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Historische Tonflasche zum Versand des Rákóczi-Heilwassers durch die Gebrüder Bolzano
(Bad Kissingen um 1830)

Heilwasser ist ein natürliches, mineralienhaltiges Wasser, das den Anspruch einer heilenden, lindernden oder vorbeugenden Wirkung erhebt. In Deutschland[1] und in Österreich[2] unterliegt es rechtlich der Regulierung als Arzneimittel statt als Lebensmittel. Es gehört zu den ältesten Naturheilmitteln. Ein Heilwasser kann innerlich für Trinkkuren bzw. äußerlich für medizinische Bäder angewendet werden. 2013 wurden in Deutschland 77,4 Millionen Liter Heilwasser verkauft.[3]

Rechtlicher StatusBearbeiten

Voraussetzung für die Zulassung eines Arzneimittels ist grundsätzlich der Nachweis einer vorbeugenden, lindernden oder heilenden Wirkung. Heilwässer, die unverpackt in den Verkehr gebracht werden oder vor Ort äußerlich oder inhalativ angewendet werden, sind nach §21 (2) Nr. 1e AMG von der Zulassungspflicht befreit.

Heilwasser ist freiverkäuflich, d. h. weder rezept- noch apothekenpflichtig. Bei der Kennzeichnung sind gemäß § 10 und § 11 AMG verkürzte Angaben möglich. Es wird im Handel meist direkt neben natürlichem Mineralwasser angeboten.[4]

WirkungBearbeiten

Nach althergebrachter Lehre sollen die verschiedenen Heilwassersorten wirken, indem sie die Funktion von Stoffwechsel und Organen wie Magen, Darm, Herz, Kreislauf und Nieren anregen.

InhaltsstoffeBearbeiten

In einem Kilogramm beziehungsweise einem Liter Wasser müssen mindestens ein Gramm gelöste Mineralstoffe oder Spurenelemente enthalten sein. Genaue Angaben zu Inhaltsstoffen und deren Wirkweise müssen auf dem Flaschenetikett ausgewiesen werden.

Richtwerte für die Inhaltsstoffe in Heilwasser:

Magnesium (Mg2+) > 100 mg/l
Calcium (Ca2+) > 250 mg/l
Fluoride (F) > 1,0 mg/l
Sulfate (SO42−) > 1200 mg/l
Hydrogencarbonate (HCO3) > 1300 mg/l
Kohlenstoffdioxid (CO2) 1000 mg/l (CO2 in der Quelle)

VertriebBearbeiten

1998 gab es in Deutschland 60 Heilwässer. „Deutsche Heilbrunnen“ in Bonn fasst als Interessengemeinschaft alle Heilbrunnenbetriebe unter einem Dach zusammen. Der Deutsche Heilbäderverband e.V. publiziert Begriffsbestimmungen und Qualitätsstandards für die Prädikatisierung von Kurorten, Erholungsorten und Heilbrunnen (zuletzt 11. Auflage, 13. Oktober 1998).

Gegenanzeigen und NebenwirkungenBearbeiten

Auf Unverträglichkeiten von größeren Flüssigkeitsmengen bei schweren Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen muss geachtet werden.

Eine typische auf dem Etikett angegebene Nebenwirkung ist, dass die Ausscheidung von Medikamenten beeinflusst werden kann.[5]

KritikBearbeiten

Die Stiftung Warentest stellt die Frage, warum Heilwasser und natürliches Mineralwasser teils aus derselben Quelle angeboten werden können.[5]

Die Skeptikervereinigung GWUP nennt Heilwasser in einer Reihe mit Horoskopen, Tarot-Karten, Wünschelruten, Gedankenübertragung und Hellseherei.[6]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eva-Maria Schröder: Heilwasser – immer noch aktuell, Deutsche Apothekerzeitung, Nr. 12, 30. März 2008.
  2. Marlis Gruber: Die unterschiedlichen Wasser-Arten, falstaff.at, 27. März 2017.
  3. Verband deutscher Mineralbrunnen: Branchendaten Mineralwasser-Markt 2013 (PDF) 22. April 2014.
  4. Mineralwasser im Test - Testergebnisse für 52 Classic- und Medium-Wässer, test.de, Stiftung Warentest, 27. Juni 2018.
  5. a b Wässer: Nicht viel drin. In: Test. Stiftung Warentest, 26. Mai 2005. (Memento vom 4. April 2016 im Internet Archive)
  6. Bettina Albrod: Das Phänomen Selbsttäuschung. In: welt.de. 5. Mai 2013, abgerufen am 7. Oktober 2018.
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