Thomas Kiechle

Lehrer, Kommunalpolitiker
Thomas Kiechle hält bei der Eröffnung der Nordspange am 6. November 2015 einen Miniaturbagger hoch, den er kurze Zeit später dem Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann übergab. Dieser war 2012 beim Spatenstich mitsamt Bagger umgestürzt.

Thomas Kiechle (* 1967 in Kempten (Allgäu)) ist ein deutscher Politiker (CSU) und seit dem 1. Mai 2014 Oberbürgermeister der Stadt Kempten (Allgäu).

LebenBearbeiten

„Schulische“ LaufbahnBearbeiten

Thomas Kiechle ist 1967 in Kempten als eines von vier Kindern geboren. Seine Eltern sind der ehemalige Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ignaz Kiechle (Kabinette Kohl II, III, IV) und Cäcilia Kiechle, geborene Räth.

In den Jahren 1977 bis 1987 besuchte Kiechle das Carl-von-Linde-Gymnasium Kempten und legte dort 1987 das Abitur ab. Von 1988 bis 1989 leistete er seinen Wehrdienst beim Gebirgssanitätsbataillon 8 in der Prinz-Franz-Kaserne in Kempten ab. Danach studierte er bis 1992 das Lehramt für Hauptschulen an der Universität Augsburg. 1993 war er im Referendariat und seither Lehrer an der Mittelschule bei der Hofmühle in Kempten.

1992 heiratete Kiechle seine Frau Ulrike, mit der er drei Töchter hat. Im selben Jahr legte er sein erstes, 1995 sein zweites Staatsexamen ab.[1]

Politische LaufbahnBearbeiten

Von 2008 bis März 2014 war Kiechle CSU-Stadtrat in Kempten. Hierbei trug er Funktionen im Planungs- und Bauausschuss, Schul- und Kulturausschuss, Ausschuss für soziale Fragen sowie im Sportausschuss.[2]

Am 1. Juli 2013 stellte die CSU gemeinsam mit den Freien Wählern Kiechle als gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters vor.[3] Bei der Kommunalwahl am 16. März 2014 setzte er sich mit 51,09 Prozent und der Unterstützung der Freien Wähler gegenüber Martin Bernhard (23,3 %, SPD), Thomas Hartmann (11,75 %, Grüne), Ulrich Kremser (7,67 %, FDP), Michael Hofer (4,74 %, ÖDP), Michael Ulmer (1,72 %, REP) durch und wurde damit Nachfolger des bisherigen Oberbürgermeisters und Parteikollegen Ulrich Netzer. Traditionell sind Oberbürgermeister Kemptens auch vorsitzende Verwaltungsräte der Sparkasse Allgäu, was auch für Kiechle gilt.

Die Amtszeit von Thomas Kiechle ist geprägt von unterschiedlichsten Änderungen in der Stadt. Wiederholt siedelten sich aus Ermangelung an geeigneten Gewerbeflächen bestehende Betriebe aus Kempten in anderen Gemeinden an. Auch die umstrittene Erhöhung der Parkgebühren sowie Einführung von Gebühren auf bisher kostenfreien Parkplätzen im Jahr 2017 kamen als Änderungen in Kiechles Amtszeit vor. Die letzte Parkgebührenerhöhung erfolgte zuletzt vor etwa zehn Jahren. Forciert wird auch die Weiterentwicklung der Museumslandschaft, insbesondere des geplanten Stadtmuseums im Zumsteinhaus, in dem bisher das Naturkunde- und Römermuseum war. Wiederholte Aussichtslosigkeit gab es beim Großen Loch, da hier die Stadt Kempten mehrere Millionen Euro vorgestreckt hatte um die Tiefgarage fertigzustellen. Zudem muss die Stadt eine Baustellenabsicherung ermöglichen, die monatlich etwa 10.000 Euro kostet. Unklar war lange, wie die Stadt die Gelder wieder zurückbekommt. Ende April 2017 erreichte Thomas Kiechle als bisher erfolgreichste Handlung um das Bauprojekt eine Übereinkunft mit den Gläubigern der Baustelle, so kann das nicht fertiggestellte Objekt endlich vom Insolvenzverwalter veräußert werden und die offenen Posten der Stadt wieder beglichen werden. Kurze Zeit später erschien das „Filetgrundstück“ auf Online-Immobilienportalen.[4] Durch die Erhöhung von Parkgebühren und der gleichzeitigen Schaffung von neuen Angeboten im öffentlichen Personennahverkehr (Mona Allgäu) stiegen die Fahrgastzahlen in den Stadtbussen deutlich an.[5]

Bei den Kommunalwahlen in Bayern 2020 wurde Kiechle mit 54,32 % wieder gewählt. Auch 2020 trat er als gemeinsamer Kandidat für CSU/Freie Wähler an.

KritikBearbeiten

Im Jahr 2017 wurde bekannt, dass die Sparkasse Allgäu über mehrere Jahre hinweg (2004–2015) rund 900 Kunden zur Steuerhinterziehung geholfen hat. Die Sparkasse hat hierbei Gelder (insbesondere Erbschaften) in einer österreichischen Filiale vor deutschen Finanzämtern versteckt. Kiechle war ab 2014, als Nachfolger von Ulrich Netzer - Vorsitzender Verwaltungsrat der Sparkasse und hatte damit Kontroll- sowie Lenkungsfunktionen inne. Ob strafrechtliche Ermittlungen gegen Kiechle geführt wurden ist nicht bekannt.[6]

FunktionenBearbeiten

Kiechle war bis zu seinem Amtsantritt zum Oberbürgermeister Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes Kempten/Lenzfried-Leubas und stellvertretender Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Kempten. Des Weiteren ist Kiechle Mitglied im Musikverein Lenzfried und Vorsitzender des Fördervereins der Pfarrei Lenzfried.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mein Lebenslauf. In: thomas-kiechle.de (abgerufen am 16. März 2014)
  2. Stadtrat Thomas Kiechle. In: kempten.de (abgerufen am 16. März 2014)
  3. CSU und FW schicken Thomas Kiechle ins Rennen. (Memento vom 16. März 2014 im Internet Archive) In: br.de, 2. Juli 2013 (abgerufen am 16. März 2014)
  4. Kempten - Filetgrundstück in beste Innenstadtlage. In: immonet.de (abgerufen am 18. August 2017)
  5. Christine Tröger: Kemptens attraktive Innenstadt In: kreisbote.de, 8. Mai 2017 (abgerufen am 9. Mai 2017)
  6. Schwarzgeldaffäre. sueddeutsche.de

WeblinksBearbeiten

Commons: Thomas Kiechle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien