Leipziger Stadtwerke

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Rechtsform GmbH
Gründung 1992
Sitz Stadtwappen Leipzig Leipzig
Leitung Johannes Kleinsorg (Sprecher), Karsten Rogall
Mitarbeiterzahl 1.652[1]
Umsatz 2.418.411 Millionen EUR
Branche Energieversorgung
Website www.l.de/stadtwerke
Stand: 2018

Logo bis Januar 2016
Standort im Europahaus am Augustusplatz (2015)

Die Leipziger Stadtwerke sind ein kommunales Energieversorgungsunternehmen in Mitteldeutschland, das Strom, Erdgas sowie Fernwärme bereitstellt. Sie sind zu 100 % im Besitz der LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft, an der die Stadt Leipzig zu 100 % beteiligt ist. Die LVV ist auch Mehrheitsgesellschafter der Leipziger Verkehrsbetriebe und Leipziger Wasserwerke.

UnternehmenBearbeiten

Die Leipziger Stadtwerke sind Marktführer für Strom und Wärme in Leipzig. Im Geschäftsjahr 2018 dienten sie für 246.965 Strom-, 23.837 Gas- und 5.771 Fernwärme-Verbrauchsstellen als Energie- und Wärmequelle. Die Netzlänge der jeweiligen Segmente betrug 3.349 km für Strom, 1.084 km für Gas und 496 km für Fernwärme.[2]

GeschichteBearbeiten

Der Leipziger Stadtrat beschloss im Jahr 1836 dem Bau einer Gasbeleuchtungsanstalt. Diese wurde 1838 in Betrieb genommen. Um 1840 versorgte sie 877 öffentliche Flammen – Messehäuser, Hotels und Gaststuben sowie 60 Privatkunden, im Jahr 1870 versorgte das Werk rund 2000 Straßenlaternen. Als das Werk an seine Kapazitätsgrenzen stößt wird 1885 das zweite städtische Gaswerk in Connewitz fertiggestellt.[3] 1895 wurde schließlich das erste städtische Elektrizitätswerk gegründet. 1912 kam es zur erstmaligen Fernwärmeversorgung für öffentliche Einrichtungen.

Einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Stadtwerke 1949 aufgelöst, daraufhin entstand ein Zusammenschluss der Kommunalen Wirtschaftsunternehmen (KWU). Mit der Eröffnung der KEW Kraftwerke Leipzig wurden 1954 die VEB Energieversorgung Leipzig gegründet. 1971 erfolgte der Abschluss der Gleichstromumstellung Leipzigs. Die Gaskokerei „Max Reimann“, die die Gasversorgung per Ferngas verteilten, wurden ab 1977 stillgelegt.

Nach der Wende entstand 1990 die Stadtwerke Wärmeversorgung und Anlagenreparatur Leipzig GmbH. Schließlich wurde am 1. Juli 1992 mit der Fusion dieser und der Kommunalen Gasversorgung die Stadtwerke Leipzig GmbH gegründet. Ein Jahr später wurde auch die Stromversorgung in die Gesellschaft übernommen. Nachdem es bei Probeläufen im Jahr 1994 in dem Heizkraftwerk Eutritzscher Straße GmbH & Co. KG zu einer Explosion kam, garantierte die Gesellschaft 1995 die verfügbare risikofreie Stromversorgung. 1996 wurde daraufhin die Gasnetz Leipzig GmbH & Co. KG gegründet.

1997 wurde die Mehrheitsgesellschaft LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft ins Leben gerufen, die bis heute 100 % der Leipziger Stadtwerke besitzt. An diese Gesellschaft ist die Stadt Leipzig zu 100 % beteiligt. Im Jahr 1998 übernahm die Mitteldeutsche Energieversorgung AG (MEAG) 40 % der Stadtwerke Leipzig. Die Fernwärmenetz Leipzig GmbH & Co.KG wurde 1999 gegründet mit der die Verbundwarte für Strom, Gas und Fernwärme entstand. Dadurch folgten Beteiligungen dieser Verbundwarte an polnischen Energieversorgern. 2000 wurde das Betriebsgebäude „Leipzig Südost“ eingeweiht.

Im Juli 2019 beschließt der Aufsichtsrat der Leipziger Stadtwerke und der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft ein Zukunftskonzept für eine nachhaltige Wärmeversorgung. Dazu gehört der Ausstieg aus der Kohlekraft bis 2023, ab dann soll keine Fernwärme mehr aus dem Kohlekraftwerk Lippendorf bezogen werden. Außerdem planen die Leipziger Stadtwerke hohe Investitionen in neue Erzeugungstechnologien.[4] Der Bau des neuen Gaskraftwerks auf dem Gelände des früheren Heizkraftwerks Süd in Connewitz soll als Substitutionsobjekt dienen. In das neue Kraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung (drei Turbinen mit insgesamt 150 Megawatt Wärme und 120 MW Strom) werden 150 Millionen Euro investiert. Ergänzt werden soll die Wärmeversorgung durch ein Solarthermiekraftwerk, ein Biomassekraftwerk und dezentrale Blockheizkraftwerke. Im Bereich Erneuerbare Energien arbeiten die Leipziger Stadtwerke seit 2019 mit Green City zusammen.[5]

Investitionen in Ausbau und Modernisierung der Energie- und WärmeerzeugungsanlagenBearbeiten

Als Mitgestalter der Energiewende stellen sich auch die Leipziger Stadtwerke strategisch und technisch auf die neuen Anforderungen ein.

Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war beispielsweise die Modernisierung der Gas- und Dampfturbinenanlage, die umweltschonend Strom und Wärme erzeugt. Sie ermöglicht nun ein wirtschaftliches und nachhaltigeres Arbeiten an den Energiemärkten.

Einen weiteren Meilenstein markierte der Bau eines hochmodernen Wärmespeichers im Süden der Stadt. Die Leipziger Stadtwerke gehören zu den ersten großen Stadtwerken Deutschlands, die auf diese Zukunftstechnologie setzen. Weiterhin haben die Leipziger Stadtwerke zusätzliche Heißwassererzeuger in Schönefeld und dem Stadtzentrum errichtet. Sie stellen sicher, dass alle Leipziger ganzjährig zuverlässig mit Wärme versorgt werden.

Die Leipziger Stadtwerke investieren schon seit vielen Jahren in erneuerbare Energien, insbesondere für die ökologische Strom- und Wärmeerzeugung. Sie besitzen Biomasse-Kraftwerke in Sachsen-Anhalt und Thüringen, die zu den modernsten in Deutschland gehören.

BeteiligungenBearbeiten

  • Netz Leipzig GmbH, 100 % - Verteilnetzbetreiber für Strom und Erdgas in Leipzig
  • LAS GmbH, 100 % - Abrechnung und Services
  • Leipziger Kommunale Energieeffizienz GmbH, 100 %
  • Innvo Innovationsgesellschaft Management mbH, 100 %
  • Leipziger Windpark Management GmbH, 100 %
  • SWL Beteiligungs GmbH, 100 %
  • ELG Leipzig GmbH, 90 %
  • Gdańskie Przedsiębiorstwo Energetyki Cieplnej (GPEC) Sp. z o.o., Danziger Fernwärmeunternehmen, 82,86 %[6]
  • Thüringenwind GmbH & Co. Tüngeda KG, 70 %
  • Erdgasversorgung Industriepark Leipzig Nord GmbH, 50 %
  • Meter1 GmbH & Co. KG, 33,33 %
  • Meter1 Verwaltung GmbH, 33,33 %
  • WEO GmbH & Co. KG, 33,33 %
  • Heizkraftwerk Eutritzscher Straße GmbH & Co. KG i. L., 25,75 %
  • 8KU GmbH, 12,50 %
  • Joblinge gemeinnützige AG, 6,67 %
  • Trianel Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG, 5,66 %
  • FWNL Fernwärmenetz Leipzig GmbH & Co. KG i. L., 0,15 %

Stand: 2019[7]

StromnetzBearbeiten

In den eingemeindeten Ortsteilen Böhlitz-Ehrenberg, Engelsdorf, Göbschelwitz, Hartmannsdorf, Hohenheida, Holzhausen, Knautnaundorf, Lausen, Liebertwolkwitz, Lindenthal, Lützschena, Miltitz, Mölkau, Plaußig, Radefeld-Gewerbegebiet, Seehausen, Stahmeln, Wiederitzsch und Burghausen-Rückmarsdorf sind die Strom-Konzessionsverträge 2010, 2011 und 2017 ausgelaufen. Altkonzessionär war Envia Mitteldeutsche Energie. 2011 erhielt Envia Mitteldeutsche Energie knapp den Zuschlag in einem Konzessionsvergabeverfahren nach § 46 EnWG. Die Stadt Leipzig wiederholte 2014 das Verfahren. Nun setzten sich die Stadtwerke Leipzig durch.[8] Das Landgericht Leipzig bestätige zwar die Vergabe an die Stadtwerke.[9][10] Über die Herausgabe des Stromverteilnetzes wird zwischen den Stadtwerken und Envia Mitteldeutsche Energie weiterhin (gerichtlich) gestritten (Stand 23. Mai 2018).

GasnetzBearbeiten

In den eingemeindeten Ortsteilen Böhlitz-Ehrenberg, Engelsdorf, Hartmannsdorf, Holzhausen, Knautnaundorf, Lausen, Liebertwolkwitz, Lindenthal, Lützschena, Miltitz, Mölkau, Plaußig, Radefeld, Seehausen, Stahmeln, Wiederitzsch, Rückmarsdorf, Kleinpösna, Baalsdorf, Burghausen, Althen und Podelwitz sind die Gas-Konzessionsverträge zwischen 2011 und 2015 ausgelaufen. Altkonzessionär war MITGAS. 2015 erhielten die Stadtwerke Leipzig den Zuschlag in einem Konzessionsvergabeverfahren nach § 46 EnWG.[11] Das Landgericht Leipzig bestätige zunächst die Vergabe an die Stadtwerke.[12] Daraufhin verlangen die Stadtwerke Leipzig die Herausgabe des Gasverteilnetzes von MITGAS. In erster Instanz gab das Landgericht Magdeburg den Stadtwerken Recht.[13] Begründet wird dies im Wesentlichen mit einem Beurteilungsspielraum der Stadt Leipzig bei Aufstellung der Vergabe-Auswahlkriterien. Auf die Berufung von MITGAS vor dem Oberlandesgericht Naumburg wurde das Urteil des Landgerichts Magdeburg abgeändert und festgestellt, dass der zwischen der Stadt Leipzig und Stadtwerke Leipzig abgeschlossene Gaskonzessionsvertrag nichtig ist.[14] Begründet wird dies mit energiewirtschaftsrechtlich unzulässigem Doppelmandat mehrerer Stadträte, die zugleich Aufsichtsräte der Stadtwerke waren. Dies bewirke eine Interessenkollision und ein Mitwirkungsverbot im Vergabeverfahren.[15]

LiteraturBearbeiten

  • Stadtwerke Leipzig GmbH (Hrsg.): 100 Jahre Strom für Leipzig. PASSAGE-Verlag, Leipzig 1995, 87 Seiten.

WeblinksBearbeiten

 Commons: Stadtwerke Leipzig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mitarbeiter der Leipziger Stadtwerke inkl. GPEC-Töchter
  2. Jahresabschlusszahlen der Leipziger Stadtwerke 2018 [1], Abgerufen am 19. Dezember 2019
  3. Stadtwerke Leipzig GmbH (Hrsg.): 100 Jahre Strom für Leipzig. PASSAGE-Verlag, Leipzig 1995, 87 Seiten
  4. Pressemitteilung Juli 2019 [2]
  5. Leipziger Stadtwerke investieren in erneuerbare Energien. In: Zeitung für kommunale Wirtschaft. Verband kommunaler Unternehmen, abgerufen am 8. April 2019.
  6. Strona Główna DE. Abgerufen am 12. Januar 2020 (polnisch).
  7. Leipziger Gruppe im Überblick
  8. SW Leipzig und EnviaM streiten um Stromnetze. In: Zeitung für kommunale Wirtschaft. Verband kommunaler Unternehmen, 23. Mai 2018, abgerufen am 6. Juli 2019.
  9. LG Leipzig, Urteil vom 17. August 2016, 4 HKO 1006/16
  10. Stromkonzession: Leipziger Stadtwerke setzen sich mit Becker Büttner Held durch. In: JUVE Verlag für juristische Information. 26. September 2016, abgerufen am 6. Juli 2019.
  11. Leipzig darf Gasversorgung kommunalisieren. In: Legal Tribune Online. 25. Juni 2015, abgerufen am 6. Juli 2019.
  12. LG Leipzig, Urteil vom 17. Juni 2015, 05 O 1339/15
  13. LG Magdeburg, Urteil vom 10. Mai 2017, 36 O 15/16
  14. OLG Naumburg, Urteil vom 21. September 2018, 7 U 33/17
  15. Jens Rometsch: Schlappe für Stadtwerke im Gasnetze-Streit. In: Leipziger Volkszeitung. 27. September 2018, abgerufen am 6. Juli 2019.