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Willy-Sachs-Stadion

Fußballstadion in Deutschland

Das Willy-Sachs-Stadion ist ein Fußballstadion mit Leichtathletikanlage in Schweinfurt. Es weist eine Kapazität von 15.060 Zuschauern auf, davon nur 860 Sitzplätze, die einzig überdacht sind.[3] Das kleine eigentliche Stadion, einschließlich des großen, umgebenden Sportparks, wurde 1936, nur eine Woche vor den Olympischen Spielen in Berlin, eröffnet. Zur Eröffnung kamen Heinrich Himmler und Hermann Göring. Das Willy-Sachs-Stadion ist neben dem Berliner Olympiastadion einer der wenigen, weiträumigen Anlagen mit engen Bezügen zum Nationalsozialismus, die unter Denkmalschutz stehen. Jedoch gab es i. Ggs. zum Olympiastadion keine größeren baulichen Eingriffe. Zudem wurde das Sachs-Stadion nicht im für die NS-Zeit typischen Neoklassizismus sondern im von ihr abgelehnten Bauhausstil (Sitztribüne) von Paul Bonatz erbaut, in zeitloser Moderne.

Willy-Sachs-Stadion
Schweinfurt Willy-Sachs-Stadion.jpg
Willy-Sachs-Stadion
Daten
Ort Ander-Kupfer-Platz 2
DeutschlandDeutschland 97422 Schweinfurt
Koordinaten 50° 3′ 4,8″ N, 10° 12′ 10,7″ OKoordinaten: 50° 3′ 4,8″ N, 10° 12′ 10,7″ O
Eigentümer Stadt Schweinfurt
Eröffnung 23. Juli 1936
Erstes Spiel 1. FC Schweinfurt 05FC Schalke 04 2:2[1]
Renovierungen 2001, 2014
Oberfläche Naturrasen
Kosten 1 Mio. RM[2]
Architekt Paul Bonatz
Kapazität 15.060 Plätze[3]
Spielfläche 105 m × 68 m
Verein(e)
Veranstaltungen

Das städtische Stadion ist seit seiner Eröffnung Heimstätte des 1. FC Schweinfurt 05, der seitdem hier viele Fußball-Spielzeiten in den höchsten bzw. zweithöchsten deutschen Spielklasse verbrachte.[4] Als Mäzen des FC 05 initiierte der Schweinfurter Großindustrielle Willy Sachs den Bau des nach ihm benannte Stadions und stiftete es der Stadt Schweinfurt. Es war damals eine der modernsten und großzügigsten Anlagen Süddeutschlands. Der FC 05 erhielt von Sachs ein festgeschriebenes Erstnutzungsrecht aller Einrichtungen, einschließlich der Trainings- und Nebenplätze, so lange der Verein besteht.

Der Name Willy-Sachs-Stadion bezeichnet sowohl das eigentliche Stadion, den Hauptplatz, als auch den umgebenden Sportpark. An diesen schließen sich weitere Sportstätten anderer Vereine an. Das gesamte Sportquartier beiderseits der Niederwerrner Straße umfasst etwa einen halben Quadratkilometer und bildet eine der flächengrößten Sportstätten-Agglomerationen Deutschlands.

Das Willy-Sachs-Stadion war Austragungsort der Leichtathletik-Vorentscheidungen für die gesamtdeutsche Olympiamannschaft zu den Olympischen Spielen 1960 in Rom, der Faustball-Weltmeisterschaft 1972 und der Faustball-Europameisterschaft 2012. Das Stadion wurde im Jahr 2001 umfassend saniert, um die damaligen Auflagen für die 2. Fußball-Bundesliga zu erfüllen.[5]

Inhaltsverzeichnis

Lage und AnreiseBearbeiten

LageBearbeiten

Das Stadion liegt im Nordwestlichen Stadtteil, 2 km nordwestlich des Stadtzentrums und 2 km nördlich des Hauptbahnhofs.

Anreise mit dem AutoBearbeiten

Das Stadion befindet sich am Nordrand der B  303, der Niederwerrner Straße (siehe: Stadionplan, schräg links unten), einer nordwestlichen Ausfallstraße nach Mittel- bzw. Ostdeutschland (Autobahn 71 nach Erfurt) und nach Norddeutschland (Autobahn 7 via Kassel). Beim Stadion endet der John-F-Kennedy-Ring, der zur Autobahn 70 nach Bamberg führt und via A 70 zur ebenfalls noch nahe an der Stadt gelegenen Autobahn 7 nach Würzburg und Ulm. Die weitläufige Umgebung des Stadions ermöglicht es, dass Gästefans auf eigenem Anfahrtsweg zu eigenen Parkplätzen nördlich des Stadions an der Willi-Kaidel-Straße (siehe: Stadionplan, oben) fahren können. Für Gästefans, die über das Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck anfahren, empfiehlt es sich am nachfolgenden Autobahndreieck Werntal auf die A 71 Richtung Schweinfurt-West/Erfurt zu fahren, bis zur Anschlussstelle Nr. 30 Schweinfurt-West. Von dort weiter auf der B 303 bis an die Stadtgrenze (Ortstafel) fahren, dort links und danach in die zweite Straße rechts abbiegen, die Adolf-Ley-Straße, die in Verlängerung auf die Willi-Kaidel-Straße führt.

Anreise mit Bahn und FernbusBearbeiten

Vom Hauptbahnhof, wo sich auch der Busbahnhof Bahnhofsplatz für Regional- und Fernbusse befindet, gelangt man mit der Regionalbahn in die Innenstadt (Haltepunkt Schweinfurt Mitte) oder mit den Stadtbuslinien 11 und 12. Von dort führen am Stadtbusbahnhof Roßmarkt die Linien 22, 24 und 25 zur Haltestelle Volksfestplatz am Stadion. Zum Gästefanblock in der Nordkurve gelangt man zu Fuß über den östlich des Stadions entlangführenden Kasernenweg (siehe: Stadionplan) zum Eingang Ost (siehe: Stadionplan, Ausgang Ost).

GeschichteBearbeiten

Das Willy-Sachs-Stadion wurde im Juli 1936, neun Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Berlin, als Teil eines neuen Sportparks der Stadt Schweinfurt eröffnet. Gestiftet wurde die gesamte Anlage im Jahr 1934 durch den Schweinfurter Industriellen Willy Sachs, Inhaber des von seinem Vater Ernst Sachs gegründeten Unternehmens Fichtel & Sachs.[1]

 
Willy Sachs (1933)

Der unmittelbare Anlass für die Finanzierung eines neuen Fußballstadions für den 1. FC Schweinfurt 05 waren dabei die unzulänglichen Platzverhältnisse der existierenden Spielstätte an der Ludwigsbrücke. Nach dem Aufrücken der Mannschaft in die Gauliga Bayern im Jahr 1933 erhoben andere Gauliga-Vereine Einspruch gegen die Benutzung des Platzes, dessen Zustand allerdings nicht entscheidend verbessert werden konnte. Im Stiftungsschreiben legte Sachs als Mäzen von Schweinfurt 05 daher für die "Dauer des Bestehens des Vereins" das alleinige Erstnutzungsrecht aller Stadioneinrichtungen für seinen Verein fest.[1]

Der architektonische Entwurf des Stadions kam von Paul Bonatz, welcher bereits die neue Verwaltungszentrale von Fichtel & Sachs in Schweinfurt erbaut[6] und unter anderem den Stuttgarter Hauptbahnhof konzipiert hatte. Sein Schwiegersohn Kurt Dübbers entwarf die das Stadion umgebenden Funktionsbauten.[7] Die gesamte Anlage wurde damals als vorbildlich und für eine Stadt der Größe Schweinfurts als nahezu einzigartig in Deutschland eingestuft.[8]

 
Pylon mit Reichsadler und Tafel des Stadionstifters

Zur Einweihung des Stadions am 23. Juli 1936 waren mit dem Reichsführer SS Heinrich Himmler, dem Reichsorganisationsleiter Robert Ley und dem Reichsstatthalter von Bayern Franz Ritter von Epp führende nationalsozialistische Politiker anwesend. Bereits am Vortag hatte der mit Sachs befreundete Hermann Göring die Anlage besichtigt.[2][9][10] Willy Sachs zeigte sich aus Anlass der Stadion-Einweihung in SS-Uniform. (siehe: Kontroverse um den Stadionnamen)

Das Eröffnungsspiel des Willy-Sachs-Stadions fand drei Tage später zwischen dem 1. FC Schweinfurt 05 und dem FC Schalke 04 statt, dem Deutschen Meister von 1935[11]. Beide Mannschaften trennten sich mit einem 2:2-Unentschieden. Im August folgten dann noch weitere Freundschaftsspiele gegen Hertha BSC und Fortuna Düsseldorf.[1][12]

Die gesamte Stadionanlage überstand unbeschadet die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges. Der Zuschauerrekord stammt aus dem Jahre 1954, als 22.500 Zuschauer zu einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern ins Willy-Sachs-Stadion kamen.[13]

Das Stadion war in den Jahren zwischen 1936 und 1963 Spielstätte der jeweils obersten deutschen Fußball-Liga, sowie für viele weitere Spielzeiten Zweitliga-Stadion, zuletzt in der Saison 2001/02. Darüber hinaus fanden im Willy-Sachs-Stadion seit 1939 zahlreiche Partien des 1. FC Schweinfurt 05 im DFB-Pokal (bis 1943 Tschammerpokal) statt. International erwähnenswert ist ein Freundschaftsspiel des FC Schweinfurt 05 gegen den FC Everton zum 50-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 1955, anlässlich dessen 13.000 Zuschauer das Stadion besuchten.[1]

Die Süddeutsche Zeitung würdigte den historischen Wert des Willy-Sachs-Stadions wie folgt:

Die Stadien unserer Zeit zeichnen sich durch Kurzlebigkeit aus. Nur noch das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt und das Volkspark-Stadion in Bamberg […] vermitteln bis heute ein Gefühl von der Bedeutung des Sports in den 20er und 30er Jahren, in denen er in einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel eingebettet war. […] Das Willy-Sachs-Stadion entspricht von der Konzeption her der Idee der Freiluftsportanlage, wie sie in den 20er Jahren häufig in Deutschland realisiert wurde. Die Anlage war als Freizeitpark und Aufenthaltsort für Familien gedacht, wie auch der Volkspark in Bamberg.[14]

AnlageBearbeiten

BeschreibungBearbeiten

 
Haupteingang mit Kassenanlage

Das Stadion besitzt einen weitläufigen Zugangsbereich in der Abfolge: Ander-Kupfer-Platz (an der Niederwerrner Straße) – Kassenanlage – Stadioninnenhof – Hauptplatz (eigentliches Stadion). Letzteres ist ein klassisches Fußballstadion mit integrierter Leichtathletikanlage und Marathontor, umgeben von zwei Reihen hoher Linden. Das Fassungsvermögen von einstmals über 20.000 Zuschauern wurde in Folge neuerer Sicherheitsstandards auf 15.060 Zuschauer beschränkt, darunter 860 Sitzplätze auf der überdachten Haupttribüne. Es ist ein klassisches Stehplatz-Stadion, das abgesehen von technischen Einbauten völlig unverändert, wie kaum anderswo, erhalten blieb.

Alle Nebengebäude des Stadions wurden in Klinker-Sichtmauerwerk errichtet, die Haupttribüne dagegen im Bauhausstil. Das Stadion des Architekten Paul Bonatz und der umgebende Sportpark sind durch eine hochwertige Landschaftsarchitektur mit großem Baumbestand geprägt. Die gesamte Anlage aus der Vorkriegszeit, einschließlich aller Nebengebäude und der Tennisanlage, steht unter Denkmalschutz.[7] Zahlreiche Freitreppen sind prägende Elemente, und in der Mitte des Sportparks bildet ein Aufenthaltsbereich mit Brunnen ein kleines Wahrzeichen. Das Stadion wurde im Gegensatz zum ebenfalls 1936 eröffneten Olympiastadion in Berlin nicht im damals üblichen neoklassizistischen Stil gebaut, und es ist mit Ausnahme des Pylons am Stadioneingang (siehe: Geschichte) frei von NS-Kunst und Plastik.

AusbauBearbeiten

 
Südkurve mit Marathontor

Um beim Wiederaufstieg des 1. FC Schweinfurt 05 in die 2. Fußball-Bundesliga im Jahr 2001 die damaligen Auflagen zu erfüllen, wurde das Stadion im Sommer des Jahres umfassend saniert. Die Stufen der Stehränge wurden erneuert und eine 1000-Lux-Flutlichtanlage auf vier jeweils 38 Meter hohen Schrägmasten installiert.[15] Zudem wurde ein abgetrennter Gästeblock mit separatem Eingang eingerichtet. Die Schweinfurter Großindustrie spendete eine LED-Anzeigetafel über dem Marathontor.

Im Jahr 2014 wurden Wellenbrecher auf den Stehrängen installiert, wodurch das Platzangebot des Stadions von 15.060, welches durch neue Sicherheitsstandards zwischenzeitlich auf etwa 6.200 beschränkt wurde, wieder voll ausgenutzt werden konnte.[16] Im Stadioninnenhof steht seit längerer Zeit ein separates VIP-Zelt für Sponsoren, Presse und die Mannschaft des 1. FC Schweinfurt 05.

Bei allen Baumaßnahmen blieb jedoch das Gesamtbild des Stadions weiterhin unverändert.

Der Sportpark wurde seit dem Krieg sukzessive erweitert. Er hat heute zusammen mit benachbarten Sportanlagen anderer Vereine außerhalb des Willy-Sachs-Stadions, mit dem Eisstadion Icedome, dem Soccerdome des FC 05, der Reithalle und (einstigen) US-amerikanischen Sportstätten mittlerweile eine Fläche von etwa einem halben Quadratkilometer.

AtmosphäreBearbeiten

 
Zuschauer in der Nordkurve

Das Willy-Sachs-Stadion bietet aufgrund der dichten, doppelreihigen Bepflanzung der Stehplatzränge mit hochgewachsenen Linden sowohl aus der Perspektive der Haupttribüne als auch vom Spielfeld aus einen völlig anderen visuellen Eindruck als moderne, komplett mit überdachten Rängen umgebene Fußball-Arenen. Auf den bepflanzten Rängen bilden die Linden, eingebettet in den umliegenden Baumbestand, eine Art Allee, so dass die Zuschauer wie von einem Landschaftspark aus das Spielgeschehen verfolgen können.

TennisanlageBearbeiten

Ein Jahr nach der Einweihung des Stadions wurde 1937 eine Tennisanlage mit Clubhaus eröffnet. Sie gehört zum Willy-Sachs-Stadion, besitzt aber einen eigenen Zugang und wurde Heimat des Tennisclubs Weiß-Blau (heute Tennisclub Schweinfurt).

Weitere StadionnutzungBearbeiten

Weitere FußballvereineBearbeiten

Neben dem 1. FC Schweinfurt 05 nutzte in der Kriegssaison 1943/44 auch der Wehrmachts-Verein WTSV Schweinfurt das Stadion für seine Heimspiele in der Gauliga Bayern.[17] Für die Regionalliga-Saison 2008/09 zog der TSV Großbardorf aus der rund 27 Kilometer nördlich gelegenen Gemeinde Großbardorf in das Willy-Sachs-Stadion als Heimspielstätte um, da die dortige Sportanlage nicht die Kriterien für Regionalligaspielstätten erfüllte, welche u. a. eine Mindestkapazität von 5000 Plätzen vorschrieben.[18] Die Nebenplätze im Willy-Sachs-Stadion werden auch von den Fußball-Mannschaften der FT Schweinfurt genutzt.[19]

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland war das Willy-Sachs-Stadion Trainingsgelände der tunesischen Fußballnationalmannschaft.

FaustballBearbeiten

Das Willy-Sachs-Stadion war Austragungsort der Faustball-Weltmeisterschaft 1972, bei welcher die Bundesrepublik Deutschland vor Brasilien und Österreich Weltmeister wurde. Im selben Stadion gewann die Schweiz vor Österreich und Deutschland die Faustball-Europameisterschaft 2012 um den Schweinfurter Zuspieler Fabian Sagstetter. 2014 richtete der TV Schweinfurt-Oberndorf die Deutsche Meisterschaft im Faustball aus und konnte sich vor heimischen Publikum ebenfalls die Bronze-Medaille sichern.

LeichtathletikBearbeiten

Das Willy-Sachs-Stadion ist in den Sommermonaten regelmäßiger Austragungsort für regionale, nationale, und auch internationale Leichtathletik-Wettbewerbe. Zu den Olympischen Spielen 1960 in Rom fanden für die gesamtdeutsche Olympiamannschaft zum ersten Mal Ausscheidungswettkämpfe statt. Die Leichtathletik-Vorentscheidungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR wurden im Willy-Sachs-Stadion ermittelt. Zu diesen Olympischen Spielen wurde auch die gesamtdeutsche Olympiaflagge eingeführt (Schwarz-Rot-Gold mit weißen olympischen Ringen im roten Streifen).

Sonstige VeranstaltungenBearbeiten

 
Willy-Sachs-Stadion vor einem Popkonzert 2013

Seit den 1990er Jahren finden jeden Sommer im Willy-Sachs-Stadion größere Popkonzerte mit bis zu 25.000 Besuchern statt. So kamen im Jahr 1997 die Backstreet Boys, 2011 die Scorpions, 2013 Die Toten Hosen, 2014 Herbert Grönemeyer und 2015 Sunrise Avenue. Das Stadion diente auch der U.S. Army Garrison Schweinfurt bis zu deren Abzug im Jahr 2014 als Aufmarschfläche für Zeremonien und Militärparaden.[20]

Kontroverse um den StadionnamenBearbeiten

Wegen der Verstrickungen von Willy Sachs mit dem Nationalsozialismus ist der Name des Stadions heute umstritten. Willy Sachs trat 1933 in die SS ein und war seit 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP. Er hatte schließlich den Rang eines SS-Obersturmbannführers (1943) und gehörte dem „Freundeskreis Reichsführer SS“ (Heinrich Himmler) an. Als Leiter eines rüstungswichtigen Betriebs war Willy-Sachs Wehrwirtschaftsführer. Heinrich Himmler verlieh ihm Orden und Ehrentitel und half nach der Scheidung von seiner ersten Frau Elinor von Opel beim Kampf um das Sorgerecht für die Kinder, im Gegenzug flossen mehrere hunderttausend Mark an Spenden. Hermann Göring war Gast bei Sachs-Jagden auf Schloss Mainberg und auf Gut Rechenau; Reinhard Heydrich erhielt ein Darlehen von Sachs. Willy Sachs suchte die Nähe zu führenden Nationalsozialisten, gleichwohl bescheinigte man ihm intern, von weltanschaulichen Dingen keine Ahnung zu haben und den Anforderungen an einen NS-Betriebsführer nicht zu genügen.[2]

Im Rahmen des Aufstiegs des 1. FC Schweinfurt 05 in die Zweite Fußball-Bundesliga im Jahr 2001 wurde der Stadionname erstmals bundesweit in den Medien kritisiert.[21][22] Die Schweinfurter Initiative gegen das Vergessen – Zwangsarbeit in Schweinfurt initiierte aufgrund der Rolle von Willy Sachs im Dritten Reich eine Kampagne für eine Umbenennung des Stadions, welche von der Süddeutschen Zeitung sowie dem Autor Werner Skrentny ("Das große Buch der deutschen Fußballstadien") unterstützt wurde[23]. Diese stieß jedoch in der breiten örtlichen Öffentlichkeit nur auf geringe Zustimmung.[24]

Der verbliebene Erbe und Sohn von Willy Sachs, der bekannte Playboy und Kunstsammler Gunter Sachs (1932–2011) hielt sich bedeckt. In seiner Autobiografie "Mein Leben" (2005) ging er nur sehr kurz auf seine Herkunft ein.[2] Er und die anderen Nachkommen der Familie sprachen sich gegen eine Umbenennung des Stadions aus.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist ein Freundschaftsspiel am 20. Juli 2001 zwischen dem damaligen Zweitligisten Schweinfurt 05 und dem israelischen Meister Maccabi Haifa. Das Spiel sollte eigentlich auf dem Hauptplatz stattfinden, musste aber wegen des Stadionnamens auf Wunsch des Gegners auf einen Nebenplatz verlegt werden, der jedoch auch im Sportpark mit dem Namen Willy-Sachs-Stadion liegt (siehe Stadionplan am Anfang des Artikels).[9]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Willy-Sachs-Stadion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Geschichte des FC 05 Schweinfurt. www.schweinfurtfuehrer.de, abgerufen am 28. August 2017.
  2. a b c d Der braune Schatten. cicero.de, abgerufen am 28. August 2017.
  3. a b Schweinfurter DFB-Pokalspiel ausverkauft. www.bfv.de, abgerufen am 10. Oktober 2017.
  4. Matthias Hunger: Fußballheimat Franken. Arete Verlag, Hildesheim 2017, ISBN 978-3-942468-91-6, S. 188–189.
  5. 1. FC Schweinfurt 05: Stadion. www.fcschweinfurt05.de, abgerufen am 28. August 2017.
  6. Hauptverwaltung der Fichtel & Sachs AG. In: archINFORM; abgerufen am 5. September 2017.
  7. a b Schweinfurt – Baudenkmäler. (pdf) geodaten.bayern.de, abgerufen am 5. September 2017.
  8. Willy-Sachs-Stadion. www.schweinfurtfuehrer.de, abgerufen am 28. August 2017.
  9. a b Der braune Fleck von Schweinfurt. tomkleine.jimdo.com, abgerufen am 28. August 2017.
  10. Schweinfurt Under the Swastika. www.thirdreichruins.com, abgerufen am 28. August 2017 (englisch).
  11. Werner Skrentny: Das große Buch der deutschen Fußball-Stadien. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2001, ISBN 3-89533-306-9, S. 314–317
  12. Schweinfurt: Willy-Sachs-Stadion. stadionphotos.blogspot.de, abgerufen am 9. September 2017.
  13. Willy-Sachs-Stadion, 1. FC Schweinfurt 05, Fotos & Infos. stadioncheck.de, abgerufen am 28. August 2017.
  14. Hans Kratzer: Das unentdeckte Feld. In: Süddeutsche Zeitung, 7. Juli 2014, S. R14.
  15. Flutlicht Beling: Unsere Referenzen. www.flutlicht-beling.de, abgerufen am 11. November 2017.
  16. Im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion werden gerade die Wellenbrecher errichtet. in-und-um-schweinfurt.de, abgerufen am 29. August 2017.
  17. Saison 1943/1944: WTSV Schweinfurt - SpVgg Fürth. www.kleeblatt-chronik.de, abgerufen am 28. August 2017.
  18. Soccer-Warrios: Wie kann es sein, dass ein Regionalligist nicht mehr in der Regionalliga spielen will. www.soccer-warriors.de, abgerufen am 31. August 2017.
  19. FT Schweinfurt vs. TSV Rottendorf. www.ground-hopper.com, abgerufen am 17. Mai 2018.
  20. Matthias Hunger: Fußballheimat Franken. Arete Verlag, Hildesheim 2017, ISBN 978-3-942468-91-6, S. 188.
  21. Ein Nazi als Namensgeber. www.spiegel.de, abgerufen am 31. August 2017.
  22. Zu Gast im Stadion eines Nazis. de.indymedia.org, abgerufen am 31. August 2017.
  23. Werner Skrentny: Das große Buch der deutschen Fußball-Stadien. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2001, ISBN 3-89533-306-9, S. 314–317
  24. Süddeutsche Zeitung: Das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt. www.sueddeutsche.de, abgerufen am 29. August 2017.