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Marktgemeinde
Werfen
Wappen Österreichkarte
Wappen von Werfen
Werfen (Österreich)
Werfen
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Salzburg
Politischer Bezirk: St. Johann im Pongau
Kfz-Kennzeichen: JO
Hauptort: Werfen (Markt)
Fläche: 153,26 km²
Koordinaten: 47° 29′ N, 13° 11′ OKoordinaten: 47° 28′ 30″ N, 13° 11′ 20″ O
Höhe: 548 m ü. A.
Einwohner: 3.037 (1. Jän. 2019)
Postleitzahl: 5450
Vorwahl: 06468
Gemeindekennziffer: 5 04 24
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Markt 24
5450 Werfen
Website: www.gemeindewerfen.at
Politik
Bürgermeister: Hubert Stock (ÖVP)
Gemeinderat: (2019)
(19 Mitglieder)
10
6
3
10 
Insgesamt 19 Sitze
Lage von Werfen im Bezirk St. Johann im Pongau
Bad GasteinAltenmarkt im PongauBad HofgasteinBischofshofenDorfgasteinEben im PongauFilzmoosFlachau (Salzburg)ForstauGoldegg im PongauGroßarlHüttauHüttschlagKleinarlMühlbach am HochkönigPfarrwerfenRadstadtSt. Johann im PongauSt. Martin am TennengebirgeSankt Veit im PongauSchwarzach im PongauUntertauernWagrain (Pongau)WerfenWerfenwengSalzburgLage der Gemeinde Werfen im Bezirk St. Johann im Pongau (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

BW

Die Marktgemeinde Werfen mit 3037 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) liegt im Pongau, etwa 40 km südlich von Salzburg in Österreich. Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist die größte Eishöhle der Welt, die Eisriesenwelt.

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

 
Blick ins Salzachtal nach Norden, von Bischofshofen bis Hallein. Markt Werfen mit Festung untere Mitte

Die Gemeinde liegt im Salzachpongau zwischen Tennengebirge, Hagengebirge und Hochkönig im Salzachtal.

GeologieBearbeiten

Nach dem Ort Werfen ist die Gesteinsformation der Werfener Schichten benannt (Typlokalität). Diese Schieferformation bildet die Basis der Kalkalpen, auf der diese nord- und südwärts vom Alpenhauptkamm abgeglitten sind. Die Werfener Schichten bauen die ganze Südabdachung des Tennengebirges und auch den Südosten des Dachsteinstocks bis ans Fritztal auf, und ziehen sich westwärts ins Blühnbachtal wie auch südlich des Hochkönigs weiter (Werfen-St.-Martiner Schuppenzone), der Kalkstock des Hochkönigs bildet eine ausgeprägte Verwerfung der Schichten, die dadurch rund um Werfen in ihrer ganzen Vielfalt aufgeschlossen sind.

Die Werfener Schichten sind eine teils extrem witterungsanfällige Gesteinszone, die besonders Richtung Mühlbach hinein hier zu großen baulichen Problemen führt.

GemeindegliederungBearbeiten

Das Gemeindegebiet umfasst fünf Katastralgemeinden und sechs Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl der Ortschaften Stand 1. Jänner 2019):[1]

  • Werfen Markt, Hauptort – links an der Salzach (1599)
  • Imlau – südlich salzachaufwärts und links den Imlaubach hinein, gehört zur KG Reitsam (176)
  • Reitsam (auch KG) – südlich Imlau, bis an den Hochkönig hinauf und in das Blühnbachtal (173)
  • Scharten (auch KG) – links über Werfen bis in das Blühnbachtal (73, oder mitsamt Sulzau 178)[1]
  • Sulzau (auch KG) – die jeweils linke Seite des Salzach- und des Blühnbachtals am Hagengebirge (913 bzw. 98)[1]
  • Wimm (KG) – rechtsufrig Salzach-abwärts am Tennengebirge bis zum Beginn des Pass Lueg (103)[1]
  • Der Ort Tenneck – links der Salzach nördlich Werfen – wird zur Ortschaft Sulzau oder als eigene Ortschaft Wimm gerechnet.[1]

Zählsprengel sind Werfen, Tenneck, und Werfen-Umgebung für den Rest der Gemeinde.

Bis Ende 2002 gehörte die Gemeinde zum Gerichtsbezirk Werfen, seit 2003 ist sie Teil des Gerichtsbezirks Sankt Johann im Pongau.

NachbargemeindenBearbeiten

GeschichteBearbeiten

Das Salzachtal ist seit alters her eine der bedeutendsten Alpentransit-Routen, und der Pass Lueg seine natürliche Schlüsselstelle. Der Name Werfen (ältester urkundlicher Nachweis etwa um 1140 Perhtoldus prefectus de Werven)[2] steht wohl zu mittelhochdeutsch werve „Wirbel, Strudel“.[3] Das Wort bezeichnete ursprünglich wohl den ganzen Talraum: Um 1075 entstand hier die Pfarre St. Cyriak als Mutterpfarre des Pongau (heute Pfarrwerfen) mit dem Pfarrdorf (Dorfwerfen), dem Bauerndorf (Dorf) und dem Talraum Weng (heute Werfenweng) oberhalb, sowie die Burg (Hohenwerfen). Um diesen entstand der Marktort, Werfen ist einer der ältesten Märkte im Salzburger Land. Er wurde schon 1425 mit den Marktprivilegien ausgestattet.[4] Die weltliche Verwaltung befand ab dem 12. Jahrhundert auf (Hohen-)Werfen, während die kirchliche Verwaltung bei der Pfarrei blieb, daher hat sich der Ortsname auf mehrere Gemeinden verteilt.

Werfen war das ganze spätere Mittelalter und die Neuzeit hindurch Sitz eines salzburgischen Pfleggerichtes (dessen Bezirk wurde erst 2002 aufgelöst). Während der Bauernkriege 1525/26 wurde Werfen kampflos von den Aufständischen eingenommen.

Barbara Koller, Abdeckerin im Raum Werfen und damit Angehörige einer sozial geächteten Gruppe, wurde 1675 in einem Hexenprozess unter dem Verdacht der Zauberei verhaftet und gestand unter Anwendung der Folter eine Hexe zu sein. Sie wurde im August 1675 auf der Richtstätte in Salzburg-Gneis hingerichtet. Ihr Sohn Jakob Koller wurde im Volksmund Schinderjackl genannt.

1731/32 kam es zu einer großen Protestantenvertreibung: Auf Grund ihrer Zugehörigkeit zum protestantischen Glauben wurden 20.000 Menschen per Dekret des Fürstbischofs des Landes verwiesen (Salzburger Exulanten). König Friedrich Wilhelm I. von Preußen wies den Flüchtigen in Ostpreußen neues Land zu. Nach Auflösung des geistlichen Fürstentums Salzburg kam Werfen mit dem größten Teil des salzburgischen Gebiets 1816 zu Österreich.

Wirtschaftlich wurde der Ort im 18. und 19. Jahrhundert auch vom Eisenwerk Sulzau-Werfen (Blahau, dann Konkordiahütte)[5] stark geprägt. In den 1870er Jahren entstand am anderen Salzachufer die Kaiserin-Elisabeth-Bahn (Salzburg-Tiroler-Bahn).

Am 25. Juli 1928 wurde nach nur einjähriger Bauzeit auf dem 1630 m hohen Rettenbachriedel zum Gedenken an die Vorfahren die Ostpreußenhütte eingeweiht.[6] Die Festung wurde 1931 durch einen Großbrand teilweise zerstört, dann wieder aufgebaut und am 6. August 1938 der NSDAP übergeben, um unter Karl Springenschmid zur Gauschulungsburg umgewandelt zu werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Festung bis 1987 von der österreichischen Bundesgendarmerie als Ausbildungsstätte genützt.

1939 wurde der Ort Konkordiahütte in Tenneck umbenannt.

In den 1960er Jahren wurde die A 10 Tauernautobahn fertiggestellt.

Heute ist Werfen ein bekannter Sommertourismusort.

WappenBearbeiten

Das Wappen der Gemeinde ist beschrieben:

„Im geteilten Schild oben in Gold die wachsende vorwärtsgekehrte Gestalt eines Pilgers mit rotem Kleide, schwarzem Mantel und ebensolchem barettartigem Hut, in der Rechten einen Pilgerstab haltend, die Linke in die Seite gestützt, unten in Blau ein aufrechter rechtsgewendeter schwarzer Hund.“[4]

Werfen hatte schon 1425 Marktprivilegien und wurde auf den Landtafeln des Erzstiftes mit einem Wappen geführt.[4] Der Pilger ist noch im 19. Jahrhundert explizit als ein Heiliger Rochus genannt, der Hund ist dessen Heiligenattribut (als solches meist ein Brot bringend).[7]

PolitikBearbeiten

 
Der Brennhof, das Rathaus der Gemeinde

Die Gemeindevertretung hat insgesamt 19 Mitglieder.

Bürgermeister
  • 1986–1994 Stefan Holzer[8]
  • 1994–2014 Franz Meißl (SPÖ)[9]
  • 2014–2019 Hannes Weitgasser (ÖVP)[10]
  • seit 2019 Hubert Stock (ÖVP)

PartnergemeindenBearbeiten

Lengede in Niedersachsen ist seit 1979 Partnergemeinde von Werfen.[11]

WirtschaftBearbeiten

Am 1. August 2009 wurde an der Salzach bei Werfen ein weiteres Laufwasserkraftwerk der Salzburg AG mit einer jährlichen Gesamterzeugung von 76,5 Mio. kWh eröffnet. Der Bau dauerte drei Jahre und kostete circa 63,5 Mio. Euro.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

FilmeBearbeiten

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden hier berühmte Filme wie Agenten sterben einsam oder Teile von The Sound of Music gedreht. Auch weniger bekannte Filme wie Kinderarzt Dr. Fröhlich mit Roy Black oder Frankensteins Tante wurden hier produziert.

Am 29. September 2006 fand in Werfen die Angelobung von über 500 Grundwehrdienern des Österreichischen Bundesheeres statt. Dies war der ET 09-06[15] sowie, erstmals gleichzeitig, die Angelobung von neun Schützen der Salzburger Schützengilde.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde
  • Josef Struber (1773–1845), Schützenhauptmann (später Major) und Gastwirt in Stegenwald; verteidigte 1809 erfolgreich den Pass Lueg gegen die französisch-bayrischen Truppen Napoleons
  • Ferdinand Sauter (1804–1854), Dichter und Sohn des erzbischöflichen Pflegers von Werfen
  • Albert Hochleitner (1893–1964), ehemaliger Landeshauptmann von Salzburg
  • Heinrich Salfenauer (1920–2016), von 1970 bis 1980 Bürgermeister der Stadt Salzburg
  • Cyriak Schwaighofer (* 1950), Politiker
Personen mit Bezug zur Gemeinde
  • Anton Christoph (1867–1924), österreichischer Politiker (DF, GDVP) und Salzburger Landesrat, Bürgermeister von Werfen
  • Johann Oberreiter (* 1807 in Dienten am Hochkönig; † 1865 in Salzburg), Bürgermeister von 1843 bis 1848, Lebzelter, später hingerichtet als Giftmörder

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Das Ortsverzeichnis der Statistik Austria gibt 2001 das Dorf Tenneck bei der Ortschaft 14070 Sulzau, entsprechend auch die Einwohnerzahlen Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2019 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2019), (CSV).
    Das Landesgeoinformationssystem SAGIS gibt 2014 aber die Ortschaft Wimm für die Orte Tenneck und Sulzerberg (Ortschaftspunkt nahe der Abzweigung der Blühnbachstraße von der B 159). Ihre Grenzen entsprechen weitgehend dem Zählsprengel Tenneck.
    Das ursprüngliche Wimm heißt heute Landl, der Ort Wimm liegt beim Bahnhof Tenneck und hieß früher Loipfar, das alte Sulzau ist heute Obersulzau und gehört weitgehend zu Tenneck, während sich der heutige Ort Sulzau, der ursprünglich Brugg genannt wurde, nördlich gegen den Pass Lueg zu befindet.
    Die KG Sulzau umfasst die linke, die KG Wimm die rechte Salzachtalseite, letztere wird nach SAGIS komplett zur Ortschaft Scharten gerechnet.
  2. F. V. Zillner: Salzburger Geschlechterstudien. III. Die Werfener Burggrafen. In: Mitteilungen der Salzburger Gesellschaft for Landeskunde (MGSLK) 21 (1881), S. 24–79 (Fundstelle S. 36).
  3. Der Name „Werfen“, gemeindewerfen.at Wissenswertes, abgerufen 1. Mai 2014.
  4. a b c Wissenswertes: Wappen, gemeindewerfen.at, abgerufen 20. April 2014.
  5. Eisenwerk Sulzau-Werfen. In: Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  6. alponline.com (Memento vom 11. Juni 2007 im Internet Archive)
  7. Benedikt Pillwein (Hrsg.): Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogthums Oesterreich ob der Enns und des Herzogthums Salzburg. Mit einem Register, welches zugleich das topographische und genealogische Lexikon ist und der Kreiskarte versehen. Geographisch-historisch-statistisches Detail nach Distrikts-Kommissariaten. 1. Auflage. Fünfter Theil: Der Salzburgkreis. Joh. Christ. Quandt, Linz 1839, Pfleggericht Werfen: Markt Werfen: Das Wapen des Marktes …, S. 474  (Google eBook – Faks. Druckhaus Nonntal, Salzburg 1983). 2. Auflage 1843 (Google Book)
  8. Stefan Holzer (senior). In: Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  9. Franz Meißl. In: Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  10. Hannes Weitgasser. In: Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  11. Eintrag über die Partnergemeinden auf der Homepage der Gemeinde Lengede Aufgerufen am 10. Mai 2019, 20:09
  12. Die Kirchen von Pfarrwerfen · Werfen · Werfenweng. Kirchenführer, o.n.A. Kapitel Pfarrkirche zum hl. Jakobus dem Älteren in Werfen. S. 16 ff (werfenweng.gv.at PDF).
  13. Pfarrkirche zum hl. Jakobus dem Älteren. In: Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  14. Martin Hell: Der Topf mit dem Münzenschatz von Werfen. In: Salzburger Museum Carolino Augusteum: Jahresschrift Band 15, 1969, S. 73–77.
    Helmut Jungwirth: Der Münzfund von Werfen. In: Salzburger Museum Carolino Augusteum Jahresschrift Band 22, 1976, S. 7–41.
  15. Einrückungstermin 09/2016