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Ralf Schenk (* 27. März 1956 in Arnstadt) ist ein deutscher Journalist, Filmkritiker, Filmhistoriker und Autor.

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Leben und WirkenBearbeiten

Aufgewachsen im thüringischen Gehlberg, veröffentlichte Ralf Schenk seine ersten Filmkritiken ab 1974 in der Suhler Tageszeitung Freies Wort. Von 1975 bis 1979 studierte er Journalistik an der Karl-Marx-Universität Leipzig und war Leiter des Jugendfilmklubs im Leipziger Kino Capitol. Ab 1979 arbeitete Ralf Schenk als Redakteur der Zeitschriften Film und Fernsehen, Die Weltbühne sowie Wochenpost in Berlin und schrieb außerdem für den Filmspiegel und Das Magazin. Nach 1990 war er u. a. Mitarbeiter des Filmmuseums Potsdam und Redakteur und Herausgeber von Büchern zur Geschichte des Films, besonders zur Historie der DEFA. Er war Co-Redakteur von sechs Jahrbüchern der DEFA-Stiftung (2000–2005). Darüber hinaus hat er rund ein Dutzend TV-Dokumentationen zur deutschen und internationalen Filmgeschichte für den ORB und den MDR produziert.

Für die DEFA-Stiftung rekonstruierte Ralf Schenk die verbotenen DEFA-Filme Die Schönste (1957/59) und Fräulein Schmetterling (1966) und war an der Rekonstruktion der verbotenen Filme Sommerwege (1960)[1] und Hände hoch oder ich schieße (1966) beteiligt. Für das Archiv der DEFA-Stiftung drehte er jeweils mehrstündige Zeitzeugengespräche mit ehemaligen Regisseuren, Schauspielern, Drehbuchautoren und Dramaturgen der DEFA, unter anderem mit den beiden Mitbegründern der DEFA Kurt Maetzig und Karl Hans Bergmann, mit Egon Günther, Karl Gass, Walter Heynowski, Wolfgang Kohlhaase, Günther Rücker, Helmut Dziuba, Siegfried Kühn, Klaus Wischnewski, Joachim Mückenberger, Angelica Domröse, Gojko Mitić, Ernst-Georg Schwill, Herbert Ballmann, Peter Kahane, Karlheinz Mund, Eduard Schreiber, Gerd Gericke, Konrad Weiß, Otto Sacher, Kurt Weiler, Lutz Dammbeck und Thomas Heise, dem Filmkritiker Fred Gehler sowie dem letzten Filmminister der DDR Horst Pehnert.

Ralf Schenk ist ständiger freier Autor der Berliner Zeitung, in der er zwischen September 1999 und Januar 2015 die wöchentliche Kinokolumne Das fliegende Auge publizierte. Er arbeitet regelmäßig an der Zeitschrift film-dienst sowie am CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film und am Internationalen Lexikon des Kinder- und Jugendfilms mit. Für die Zeitschrift „Theater der Zeit“ schrieb er 2012–2015 die monatliche Filmkolumne. Seit 2014 ist er Mitglied des Filmbeirats beim Goethe-Institut.

Von 2004 bis 2019 gehörte er zur Auswahlkommission für den Spielfilmwettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Von 2004 bis 2006 war er auch Mitglied der Auswahlkommission des Leipziger Dokumentarfilmfestivals. Sein besonderer Schwerpunkt liegt neben der DEFA-Geschichte auf dem osteuropäischen Kino in Vergangenheit und Gegenwart. Er berichtet regelmäßig von den osteuropäischen Filmfestivals in Cottbus und Wiesbaden sowie von Nationalen Festivals in Polen, Tschechien, Ungarn und Österreich. Er war Jurymitglied bei Filmfestivals u. a. in Leipzig, Schwerin, Frankfurt am Main, Istanbul, Bratislava, Graz und hielt Vorlesungen und Seminare zur deutschen Filmgeschichte in Österreich, der Schweiz, den USA, Kanada, Argentinien, Japan, Taiwan und weiteren Ländern.

Am 4. November 2011 wurde Schenk die Ehrendoktorwürde verliehen.[2][3]

Seit 1. Juni 2012 ist Ralf Schenk Vorstand der DEFA-Stiftung in Berlin.[4]

Für seine Buchpublikation „Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955–1990“ erhielt er gemeinsam mit seiner Co-Herausgeberin Sabine Scholze den Norman McLaren/Evelyn Lambard-Preis des National Film Board of Canada. Die von ihm herausgegebene DVD-Box „Studio H&S. Walter Heynowski und Gerhard Scheumann“ wurde beim Hamburger Festival CineFest mit dem Willy-Haas-Preis für die wichtigste filmhistorische DVD des Jahres 2014 geehrt. Die ebenfalls von ihm herausgegebene DVD „Volker Koepp: Wittstock-Filme“ wurde 2015 für den Willy-Haas-Preis nominiert.

WerkeBearbeiten

  • Faszination Film. Gespräche mit Richard Groschopp. DEFA-Betriebsakademie, 1987.
  • mit Helga Hartmann (Hrsg.): Mitten ins Herz. 66 Liebesfilme. Henschelverlag Berlin 1992.
  • (Red.): Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. DEFA-Spielfilme 1946–1992. Mit Beiträgen von Christiane Mückenberger u. a. Hrsg.: Filmmuseum Potsdam. Henschelverlag, Berlin 1994, ISBN 3-89487-175-X.
  • Regie: Frank Beyer. edition hentrich, Berlin 1995.
  • Vor der Kamera. 50 Schauspieler aus Babelsberg. Henschelverlag, Berlin 1995, ISBN 3-89487-235-7.
  • mit Günter Jordan (Red.): Schwarzweiß und Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946–1992. Jovis Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-931321-51-7.
  • Manfred Krug: Die großen Kinofilme. Parthas Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-932529-01-4.
  • Frauenbilder in DDR-Medien. Bundeszentrale für politische Bildung, 1997.
  • mit Erika Richter, Claus Löser (Red.): apropos:Film. Das Jahrbuch der DEFA-Stiftung. 2000–2005 (sechs Bände). Verlag Das Neue Berlin (2000, 2001), Bertz + Fischer Verlag, Berlin (2002–2005)
  • mit Sabine Scholze (Hrsg.): Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955–1990. Bertz und Fischer Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-929470-27-6.
  • mit Ingeborg Pietzsch (Hrsg.): Schlagt ihn tot, den Hund… Theater- und Filmkritiker erinnern sich. Parthas Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-936324-07-7.
  • Eine kleine Geschichte der DEFA. Daten, Dokumente, Erinnerungen. Zusammengestellt und kommentiert von Ralf Schenk. Hrsg.: DEFA-Stiftung Berlin. DEFA-Stiftung, Berlin 2006, ISBN 3-00-018775-8.
  • Bilder einer gespaltenen Welt. 50 Jahre Leipziger Dokumentarfilmfestival. Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-86505-181-3.
  • als Hrsg.: Volker Baer: Worte – Widerworte. Texte zum Film 1959–2007. Schüren, Marburg 2009, ISBN 978-3-89472-667-6.
  • als Hrsg.: Cui bono, Fred Gehler? Texte und Kritiken aus fünf Jahrzehnten. DEFA-Stiftung, Berlin 2012, ISBN 978-3-00-037266-7.
  • als Hrsg. (mit Andreas Kötzing): Verbotene Utopie. Die SED, die DEFA und das 11. Plenum. Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-86505-406-7.
  • als Hrsg. (mit Cornelia Klauß): Sie. Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme. Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-86505-415-9.

TV-DokumentationenBearbeiten

  • Die DEFA – Zwischen Utopie und Wirklichkeit. Teil 2: Sonnensucher (1994, Drehbuch)
  • Die DEFA – Zwischen Utopie und Wirklichkeit. Teil 3: Störenfriede (1994, Drehbuch)
  • Slatan Dudow. Der Mann, der die Frauen liebte (1994, TV, Drehbuch)
  • Falk Harnack. Vom aufrechten Gang (1994, Drehbuch)
  • Martin Hellberg. Das Spiel – sein Leben (1995, Drehbuch)
  • Artur Pohl – Ein unbekannter Klassiker. (1994, TV, Drehbuch)
  • Es werden ein paar Filme bleiben. (1996, Drehbuch)
  • Spur der Zeiten – Der Regisseur Frank Beyer. (1997, TV, Drehbuch & Co-Regie)
  • Filmschicksale. DEFA-Filme: vernichtet, aber nicht vergessen (1997, TV, Drehbuch & Co-Regie)
  • Der kurze Traum der Freiheit. Kino in Osteuropa 1945–1949 (1997, TV, Drehbuch)
  • Kurt Maetzig, Regisseur (1999, TV, Drehbuch und Regie)

Filmhistorische BookletsBearbeiten

  • Spielbankaffaire (DEFA 1957, edition filmjuwelen 2016)
  • Semmelweis – Retter der Mütter (DEFA 1950, edition filmjuwelen 2017)
  • Robert Mayer, der Arzt aus Heilbronn (DEFA 1955, edition filmjuwelen 2017)
  • Das Mädchen Christine (DEFA 1949, edition filmjuwelen 2018)
  • Der Kahn der fröhlichen Leute (DEFA 1950, edition filmjuwelen 2018)
  • Wer seine Frau lieb hat... (DEFA 1954, edition filmjuwelen 2018)
  • Die Abenteuer des Till Ulenspiegel (DEFA/Frankreich 1957, edition filmjuwelen 2018)
  • Trübe Wasser (DEFA/Frankreich 1960, edition filmjuwelen 2018)
  • Karriere in Paris (DEFA 1952, edition filmjuwelen 2019)
  • Star mit fremden Federn (DEFA 1955, edition filmjuwelen 2019)
  • Alter Kahn und junge Liebe (DEFA 1957, edition filmjuwelen 2019)
  • Meine Frau macht Musik (DEFA 1958, edition filmjuwelen 2019)
  • Die Elenden (DEFA/Frankreich/Italien 1958, edition filmjuwelen 2019)
  • Wiesenstraße Nr. 10 (Frankreich/Italien 1959, edition filmjuwelen 2019)
  • Die nackte Insel (Japan 1960, edition filmjuwelen 2019)
  • Die besten Jahre (DEFA 1965, edition filmjuwelen 2019)
  • Der Prozess wird vertagt (DEFA 1958, edition filmjuwelen 2019)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. DEFA Sternstunden Forum. 6. Dezember 2013, archiviert vom Original am 27. Februar 2015; abgerufen am 27. Februar 2015., nach dortigen Angaben zitiert aus "Das große Lexikon der DEFA-Spielfilme", "Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg"
  2. vgl. [Verliehen wurde der Preis von Dieter Wiedemann, Präsident der HFF „Konrad Wolf“ auf der DEFA-Tagung: „Grenzen und Grenzüberschreitungen. Transnationale Filmbeziehungen der DEFA vor und nach dem Mauerbau“]
  3. Ralf Schenk trägt den Titel eines Dr. h.c.,(vgl. https://www.defa-stiftung.de/stiftung/ueber-die-defa-stiftung/stiftungsteam/ )
  4. Pressemitteilung der DEFA Stiftung: Ralf Schenk wird neuer Vorstand der DEFA-Stiftung, abgerufen am 29. Mai 2012.