Stahlhausen

Stadtviertel von Bochum, zusammen mit Goldhamme bildet es den Stadtteil Hamme

Stahlhausen ist ein Stadtquartier von Bochum. Zusammen mit Goldhamme bildet es den Stadtteil Hamme, welcher westlich des Stadtzentrums zum Stadtbezirk Mitte zählt.

Die historische Siedlung Stahlhausen
Haus in der Siedlung Stahlhausen heute

GeschichteBearbeiten

Die Alleestraße wurde schon 1794 als Chaussee von Bochum nach Essen-Steele fertiggestellt. Hier bauten ab 1844 Jacob Mayer und Eduard Kühne die Gußstahlfabrik Mayer & Kühne auf, aus der sich der Bochumer Verein entwickelte.[1] Der Konzern baute 1858 die ersten Arbeiterhäuser. 1868 wurde mit der Errichtung einer architektonisch homogenen Arbeitersiedlung auf dem freien Feld begonnen. 1874 verfügte man schließlich an acht parallelen Straßen über insgesamt 400 Wohnungen. Man orientierte sich am Mülhauser Typ. Die Siedlung war von Hecken umgeben.[2] Seit den 1860r Jahren erfolgte die Süd- und Westerweiterung der Bochumer Innenstadt. Dem Gebiet von Stahlhausen und Griesenbruch zugewand, entstand in dem Zug auch ab 1868 die St.-Marien-Kirche.

Kern des neuen Stadtteils bildete der Moltkemarkt, heute Springerplatz. An der Baarestraße befand sich ein großes, werkseigenes Wohnheim für ledige Arbeiter, das 1873/1874 errichtete Kosthaus. In der Zeit des Nationalsozialismus war das Kosthaus auch Sitz eines SA-Wachlokals, in dem politische Gegner gefangen gehalten und misshandelt wurden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stahlerzeugung kriegswichtig. Mehrere tausend Zwangsarbeiter wurden beschäftigt. Anfang 1945 waren es 7500 Menschen. Eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald befand sich an der Brüllstraße (siehe KZ-Außenkommando Brüllstraße). Wegen des Luftkriegs verlegte man die Produktion zum Teil in unterirdische Hallen. Am damaligen Moltkemarkt sowie an der Baarestraße wurde große Luftschutzbunker errichtet, in dem ein Teil der Zivilbevölkerung Schutz finden konnte. Nach dem Krieg war ein Großteil der Bebauung zerstört. Einen Eindruck von der ursprünglichen Bauweise vermitteln noch die Stahlhauser Straße und die Gremmestraße.

 
Hochöfen des Bochumer Vereins (um 1962)

Der Strukturwandel führte dazu, dass sich Industriebrachen entwickelten. Nach Norden hin, auf dem Gelände der einstigen Hochöfen, befindet sich heute der Westpark, der für Erholung und Gewerbe dienen soll. Größte Sehenswürdigkeit ist hier die Jahrhunderthalle. Im Süden befindet sich die Flächen der oberen und untern Stahlindustrie. Teilweise besteht hier immer noch Firmen, wie Heintzmann, die seit der Industrialisierung hier tätig sind. Auf anderen brach gefallen Teilen sind neue Firmen tätig wie das Reinhold Mendritzki Kaltwalzwerk oder der zentrale Betriebshof der Stadt Bochum. Auf einem kleinen Teil des ehemaligen Produktionsgeländes befindet sich nun ein Abschnitt des Radschnellweges Ruhr mit einem kleinen Park. Im Westen verläuft der Bochumer Ring. Das kurzfristig von Hausbesetzern dominierte Heusnerviertel an der gleichnamigen Straße wurde 1986 mit großen Polizeiaktionen geräumt und für den Bau der Autobahn abgerissen. In direkter Nachbarschaft zum Werksbereich nördlich der Alleestraße befindet sich das Bochumer Rotlichtviertel, bestehend aus der Gußstahlstraße und der von ihr abzweigenden Sackgasse Im Winkel.

DenkmalschutzBearbeiten

 
Denkmalbereich Stahlhausen

Am 29. November 2011 beschloss der Rat der Stadt Bochum die Denkmalbereichssatzung für Stahlhausen, die am 20. Januar 2012 in Kraft trat. Damit ist Stahlhausen neben dem Stadtparkviertel der zweite geschützte Denkmalbereich der Stadt. Die Bereichssatzung hat das Ziel, durch die Erhaltung des Siedlungsgrundrisses, des Gebäudebestands und der Freiflächen ein Zeugnis der Geschichte der Menschen im Ruhrgebiet zu bewahren.[3]

WeblinksBearbeiten

Commons: Siedlung Stahlhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Marco Rudzinski: Ein Unternehmen und »seine« Stadt – Der Bochumer Verein und Bochum vor dem Ersten Weltkrieg. Hrsg.: Veröffentlichung des Institutes für soziale Bewegung. Klartext, Essen 2012, ISBN 978-3-8375-0770-6, S. 32.
  2. E. Führ, D. Stemmrich: Die Dinglichkeit sozialer Konfigurationen. In: Klaus Bergmann, Rolf Schörken (Hrsg.): Geschichte im Alltag – Alltag in der Geschichte, Düsseldorf 1982.
  3. Stadt Bochum: Denkmalbereichssatzung Stahlhausen. (PDF; 48 kB)

Koordinaten: 51° 29′ N, 7° 12′ O