Religionen in der Schweiz

Konfessionsgebiete der Schweiz (Gebietsstand 1. Januar 2017, Konfessionsanteile von 2000)
Konfessionsgebiete der Schweiz um 1800

Von der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren waren 2017 laut einer Umfrage bei 200'000 Personen des Bundesamtes für Statistik (BFS)[1] 35,9 Prozent römisch-katholisch, 23,8 Prozent reformiert, 26 Prozent werden im Amtsjargon als konfessionslos bezeichnet. 5,9 Prozent sind Mitglied in einer anderen christlichen Glaubensgemeinschaft und 5,4 Prozent in einer islamischen.[2] Ende 2010 lagen die vergleichbaren Zahlen laut Bundesamt für Statistik bei 38,6 Prozent römisch-katholisch, 28,0 Prozent reformiert, 20,1 Prozent als konfessionslos bezeichnet, 4,5 Prozent gehörten zu islamischen Glaubensgemeinschaften, 5,5 Prozent waren Mitglieder anderer christlicher Gemeinschaften, 1,1 Prozent gehörten zu anderen Religionsgemeinschaften, 0,24 Prozent waren jüdischen Glaubens und 2 Prozent machten keine Angabe.[3]

Von der gesamten Schweizer Wohnbevölkerung waren im Jahr 2018 37,2 Prozent (3'182'082 Personen) Mitglied der römisch-katholischen Kirche und 24,7 Prozent (2'109'360 Personen) Mitglied der evangelisch-reformierten Kirche (100 Prozent: 8'546'081 Personen).[4][5]

Rechtliche RegelungenBearbeiten

Schweizer Wohnbevölkerung ab 15 Jahren nach Religion (Angaben in Prozent), 2014[6]
Christentum
  
71,5
- römisch-katholisch
  
38,0
- evangelisch-reformiert
  
26,0
- christlich-orthodox
  
2,2
- evangelikal
  
1,7
- Lutheraner
  
1,0
- andere Christen
  
2,6
andere Religionen
  
6,5
- muslimisch
  
5,0
- buddhistisch
  
0,5
- hinduistisch
  
0,5
- jüdisch
  
0,2
- andere Glaubensgemeinschaft
  
0,3
konfessionslos*
  
22,0
*Davon glauben 42 % an einen Gott/eine höhere Macht, 32 % bezeichnen sich als Atheisten, 25 % als Agnostiker.

ReligionsfreiheitBearbeiten

In der Schweiz stellt die Religionsfreiheit ein verfassungsmässig verankertes Grundrecht dar.

Status von LandeskirchenBearbeiten

Es liegt in der Kompetenz der Kantone, ob sie ausgewählten Religionsgemeinschaften einen besonderen Status als Landeskirche verleihen wollen. In den meisten Kantonen sind die römisch-katholische Kirche und die evangelisch-reformierte Kirche als Landeskirche anerkannt, in den Nordwest- und einigen Nordostschweizer Kantonen, im Kanton Zürich und im Kanton Bern zusätzlich die christkatholische Kirche. Der rechtliche Status der Landeskirchen ist unterschiedlich; siehe den Artikel Landeskirchen in der Schweiz.

In den Kantonen Basel-Stadt, Bern, Freiburg, St. Gallen, Waadt und Zürich geniesst die jüdische Gemeinschaft zudem öffentlich-rechtliche Anerkennung.[7] In den Westschweizer Kantonen Genf und Neuenburg gibt es keine Landeskirchen, weil dort Kirche und Staat vollständig getrennt sind; die reformierte und die katholische Kirche sind aber dennoch als «Organisationen von öffentlichem Interesse» anerkannt.

Religions- und KonfessionsverteilungBearbeiten

Konfessionsverteilung (Jahr 2000)[8]Bearbeiten

Bei der Bevölkerung der Schweizer Grossstädte zeigt sich ein konfessionell relativ ausgeglichenes Datei: 32,0 Prozent sind römisch-katholisch, 27,9 Prozent evangelisch-reformiert. Die traditionell reformierten Städte Zürich und Genf sind heute überwiegend römisch-katholisch; als einzige noch überwiegend reformierte Grossstadt gilt Bern. Die Stadt Basel hat eine konfessionslose Mehrheit, die einst dominierende evangelisch-reformierte Kirche (1850: 80,3 Prozent) ist hinter die römisch-katholische zurückgefallen.

Konfessionsverteilung (Angaben in Prozent)
Grossstadt röm.-kath. ev.-reformiert konfessionslos
Zürich 33,9 30,3 16,8
Genf 37,4 13,5 23,2
Basel 25,2 23,5 31,4
Bern 24,5 47,0 12,7
Lausanne 37,8 27,2 16,9

Auch in den Agglomerationen des Mittellandes, zwischen Genfersee und Bodensee, gibt es keine deutlich dominierenden Kirchen und Religionsgemeinschaften mehr. Protestantisch dominiert ist der Kanton Bern (insbesondere das Emmental und das westliche Berner Oberland), Teile von Graubünden und Schaffhausen. Die römisch-Katholische Kirche dominiert in den Kantonen Freiburg, Jura, Wallis, Tessin, in den Kantonen der Zentralschweiz und in Teilen der Ostschweiz (Appenzell Innerrhoden, Teile St. Gallens und in der Surselva im Kanton Graubünden).

Die Christkatholische Kirche ist nur lokal von Bedeutung; sie ist am ehesten in der Region Basel (v. a. im aargauischen Bezirk Rheinfelden) und Solothurn verbreitet.

In der Schweiz entstand in der Reformationszeit die Täuferbewegung. Die Täufer wurden damals als Schweizer Brüder bezeichnet und sind heute als Mennoniten oder Alttäufer bekannt. Die noch bestehenden Gemeinden der Schweiz sind in der Konferenz der Mennoniten der Schweiz zusammengefasst.

In zwei Fällen trug der religiöse Gegensatz zur Bildung neuer Kantone bei:

  • 1597 trennte sich das protestantisch gewordene Appenzell Ausserrhoden vom katholisch gebliebenen Appenzell Innerrhoden.
  • Die Abspaltung des überwiegend katholischen Kantons Jura vom mehrheitlich reformierten Kanton Bern 1978 geht teilweise auf den konfessionellen Gegensatz zurück; die ebenfalls französischsprachigen, aber mehrheitlich reformierten Amtsbezirke des Südjuras sprachen sich für den Verbleib beim Kanton Bern aus.

Zu den historischen Verhältnissen siehe den Artikel Schweiz (Religionen).

Konfessionsverteilung in den Kantonen (Jahr 2018)Bearbeiten

Heute ist der Kanton Bern der einzige Kanton, in dem die Mitglieder der evangelisch-reformierten Kirche in der absoluten Mehrheit sind. Dagegen bilden die Katholiken in mehreren Kantonen eine absolute Mehrheit (in der Deutschschweiz hauptsächlich auf dem Gebiet der Zentralschweiz, in der Romandie in den Kantonen Freiburg und Jura, in der italienischen Schweiz im Kanton Tessin). In allen Kantonen liegt der Mitgliederanteil der beiden anerkannten Landeskirchen (römisch-katholische und evangelisch-reformierte Kirche) über 50 Prozent. Eine Ausnahme bildet der Kanton Basel-Stadt, wo lediglich ein Viertel der Bevölkerung einer Landeskirche angehört. Genaue Zahlen zu weiteren Religionsgemeinschaften beziehungsweise dem Anteil der Konfessionslosen an der Gesamtbevölkerung liegen seit der Volkszählung im Jahr 2000 keine mehr vor.[1][4]

Gesamtbevölkerung nach Religion in den Kantonen im Jahr 2018 (farbiger Hintergrund: absolute Mehrheit)[4][5][9]
Kanton Gesamt-
bevölkerung
römisch-katholische
Bevölkerung
evangelisch-reformierte
Bevölkerung
römisch-katholisch
%
evangelisch-reformiert
%
Andere christl. Konfession,
Religion oder
konfessionslos
%
Kanton Zürich  Zürich 1,520,968 387,325 425,145 25.5 28.0 46.6
Kanton Bern  Bern 1,034,977 164,866 541,148 15.9 52.3 31.8
Kanton Waadt  Waadt 799,145 250,543 205,775 31.4 25.7 42.9
Kanton Aargau  Aargau 678,207 215,984 161,317 31.8 23.8 44.4
Kanton St. Gallen  St. Gallen 507,697 226,264 104,851 44.6 20.7 34.8
Kanton Genf  Genf 499,480 219,477 62,769 43.9 12.6 43.5
Kanton Luzern  Luzern 409,557 245'397 41,673 59.9 10.2 29.9
Kanton Tessin  Tessin 353,343 235,570 5,356 66.7 1.5 31.8
Kanton Wallis  Wallis 343,955 261,963 20,042 76.2 5.8 18.0
Kanton Freiburg  Freiburg 318,714 197,559 41,534 62.0 13.0 25.0
Kanton Basel-Landschaft  Basel-Landschaft 288,132 71,541 85,388 24.8 29.6 45.5
Kanton Thurgau  Thurgau 276,472 85,104 93,628 30.8 33.9 35.4
Kanton Solothurn  Solothurn 274,748 86,518 58,522 31.5 21.3 47.2
Kanton Graubünden  Graubünden 198,379 89,768 66,536 45.3 33.5 21.2
Kanton Basel-Stadt  Basel-Stadt 194,766 24,783 26,380 12.7 13.5 73.7
Kanton Neuenburg  Neuenburg 176,850 64,258 51,378 36.3 29.1 34.6
Kanton Schwyz  Schwyz 159,165 95,794 18,390 60.2 11.6 28.3
Kanton Zug  Zug 126,837 61,999 17,070 48.9 13.5 37.7
Kanton Schaffhausen  Schaffhausen 81,991 17,155 29,190 20.9 35.6 43.5
Kanton Jura  Jura 73,419 55,000 7,023 74.9 9.6 15.5
 A. Ausserrhoden/
 A. Innerrhoden[10]
71,379 27,942 23,513 39.1 32.9 27.9
Kanton Nidwalden  Nidwalden 43,223 28,363 4,336 65.6 10.0 24.3
Kanton Glarus  Glarus 40,403 13,383 13,768 33.1 34.1 32.8
Kanton Obwalden  Obwalden 37,841 26,944 2,937 71.2 7.8 21.0
Kanton Uri  Uri 36,433 28,582 1,691 78.5 4.6 16.9
  Schweiz 8,546,081 3,182,082 2,109,360 37.2 24.7 38.1

Veränderungen der ReligionszugehörigkeitBearbeiten

Statistisch gesehen schrumpfen die grossen traditionellen Religionsgemeinschaften (Katholizismus und Protestantismus) in der Schweiz, während die kleineren Religionsgemeinschaften wachsen. Besonders ausgeprägt ist das Wachstum beim Islam. Stark zugenommen hat aber vor allem auch der Anteil der Personen ohne Religionszugehörigkeit.[11][12] Der Buddhismus tritt insbesondere in grossen Städten in Erscheinung.

Gesamte Wohnbevölkerung nach religiöser Zugehörigkeit (in %)[13][5][4]
1970 2000 2018
evangelisch-reformierte Kirche 46,42 33,04 24,68
evangelisch-methodistische Kirche 00,17 00,12
Neuapostolische Kirche 00,49 00,38
Zeugen Jehovas 00,17 00,28
übrige protestantische Kirchen und Gemeinschaften 00,42 01,44
römisch-katholische Kirche 49,39 41,82 37,23
christkatholische Kirche 00,32 00,18
christlich-orthodoxe Kirchen 00,33 01,81
andere christliche Gemeinschaften 00,05 00,20
jüdische Glaubensgemeinschaft 00,33 00,25
islamische Gemeinschaften 00,26 04,26
andere Kirchen und Religionsgemeinschaften 00,12 00,78
keine Zugehörigkeit 01,14 11,11
ohne Angabe 00,39 04,33
Gesamtbevölkerung 100
(6'269'783)
100
(7'288'010)
100
(8'546'081)

Religionszugehörigkeit nach NationalitätBearbeiten

Werden die in der Schweiz am häufigsten vertreten Nationalitäten betrachtet, bestehen gemäss einer Erhebung des Bundesamts für Statistik zum Teil erhebliche Unterschiede bezüglich der jeweiligen Religionsangehörigkeit.

Häufigste Nationalitäten in der Schweiz nach Religionszugehörigkeit, Stand 2017 (Angaben in %, Mehrheiten grün)[14]
Religion Schweiz  Schweiz Italien  Italien Deutschland  Deutschland Balkanstaaten* Portugal  Portugal Frankreich  Frankreich Spanien  Spanien Turkei  Türkei
Christentum 72,9 80,9 47,0 26,0 76,7 38,5 65,8 2,1
römisch-katholische Kirche 36,7 76,9 22,6 5,0 73,9 33,5 62,8 0,3
evangelisch-reformierte Kirche 31,2 0,6 20,3 0,1 0,4 2,3 0,6 0,2
andere christliche Kirchen 5,0 3,4 4,1 20,9 2,4 2,7 2,4 1,6
Judentum 0,2 0,1 0,2 0,2 0,3 0,9 0,1 0,1
Islam 2,4 1,2 1,4 61,1 0,3 2,7 0,6 72,9
andere Religionen 0,9 0,4 0,2 0,5 0,4 1,1 0,4 1,2
konfessionslos 22,4 16,1 50,0 10,8 20,3 54,6 31,1 22,3
keine Angabe 1,2 1,4 0,7 1,5 2,4 2,4 1,8 1,4
*Das Bundesamt für Statistik (BFS) fasst unter Balkanstaaten folgende Nationen zusammen: Albanien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien und Kosovo.

Religionsgemeinschaften in der SchweizBearbeiten

Römisch-katholische BistümerBearbeiten

 
Karte der katholischen Bistümer in der Schweiz

Die römisch-katholische Kirche ist in der Schweiz in folgende Bistümer aufgeteilt:

Bistümer

Territorialabteien

Das Koordinierungsorgan der römisch-katholischen Bistümer der Schweiz ist die Schweizerische Bischofskonferenz.

Bedeutende religiöse Bauten nichtchristlicher ReligionenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten

  1. a b Seit 2010 basieren die Daten des BFS zu den Religionsgemeinschaften in der Schweiz auf einer Stichprobenerhebung, für welche jeweils 200'000 Personen ab dem Alter von 15 Jahren befragt werden. Die Resultate der Erhebung werden daher mit einem statistischen Vertrauensintervall angegeben. Folglich können die Daten der Volkszählungen vor dem Jahr 2010, die alle in der Schweiz wohnhaften Personen jeden Alters erfassten, nicht eins zu eins mit den Daten der jährlichen Strukturerhebung verglichen werden. Siehe hierzu Volkszählung in der Schweiz#Strukturerhebung.
  2. Bundesamt für Statistik: Ständige Wohnbevölkerung ab 15 Jahren nach Religionszugehörigkeit - 1910-2017 | Tabelle. 29. Januar 2019, abgerufen am 29. Januar 2019.
  3. Bundesamt für Statistik, Strukturerhebung der eidgenössischen Volkszählung 2010 Korrigierte Daten stehen im dort verlinkten Dokument
  4. a b c d Genaue Daten zur Religionszugehörigkeit der Gesamtbevölkerung liegen seit der letzten Volkszählung im Jahr 2000 nur für die römisch-katholische und die evangelisch-reformierte Kirche vor, deren Mitglieder (u. a. aufgrund der Kirchensteuern) amtlich erfasst werden.
  5. a b c SPI St. Gallen: Kirchenmitgliedschaft in der römisch-katholischen und evangelisch-reformierten Kirche nach Kantonen (2018) | Tabelle 1.4. 2019, abgerufen am 31. Januar 2020.
  6. Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur 2014: Religiöse und spirituelle Praktiken und Glaubensformen in der Schweiz. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) 2016, ehemals im Original; abgerufen am 22. April 2016.@1@2Vorlage:Toter Link/www.bfs.admin.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. www.migraweb.ch: http://www.migraweb.ch/de/themen/religion/juedische-gemeinden/. Abgerufen am 4. September 2018.
  8. BFS (Memento vom 12. März 2007 im Internet Archive)
  9. Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn: Tätigkeitsbericht 2018 (separate Daten für die Kantone Bern, Jura und Solothurn (Bezirkssynode/oberer Kantonsteil)). 2019, abgerufen am 31. Januar 2020.
  10. Aufgrund von grenzüberschreitenden Kirchenstrukturen liegen zu den Halbkantonenen Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden keine separaten und aktuellen Daten vor. Der Anteil der evangelisch-reformierten Bevölkerung in Ausserrhoden ist traditionell hoch, während die Katholiken in Innerrhoden eine Mehrheit bilden. Siehe hierzu auch Landteilung (Appenzell).
  11. Religionen: Bundesamt für Statistik BFS
  12. Simon Hehli: Wenn das Land seinen Glauben verliert In: Neue Zürcher Zeitung vom 8. Januar 2018
  13. Claude Bovay: Eidgenössische Volkszählung 2000: Religionslandschaft in der Schweiz. Bundesamt für Statistik, Neuenburg 2004, ISBN 3-303-16073-2, S. 11 (PDF; 625 kB (Memento des Originals vom 16. November 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bfs.admin.ch).
  14. Bundesamt für Statistik: Ständige Wohnbevölkerung ab 15 Jahren nach Nationalität und Religionszugehörigkeit, Schweiz (befragt wurden Personen ab 15 Jahren mit Wohnsitz in der Schweiz, Untersuchungszeitraum: 2013-2017) (XLSX) 19. März 2019.