Roschtschino (Kaliningrad, Prawdinsk)

Roschtschino (russisch Рощино), deutsch Georgenau, Kreis Friedland (ab 1927 Kreis Bartenstein) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Er liegt im Rajon Prawdinsk (Kreis Friedland (Ostpr.)) und gehört zur Domnowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Domnowo (Domnau)).

Siedlung
Roschtschino/Georgenau
Рощино
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Prawdinsk
Frühere Namen Georgenau, (Kr. Bartenstein) (bis 1947)
Bevölkerung 131 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 233 819 017
Geographische Lage
Koordinaten 54° 26′ N, 20° 55′ OKoordinaten: 54° 26′ 16″ N, 20° 54′ 42″ O
Roschtschino (Kaliningrad, Prawdinsk) (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Roschtschino (Kaliningrad, Prawdinsk) (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Roschtschino liegt sieben Kilometer südwestlich von Prawdinsk (Friedland) im Kreuzungspunkt zweier Nebenstraßen, die beide von der Straße Prawdinsk–Schirokoje (Schönbruch) (ehemalige deutsche Reichsstraße 142) nach Domnowo (Domnau) bzw. zur Fernstraße A 196 (frühere Reichsstraße 131) beim jetzt erloschenen Ort Perewalowo (Schwönau) führen. Bis 1945 war Preußisch Wilten (russisch: Snamenskoje) die nächste Bahnstation an der Strecke von Königsberg nach Angerburg, die heute nicht mehr betrieben wird.

GeschichteBearbeiten

Das frühere Gutsdorf Georgenau bildete am 11. Juni 1874 mit dem Gutsbezirk Abbarten (russisch: Prudy) und der Landgemeinde Deutsch Wilten den neu errichteten Amtsbezirk Abbarten[2]. Er lag im Kreis Friedland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen.

Im Jahre 1910 lebten in Georgenau 261 Menschen[3]. Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Georgenau in eine Landgemeinde umgewandelt. Am 4. Mai 1930 erhielt der Amtsbezirk Abbarten die Umbenennung in „Amtsbezirk Deutsch Wilten“, jetzt zum Landkreis Bartenstein (Ostpr.) gehörig.

Im Jahre 1945 kam Georgenau infolge des Zweiten Weltkrieges mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1947 die russische Bezeichnung „Roschtschino“.[4] Seit 2009 ist Roschtschino aufgrund einer Struktur- und Verwaltungsreform[5] eine als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestufte Ortschaft innerhalb der Domnowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Domnowo (Domnau)) im Rajon Prawdinsk der Oblast Kaliningrad.

KircheBearbeiten

KirchengebäudeBearbeiten

Die Georgenauer Kirche[6] stammt aus der Ordenszeit und wurde im 19. Jahrhundert unter Schinkeleinfluss verändert. Heute existiert nur noch der beschädigte Turm. Die Mauern des Kirchenschiffs wurden abgetragen und die Steine für anderweitige Bauten verwendet. Die vorhandenen Gebäudereste sind von fast undurchdringbarer Wildnis umgeben und nicht mehr zugänglich.

KirchengemeindeBearbeiten

Georgenau ist ein altes Kirchdorf, in dem die Reformation schon früh Fuß fasste. Bis 1684 waren der jeweils zweite Pfarrer („Diakonus“) von Domnau (russisch: Domnowo) Pfarrer in Georgenau. Ursprünglich gehörte es zur Inspektion des Königsberger Oberhofpredigers. Georgenau war bis 1945 eine selbständige Kirchengemeinde, auch wenn es ab 1779 durch den Wechsel des Pfarrers Christian Ludwig Dörfer von Georgenau nach Deutsch Wilten (dort war bis dahin sein Vater Daniel Ludwig Dörfer als Pfarrer tätig) eine Filialgemeinde von Deutsch Wilten und von dort von den Pfarrern betreut wurde[7]. Mit Deutsche Wilten war bereits die Kirchengemeinde Klingenberg (heute polnisch: Ostre Bardo) pfarramtlich verbunden. Bis 1945 gehörte dann der Pfarrverbund Deutsch Wilten-Georgenau-Klingenberg zum Kirchenkreis Friedland (heute russisch: Prawdinsk), später zum Kirchenkreis Bartenstein (heute polnisch: Bartoszyce) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute liegt Roschtschino im Einzugsbereich der Kirchengemeinde Domnowo (Domnau), die eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) ist. Sie ist der Propstei Kaliningrad[8] in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland zugeordnet.

KirchspielorteBearbeiten

Zum Kirchspiel Georgenau gehörten bis 1945 die Ortschaften: Abbarten (russisch: Prudy), Ferdinandshof, Georgenau (Roschtschino), Klein Georgenau und Ludwigshof[9].

PfarrerBearbeiten

An der Georgenauer Kirche amtierten zwischen 1684 und 1779 insgesamt 12 evangelische Pfarrer, die in Georgenau ihren Amtssitz hatten und die zwischenzeitlich auch von Nachbarpfarrern vertreten wurden[10]:

  • Georg Porsch, 1684–1695
  • Johann Christoph Friese, 1696–1703
  • Johann Friedrich Schneider, 1713–1720
  • Carl Friedrich Natius, bis 1722
  • Johann Tobias Henne, 1723–1729
  • Carl Christian Suchland, 1735–1748
  • Friedrich Boltz, 1750–1754
  • Johann Gottlieb Petrecius, 1756–1757
  • Johann Daniel Krantz, 1760–1763
  • Ludwig Franck, 1763–1769
  • Gottwald Bindhoff, 1771–1772
  • Christian Ludwig Dörfer, 1773–1779

KirchenbücherBearbeiten

Die Kirchenbücher der Kirchengemeinde Georgenau sind in großem Umfang erhalten geblieben und werden heute im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt[11]:

  • Taufen: 1671 bis 1944
  • Trauungen: 1684 bis 1943
  • Beerdigungen: 1684 bis 1944
  • Konfirmationen: 1838 bis 1944
  • Abendmahlsteilnehmer: 1767 bis 1812

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Rolf Jehke, Amtsbezirk Abbarten/Deutsch Wilten
  3. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Friedland
  4. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947)
  5. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 476 vom 21. Dezember 2004, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  6. Roschtschino-Georgenau
  7. Friedwald Moeller, Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 31 u. 41
  8. Ev.-luth. Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info
  9. Ortsverzeichnis/Kirchspiele Kreis Bartenstein (Memento des Originals vom 27. November 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hkg-bartenstein.de
  10. Friedwald Moeller (wie oben), Seite 41
  11. Christa Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, Seite 32–33