Der Schlagerfilm ist ein deutschsprachiges Filmgenre, das zum Musikfilm gehört. Durch die ausgiebige Verwendung von Schlagern in einer oft nur einen Rahmen bildenden Filmhandlung gekennzeichnet ist[1]. Die Handlung wird meist von verliebten jungen Leuten dominiert. Auch komödiantische Elemente haben regelmäßig ihren Anteil am Filmgeschehen.

GeschichteBearbeiten

Schon mit Beginn der Tonfilmära wurden oft Musik und Gesang in einen Film integriert, doch machten zunächst meist die Filme mit den eigens für sie komponierten Titeln die Schlager und nicht umgekehrt. So wurde auch der Musikfilm Die Drei von der Tankstelle mit Lilian Harvey und Willy Fritsch im Vorspann eigens als „Operette“ bezeichnet. Die eigentliche Zeit der Schlagerfilme kam erst in den 1950er Jahren, als sie nach und nach den Revuefilm verdrängten. Im Gegensatz zu diesem verzichtete der Schlagerfilm auf große Bühnenauftritte mit den üblichen Backstage-Problemen. Auch die adäquate Einbindung der Gesangseinlagen in die Handlung, wie sie für die Verfilmung von Operetten oder Musicals charakteristisch ist, wurde vernachlässigt. Peter Alexander, Caterina Valente oder Vico Torriani waren damals die bedeutendsten Vertreter jener oft in Italien spielenden Filme.

Willy Zeyn war einer der ersten Produzenten, der einen Schlagersänger in den Mittelpunkt seiner Filme stellte. Vico Torriani erhielt in Strassenserenade (1953) seine erste Hauptrolle. Die Erfolg führte direkt zum Farbfilm Gitarren der Liebe (1954). Das Grundthema, der Aufstieg eines mittellosen Italieners zum Gesangsstar, wurde dabei auch in Santa Lucia (1956) nur unwesentlich verändert. In Zusammenarbeit mit Artur Brauner entstand danach 7 mal in der Woche (1957). Ein Erfolgstitel wurde zum Filmtitel. Seinen letzten Film mit dem Sänger war dann Träume von der Südsee (1957). In Fred Bertelmann fand der Produzent einen neuen Hauptdarsteller. Dessen Erfolgsschlager stand Pate für Der lachende Vagabund (1958). In den Nachfolgern Das blaue Meer und Du (1959) und Gauner-Serenade (1960) trat in einer Nebenrolle Chris Howland auf, dem er in Das hab’ ich in Paris gelernt (1960) ebenfalls zu einer Hauptrolle verhalf. Danach beendete Willy Zeyn seine eigenständige Produktionstätigkeit.

Mitte der 1950er Jahre wurde auch die Münchner Verleiherin Ilse Kubaschewski auf das Genre des Schlagerfilms aufmerksam. Nachdem im Verleihprogramm des Gloria Verleihs, dessen Gründerin und Inhaberin Ilse Kubaschewski war, bisher vor allem leichte Unterhaltung in Form von Heimatfilmen erschienen war, versuchte die Kuba, wie sie auch genannt wurde, ihr Programm zu erweitern. In ihren bisherigen Filmen spielte Musik immer eine bedeutende Rolle. Mit dem Genre des Schlagerfilms wurde sie sogar in den Vordergrund gerückt. Ein erster Schlagerfilm, den die Kuba verlieh, war Die Große Star-Parade, der 1954 erschien. Produzent war Atze Brauner.[2]

Um 1960, nach dem Niedergang des Heimatfilms und des Revuefilms, hatte der Schlagerfilm seine Blütezeit. Von besonderer Bedeutung war in dieser Zeit das Aufkommen der Vinylschallplatte, welche die Verbreitung der Schlagermusik stark förderte. Peter Kraus, Cornelia Froboess, Gitte Hænning, Rex Gildo und Freddy Quinn waren nun die bekanntesten Schlagerstars, die in den Filmen erlebt werden konnten. Auch in der DDR entstanden einige Produktionen ähnlicher Ausrichtung, insbesondere mit Frank Schöbel. Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre konnten Roy Black, Chris Roberts und Heintje dem Schlagerfilm noch einmal zu neuen Erfolgen verhelfen, doch im Zuge einer allgemeinen Kino- und Schlagerkrise kündigte sich das Ende dieses Genres an. Der Film Zwei im 7. Himmel aus dem Jahr 1974 mit Bernd Clüver und Peter Orloff ist der letzte Schlagerfilm klassischen Zuschnitts. Später entstandene deutsche Musikfilme behandeln historische Vorgänge (wie Die Roy Black Story) oder sind Parodien (wie Der Trip – Die nackte Gitarre 0,5, mit Dieter Thomas Kuhn und Johnny Flash mit Helge Schneider).

KritikBearbeiten

Von der zeitgenössischen Filmkritik wurden Schlagerfilme entweder ignoriert oder, besonders in der Spätphase, mit verächtlichen Worten wie „blöder Schlager-Klamauk“ oder „an der Grenze zur Idioten-Komik“[3] abgetan. Sie erwiesen sich jedoch später im Fernsehen als recht beliebt und werden häufig ausgestrahlt.

Fritz Göttler befand in Geschichte des deutschen Films über den Schlagerfilm, das ständige Singen und die permanente Fröhlichkeit des Schlagerfilms sei nicht mehr abgestimmt auf die Handlung und in eine Geschichte integriert, sondern gewinne gespenstisches Eigenleben: „Dieses Phantomkino entbehrt des inneren Zusammenhangs, ist ein Kino der äußeren Erscheinungen: das keine innere Beteiligung kennt.“[4]

Liste von SchlagerfilmenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. „Schlagerfilm“ im Lexikon der Filmbegriffe. Universität Kiel. Abgerufen am 28. Mai 2012.
  2. Michael Kamp: Glanz und Gloria. Das Leben der Grande Dame des deutschen Films Ilse Kubaschewski 1907-2001. August Dreesbach Verlag, München 2017, ISBN 978-3-944334-58-5, S. 141.
  3. Kritiken vom Katholischen Film-Dienst; nach Manfred Hobsch: Liebe, Tanz und 1000 Schlagerfilme. 1998, S. 36.
  4. Fritz Göttler: Nachkriegszeit, in: Geschichte des deutschen Films, Verlag J.B. Metzler; Stuttgart, Weimar, 2. Auflage 2004, S. 205.