Hermann Kulke

deutscher Indologe

Hermann Kulke (* 30. Mai 1938 in Berlin) ist ein deutscher Historiker und Indologe. Er ist emeritierter Professor der asiatischen Geschichte an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Seine Veröffentlichungen befassen sich mit der Geschichte Indiens, vor allem der Vormoderne, Regionalkultur und -geschichte Orissas, Staatsbildung und -aufbau sowie historische Beziehungen zwischen Indien und Südostasien.

WirkenBearbeiten

Kulke studierte Indologie, asiatische Geschichte und Politikwissenschaften in Freiburg und Madras. Im Jahr 1967 wurde er in Freiburg mit einer Arbeit über Chidambaram Mahatmya, der Gründungslegende aus dem 12. Jahrhundert des Nataraja-Tempels in Chidambaram promoviert. Von 1967 bis 1988 war er am Südasien-Institut der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg als Assistent und außerplanmäßiger Professor für indische Geschichte tätig. 1975 habilitierte er sich dort. Von 1988 bis 2003 hielt er den Lehrstuhl für Asiatische Geschichte am Historischen Seminar der Universität Kiel inne. Zahlreiche Forschungsaufenthalte in Sri Lanka, Indien, und Indonesien und Kambodscha folgten.

Gastprofessuren in Bhubansewar/Orissa (1978/1979), an der Asiatic Society, Kalkutta (1986) und an der Jawaharlal Nehru University, Delhi (1992), sowie Visiting Research Fellow am Institute of Southeast Asian Studies in Singapore (1987), und am Asia Research Institute der Universität Singapore nahm er in der Folge wahr.

Die Arbeits- und Interessenschwerpunkte Kulkes sind die Geschichte Asiens mit den Schwerpunkten Indien und Südostasien, insbesondere frühstaatliche Entwicklung, Geschichtsschreibung, Regionalkulturen (insbesondere Orissa), und indische Einflüsse in Südostasien sowie Indian Ocean Studies.

Kulke nahm als Projektmitglied am ersten Orissa-Forschungsprojekt der DFG über den Jagannatha-Kult einer speziellen Form des Gottes Vishnu und dessen Tempel- und Wagenfest (Ratha Yatra) in der Stadt Puri in Orissa von 1970 bis 1975 teil. Etwa 25 Jahre später übernahm er die Leitung des zweiten Orissa-Projekts (1999 bis 2005). Nachdem sich das erste Projekt mit den politischen und religiösen Zentren (vergleiche: Jagannath-Tempel) entlang der Küste auseinandergesetzt hatte, verfolgte das zweite Projekt die Erforschung der Geschichte und lokalen Traditionen der Volksgruppen und Stammesbewohner im Hinterland Orissas.[1]

Zudem war er Koordinator des DFG-Schwerpunktprogrammes „Umstrittene Zentren: Konstruktion und Wandel sozio-kultureller Identitäten in der indischen Region Orissa“ (1999–2005).[2]

Hermann Kulke ist ein Bruder des Journalisten Ulli Kulke.

AuszeichnungenBearbeiten

PublikationenBearbeiten

  • Cidambaramahatmya. Eine Untersuchung der religionsgeschichtlichen und historischen Hintergründe für die Entstehung der Tradition einer südindischen Tempelstadt. (Dissertation) Wiesbaden 1970.
  • Herausgeber von Hermann Goetz: Studies in the History, Religion and Art of Classical and Medieval India. 1974.
  • Mitherausgeber von The Cult of Jagannath and the Regional Tradition of Orissa. 1978.
  • The Devaraja Cult. Cornell-Universität 1978.
  • Jagannatha-Kult und Gajapati-Königtum. Ein Beitrag zur Geschichte religiöser Legitimation hinduistischer Herrscher. (Habilitation) Stuttgart 1979.
  • Gajapati Kingship. 1979.
  • Mitherausgeber von Orissa: A Comprehensive and Classified Bibliography. 1982.
  • Mit Dietmar Rothermund: Geschichte Indiens. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007097-5 (3. Auflage 2018).
  • Mitherausgeber von Städte in Südasien, Steiner, Wiesbaden 1982, ISBN 3-515-03396-3.
  • Mitherausgeber von Regionale Tradition in Südasien, Steiner, Stuttgart 1985, ISBN 3-515-04519-8.
  • Mit Dietmar Rothermund: A History of India. Croom Helm, London u. a. 1986, ISBN 0-7099-4209-5.
  • Mitherausgeber von Kaṭakarājavaṃśāvali. A traditional history of Orissa with special reference to Jagannatha Temple, Band 1, Vohra, Allahabad 1987 (= Sources of Orissan history, Band 1), ISBN 81-85072-08-6.
  • Mitherausgeber von Hinduism Reconsidered. Delhi 1989, 2. Auflage 1997.
  • Kings and Cults – State Formation and Legitimation in India and Southeast Asia. Delhi 1993.
  • Herausgeber von The State in India 1000–1700. 1995.
  • Mitherausgeber von: Jagannath revisited. Studying society, religion, and the state in Orissa, Manohar, Neu-Delhi 2001 (= Studies in Orissan society, culture and history, Band 1), ISBN 81-7304-386-8.
  • Indische Geschichte bis 1750 (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Band 34). München 2005.
  • Mitherausgeber von Nagapatinam to Suvarnadwipa. Reflections on the Chola Naval Expeditions to Southeast Asia. Singapur 2009.
  • Mitherausgeber von Centres Out There? Facets of Sub-regional Identities in Orissa. Delhi 2011.
  • Mitherausgeber von Rituals and the State in India. Wiesbaden 2010.
  • Mitherausgeber von Imagining Odisha, 2 Bände, Prafulla, Ashram Patna 2013, ISBN 978-93-80768-01-4 und ISBN 978-93-80768-02-1.

Festschriften

  • Martin Brandtner (Hrsg.): Interrogating history. Essays for Hermann Kulke, Manohar Publ. & Distributors, Neu-Delhi 2006, ISBN 978-81-7304-679-7.
  • Stephan Conermann (Hrsg.): Studia Eurasiatica. Kieler Festschrift für Hermann Kulke zum 65. Geburtstag, EB-Verlag, Schenefeld 2003 (= Asien und Afrika, Band 10), ISBN 3-930826-99-2.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutsch-Indische Gesellschaft Kiel, Gesprächsabend mit Hermann Kulke am 13. März 2012 (PDF; 266 kB).
  2. (Publikationen von Hermann Kulke).
  3. German Indology professor awarded Padma Shri