Wietzen

Gemeinde im Landkreis Nienburg/Weser, Niedersachsen

Wietzen ist eine Gemeinde im Landkreis Nienburg/Weser, Niedersachsen.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wietzen
Wietzen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wietzen hervorgehoben

Koordinaten: 52° 43′ N, 9° 5′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Nienburg/Weser
Samtgemeinde: Marklohe
Höhe: 45 m ü. NHN
Fläche: 40,41 km2
Einwohner: 2137 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 53 Einwohner je km2
Postleitzahl: 31613
Vorwahl: 05022
Kfz-Kennzeichen: NI
Gemeindeschlüssel: 03 2 56 036
Adresse der Verbandsverwaltung: Rathausstraße 14
31607 Marklohe
Website: www.marklohe.de
Bürgermeister: Hans-Jürgen Bein (CDU)
Lage der Gemeinde Wietzen im Landkreis Nienburg/Weser
Steinhuder MeerNordrhein-WestfalenLandkreis DiepholzLandkreis OldenburgLandkreis SchaumburgLandkreis HeidekreisLandkreis VerdenRegion HannoverBalgeBinnenBinnenBinnenBinnenBückenDiepenauDrakenburgEstorf (Weser)EystrupEystrupGandesbergenHämelhausenHämelhausenHaßbergenHaßbergenHassel (Weser)Hassel (Weser)HeemsenHilgermissenHoyaHoyerhagenHusum (bei Nienburg)LandesbergenLeeseLiebenau (Niedersachsen)LinsburgLinsburgMarkloheNienburg/WeserPennigsehlRaddestorfRehburg-LoccumRodewaldRohrsenSchweringenSteimbkeSteyerbergSteyerbergStöckseStolzenauUchteWarmsenWietzenWarpeKarte
Über dieses Bild

Geographische LageBearbeiten

Wietzen liegt zwischen Wesermarsch und Geest und gehört zur Samtgemeinde Marklohe. Die Kreisstadt Nienburg liegt in 13 km Entfernung.

Südlich von Wietzen entspringt der in die Weser mündende Bückener Mühlenbach.

GeschichteBearbeiten

 
St. Gangolf-Kirche

Ende des 11. Jahrhunderts wurde im Gebiet der Gemeinde Wietzen, Ortsteil Stumpenhusen eine Burg erbaut, von der jedoch heute nichts mehr erhalten ist. Der im 19. Jahrhundert noch als Motte erkennbare Burghügel von ca. 40 m Durchmesser im Ortsteil Stumpenhusen wurde völlig einplaniert.[2] Hier saßen bis 1204 die Edelherren, ab 1181 Grafen von Stumpenhusen, Vorfahren der Grafen von Hoya, an die über die Grafen von Wölpe der Besitz nach 1301 überging, wodurch Wietzen seine historische Bedeutung verlor. Auch die Errichtung der bemerkenswerten, heute noch vorhandenen St.-Gangolf-Kirche im 12. Jahrhundert geht auf diesen Adelssitz zurück.[3]

EingemeindungenBearbeiten

Im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform schloss sich die Gemeinde Wietzen zum 1. April 1970 der Samtgemeinde Marklohe an. Am 1. März 1974 wurde die vorher selbstständige Gemeinde Holte in die Gemeinde Wietzen eingegliedert.[4]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1961 1970 1987 1992 1997 2002 2007 2008 2009 2010 2011
Einwohner 2341 2287 2041 2133 2260 2213 2174 2148 2158 2145 2113

(1961 am 6. Juni, 1970 am 27. Mai, jeweils mit Holte[4]; ab 1987 jeweils am 31. Dezember[5])

PolitikBearbeiten

Gemeinderatswahl 2016[6][7]
Wbt.: 54,75 % (2011: 56,95 %)
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
65,67 %
34,32 %
n. k. %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
   2
   0
  -2
  -4
-1,08 %p
+1,08 %p
± 0,00 %p

GemeinderatBearbeiten

Der Rat der Gemeinde besteht aus zwölf Ratsfrauen und Ratsherren sowie dem nebenamtlichen Bürgermeister.

  • CDU 9 Sitze (±0)
  • SPD 4 Sitze (±0)

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2016)[8]

BürgermeisterBearbeiten

In der aktuellen Kommunalwahlperiode (2016–2021) fungiert Hans-Jürgen Bein (CDU) als ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde.[9]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

MuseenBearbeiten

Heimatstube Wietzen: 1984 wurde im Auftrag des Gemeinderates Wietzen vom Heimatpfleger Heinrich Lüdeke eine Heimatstube in der "Alten Schule" eingerichtet. Hier sollten die bäuerliche Arbeitswelt, altes Handwerk und dörfliche Wohnkultur vorgestellt werden. 1995 zum ersten Mal räumlich erweitert, verfügt die Heimatstube heute u. a. über Tischler-, Maler-, Stellmacher- und Schmiedewerkstätten. Eine Backstube ist auch vorhanden. 2007 wurde der alte Bahnhofschuppen von 1922 durch den Förderverein der Heimatstube an diesen Standort versetzt und restauriert. Hier werden insbesondere große alte Landmaschinen ausgestellt. Mit der Grundschule Wietzen verbindet die Heimatstube Wietzen seit vielen Jahren eine Schul- und Museumspädagogische Zusammenarbeit.

Geschichtswerkstatt Wietzen: Sie wurde auf Initiative von Helmut Rode im Januar 2011 eröffnet und steht unter dem Motto der in den 1970er Jahren in Skandinavien gegründeten Geschichtswerkstätten: "Grabe – wo du steht". Die Dorfgeschichte von Wietzen soll sichtbar gemacht werden gemäß der Aussage des Hans von Keler "Geschichte ist nicht nur Geschehenes, sondern Geschichtetes – also der Boden auf dem wir stehen und bauen".

Die Geschichtswerkstatt Wietzen möchte den Strom der Dorfgeschichte erarbeiten, "um unserem Leben, dem Leben unserer Bezugsgruppe, unserer gegenwärtigen "Schicht" – einen Sinn zu geben" (Zit. Rode). Die Geschichtswerkstatt versteht sich als Bestandteil der Heimatstube Wietzen und arbeitet eng mit dem Dorfkulturkreis Wietzen e. V. zusammen. Bisher (Stand: Dezember 2011) wurde ein aktueller Flyer "Wietzener Geschichtszahlen", die Broschüre "Die St. Gangolf Kirche zu Wietzen – die Grafen von Stumpenhusen" und ein Band mit den Erzählungen und Gedichten von Elfriede Thies herausgeben.

HeimatpflegeBearbeiten

Dorfkulturkreis Wietzen: Die Landjugend Wietzen und der örtliche Gemischte Chor gründeten 1962 den Dorfkulturkreis Wietzen. Ihr Anliegen war die Nutzung einer Freilichtbühne, um durch Chorgesang und Volkstanz altes heimatliches und bäuerliches Kulturgut zu pflegen und zu erhalten.

Heute gestaltet der Dorfkulturkreis die Vortragsreihe "Wietzen – wie es früher war", berichtet auf plattdeutsch vom Leben alter Zeiten und stellt das Entstehen und den Werdegang Wietzener Betriebe dar. Jedes Jahr werden mehrere Wanderungen in der Ortschaft Wietzen und Holte und umzu angeboten. Im Sommer zieht ein Sommerfest mit Gottesdienst auf Plattdeutsch, viel kultureller Unterhaltung und dem berühmten Butterkuchen aus dem Steinbackofen alt und jung auf die Mühlbach-Freilichtbühne. So behalten Bürgersinn und Gemeinschaftsgeist immer eine Heimat im Dorf, und Wietzen bleibt Lebensraum von Rang.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Bredenbeck's Open: Am Pfingstsonntag findet seit 2002 im Ortsteil Bredenbeck das Crossgolfturnier „Bredenbeck's Open“ statt.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Die Gemeinde liegt direkt an der Bundesstraße 6 von Bremen nach Hannover. In unmittelbarer Nähe führt außerdem die Bundesstraße 214 von Nienburg nach Sulingen durch die Gemarkung.

Der nächste Bahnhof ist in Nienburg an der Hauptstrecke Bremen–Hannover.

Wietzen liegt an der seit 1997 stillgelegten Bahnstrecke Nienburg–Sulingen. Der Personenverkehr wurde hier bereits am 27. September 1969 eingestellt, der Güterverkehr 1992. Der Bahnhof Wietzen wurde zwischenzeitlich abgerissen, die Bahnstrecke jedoch nicht abgebaut (Stand November 2011).

WirtschaftBearbeiten

Größter Arbeitgeber in der Gemeinde war die Niederlassung der Wiesenhof Geflügelspezialitäten im Ortsteil Holte. Im Januar 2019 gab Wiesenhof bekannt, den Standort zu schließen, über 200 Festangestellte waren betroffen. Das Werksgelände wurde 2020 von der ACTO GmbH, einem Unternehmen der chemischen Industrie, übernommen.[10]

Weitere Wirtschaftsfaktoren sind die Logistikbranche, das Bauhandwerk und der Einzelhandel. Zudem ist die Landwirtschaft wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Gemeinde, auch mit angegliederten Betrieben, wie Landtechnik und Vertrieb der erzeugten Produkte.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Lüdeke und Hermann Claus (Hrsg.): Wietzen wie es früher war.
  • Heinrich-Detlev Gadesmann: „Nur malen, malen und allein sein“. Ernst Thoms. Historische Schriftenreihe des Landkreises Nienburg/Weser (Hrsg.). Sonderausgabe 1991.
  • Martin Last: Wietzen als Zentrum adliger Herrschaft des hohen Mittelalters. Burg/Hof – Eigenkirche/Grablege. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte (NsJbLG) 55, 1983, S. 139–180.

WeblinksBearbeiten

Commons: Wietzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2019 (Hilfe dazu).
  2. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 27. März 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.burgeninventar.de
  3. Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Bd. 2, Niedersachsen und Bremen, 1969, S. 491.
  4. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 199.
  5. LSKN-Online
  6. http://wahl.kdo.de/index.php?kommune=Samtgemeinde%20Marklohe&instflash=yes&noflash=&wahl=2011_____Wahl%20des%20Gemeinderates%20Wietzen%2011.09.2011_____110823093514942&showData=tabelle
  7. http://wahl.kdo.de/index.php?kommune=Samtgemeinde%20Marklohe&instflash=yes&noflash=&wahl=2006_____Wahl%20Gemeinderat%20Wietzen%2010.09.2006_____060719140375747&showData=tabelle
  8. https://wahlen.kdo.de/content.php?kunde=sg_marklohe&wahlverz=sg_marklohe/web/201609_K__Wahl_des_Gemeinderates_Wietzen_11.09.2016&wahlname=Wahl_des_Gemeinderates_Wietzen_11.09.2016&datei=160719134474770_0_1_txt_p_.html
  9. https://www.marklohe.de/portal/meldungen/konstituierende-sitzung-des-rates-der-gemeinde-wietzen-909000373-21570.html
  10. Acto GmbH plant erste eigene Produktionsstätte in Holte. In: Interkommunales Netzwerk Heemsen-Liebenau-Marklohe-Steimbke. 29. Mai 2020, abgerufen am 3. Oktober 2020 (deutsch).