seine Interessen, zum Beispiel die Umwandlung von Lehensgütern in Privateigentum, durchsetzen. Dennoch gelang es den Zaren, ihn an ihren Hof zu binden.[9] Unter Katharina der Großen wurde die Leibeigenschaft der Bauern rechtlich verankert und sie wurden zum persönlichen Eigentum ihrer Herren. Mit dem Export von Massengütern wie Eisen und Felle ins übrige Europa erzielte Russland einen Handelsbilanzüberschuss.[9] Das Geld wurde teilweise für die Anwerbung ausländischer Experten ausgegeben. Auch zahlreiche deutsche Siedler wurden mit dem Versprechen, dass sie eigenständig fruchtbares Land bebauen dürften, angeworben.

WirtschaftBearbeiten

In diesem Jahrhundert leiteten die Agrarrevolution und die beginnende Industrielle Revolution einen grundlegenden Strukturwandel ein und führten zu einem starken Anstieg der Produktivität. Mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel gingen grundlegende gesellschaftliche Veränderungen einher. Die meisten europäischen Länder versuchten getreu den Prinzipien der Merkantilismus ihre Wirtschaft zu fördern, indem sie die Infrastruktur ausbauten, das heimische Gewerbe, die Industrie unterstützen und sie vor ausländischer Konkurrenz durch Zölle abschotteten.

Wissenschaft, Technik und BildungBearbeiten

Die Wissenschaft bekam durch die Aufklärung neuen Schwung. Waren in den vorherigen Jahrhunderten wissenschaftliche Diskussionen auf kleine Elitenkreise beschränkt, beschäftigen sich nun größere Bevölkerungsgruppen mit diesen Themen. Die Aufklärung führte zu einem starken Anstieg an gedruckten Werken und damit einer Intensivierung des Wissensaustausches. In Enzyklopädien, wie der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, versuchten einige Aufklärer das Wissen der Zeit zusammenzufassen.[11] Die Wissenschaft des 18. Jahrhunderts wollte die Natur erforschen, um praktische Probleme der Zeit lösen zu können. Vor diesem Hintergrund erfuhr sie eine stark steigende öffentliche Förderung. In vielen europäischen Hauptstädten wurden neue wissenschaftliche Akademien gegründet und bestehende ausgebaut. Zur Lösung der praktischen Problemstellungen der Zeit konnten die Gelehrten auf die Grundlagen des 17. Jahrhunderts zurückgreifen. Neben der Weiterentwicklung vorhandenen Wissens wurden immer mehr Themen mit naturwissenschaftlichen Methoden erforscht, so entstanden die Grundlagen von Biologie, Chemie und Wärmelehre. Der Forschergeist und Entdeckungsdrang aber auch der erhoffte praktische Nutzen war Antrieb zahlreiche Forschungsreisen. Starke Beachtung fanden zwei internationale Forschungskooperationen, bei der mehrere Expeditionen den Venusdurchgang und damit die Distanz zur Sonne maßen. Zusammen mit der von John Harrison entwickelten Schiffsuhr konnte nun der Längengrad auf See ermittelt werden, was das Navigieren erheblich erleichterte. Durch die Erfindung der Dampfmaschine und ihre Weiterentwicklung durch James Watt wurde eine Schlüsseltechnologie der Industriellen Revolution bereitgestellt.

Kunst und KulturBearbeiten

 
Die Wieskirche wurde im Stil des Rokoko gebaut.

Zu Jahrhundertbeginn knüpften zahlreiche Künstler an den Barockstil des vorherigen Jahrhunderts an. Insbesondere im deutschen Kulturraum, in Russland und Spanien entstanden zahlreiche barocke Kirchen und Schlösser.[11] Mit Prachtentfaltung und verschwenderischer Darstellung sollten die Kunstwerke das Prestige des Auftraggebers darstellen und seine Macht legitimieren. In einigen Gegenden steigerte sich der Barock zum Rokoko.[11] Einerseits nahm die Üppigkeit der Schmuckelemente zu, andererseits löste sich das Rokoko von der strengen Symmetrie des Barock. In der zweiten Jahrhunderthälfte kam der Klassizismus als Gegenbewegung zu Barock auf. Klassizistische Kunstwerke gingen mit schmückenden Elementen sehr sparsam um. Besonders prägnant zeigte sich der neue Stil in der Architektur. Sie nahm direkten Bezug auf die klassische Antike, stattete Gebäude mit antiken Säulen und Portikus aus. Mit seiner rationalen Struktur wurde der Klassizismus inspiriert von der Aufklärung. Ferner lieferte die wissenschaftliche Archäologie, die in diesem Jahrhundert aufkam, Impulse. Barocke Gärten mit ihren großen geometrischen Blumengärten wurden durch Englische Landschaftsgärten abgelöst. Die Landschaftsgärtner erschufen ein Landschaftsbild, das ein Idealbild der Natur darstellen sollte. Dieses Bild wurde durch kleine Bauwerke akzentuiert und in Szene gesetzt.

Die mehrheitlich barocke Literatur wurde zu Beginn des Jahrhunderts durch die Werke der Aufklärung abgelöst. Diese setzten der eher bestandswahrenden Sichtweise des Barocks einen optimistischen Fortschrittsglauben entgegen. Ähnliche Entwicklungen vollzogen sich im Theater. Das bürgerliche Theater, das sein Niveau erheblich steigerte, begann seinen Siegeszug. Theaterstücke sollten das Publikum durch ein unverfälschtes Abbild der Natur überzeugen. Die Darstellung von Affekten, ein zentrales Stilmittel des barocken Theaters, wurde aufgegeben.

Die europäische Musik entwickelte sich im 18. Jahrhundert kontinuierlich vom Spätbarock zur Wiener Klassik. Dabei spielten vor allem italienische, französische und deutschsprachige Komponisten eine führende Rolle. Zu Beginn des Jahrhunderts entwickelten Musiker wie Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel den barocken Stil zur Perfektion. Eine strenge polyphonische Form und der dominierende Generalbass waren charakteristisch für ihre Stücke. Sie hatten vorwiegend die Form der Fuge, Sonate, Kantate oder Suite. Die Bedeutung der kirchlichen Musik, darunter Oratorien, die zu Jahrhundertbeginn noch eine starke Rolle spielte, nahm im Verlauf des Jahrhunderts ab.[12] Im Laufe des Jahrhunderts legten die Komponisten zunehmend Wert auf Melodieverlauf und Harmonik, wobei ihre Stücke immer homophoner wurden. Joseph Hayden entwickelte neben anderen das Streichquartett und die Sinfonie.[12] Die immer größere Rolle des Piano Forte zeigte sich unter anderem in den von Mozart entwickelten Klavierkonzerten.[12] Das Musikpublikum wurde zunehmend bürgerlicher und immer mehr Komponisten zogen eine selbständige Tätigkeit einer Festanstellung vor.[12] Insbesondere Händel wurde zum erfolgreichen Musikunternehmer. Die Oper entwickelte sich weiter, indem neben Opern mit dramatischen ernsthaften Inhalten, heitere Opern an Beliebtheit gewannen. Im deutschen Kulturraum kamen Singspiele auf, bei denen zwischen Gesangsnummern keine Rezitative gesungen wurden, sondern der Text gesprochen wurde. Das bekannteste Singspiel ist Mozarts Zauberflöte.

AsienBearbeiten

Indischer SubkontinentBearbeiten

Politische EntwicklungenBearbeiten

 
Der Indische Subkontinent im Jahr 1765

Die Dynastie der Moguln, deren Reich zu Beginn des Jahrhunderts den überwiegenden Teil des indischen Subkontinentes umfasste, verlor nach dem Tod Moguls Aurangzeb im Jahr 1707 zunehmend an Macht. Neben Erbfolgeauseinandersetzungen und Parteienkämpfen am Hof trug auch die Plünderung Delhis durch den afghanisch-persischen Nader Schah im Jahr 1739 zum Ansehensverlust und Niedergang der Moguln bei. Den Machtverlust nutzten mehrere Provinzherrscher, um in den 1720er Jahren als semi-autonome Herrscher aufzusteigen, wobei sie die Moguln als Oberherrscher formal anerkannten.[5] Ihre Herrschaftsbereiche Avadh, Bengalen, Hyderabad und das Reich der Marathen waren wichtige Spieler im indischen Machtkampf.

Bis zur Jahrhundertmitte expandierte das Reich der Marathen unter dem Peshwa Baji Rao I. vom westlichen Dekkan bis zur Gangesebene und wurde die größte Territorialmacht Südasiens.[13] Baji Raos Nachfolger Balaji Baji Rao widmete sich der Verwaltung des Großreiches und schaffte es, die eigentliche Macht auf sich zu konzentrierten. Im Jahr 1761 waren die Marathen auf dem Höhepunkt ihrer Macht, als sie die Raubzüge des afghanischen Durrani-Reiches in Nordindien stoppen wollten. In der Dritten Schlacht von Panipat erlitten sie jedoch gegen die Afghanen eine vernichtende Niederlage.

Im Anschluss zogen sich Marathen und Durrani aus der Machtauseinandersetzung um Nordindien weitgehend zurück.[13] In den Folgejahren lag der Fokus der Marathen auf der Abwehr der Expansion des Mysore-Reiches an ihrer Südgrenze, die sie 1767 zum Halten brachten.[13] Südlich des Reiches der Marathen eroberten die Militärsultane von Mysore in den 1770er und 1780er Jahren große Teile Südindiens. In den 1790er Jahren drängte die Britische Ostindien-Kompanie das Reich militärisch auf die Position eines kleinen Vasallenstaates zurück und beherrschte somit direkt und indirekt den ganzen Süden des Subkontinents.[13]

 
Der Sieg Robert Clives in der Schlacht bei Plassey stand am Anfang der britischen Herrschaft über Bengalen.

In der ersten Jahrhunderthälfte unterhielten die Briten, wie auch andere europäische Reiche, mit ihrer Ostindien-Kompanie an den Küsten Südasiens mehrere Handelsstützpunkte, denen das unmittelbare Land in der nahen Umgebung zugeordnet war. In den 1740er und 50er Jahren führten Franzosen und Briten einen Machtkampf, um ihren Einfluss auf dem indischen Subkontinent. Ging es zunächst noch um die europäischen Handelsniederlassungen an der Südostküste des Subkontinents, mischten sich die beiden europäischen Mächte auf unterschiedlichen Seiten in den Machtkampf indischer Mächte um die Vorherrschaft in der südöstlichen Region Karnatik ein.[13] Am Ende der Karnatische Kriege verloren die Franzosen 1763 viele südasiatischen Gebiete und ihren Einfluss in Südasien an die britische Ostindien-Kompanie. In den 1750er Jahren erlangte diese die Herrschaft über Bengalen im Nordosten Südasiens. Ausgangspunkt war ein Sieg über den Nawab von Bengalen, der vergeblich versuchte, Abgaben von der britischen Handelsniederlassung Kalkutta militärisch einzutreiben. Danach erlangten die Briten vom Großmogul die Diwani, die Hoheit über die zivile Verwaltung und das Recht zur Steuereintreibung in Bengalen, die sie dazu nutzten die Steuerlast der Bevölkerung zu ihrem Nutzen sehr stark zu erhöhen. Mit dem Cornwallis Code führten sie erstmals europäische Rechtsvorstellungen in Indien ein. Durch ihren militärischen Sieg über den Nawab des benachbarten Avadh und den Großmogul in der Schlacht von Baksar im Jahr 1764 sicherten sich die Briten die volle Kontrolle über Bengalen.[13] Sie erlangten mit dem Nawab von Avadh einen mächtigen Verbündeten, wodurch sie eine bedeutende Macht in Nordindien wurden. Zum Jahrhundertende konnten sie ihn wie auch den Nizam von Hyderabad von sich abhängig machen, sodass diese Herrscher britische Truppen auf ihre Kosten auf ihren Territorien unterhalten mussten. Zuvor hatte letzter den Briten die Northern Circars zugesprochen.

Wirtschaft, Herrschaft und GesellschaftBearbeiten

In der ersten Jahrhunderthälfte erlebte die indische Wirtschaft eine Phase der Konsolidierung und Integration, wobei die Wirtschaftsleistung durch die ausländische Nachfrage zusätzlich angeregt wurde.[5] In wirtschaftlich starken Regionen nahm die Kommerzialisierung der Landwirtschaft zu und den Textilsektor Südindiens kennzeichnete eine zunehmende Arbeitsteilung. Zum Jahrhundertende stiegen die Teeexporte aus Indien nach Großbritannien und der Opiumexport stark an.[5] Mit Ausnahme der britisch kontrollierten Regionen bestimmten indische Produzenten und Kaufleute die Konditionen und Preise am Markt.[5] Die Europäer waren eine Gruppe von Exporteuren neben Arabern, Persern und Indern. Der Niedergang bedeutender indischer Hafenstädte konnte durch andere indische Häfen kompensiert werden. Zum Jahrhundertende hatte von allen europäischen Handelsniederlassungen nur der Hafen des britischen Kalkutta eine regional dominierende Stellung erreicht.

In ihren Herrschaftsgebieten stärkten zahlreiche indische Machthaber die Verwaltungsstrukturen, indem sie das System des Mogulreiches übernahmen und dieses auf lokaler Ebene effektiv vollendeten. Diese Verwaltungsstrukturen waren eine wichtige Grundlage der späteren britischen Herrschaft. Nachdem die Britische Ostindien-Kompanie in Bengalen zur Jahrhundertmitte die politische Macht erlangt hatte, gestaltete sie die Wirtschaft nach ihren Bedürfnissen um. Die Umgestaltung traf besonders das Textilgewerbe, wobei Händler verdrängt und Produzenten von den Briten abhängig wurden.[5] Der Steuereinzug wurde weiter zentralisiert und die Steuern erhöht. Die harten britischen Verwaltungsmaßnahmen verstärkten die Folgen der großen Hungersnot der 1770er.[13] Die südindischen Kriege, an denen die Briten sich zunehmend beteiligten, führten ab der Mitte des Jahrhunderts zu einem längerfristigen Einbruch der Wirtschaft. Große Flucht- und Vertreibungswellen und die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten waren Zeichen der Krise.[5]

Für die militärischen Operationen setzten die Europäer indische Söldner ein, die sie auf einem großen militärischen Arbeitsmarkt anwarben. Geführt von europäischen Offizieren lernten sie die europäischen Kampftechniken. Die Franzosen und Briten agierten im Rahmen der in Indien tradierten Herrschaftsstrukturen. Nach den Kriegen konnten die entlassen Truppen jedoch nicht vollständig in die indische Landwirtschaft integriert werden, wodurch der Anteil der armen Bevölkerung wuchs.

In den nördlichen Städten des Subkontinents entstanden Gruppen wohlhabender Kaufleute. Dort wuchs im Umfeld von Salons eine kleine heterogene kritische Öffentlichkeit. Indische Autoren verfassten zunehmend Werke in Hindi, Urdu und Tamil und verdrängten so die Literatur in Persischer Sprache.[5]

ChinaBearbeiten

 
Das chinesische Kaiserreich im Jahr 1765

Das Kaiserreich China war ein Vielvölkerreich, das von der mandschurischen Qing-Dynastie regiert wurde. In der ersten Jahrhunderthälfte setzte es seinen Kampf gegen die Dsungaren um den Einfluss in Zentralasien fort. Zwar hatte Kaiser Kangxi den Dsungaren-Führer Galdan 1696 besiegt, doch sein Neffe nahm die dsungarischen Expansionsbestrebungen wieder auf. Die Dsungaren eroberten im Jahr 1717 Tibet,[14] um sich den Einfluss auf das Zentrum des Lamaismus, dem die Mehrzahl der Mongolen anhing, zu sichern.[15] Verbündet mit Teilen der tibetischen Elite vertrieben die Qing daraufhin die Invasoren aus Tibet, das fortan unter chinesischer Oberhoheit stand. Innenpolitisch blieb Tibet weitgehend eigenständig, wobei die Qing die religiösen Autoritäten protegierten.[15] Nach zahlreichen weiteren Feldzügen zerschlug Kaiser Qianlong, der über 60 Jahre dieses Jahrhunderts China regierte, in den 1750er Jahren das dsungarische Reich. Damit kam das gesamte Tarimbecken unter chinesische Kontrolle und 1759 erreichte China seine größte Ausdehnung.[14]

In diesem Jahrhundert führten Steuererleichterungen, Investitionen in die Infrastruktur, verbesserte Agrartechnik und der Anbau neuer Pflanzen aus Amerika dazu, dass sich die chinesische Bevölkerung mehr als verdoppelte und die Wirtschaft stark wuchs. Insbesondere in Chinas Südosten entwickelte sich eine spezialisierte Landwirtschaft in einem nie zuvor gekannten Ausmaß, bei der nur noch eine Minderheit der bäuerlichen Haushalte Subsistenzwirtschaft betrieb. Die Präferenz für den Anbau kommerziell lukrativer Pflanzen ging so weit, dass China schließlich das Hauptnahrungsmittel Reis importierte. Der durchschnittliche Lebensstandard der chinesischen Bauern übersteig den ihrer französischen Berufskollegen bei weitem.[14] Das Bevölkerungswachstum wurde ebenfalls durch effektive Maßnahmen zur Bekämpfung von Hungersnöten unterstützt, die einen marktorientierten Einsatz von Getreidevorräten einschlossen. Die steigende Bevölkerungszahl in den Kerngebieten löste eine starke Migration in die Randgebiete des Reiches besonders in den Südwesten aus. Dort machten die Einwanderer die ursprünglich heimischen Bewohner zu Minderheiten.[15] In der zweiten Jahrhunderthälfte standen jedoch immer weniger zusätzliche Ressourcen, wie Ackerboden, bereit, um das Bevölkerungswachstum aufzufangen. Hinzu kamen Mängel der Verwaltung. Große Korruptionsnetzwerke und unterbezahlte lokale Beamte bürdeten der Bevölkerung immer höhere Abgaben auf und minderten die staatlichen Leistungen. Insbesondere in den Randgebieten des Reiches kam es zu bewaffneten Aufständen, die nur mit Mühe niedergeschlagen wurden. Besondere Beachtung fand der Aufstand des „Weißen Lotus“.[15]

 
Handel auf dem Wasser, Bild von Xu Yang (18. Jahrhundert)

Im produzierenden Gewerbe stieg in einigen Regionen und Branchen die Anzahl und Größe der Manufakturen. Neben der Textilindustrie waren auch Bergbau, Porzellanherstellung und Teeverarbeitung wichtige Industrien. Bestimmte Betriebe produzierten nur für den Export. So bedienten einige Betriebe die europäische Nachfrage, die aus der Mode der Chinoiserie herrührte. China war im 18. Jahrhundert stark in den Handel mit den wirtschaftsstarken Weltregionen wie Indien, Europa und Südostasien eingebunden. Europäische Händler durften ab 1759 nur über Kanton und über lizenzierte chinesische Handelsgesellschaften Handel treiben.[15] Hohe Zölle schmälerten stark ihren Gewinn, was zu wachsenden Spannungen führte. Die Forderungen der britischen Macartney-Mission nach einer Liberalisierung des Handels wies der Kaiser ab.

Mit dem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum ging auch eine starke Urbanisierung einher. Peking war die größte Stadt der Welt. Dennoch machten die Stadtbewohner nur einen geringen Anteil an der Gesamtbevölkerung aus. Die urbane Kultur, geprägt durch Handwerk, Kommerz, Schriftlichkeit, Mobilität und Öffentlichkeit, strahlte über die Städte hinaus auf das übrige Land aus. Durch die Differenzierung öffneten sich Mobilitätsräume, die Frauen mehr Raum für eigenständige wirtschaftliche Betätigung schafften.[15]

Die mandschurischen Qing-Kaiser regierten China autoritär. Durch das System der Palasteingaben konnten sie teilweise am hierarchischen Beamtensystem vorbei regieren, auf das sie sich sonst stützten.[15] Basis für die Beamtenauswahl war ein Prüfungssystem, das vor allem das Wissen im Neo-Konfuzianismus, die Staatsideologie des Kaiserreiches, abprüfte. Die Qing förderten diese Richtung des Konfuzianismus mit der Absicht, dass deren Ideen die Untertanen zur Anerkennung ihrer Herrschaft bewegen sollten, auch wenn sie Kaiser mit mandschurischer und nicht chinesischer Abstammung waren.[14] Zum einen ließen sie die neo-konfuzianischen Lehren in der breiten Bevölkerung verbreiten, zum anderen behinderte ihre strenge Zensur abweichende Meinungen. Im Laufe des Jahrhunderts konnte eine immer größere Gruppe von Absolventen der Beamtenprüfungen keine Stelle im Beamtenapparat finden. Wenn sie nicht in der lokalen Verwaltung Beschäftigung fanden, wurden diese Männer Privatgelehrte, die durch lokale Sponsoren finanziert wurden. Sie wurden jedoch für den Hof zum Problem, da sie sich seiner Kontrolle entzogen und wichtige Texte des staatstragenden Neo-Konfuzianismus als Fälschung entlarvten. Der Hof versuchte sie mit wissenschaftlichen Projekten wieder an sich zu binden. Einige dieser Projekte sollten das Wissen des chinesischen Schrifttums der vergangenen Jahrhunderte sammeln und zusammenfassen, zum Beispiel in der Form von Enzyklopädien.[15]

JapanBearbeiten

Auch wenn Japan formal ein Kaiserreich war, hatten die Shōgune der Tokugawa-Dynastie die eigentliche Regierungsgewalt im Land inne. Sie regierten Japan von Edo, dem heutigen Tokio, weswegen diese japanische Epoche auch Edo-Zeit genannt wird. Die Lokalfürsten, Daimyōs, kontrollierten sie, indem sie ihnen regelmäßige Aufwartungspflichten in der Hauptstadt auferlegten und ein paralleles Verwaltungssystem zur Seite stellten.[16]

Das Shogunat behielt seine Politik der restriktiven Minimierung und Regulierung der Auslandskontakte Japans aus dem vorherigen Jahrhundert im gesamten 18. Jahrhundert bei, auch als der Außenhandel einige Jahrzehnte gefördert wurde. Die wenigen Handelspartner des streng regulierten Handels waren Holländer, Chinesen und Koreaner. Das hielt die Japaner jedoch nicht davon ab, die westlichen Errungenschaften, die sie über diese Kanäle kennenlernten, zu studieren, was sie Holländische Studien nannten. Offiziell förderten die Shōgune den chinesischen Neo-Konfuzianismus nach Zhu Xi und unterdrückten alle anderen konfuzianischen Bestrebungen. Als Gegenreaktion auf diese chinesische Lehre entwickelten einige Bevölkerungsgruppen die nationale Lehre, Kokugaku, und erforschten auf der Suche nach dem ursprünglich Japanischen, die japanische Geschichte.

Wirtschaftsreformen des Shogunats, die auf Sparsamkeit, Einfuhrverringerung und Neulanderschließung setzten, trugen zur insgesamt positiven wirtschaftlichen Entwicklung bei. Ab den 1770er Jahren fühlten sich die japanischen Shōgune von den immer häufiger vor Japans Küsten gesichteten ausländischen Schiffen bedroht. Insbesondere zwischen Japan und Russland stiegen die Spannungen um die Kurilen-Inseln.

Amerika und OzeanienBearbeiten

AmerikaBearbeiten

 
Die Propaganda über das „Massaker von Boston“ trug zum Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges bei.

Zu Beginn des Jahrhunderts teilten sich die britischen und französischen Kolonien die nordamerikanische Ostküste während Spanien Kolonien in Florida und nördlich von Mexiko hatte. Zahlreiche indigene Stämme bewohnten die größte Fläche des Kontinents westlich der Appalachen. Die 13 britischen Kolonien waren die mit Abstand am stärksten bevölkerten Regionen und ihre Bevölkerung vervielfachte sich kontinuierlich durch europäische Einwanderer.[17] Die größten Gruppen freiwilliger europäischer Einwanderer kamen aus Großbritannien, Irland und aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.[17] In einer stetigen Bewegung nach Westen kultivierten die Einwanderer zunehmend Land, das sie den Indigenen wegnahmen. Schließlich gab es kaum noch Land in der Nähe der größeren Siedlungen und von Flüssen.[17] Bei ihrer Expansion gerieten die britischen Siedler immer öfter mit den französischen Kolonisten und indigenen Gruppen in Konflikt. Diese Konflikte eskalierten 1754 zum Französisch-Indianischen Krieg, der in Europa zum Siebenjährigen Krieg wurde.[17] In diesem Krieg um die Vorherrschaft in Nordamerika kämpften an beiden Seiten, vorwiegend aber auf Seite der Franzosen, indigene Stämme. Nach dem britischen Sieg mussten die Franzosen ihre Gebiete von der Ostküste bis zu den Großen Seen an Großbritannien abgeben und die am Mississippi vorübergehend Spanien überlassen.

Während die britischen Kolonisten die Londoner Regierung im vorherigen Krieg noch unterstützt hatten, nahmen die Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Parteien über die Siedlungsgrenze der Appalachen und über Steuer- und Zollgesetze in den folgenden Jahren zu. Ferner forderten die Kolonisten vergeblich ihre Vertretung im Londoner Parlament. Der Streit eskalierte zum Bürger- und schließlich zum Unabhängigkeitskrieg. Mit spanischer, niederländischer und französischer Unterstützung gewannen die Kolonisten ihre 1776 erklärte Unabhängigkeit, die 1783 von Großbritannien offiziell anerkannt wurde.[18] In den Folgejahren entwickelten sie den ersten demokratischen Bundesstaat, der auf einer Verfassung basiert, die heute noch mit einigen Ergänzungen in Kraft ist. Grundlage der Verfassung waren die Ideale der Aufklärung, wie die Gewaltenteilung. Das Wahlrecht schloss jedoch große Bevölkerungsgruppen wie alle Frauen sowie Indigene und Sklaven aus.

Schon vor der Unabhängigkeit expandierte im Süden die Plantagenwirtschaft. Auf den Plantagen arbeiteten vorwiegend afrikanische Sklaven, die in großer Zahl nach Nordamerika verbracht wurden. Hingegen verboten einige nördliche Bundesstaaten die Sklaverei. Nach wie vor der Unabhängigkeit war der US-amerikanische Handel stark mit Großbritannien verwoben. Doch nach der Unabhängigkeit profitierte er nicht mehr vom Schutz der Britischen Royal Navy. Hohe Schutzgeldzahlungen an die nordafrikanischen Barbareskenstaaten waren ein Grund für die US-Amerikaner eine eigene starke Kriegsmarine aufzubauen.[1]

OzeanienBearbeiten

Mitte des Jahrhunderts begann ein Weltlauf zwischen Engländern und Franzosen um die Dominanz im Pazifischen Ozean.[19] Ging es vor diesem Zeitpunkt den Europäern hauptsächlich um die Erkundung einer optimalen Strecke von Amerika nach Asien, erkundete die neue Welle von Entdeckern, von denen James Cook der Berühmteste ist, den Pazifik systematisch. Eines ihrer großen Ziele war die Suche nach einem vermuteten großen Südkontinent, Terra Australis, der sich jedoch als Illusion herausstellte.[19] Vielmehr begannen die Briten Australien und Neuseeland zu kartografieren und als Siedlungskolonie zu kolonisieren, die sie schnell kolonisieren wollten, um den Franzosen zuvorzukommen. Zur schnellen Kolonisation schiffte Großbritannien Insassen seiner überfüllten Gefängnisse nach Australien aus.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: 18. Jahrhundert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h Bernd Hausberger, Jean-Paul Lehners: Das 18. Jahrhundert: eine Beschleunigung. In: Bernd Hausberger, Jean-Paul Lehners (Hrsg.): Die Welt im 18. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85476-323-9, S. 16, 21, 24–25.
  2. Andreas Weigl: Bevölkerungsgeschichte Europas: von den Anfängen bis in die Gegenwart. Böhlau Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-8252-3756-1, S. 41–42.
  3. Christian Kleinschmidt: Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit. Verlag C.H.Beck, München 2017, ISBN 978-3-406-70800-8, S. 29.
  4. a b c Norbert Franz, Jean-Paul Lehners: Wandel durch Vernunft? Von der Stände- zur Staatsbürgergesellschaft – Westeuropa. In: Bernd Hausberger, Jean-Paul Lehners (Hrsg.): Die Welt im 18. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85476-323-9, S. 206, 208–211.
  5. a b c d e f g h Michael Mann: Ein langes 18. Jahrhundert – Südasien. In: Bernd Hausberger, Jean-Paul Lehners (Hrsg.): Die Welt im 18. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85476-323-9, S. 277–278, 282, 286, 290, 295.
  6. a b Karl Vocelka: Österreichische Geschichte. 3. Auflage. Verlag C.H.Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-61630-3, S. 47–48.
  7. a b c d e f g Peter Claus Hartmann: Geschichte Frankreichs – Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 5. Auflage. Verlag C.H.Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-67330-6, S. 23, 35–54.
  8. a b Walther L. Bernecker: Spanische Geschichte. 6. Auflage. Verlag C.H.Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-48087-4, S. 47, 54–55.
  9. a b c Hans-Heinrich Nolte: Der Friede der Imperien – Osteuropa. In: Bernd Hausberger, Jean-Paul Lehners (Hrsg.): Die Welt im 18. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85476-323-9, S. 225, 228, 234.
  10. a b c Andreas Kappeler: Russische Geschichte. 6. Auflage. Verlag C.H.Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-47076-9, S. 23–25.
  11. a b c Norbert Franz, Jean-Paul Lehners: Wandel durch Vernunft? Von der Stände- zur Staatsbürgergesellschaft – Westeuropa. In: Bernd Hausberger, Jean-Paul Lehners (Hrsg.): Die Welt im 18. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85476-323-9, S. 193, 195, 206, 208–211.
  12. a b c d Werner Keil: Musikgeschichte im Überblick (= Basiswissen Musik). 2. Auflage. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2014, ISBN 978-3-8252-8576-0, S. 158–159, 178.
  13. a b c d e f g Hermann Kulke, Dietmar Rothermund: Geschichte Indiens – Von der Induskultur bis heute. 2. Auflage. Sonderausgabe. Verlag C.H.Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60414-0, S. 285–287, 291–293, 299, 306.
  14. a b c d Angela Schottenhammer: Blütezeit eines Reiches - China. In: Bernd Hausberger, Jean-Paul Lehners (Hrsg.): Die Welt im 18. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85476-323-9, S. 328, 333, 345.
  15. a b c d e f g h Kai Vogelsang: Geschichte Chinas. 3. Auflage. Reclam-Verlag, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-15-010933-5, S. 365, 415, 419, 421, 430, 433, 436–437, 443.
  16. Manfred Pohl: Geschichte Japans. 5. Auflage. Verlag C.H.Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66440-3, S. 53.
  17. a b c d Claudia Schnurmann: Zwischen Kriegen und Frieden, zwischen Freiheit und Unfreiheit – Nordamerika. In: Bernd Hausberger, Jean-Paul Lehners (Hrsg.): Die Welt im 18. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85476-323-9, S. 162–164.
  18. Horst Dippel: Geschichte der USA. 10. Auflage. Verlag C.H.Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-60166-8, S. 26.
  19. a b Hermann Joseph Hiery: Eingebunden, aber nicht eingefangen – Der Pazifik. In: Bernd Hausberger, Jean-Paul Lehners (Hrsg.): Die Welt im 18. Jahrhundert. Mandelbaum Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85476-323-9, S. 51.