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Zeche Pluto

ehemaliges Steinkohlebergwerk in Herne-Wanne-Eickel, Nordrhein-Westfalen

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Zeche Pluto
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Schachtanlage mit Foerderturm.jpg
Wahrzeichen der Zeche Pluto-Wilhelm:
Der 56 Meter hohe Doppelbock über Schacht 3
Abbautechnik Untertagebau
Förderung/Jahr max. 1.251.140 t
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Beschäftigte bis zu 4655
Betriebsbeginn 1862
Betriebsende 1976
Geförderte Rohstoffe
Abbau von Steinkohle/Kohleneisenstein
Abbau von Kohleneisenstein
Geographische Lage
Koordinaten 51° 31′ 56,9″ N, 7° 8′ 33,4″ OKoordinaten: 51° 31′ 56,9″ N, 7° 8′ 33,4″ O
Zeche Pluto (Regionalverband Ruhr)
Zeche Pluto
Lage Zeche Pluto
Standort Wanne-Eickel
Gemeinde Herne
Kreisfreie Stadt (NUTS3) Herne
Land Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Revier Ruhrrevier

Die Zeche Pluto war ein Steinkohlebergwerk in Herne im Stadtteil Wanne-Eickel.[1] Das Bergwerk war zunächst unter dem Namen Zeche St. Nicolaus geführt worden und wurde später umbenannt in Zeche Pluto.[2] Der Name des Bergwerks ist angelehnt an den griechischen Gott Pluto, den Gott der Unterwelt.[3] Die Zeche Pluto gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats. Außerdem gehörte die Bergbau-Aktien-Gesellschaft Pluto zu den Gründungsmitgliedern des Vereins für die bergbaulichen Interessen.[4] Das Bergwerk gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Zechen des Regierungsbezirks Arnsberg.[5]

GeschichteBearbeiten

Die AnfängeBearbeiten

Im Jahr 1850 wurden in der zum Amt Herne gehörigen Gemeinde Bickern die ersten Probebohrungen durchgeführt.[6] Im Jahr 1854 wurde die Mutung für die Grubenfelder St. Remigius, St. Michael und St. Nikolaus eingelegt.[1] Der Feldbesitz lag zunächst bei dem Schwelmer Freiherr Levin von Elverfeldt und beim Opherdicker Kammerherr von Lilien.[6] Im Jahr 1855 wurde die Mutung für die Felder St. Margaretha, St. Rupertus und Glückliches Ende eingelegt und im Mai wurde das Feld St. Nicolaus, St. Michael und St. Remigius verliehen und im weiteren Jahresverlauf noch das Feld St. Margaretha und St. Rupertus.[1] Zu Anfang war der Name St. Nikolaus für die Zeche gebräuchlich. Das Bergwerkseigentum wurde an den Bergassessor Heinrich Thies verkauft. Er warb 1856 durch Anzeigen in Zeitungen und Handschreiben an bekannte Investoren zur Gründung einer Aktiengesellschaft. Zur Sicherheit der Geldgeber ließ Thies ein geologisches Gutachten von dem Berggeschworenen Karl Barth anfertigen. Das positive Gutachten und die Nähe zur 1845 eröffneten Stammstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft veranlassten die Investoren, 1600 Aktien zu je 500 Taler zu zeichnen. Am 10. Juli 1856 konstituierte sich die Aktiengesellschaft und damit die Zeche Pluto auf einer Gründungsversammlung in Essen. Unter anderem beteiligte sich der Essener Jurist und Reichstagsabgeordnete Friedrich Hammacher an der Gesellschaft.[6] Daraufhin wurde ein 1,6 Meter tiefer Erkundungsschacht abgeteuft.[1] 1857 begannen die Teufarbeiten für den ersten Schacht[7] im Feld St. Nicolaus.[1] Der Schacht befand sich in der Nähe der Köln-Mindener Eisenbahnlinie.[1] Schacht 1 wurde nach Johann Heinrich Wilhelm Thies mit dem Namen Schacht Thies bezeichnet.[3] Zu diesem Zeitpunkt wurde der Name Pluto für das Bergwerk verwendet[1], das zu dieser Zeit zum Bergrevier Bochum gehörte.[8]

Im Jahr 1858 wurde bei einer Teufe von 149 Metern das Karbon erreicht. Im selben Jahr wurde ein Feldertausch durchgeführt. Das Feld Alma wurde abgegeben und dafür ein Teilstück des Feldes Namur übernommen. Dieses Feld wurde mit dem Feld St. Remigius konsolidiert.[1] Das Bergwerk wurde umbenannt in Zeche Pluto.[2] Die Berechtsame umfasste sieben Geviertfelder mit einer Gesamtfläche von 1,56 Millionen Quadratlachtern.[1] Der Schacht 1 hatte mittlerweile eine Teufe von 96 Lachtern erreicht. Aufgrund der Wasserzuflüsse war man gezwungen, im oberen Bereich eine wasserdichte Schachtmauerung zu erstellen. Der Fuß der Mauer wurde bei einer Teufe von 80,5 Lachtern erstellt. Um die Wässer abpumpen zu können, wurde eine Wasserhaltungsmaschine mit einer Leistung von 310 PS installiert.[9] Bei einer Teufe von 192 Metern (−140 m NN) wurde die 1. Sohle angesetzt.[1] Diese Sohle diente zunächst als Wettersohle.[10] Die Teufarbeiten an dem Schacht wurden weiter fortgesetzt und bei einer Teufe von 244 Metern (−192 m NN) wurde im Jahr 1860 die 2. Sohle angesetzt.[1] Auf der ersten Bausohle (2. Sohle) wurden Querschläge in südlicher und in nördlicher Richtung aufgefahren.[10] und erfolgt zunächst die Förderung für den Eigenbedarf.[1] Im Jahr 1861 wurde die Grube mit einem Gleis an die Strecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft angebunden.[1] Mit den Querschlägen auf der 2. Sohle wurden 1861 acht Flöze angefahren. Die Flöze hatten ein südliches Einfallen von 44 Gon und eine Mächtigkeit zwischen 30 und 156 Zoll. Auf 1. Sohle wurden im selben Jahr mit dem nördlichen Wetterquerschlag weitere acht Flöze aufgeschlossen.[10] Im Jahr 1862 konsolidierten die sieben Geviertfelder zu Pluto, die Berechtsame umfasste eine Fläche von 6,8 km,2 hinzu kam noch eine Erzberechtsame.[1] Über dem Schacht wurde ein Malakow-Turm errichtet, in dem eine Fördermaschine mit 120 PS ihren Dienst tat.[11]

Die ersten BetriebsjahreBearbeiten

Ab dem Jahr 1862 wurde die regelmäßige Förderung aufgenommen.[1] Von den bereits aufgeschlossenen Flözen wurden im südlichen Bereich die Flöze Nr. 4 und Nr. 5 und im nördlichen Feldesteil das Flöz Nr. 3 in Verhieb genommen. Die Aus- und Vorrichtungsarbeiten wurden auf der 2. Sohle weiter fortgeführt. Der Querschlag nach Süden wurde um 43 1/4 Lachter weiter aufgefahren. Der nördliche Wetterquerschlag auf der 1. Sohle wurde um 93 3/4 Lachter weiter aufgefahren. Mit diesem Querschlag wurde eine Wechselstörung, in der die Flöze 2 und 3 doppelt lagen, durchörtert.[12] Im Jahr darauf wurde über Tage ein Wetterofen erbaut.[1] Außerdem wurden in der Folgezeit weitere Tagesanlagen, wie eine Waschkaue für 800 Bergleute, ein Fördermaschinenraum, das Magazin, eine Schreinerei, eine Schmiede, Büroräume, eine Sieberei und ein Kesselhaus mit vier Dampfkesseln, erbaut.[6] Der Schornstein des Kesselhauses wurde mit dem Wetterofen verbunden.[1] Außerdem wurde eine kleine Kokerei mit vier Schaumburger Öfen in Betrieb genommen.[4] Unter Tage wurden mit dem südlichen Querschlag der 2. Sohle vier unbauwürdige Flöze überfahren.[13] Im Jahr darauf wurde die Kokerei erweitert.[1] Im Jahr 1865 erreichte der nördliche Querschlag auf der 2. Sohle eine Auffahrungslänge von 187 Lachtern. Im Sandstein wurden mehrere Klüfte angefahren, die stark Salzsole führten. Über Tage wurde gegen Ende des Jahres eine neue Zwillingsfördermaschine in Betrieb genommen, die eine Leistung von 150 PS hatte.[14]

Im Jahr 1867 wurden die Teufarbeiten an Schacht 1 wieder aufgenommen und der Schacht wurde tiefer geteuft.[1] In der Streckenförderung wurden ab diesem Jahr Grubenpferde eingesetzt. Über Tage wurde eine maschinelle Kohlenseparationsanlage gebaut.[15] Im Jahr 1869 wurde im Schacht bei einer Teufe von 323 Metern (−271 m NN) die 3. Sohle angesetzt.[1] Die Vorrichtungsarbeiten konnten in diesem Jahr nur stark eingeschränkt durchgeführt werden. Gründe hierfür waren zum Einen der starke Gebirgsdruck und zum Anderen zahlreiche Lagerungsstörungen.[16] Am 30. April desselben Jahres kam es auf dem Bergwerk zu einer Schlagwetterexplosion, bei diesem Grubenunglück wurden drei Bergleute getötet.[1] Im selben Jahr wurden über Tage die Koksöfen durch 26 neue Koksöfen vom Typ Coppee ersetzt.[4] Um die Bewetterung der Grubenbaue zu verbessern, wurde im Jahr 1870 ein Grubenlüfter in Betrieb genommen. Außerdem wurde eine neue Kohlenwäsche in Betrieb genommen. Das Bergwerk gehörte zu diesem Zeitpunkt mittlerweile zum Bergrevier Recklinghausen.[17] Zur Verbesserung der Bewetterung wurde im Jahr 1873 mit den Teufarbeiten für einen weiteren Schacht begonnen.[4] Der Schacht 2 erhielt den Namen Schacht Wilhelm.[3] Der Name Wilhelm wurde zu Ehren der königlich/kaiserlichen Regenten gewählt.[6] Der Schacht wurde im Nordfeld 1,3 Kilometer von Schacht Thies angesetzt. Im Jahr darauf erreichte der Schacht Wilhelm bei einer Teufe von 180 Metern das Karbon. Noch im selben Jahr wurden bei einer Teufe von 203 Metern (−155 m NN) die 1. Sohle und bei einer Teufe von 230 Metern (−182 m NN) die 2. Sohle angesetzt.[1]

Der weitere AusbauBearbeiten

 
Das vom Verfall bedrohte Denkmal für 23 der Schlagwetteropfer …
 
… und die Namenstafel
 
Denkmal auf dem Friedhof an der Herzogstraße

Im Jahr 1875 wurde ein weiterer Wetterschacht abgeteuft, der später als Schacht 6 bezeichnet wurde.[3] Der Schacht wurde 350 Meter südlich von Schacht 1 angesetzt und der Schacht erreichte bei einer Teufe von 142 Metern das Karbon.[1] Im Oktober 1875 wurde im Schacht 2 mit der Förderung begonnen.[6] und der Abbau von Kohleneisenstein wurde eingestellt. Im Jahr 1876 wurde der Wetterschacht 6 mit der 1. Sohle durchschlägig und bei einer Teufe von 162 Metern (−110 m NN) wurde eine Wettersohle angesetzt. Auf der Wettersohle wurde ein Wetterofen aufgestellt und der Schacht als Wetterschacht in Betrieb genommen. Im Jahr 1877 wurde zwischen den Schächten Thies und Wilhelm ein Durchschlag erstellt. Am 17. September 1876 kam es zu einer erneuten Schlagwetterexplosion, hierbei verloren drei Bergleute ihr Leben.[1] In den folgenden Jahren wurde der Betriebsteil Wilhelm weiter ausgebaut.[7] Im Jahr 1878 wurden die Teufarbeiten an Schacht 2 wieder aufgenommen und im Schacht wurde die 3. Sohle angesetzt. Im Jahr 1880 wurde auch Schacht 1 tiefer geteuft und bei einer Teufe von 404 Metern (−352 m NN) wurde die 4. Sohle angesetzt. Die Teufarbeiten an Schacht 1 wurde 1882 weitergeführt. Am 10. Mai desselben Jahres ereignete sich erneut eine Schlagwetterexplosion, der 67 Bergleute zum Opfer fielen. Der Schacht 6 wurde 1882 bis zur 2. Sohle tiefer geteuft. An dem Schacht 1 wurden 1883 die ersten Otto Hoffmann-Koksöfen des Ruhrreviers in Betrieb genommen, bei denen auch Teer gewonnen wurde. Im Jahr 1885 wurden die Teufarbeiten an Schacht 2 wieder aufgenommen und es wurde die 4. Sohle angesetzt. Außerdem wurden die Teufarbeiten an Schacht 1 weitergeführt und im Jahr 1887 wurde bei einer Teufe von 503 Metern (−451 m NN) die 5. Sohle angesetzt. Auf der 4. Sohle wurde ein Durchschlag zwischen den Schächten 1 und 2 erstellt. Im Jahr 1888 wurden der Schacht 6 bis zur 3. Sohle tiefer geteuft. Im selben Jahr kam es an Schacht Thies zu einem Defekt an der Wasserhaltung, so dass die 5. Sohle monatelang unter Wasser stand.[1] Am 3. Juli des Jahres 1891 wurde auf der 4. Sohle eine starke Wasserader angebohrt. Die dort tätigen Hauer befürchteten zuerst, dass die Emscher durchgebrochen wäre. Bei dem Wasser handelte es sich jedoch um bis zu 28 Grad warme Natursole. Für die Sole wurde eine Berechtsame erteilt[1] und sie wurde später als Heilsole verwendet.[6] Im selben Jahr wurden die Teufarbeiten an Schacht 2 bei einer Teufe von 595 Metern eingestellt. Am 7. August des Jahres 1892 kam es auf dem Betriebsteil Wilhelm zu einem Brand in der Kohlenwäsche und der Kohlenverladung.[1] Im Jahr 1893 wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht 3 neben dem Schacht 2 begonnen.[2] Der Schacht wurde in den Folgejahren tiefer geteuft und die Schachtanlage wurde weiter ausgebaut.[2] Bis zum Jahr 1894 war der Schacht 3 bis zur 4. Sohle geteuft worden. Im Jahr 1895 wurden die Teufarbeiten an Schacht Thies wieder aufgenommen und bei einer Teufe von 606 Metern (−554 m NN) wurde die 6. Sohle angesetzt. Im Schacht 2 wurde die 5. Sohle angesetzt und der Schacht 3 (Wetterschacht 3) bis zur 5. Sohle tiefer geteuft und an dem Schacht wurde die Förderung aufgenommen. Im Jahr 1896 wurde im Schacht 2 bei einer Teufe von 595 Metern (−546 m NN) die 6. Sohle angesetzt. Am 17. März des Jahres 1897 kam es im Baufeld Schacht 2 zu einer Kohlenstaubexplosion, hierbei wurden acht Bergleute getötet. Noch im selben Jahr wurde an Schacht 2 eine Kokerei in Betrieb genommen.[1] Im Jahr 1898 wurde auf der 6. Sohle der Querschlag von Schacht Thies weiter in nördlicher Richtung bis zur Hauptüberschiebung aufgefahren. In südlicher Richtung wurde mit dem Querschlag das Flöz 5 angefahren. Auf der 5. Sohle wurde das Westfeld hinter der Consolidationer Störung weiter aufgeschlossen. Abgebaut wurde im Baufeld von Schacht Wilhelm in den Gaskohlenflözen auf der 4. Sohle und im Baufeld von Schacht Thies auf der 4. Sohle und der 5. Sohle.[18] Im Baufeld von Schacht Wilhelm waren insgesamt 13 Flöze in Verhieb, davon waren sechs Flöze mit Bergemittel, die anderen sieben Flöze waren aus reiner Kohle. Die Mächtigkeit der Flöze lag zwischen 0,8 und 2,2 Metern, bei den Flözen mit Bergemittel lag die Mächtigkeit der Bergemittel zwischen 0,05 und 0,3 Meter. Auf dem Baufeld von Schacht Thies waren insgesamt 16 Flöze mit einer Mächtigkeit von 0,6 bis 3,0 Metern in Verhieb, davon waren sechs Flöze mit Bergeanteil, die anderen zehn Flöze waren aus reiner Kohle. Bei den Flözen mit Bergemittel lag die Mächtigkeit der Bergemittel zwischen 0,05 und 0,6 Meter.[19] Der Abbau in den Gaskohlenflözen näherte sich zu diesem Zeitpunkt dem Ende, auch waren mittlerweile Fettkohlenflöze erschlossen worden. Über Tage wurden die erforderlichen Anlagen für die Aufbereitung der Fettkohlen, wie z. B. die Feinkohlenwäsche, errichtet. Außerdem wurde ein neuer größerer Kompressor installiert sowie eine Ringofenziegelei und eine Zentralkondensation gebaut. Es wurde begonnen, eine neue Fördermaschine zu installieren.[18] Das Bergwerk gehörte zu diesem Zeitpunkt zum Bergrevier Gelsenkirchen.[19]

Der weitere BetriebBearbeiten

Im Jahr 1899 wurde mit den Teufarbeiten für den Wetterschacht 4 begonnen. Der Schacht wurde neben Schacht 1 angesetzt.[1] Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte dann eine Erweiterung des Betriebsteiles Thies zur Doppelschachtanlage (Schacht 1/4). Außerdem erfolgte zu dieser Zeit eine Erweiterung zur Doppelschachtanlage Pluto-Wilhelm mit den Schächten 2 und 3.[3] Da das Hüttenwerk Schalker Verein über keine eigenen Kohle- und Koksreserven in unmittelbarer Nähe verfügte, erwirkte das Unternehmen eine Fusion mit der benachbarten Zeche Pluto. Dadurch ging die Zeche Pluto in das Eigentum der Aktiengesellschaft Schalker Gruben- und Hütten-Verein über.[4] Im Jahr 1900 erreichte der Wetterschacht 4 die 3. Sohle. Im Jahr 1901 wurde im Schacht 4 die 6. Sohle angesetzt und noch im selben Jahr mit der Förderung begonnen. Im darauffolgenden Jahr wurde der Schacht 3 bis zur 6. Sohle geteuft. Im Jahr 1903 wurden die Teufarbeiten an Schacht 1 wieder aufgenommen und bei einer Teufe von 705 Metern (−653 m NN) wurde die 7. Sohle angesetzt.[1] Im Jahr 1906 wurde im Süden des Feldes Pluto mit den Teufarbeiten für den Schacht 5 begonnen.[4] Der Schacht wurde 930 Meter westlich vom Betriebsteil 1/4 abgeteuft.[1] Außerdem wurden zu diesem Zeitpunkt die Tagesanlagen[4] und die Kokerei weiter ausgebaut.[3] Der Ausbau der Kokerei war zwingend erforderlich geworden, um den Koksbedarf des Schalker Hüttenwerkes weitestgehend durch eigenen Koks decken zu können. In der Folgezeit wurde der Betriebsteil 2/3 zur Hauptförderanlage ausgebaut.[4]

Im Jahr 1907 erreichte der Schacht 5 bei einer Teufe von 146 Metern das Karbon. Die Berechtsame umfasste zu dieser Zeit eine Fläche von 6,8 km2.[1] Am 13. März desselben Jahres ging die Zeche Pluto von der Aktiengesellschaft Schalker Gruben- und Hütten-Verein in das Eigentum der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) über.[4] Im Jahr darauf erreichte man mit dem Schacht 5 die 5. Sohle und der Schacht wurde in Betrieb genommen. 1909 wurden Schacht bis zur 4. Sohle weiter abgeteuft. Im Jahr 1910 wurde im Schacht Thies die Förderung eingestellt, und der Wetterschacht 6 wurde bis zur 6. Sohle geteuft. Ab der 5. Sohle wurde der Schacht mit einem kleineren Schachtquerschnitt geteuft. Der Schacht 1 verfüllt und neu geteuft und im Jahr 1912 wurde der Schacht 1 wieder bis zur 7. Sohle in Betrieb genommen.[1] Im darauffolgenden Jahr wurde neben dem Schacht Wilhelm mit den Teufarbeiten für den Schacht 7 begonnen.[3] Am 24. Juni des Jahres 1914 wurden bei einem Steinschlag drei Bergleute getötet. Im Jahr darauf erreichte der Schacht 7 die 5. Sohle. Im Jahr 1916 wurde der Schacht 7 mit der von Schacht Thies aufgefahrenen 7. Sohle durchschlägig. Am 9. Juli des Jahres 1917 kam es im Baufeld Wilhelm zu einer Sprengstoff- und anschließenden Kohlenstaubexplosion, hierbei wurden 14 Bergleute getötet.[1] Im Jahr darauf ging der Schacht 7 in Förderung[3] und in Schacht 2 wurde die Förderung eingestellt. Der Schacht wurde zum Wetterschacht umfunktioniert. Im Jahr 1919 wurde der Schacht 3 bis zur 7. Sohle in Betrieb genommen.[1]

Die weiteren JahreBearbeiten

 
Hafen Grimberg, im Hintergrund Schacht Wilhelm

Im Jahr 1924 wurde die Vereinigte Stahlwerke AG gegründet, die auch den Bergwerksbesitz der GBAG übernahm. Im Jahr 1926 wurde die Zeche Pluto in die Gruppe Gelsenkirchen der Abteilung Bergbau der Vereinigten Stahlwerke AG eingegliedert.[4] Am 26. Juni des Jahres 1927 wurde auf dem Betriebsteil Thies die Kokerei stillgelegt. Das Grubenfeld Thies wurde nun zum Baufeld Wilhelm zugefügt.[1] Aus Rationalisierungsgründen wurde die Förderung auf Schacht 3 (Wilhelm) konzentriert.[3] Der am konzerneigenen Hafen Grimberg am Rhein-Herne-Kanal gelegene Schacht bot die besseren Voraussetzungen zum Abtransport der Kohlen.[6] Die meisten Tagesanlagen auf dem Betriebsteil 1/4 wurden abgerissen. Die Schächte blieben weiterhin offen. Am 31. März des darauffolgenden Jahres wurde die Kokerei auf dem Betriebsteil 2/3 stillgelegt.[1] Im Jahr 1931 wurde das Grubenfeld Alma, mit den Betriebsteilen 1/2/5, von der stillgelegten Zeche Rheinelbe & Alma übernommen. Durch diese Übernahme umfasste die Berechtsame nun eine Fläche von 10,5 km2.[3] Im Jahr 1941 wurden die Teufarbeiten an Schacht 4 wieder aufgenommen und bei einer Teufe von 810 Metern (−758 m NN) wurde die 8. Sohle angesetzt.[1] Im selben Jahr kam es auf der Kokerei zu einer Explosion.[3] Bei diesem, am 23. Oktober in der Teerdestillation verursachten, Unfall kamen neun Mitarbeiter ums Leben. Noch im selben Jahr wurde ein Feldesteil von der bereits stillgelegten Zeche Hibernia angepachtet. Im Jahr 1943 wurde der Schacht 3 verfüllt, um ihn anschließend neu abteufen zu können. Im darauffolgenden Jahr wurde begonnen, den Schacht 3 mit einem größeren Querschnitt neu abzuteufen. Der Schacht 6 wurde in diesem Jahr bis zur 7. Sohle in Betrieb genommen.[1] Am 8. November desselben Jahres wurde der Betriebsteil Thies durch Luftangriffe schwer beschädigt.[6]

Am 23. Februar des Jahres 1945 wurde das Kriegsgefangenenlager bei einem alliierten Bombenangriff sehr stark zerstört. Bei dem Angriff fanden 125 Kriegsgefangene den Tod.[1] Am 4 und 5. April desselben Jahres wurde der Betriebsteil Wilhelm durch Artilleriebeschuss beschädigt.[6] Im August 1945 wurde das Neuteufen von Schacht 3 gestundet.[1] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Vereinigten Stahlwerke zerschlagen.[6] Auf Pluto wurden in der Folgezeit die Schächte tiefer geteuft.[2] Die Förderung auf Zeche Pluto wurde trotz zerstörter Tagesanlagen kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aufgenommen. Hauptfördersohle war die 7. Sohle. Ab dem Jahr 1946 wurden die Teufarbeiten an Schacht 3 wieder aufgenommen.[1] Im Jahr 1949 wurde begonnen, den Schacht 3 ab der 6. Sohle tiefer zu teufen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Bergwerk drei Fördersohlen. Im Baufeld Wilhelm war dies die 7. Sohle, im Baufeld Thies die 4. Sohle und im Baufeld Alma die 6. Sohle. Im Jahr 1950 umfasste die Berechtsame eine Fläche von 8,2 km2. Im darauffolgenden Jahr wurde der Schacht 3 bis zur 8. Sohle in Betrieb genommen. Im Jahr 1952 wurde mit dem Abbau auf der 8. Sohle begonnen.[1] Zwischen 1953 und 1963 wurden die veralteten Tagesanlagen auf der Schachtanlage Pluto-Wilhelm vollkommen erneuert.[3] Nach den Plänen der Industriearchitekten Fritz Schupp und Martin Kremmer wurde über dem Schacht 3 ein 56 m hohes modernes Fördergerüst errichtet[3] in Anlehnung an den Schacht 12 der Zeche Zollverein errichtet. Im selben Jahr wurde im Schacht 3 bei einer Teufe von 940 Metern (−890 m NN) die 9. Sohle angesetzt. Schacht 3 wurde weiter zum Zentralförderschacht ausgebaut.[1] Im Jahr 1954 wurde der Zentralförderschacht in Betrieb genommen.[2]

Die letzten JahreBearbeiten

Im Jahr 1956 wurde die 8. Sohle zur Hauptfördersohle.[1] Im Jahr 1960 wurde Schacht 4 zum Wetterschacht umfunktioniert.[3] Im Jahr 1963 wurde Schacht Thies verfüllt.[2] Im darauffolgenden Jahr wurde der Schacht 6 abgeworfen. Das Bergwerk hatte nun noch fünf Schächte in Betrieb. Im Jahr 1966 begannen die Ausrichtungsarbeiten der 9. Sohle.[1] Im Jahr 1968 wurde die Ruhrkohle AG gegründet und die Zeche Pluto wurde in die neugegründete Ruhrkohle AG eingegliedert. Das Bergwerk wurde der „Bergbau AG Essen“ angegliedert.[20] Ab dem Jahr 1971 wurde eine gemeinsame Werksdirektion mit der Zeche Consolidation gebildet.[3] Im Jahr 1973 wurde die 9. Sohle zur Hauptfördersohle.[1] Am 31. März des Jahres 1976 wurde die Förderung auf Pluto eingestellt.[2] Das Baufeld und die Schächte wurden von der Zeche Consolidation übernommen.[3] Die noch auf Pluto beschäftigten Mitarbeiter wurden von der Zeche Consolidation übernommen. Consolidation baute in den Folgejahren die noch vorhandenen Kohlenreserven im Baufeld Pluto ab.[6]

Förderung und BelegschaftBearbeiten

Belegschaftszahlen im Ruhrbergbau
Jahr Belegschaft Förderung in t
1860[1] 97 2671
1865[3] 435 103.709
1866[21] 537 131.887
1870[1] 576 138.182
1875[1] 1150 229.956
1880[1] 1567 402.715
1885 2052 518.893
1890 2233 572.693
1900 3940 955.382
1905[1] 4512 1.015.643
1913[4] 4655 1.251.140
1915[3] 3413 877.990
1920[1] 4664 838.700
1925[3] 3940 820.000
1930[4] 2425 769.000
1935[1] 1545 640.360
1940[3] 2301 842.000
1945 1711 211.770
1950[1] 3013 669.770
1955[4] 2870 792.000
1970[1] 2102 940.000
1975[3] 1640 1.080.000

Die ersten Belegschaftszahlen des Bergwerks stammen aus dem Jahr 1858, in diesem Jahr waren 107 Mitarbeiter auf dem Bergwerk beschäftigt. Die Zeche entwickelte sich bis zum Ersten Weltkrieg zur Großzeche, wobei im Jahr 1913 die höchste Förderrate mit 1.251.140 Tonnen erzielt wurde. In den folgenden Jahre war die Förderung rückläufig mit kurzzeitigen Spitzen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges und vor dem Zusammenschluss mit der Zeche Consolidation. Die letzten Förder- und Belegschaftszahlen stammen aus dem Jahr 1975.

FolgenutzungBearbeiten

Von der Zeche zeugt heute das unter Denkmalschutz stehende Fördergerüst und einige verbliebene Tagesanlagen. Zu dem Zeugnis historischer Industriekultur gehören die Schachthalle mit Hängebank, das westliche Fördermaschinenhaus mit einer Elektrofördermaschine und Förderseil sowie das östliche Fördermaschinenhaus.[7] In den über Schacht Wilhelm verbliebenen Tagesanlagen befindet sich heute ein Teil des Grubenrettungswesens und der Grubenwehr der DSK.[6] Die verbliebene Tagesanlagen über Schacht Thies werden heute vom Technischen Hilfswerk Wanne-Eickel genutzt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe errichtete in den Jahren 2008 bis 2011 eine Maßregelvollzugsklinik für Forensische Psychiatrie auf dem Zechengelände an der Wilhelmstraße westlich des Schachts Pluto-Wilhelm.[22]

Die SchächteBearbeiten

Sol- und Thermalbad WilhelmsquelleBearbeiten

 
Rheumazentrum Ruhrgebiet

Ab 1891 wurde auf der Zeche Pluto mit einer Pumpe Sole zu Tage gefördert. Das Sol- und Thermalbad Wilhelmsquelle mit zugehörigem Kurhotel wurde mit dieser Sole beliefert. Dieses Thermalbad wurde von einer eigenständigen Aktiengesellschaft betrieben und ging 1920 in den Besitz der Stadtwerke Wanne-Eickel über. Nach 1945 wurden die kriegszerstörten Gebäude mit finanzieller Unterstützung der Knappschaft neu errichtet und im Oktober 1949 in Betrieb genommen. Das Sol- und Thermalbad existiert bis heute. Als Rheumazentrum Ruhrgebiet wird es in kirchlicher Trägerschaft in Herne-Wanne betrieben.[6]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 2005. (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum 144) 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Selbstverlag des Deutschen Bergbau-Museums, Bochum 2006, ISBN 3-937203-24-9
  2. a b c d e f g h Günter Streich, Corneel Voigt: Zechen: Dominanten im Revier. 2. erweiterte und überarbeitete Auflage, Verlag Beleke KG, Nobel-Verlag GmbH, Essen 1999, ISBN 3-922785-58-1
  3. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. 4. Auflage. Verlag Karl Robert Langewiesche, Nachfolger Hans Köster, Königstein i. Taunus 1994, ISBN 3-7845-6992-7
  4. a b c d e f g h i j k l m Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen. Verlag Glückauf GmbH, Essen 1957
  5. H. Fleck, E. Hartwig: Geschichte, Statistik und Technik der Steinkohlen Deutschland’s und anderer Länder Europa’s. R. Oldenbourg, München 1865
  6. a b c d e f g h i j k l m n Wolfgang Viehweger: Spur der Kohle: Europa in Herne und Wanne-Eickel. Frischtexte Verlag, Herne 2000, ISBN 3-933059-03-8
  7. a b c Pluto. In: Kulturbüro der Stadt Herne. (Hrsg.): SchachtZeichen in Herne und Wanne-Eickel, Stadt Herne, Stadtmarketing Herne, Herne 2010, S. 36–40
  8. Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Sechster Band, Verlag der königlichen geheimen Ober-Hofdruckerei (R. Decker), Berlin 1858
  9. Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Achter Band, Verlag der königlichen geheimen Ober-Hofdruckerei (R. Decker), Berlin 1860
  10. a b c Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Zehnter Band, Verlag der königlichen geheimen Ober-Hofdruckerei (R. Decker), Berlin 1862
  11. "Wanner Jungs": Die Bergwerk-Aktiengesellschaft Pluto. Archiviert vom Original am 5. Mai 2008; abgerufen am 16. Juli 2008.
  12. Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Elfter Band, Verlag der königlichen geheimen Ober-Hofdruckerei (R. Decker), Berlin 1863
  13. Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Zwölfter Band, Verlag der königlichen geheimen Ober-Hofdruckerei (R. Decker), Berlin 1864
  14. Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Vierzehnter Band, Verlag der königlichen geheimen Ober-Hofdruckerei (R. Decker), Berlin 1866
  15. Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Sechszehnter Band, Verlag von Ernst & Korn, Berlin 1868
  16. Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Achtzehnter Band, Verlag von Ernst & Korn, Berlin 1870
  17. Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Neunzehnter Band, Verlag von Ernst & Korn, Berlin 1871
  18. a b Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten-, und Salinen-Wesen im preussischen Staate. Sechsundvierzigster Band, Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1898
  19. a b Verein für bergbauliche Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund: Die Entwicklung des Niederrheinisch-Westfälischen Steinkohlen-Bergbaues in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Verlagsbuchhandlung von Julius Springer, Berlin 1902, S. 332
  20. Joachim Huske: Der Steinkohlenbergbau im Ruhrrevier von seinen Anfängen bis zum Jahr 2000. 2. Auflage. Regio-Verlag Peter Voß, Werne 2001, ISBN 3-929158-12-4
  21. Königlich statistisches Bureau in Berlin (Hrsg.): Preussische Statistik XIII. Vergleichende Uebersicht des Ganges der Industrie, des Handels und Verkehrs im preussischen Staate 1866. Verlag Ernst Kuehn’s statistisches Separat-Conto, Berlin 1868
  22. Forensische LWL-Kliniken (Memento vom 17. Oktober 2009 im Internet Archive) (zuletzt abgerufen am 23. Juni 2014)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Zeche Pluto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien