Hauptmenü öffnen

Tatort: Tod im Häcksler

Episode der Fernsehserie Tatort

Tod im Häcksler ist ein Fernsehfilm der Krimireihe Tatort aus dem Jahr 1991. Regie führte Nico Hofmann, der auch gemeinsam mit Stefan Dähnert das Buch schrieb. Ulrike Folkerts spielt zum dritten Mal die Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal. Sie ermittelt in der Pfälzer Provinz und wird dabei von einem jungen Dorfpolizisten unterstützt, gespielt von Ben Becker. Der Film des Südwestfunks sorgte nach der Erstausstrahlung für Proteste aus der Pfalz.

Folge der Reihe Tatort
OriginaltitelTod im Häcksler
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Produktions-
unternehmen
SWF
Länge82 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
EinordnungFolge 249 (Liste)
Erstausstrahlung13. Oktober 1991 auf Das Erste
Stab
RegieNico Hofmann
DrehbuchStefan Dähnert
Nico Hofmann
ProduktionDietrich Mack
MusikNikolaus Glowna
KameraJohannes Hollmann
SchnittHelga Scharf
Besetzung

weitere Nebendarsteller:

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Beim pfälzischen 120-Seelen-Dorf Zarten finden Jugendliche zufällig die Kleidung des vor zwei Jahren verschwundenen rumänischen Spätaussiedlers Petro Höreth. Seine Frau Dana Höreth ist beim Anblick der Kleidungsstücke entsetzt.

Nachdem die Polizei einen anonymen Anruf erhielt, übernehmen Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal und ihr Kollege Kriminalassistent Seidel den Fall. Odenthal fährt, gestresst von Ludwigshafen, in einem alten Polizei-Käfer aufs Land, Seidel ermittelt vom Ludwigshafener Revier aus. Vor Ort erhält die Kommissarin Unterstützung von der örtlichen Polizei in Person des Polizeimeisters Stefan Tries. Odenthal befragt Dana Höreth noch einmal zu den Umständen des Verschwindens ihres Mannes, sie gibt alles wie damals wieder. Seit einem Jahr hilft ihr der Jagdaufseher Hunzinger auf dem Hof, da sie allein mit ihrer 17-jährigen Tochter Mechthild damit nicht mehr zurechtkommt.

Odenthal kommt in einer Pension in der Nähe unter. Am Morgen holt sie Stefan Tries von zu Hause ab. Sie treffen sich mit einem von der Bundeswehr gestellten Suchtrupp, der die Gegend um das Dorf herum absucht. Im Gelände sind die Markierungen für einen geplanten Staudamm zu sehen, der vor zwei Jahren gebaut werden sollte. Er hätte das ganze Dorf überflutet, das Bauvorhaben wurde nicht verwirklicht.

Die nächste Nacht verbringt Odenthal direkt in dem kleinen Dorf, sie kommt bei dem Bewohner Sprengler unter. Er betreibt einen unrentablen Hühnerhof, der ebenfalls Dana Höreth gehört. Sprengler hat eine Beziehung mit deren Tochter Mechthild. An dem Wochenende, als Petro Höreth verschwand, waren Sprengler und Mechthild mit der Bahn nach Amsterdam gereist. In der Nacht wird die Kommissarin von Glockengeläut geweckt und kann beobachten, wie sich einige Dorfbewohner in der Kirche versammeln. Durch ein Kirchenfenster beobachtet sie, wie die Bewohner heftig mit dem Pfarrer diskutieren und anschließend beten. Hinterrücks wird sie niedergeschlagen. Am nächsten Morgen wacht Odenthal in Sprenglers Haus auf, betreut von Tries. Sie will den Pastor wegen der nächtlichen Versammlung befragen, doch der beruft sich auf das Beichtgeheimnis. Er informiert sie, dass die Kirche im Dorf geschlossen werde und er sich weit weg habe versetzen lassen. Später trifft die Kommissarin auf Hunzinger und befragt ihn, warum er nachts in der Kirche gewesen sei. Dazu äußert er sich nicht, berichtet aber, dass er der beste Freund von Petro Höreth gewesen sei. Für Sprengler jedoch hat er kein gutes Wort. Odenthal will Dana Höreth erneut befragen, wird jedoch von einigen Dorfbewohnern aus dem Haus geworfen. Außerdem hat man ihr Auto beschädigt und die Telefone sabotiert. Die Kommissarin trifft auf Dr. Dietrich Schröder, der ein Autotelefon hat. Wie es der Zufall will, ist er Vorstandsmitglied der MEWAG, der Gesellschaft, die den Staudamm bauen wollte. Er erzählt Odenthal, dass die Mainzer Firma Alucom eine große Aluminiumhütte beim nahen Gundolfsheim habe bauen wollen und die MEWAG den Strom dazu liefern sollte. Ein Staudamm mit Nachtstromwerk bot sich auf dem Gebiet von Zarten an. Das Projekt sei geplatzt, weil es Probleme beim Ankauf von Grundstücken gegeben habe.

Am folgenden Tag beginnt Odenthal damit, Dorfbewohner zu befragen. Viele von ihnen stehen finanziell schlecht da, alle schweigen darüber, was damals passiert ist. Am Abend wird ein Brandanschlag auf die Kommissarin verübt, die Kleidungsstücke als Beweise gehen dabei verloren. Stefan Tries, der bei dem Anschlag verletzt wurde, wird mit dem Taxi ins Krankenhaus gefahren. Der Taxifahrer erzählt von einer interessanten Fahrt, die er vor zwei Jahren von Zarten nach Amsterdam hatte, seine Fahrgäste seien Sprengler und Mechthild gewesen. Sie seien aber nur morgens hin- und abends schon wieder zurückgefahren. Am nächsten Morgen befragt Lena Odenthal Mechthild zur Fahrt nach Amsterdam. Sie gesteht, dass sie nur dort gewesen sei, um einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen. Ihr Vater habe es so gewollt, obwohl Sprengler das Kind hätte haben wollen. Sprengler habe deswegen in der Nacht, als Pedro Höreth verschwand, heftig mit ihm gestritten.

Sprengler widerspricht dem und meint, auch er habe das Kind nicht gewollt und sei für eine Abtreibung gewesen, da er Mechthild nicht liebe. Er habe sich mit Petro Höreth nur wegen der Arbeit gestritten. Nach dem Streit sei er nach Hause gegangen und habe sich betrunken. Er sei erst morgens wieder aufgewacht, weil der Häcksler lautstark mit voller Leistung gelaufen sei. Er erzählt weiter, dass Petro Höreth sein Grundstück nicht an die MEWAG habe verkaufen wollen. Alle Dorfbewohner hätten ihr Land verkauft, nur Höreth nicht. Jeder im Dorf habe deswegen auf ihn eingeredet. Nach seiner Aussage geht Sprengler in die Kneipe, um sich zu betrinken. Viele der Dorfbewohner kommen hinzu und bedrängen ihn. Er flieht, jedoch können sie ihn einholen und festhalten. Sie wollen ihn in den Häcksler werfen. Odenthal kommt mit dem mittlerweile eingetroffenen Seidel hinzu, sie können die geplante Tat gerade noch verhindern. Alle Beteiligten werden festgenommen, auch Hunzinger.

HintergrundBearbeiten

Regisseur und Koautor Nico Hofmann wurde später vor allem als Produzent von „Event-Filmen“ wie Der Tunnel, Die Sturmflut, Dresden oder Mogadischu bekannt. Für Drehbuchautor Stefan Dähnert war Tod im Häcksler das erste Tatort-Buch. Später entwickelte er für den Südwestrundfunk die Figur der Konstanzer Tatort-Kommissarin Klara Blum.

Das Dorf Zarten ist fiktiv und soll nördlich von Kaiserslautern liegen. Das als nächstgrößere Gemeinde genannte Gundolfsheim ist ebenfalls fiktiv. Auf einer im Film sichtbaren topografischen Karte ist Zarten zwischen den realen Orten Reipoltskirchen und Nußbach eingetragen. Als tatsächlicher Drehort für Zartener Dorfszenen diente das knapp zwei Kilometer südöstlich von Nußbach gelegene Rudolphskirchen, Ortsteil von Rathskirchen im Donnersbergkreis.[2] Weitere Drehorte liegen in der Umgebung des Südwestfunk-Standortes Baden-Baden. So ist die auf dem Weg in die Pfalz benutzte Fähre tatsächlich die von Mittelbaden ins Elsass führende Rheinfähre Plittersdorf – Seltz.

Tod im Häcksler wurde am Sonntag, den 13. Oktober 1991 im Ersten ausgestrahlt. Am 18. November 2010 wurde der Film als DVD in der Tatort-Box Die 1990er Jahre veröffentlicht, zusammen mit den Folgen Die chinesische Methode (Leitmayr/Batic) und Willkommen in Köln (Ballauf/Schenk). Am 26. Januar 2012 erschien er zudem als Teil einer Tatort: Odenthal-Box zusammen mit den Fällen Schlaflose Nächte und Der glückliche Tod.[3]

RezeptionBearbeiten

TV Spielfilm meinte, dass es sich um ein „abgründiges Krimidrama“ handele, und fasste zusammen: „Packende Geschichte, exzellent gespielt.“[4] Die Fernsehzeitschrift Prisma nannte den Film ein „düsteres Provinzstück“ und lobte Ben Beckers „überzeugend[es]“ Spiel. Lena Odenthal dürfe „endlich auch einmal Gefühle zeigen“.[5]

Die Darstellung der Pfalz als rückständig führte nach der Ausstrahlung zu Protesten aus der Region[2] und war Gegenstand einer Debatte im Landtag Rheinland-Pfalz wegen diskriminierender Darstellung der Region als „Zerrbild eines ‚pfälzisch Sibiriens‘“.[6][7] Der damalige rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, der zuvor von „Verunglimpfung“ der Pfälzer gesprochen hatte, lud die Kommissars-Darstellerin Ulrike Folkerts zu einer Wanderung ein, bei der er versuchte, sie von den Vorzügen der Pfalz, ihrer Bewohner und Küche zu überzeugen.[8]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Tatort: Tod im Häcksler. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Juni 2010 (PDF; Prüf­nummer: 123 389 V).
  2. a b Rathskirchen – Ein Ortsporträt von Bernd Schwab, SWR Landesschau Rheinland-Pfalz, abgerufen am 4. Januar 2013
  3. Tod im Häcksler – Verfügbarkeit bei Filmportal.de. Abgerufen am 4. Januar 2013.
  4. Tatort: Tod im Häcksler bei TV Spielfilm.de. Abgerufen am 4. Januar 2013.
  5. Tatort: Tod im Häcksler bei prisma.de. Abgerufen am 4. Januar 2013.
  6. Stefan Scherer, Claudia Stockinger: Tatorte – Eine Typologie zum Realismus des Raums in der ARD-Reihe Tatort und ihre Umsetzung am Beispiel Münchens. In: IASLonline (19. Februar 2010), ISSN 1612-0442, Absatz Nr. 70, abgerufen am 3. Januar 2013.
  7. Eine Online-Recherche im Januar 2013 in der Parlamentsdokumentation des Landtags Rheinland-Pfalz lieferte als Ergebnis die zurückgezogene Kleine Anfrage Nr. 350 des FDP-Abgeordneten Birger Ehrenberg vom 8. November 1991, Betreff: „Verzerrende Darstellung von RPF im Fernsehen“, Vorgang: 80350, 12. Wahlperiode.
  8. Meldung in Der Spiegel 21/1992, S. 317, abgerufen am 7. Januar 2013