Schwalheim

Stadtteil von Bad Nauheim

Schwalheim ist ein Stadtteil von Bad Nauheim im Wetteraukreis in Hessen.

Schwalheim
Wappen von Schwalheim
Koordinaten: 50° 21′ 22″ N, 8° 45′ 50″ O
Höhe: 131 m ü. NHN
Fläche: 4,48 km²[1]
Einwohner: 2130 (30. Jun. 2012)[2]
Bevölkerungsdichte: 475 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Februar 1972
Postleitzahl: 61231
Vorwahl: 06032
Die Kirche von Schwalheim

Geografische LageBearbeiten

Der Stadtteil liegt zweieinhalb Kilometer südöstlich der Kernstadt von Bad Nauheim auf einer Höhe von 140 m über NN. Von der Kernstadt ist Schwalheim im Westen durch die Trassen der Bundesstraße 3, der Bundesstraße 275 und der Main-Weser-Bahn getrennt. Durch den Ort führen die Kreisstraßen 174 und 175. Schwalheim liegt im Wettertal.

GeschichteBearbeiten

VorgeschichteBearbeiten

Münzfunde im Schwalheimer Sauerbrunnen belegen, dass die Heilquelle bereits in römischer Zeit genutzt wurde.

MittelalterBearbeiten

Der Ort Schwalheim wird erstmals im sogenannten Codex Eberhardi des Klosters Fulda erwähnt: „Rutheri tradidit deo et sancto Bonifacio in Wettereiba in Rodoheimere marca in villa Suabileheim predia et familiam suam“.[3] Die betreffende Stelle wird auf 790–817 datiert, wobei das jüngere Datum (817) für die Ersterwähnung das Maßgebliche ist. Der Ortsname bedeutet „Heim des Swabilo“.

Schwalheim war nach dem Tod von Ulrich II. von Münzenberg 1255 Bestandteil der Münzenberger Erbschaft und fiel als Allod zunächst an die Herren von Falkenstein. Nach deren Aussterben wurde es 1418 an die Herren von Eppstein vererbt. Diese starben 1535 ebenfalls aus. Schwalheim wurde an die Grafen von Stolberg vererbt. Diese verpfändeten das Dorf 1572 und verkauften es 1578 endgültig an die Grafschaft Hanau-Münzenberg. Dort wurde es 1597 in das neu gebildete Amt Dorheim integriert.[4]

NeuzeitBearbeiten

In der Grafschaft Hanau-Münzenberg wurde Mitte des 16. Jahrhunderts nach und nach die Reformation eingeführt. Dies geschah zunächst im lutherischen Sinn. In einer „zweiten Reformation“, wurde die Konfession erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi, seinem Recht als Landesherr Gebrauch, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für die Grafschaft Hanau-Münzenberg weitgehend als verbindlich durch, so auch in Schwalheim. Kirchliche Oberbehörde war nun das Konsistorium in Hanau.

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736 erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch Schwalheim. 1803 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Kurfürstentum Hessen erhoben. Während der napoleonischen Zeit stand das Amt Dorheim ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau, und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, ging das Amt Dorheim im neu gebildeten Kreis Hanau auf. Nach dem verlorenen Krieg von 1866 annektierte das Königreich Preußen das Kurfürstentum Hessen. Allerdings wurde das Amt Dorheim im Friedensvertrag vom 3. September 1866 von Preußen in einem Gebietstausch an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt weitergegeben, von dessen Gebiet es vollständig umgeben war. Dort wurde das Dorf Schwalheim in den Kreis Friedberg eingegliedert, der zur Provinz Oberhessen gehörte. 1908 wurde die Schule im Ort gebaut.

Zum 1. Februar 1972 wurde Schwalheim im Rahmen der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Bad Nauheim eingemeindet.[5]

EinwohnerBearbeiten

  • 1821: 0730 Einwohner[6]
  • 1939: 0946 Einwohner
  • 1961: 1428 Einwohner
  • 1970: 1611 Einwohner

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde am 8. Juli 1966 durch das Hessische Ministerium des Innern genehmigt.

Blasonierung: „In goldenem Schild unter drei roten Sparren ein rotes Rad auf blau-weißen Wellenlinien als Schildfuß.“[7]

Im Gegensatz zu dem Gemeindesiegel aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, das den landesherrlichen hessischen Löwen und den Schild der Grafen von Hanau, also rein geschichtliche Symbole, zeigt, enthält das neue Wappen auch ein örtliches Symbol, nämlich das große Rad, welches als Wahrzeichen Schwalheims weithin bekannt ist. Die drei Jahrhunderte hindurch ausgeübte Herrschaft der Grafen von Hanau wird eindrucksvoll dadurch zum Ausdruck gebracht, dass die drei Hanauer Sparren über dem Rad angebracht sind und es gewissermaßen überdachen.

HeilwasserBearbeiten

Ein 1748 errichtetes Wasserrad an der Wetter war bis Ende der 1960er Jahre in Betrieb. Von dort führte ein Holzgestänge zur Kraftübertragung zu den Gradierbauten IV und V in Nauheim, mit dessen Hilfe die Sole auf die Gradierbauten gepumpt wurde. Das Gestänge wurde großteils abgebaut.

Richtung Dorheim liegen in einer parkartigen Anlage der Schwalheimer Sauerbrunnen und die Löwenquelle, beides staatlich anerkannte Heilquellen. Die Fassung der Löwenquelle im Stil der Zeit um 1910 wurde vom Architekten Wilhelm Jost geplant, der auch für den Bau des Bad Nauheimer Sprudelhof und andere Bauwerke zuständig war. Münzfunde im Brunnen belegen, dass das Wasser bereits in römischer Zeit geschätzt wurde. Das wohlschmeckende Quellwasser wurde früher in alle Welt verkauft. Das Brunnenwärterhäuschen war früher ein beliebtes Ausflugslokal. Es beherbergt heute wieder ein Restaurant.

1840 wurde ein Kurhaus erbaut, das aber 1962 abgerissen wurde. Der anfänglich florierende Kurbetrieb scheiterte, als das benachbarte Bad Nauheim mit dem Großen Sprudel zum Heilbad aufstieg.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Blick auf die Reste der Motte Gewanneküppel zwischen Sportplatz und Wetter mit der Schautafel als Teil des Stadthistorischen Rundganges

InfrastrukturBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Karl Dielmann: Amtmann Otto Friedrich Zaunschliffer, der Schwalheimer Sauerbrunnen und der Krugbau bei Steinau. = Hanauer Geschichtsblätter 24, 1973, S. 157–175.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehemaligen Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform. = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 189.
  • Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum = Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16 (1937). ND 1984, S. 33.
  • Heinrich Meyer zu Ermgassen (Hrsg.): Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda, Band 1 (1995), Band 2 (1996), Band 3 (2007) und Band 4: Der Buchschmuck des Codex Eberhardi (2009), Marburg. ISBN 3770810449 (Bd. 1), ISBN 3770810597 (Bd. 2), ISBN 9783770813131 (Bd. 3), ISBN 9783863541378 (Bd. 4)
  • Heinz Wionski: Kulturdenkmäler in Hessen. Wetteraukreis II, Teilband 1, Friedberg bis Wöllstadt. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Braunschweig 1999, ISBN 3-528-06227-4, S. 201–208. (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland).

WeblinksBearbeiten

 Commons: Schwalheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schwalheim, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 22. Dezember 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Bad Nauheim: Einwohner HW und NW (Memento des Originals vom 9. Dezember 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bad-nauheim.de
  3. Meyer zu Ermgassen (Hrsg.): Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda, Bd. 2. Marburg (1996), S. 208, Nr. 114.
  4. Herbert Pauschardt: Aus der Geschichte eines Dorfes im Wettertal – Rödgen = Festschrift zur 750-Jahrfeier (2010) des Bad Nauheimer Stadtteils. Hrsg.: Magistrat der Stadt Bad Nauheim. Bad Nauheim 2010, S. 33.
  5. Alexander C. Jung: Die Schwalheimer werden Bad Nauheimer Bürger. In: Schwälemer Sandhoas 1 (2012), S. 8–18.
  6. Zahl nach: Thomas Klein: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1845. Reihe A: Preußen. Band 11: Hessen-Nassau einschließlich Vorgängerstaaten. Marburg 1979, S. 109.
  7. Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Schwalheim, Landkreis Friedberg vom 8. Juli 1966. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1966 Nr. 30, S. 978, Punkt 695 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,9 MB]).