Pallavicini (Adelsgeschlecht)

Familie

Die Pallavicini (auch Pallavicino) sind ein ursprünglich italienisches Adelsgeschlecht, das unter diesem Namen bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Sie gehen in männlicher Linie auf die Otbertiner (ital.: Obertenghi) zurück, wie auch die Familien Malaspina und Este.[1] Sie gehören dem Hochadel an und waren seit 951 Markgrafen von Ostligurien, ab ca. 1000 Markgrafen von Mailand, Tortona und Genua.[2] Die Otbertiner gingen wiederum aus dem Haus Bonifacius hervor.[3][4] Es gibt mehrere Linien, die teilweise noch bis heute bestehen.[5]

Kleines Wappen der Markgrafen von Pallavicini
Altes Wappen der Markgrafen von Pallavicini

GeschichteBearbeiten

UrsprüngeBearbeiten

Die Pallavicini stammen vom Adalbert-Zweig der Otbertiner (ital.: Obertenghi) ab. Als Stammvater der Pallavicini gilt Oberto I, il Pelavicino. Einer seiner Nachkommen bildete in der Region zwischen Cremona, Parma und Piacenza einen eigenen Staat, den „Stato Pallavicino“. Dessen Hauptstädte waren Busseto und Cortemaggiore. Die Nachkommen von Alberto Pallavicino, il Greco, Sohn von Oberto I, il Pelavicino, gingen nach Genua. Aus dieser Linie stammen die Österreichisch-Ungarischen Linien ab.[6][7]

11. JahrhundertBearbeiten

Erstmals wurden die Familie 1112–1116 urkundlich erwähnt. Seine Besitztümer, der „Stato Pallavicini“, lagen im späteren Herzogtum Parma.

17. Jahrhundert – Gianluca und Giancarlo PallaviciniBearbeiten

1697 wurde Gianluca Pallavicini in Genua geboren. Zunächst als diplomatischer Vertreter Genuas an den Wiener Hof gekommen, trat er 1733 in kaiserliche Dienste über. Er diente dem Haus Habsburg zur Zeit von Kaiserin Maria Theresias, organisierte die erste Kriegsmarine in den Erbländern, wurde schließlich General-Feldmarschall und war unter anderem mit der Umsetzung der Verwaltungsreform der Kaiserin in der Lombardei betraut.

Er erhielt später auch das Goldene Vlies, ein vom Kaiser verliehenes Privileg, und zog sich dann nach Bologna zurück. Im Jahre 1770 veranstaltete er dort für die Familie Mozart einen Empfang in seinem prächtigen Stadtpalais, um Mozart den Zugang zur dortigen Gesellschaft zu ermöglichen. Gianluca Pallavicini verstarb 1773 in Bologna. Sein Neffe Giancarlo Pallavicini (1741–1789), den der mächtige Gianluca stützte und förderte, wurde zum tatsächlichen Stammvater und Begründer dieses Familienzweigs, und ebenfalls ein herausragender Feldherr im Dienste der Kaiserin.

Neben Hochzeiten mit einflussreichen Familien der österreichischen Erbländer wie jenen der Zichy, Szechenyi, Hardegg oder Fürstenberg, bedeuteten die Verleihung des Indigenats (der Staatsbürger- und Adelsrechte) von Ungarn im Jahre 1803 sowie des böhmischen und mährischen Inkolats (=Indigenat) im Jahre 1843 eine Stärkung der dynastischen Position der Familie. 1868 erreichte Alfons sen. Pallavicini die Bestätigung des Markgrafentitels in den österreichischen Erbländern.

19. und 20. JahrhundertBearbeiten

Alexander sen. Pallavicini war Mitglied des Oberhauses im ungarischen Parlament, k.u.k. Kommandant und geheimer Rat, Mitglied des Malteserordens, des Ordens vom Goldenen Vlies und Ritter des Ordens der eisernen Krone. Das Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie zeichnete auch diese Familie: durch Bodenreformen in Tschechien und politische Veränderungen in Ungarn sowie den Ersten Weltkrieg gingen die dort gelegenen Teile der außer-österreichischen Besitzungen sukzessive verloren.

 
Palais Pallavicini in Wien

Die Pallavicinis waren gesellschaftlich und politisch stets präsent. Ein Mitglied der Familie, Johann Pallavicini (1848–1941) war Gesandter im rumänischen Königreich und außerordentlicher Botschafter des Kaiserreichs in Konstantinopel bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918. Auf Alfred Pallavicini (1848–1886), Offizier im k.u.k. Tiroler Kaiserjägerregiment und Extremalpinist, geht der Name der Pallavicinirinne am Pasterzengletscher am Fuße des Großglockner zurück, die er am 18. August 1876 mit drei Bergführern als erster beging.

In Ungarn beteiligte sich später György jun. Pallavicini (1912–1949) mit Beginn des Zweiten Weltkrieges am Widerstand gegen die deutsche Besetzung, und nahm nach Ende des Krieges sofort Anstrengungen auf, um Otto von Habsburg zum König Ungarns zu machen. Mit Verabschiedung des Gesetzes, das Ungarn zur Republik machte, musste er seine Pläne begraben, und wurde ob seiner Ideologien verhaftet und zur Zwangsarbeit verurteilt. Sein jüngerer Bruder Antal wurde nach der Revolution 1956 zum Tode verurteilt, 1991 rehabilitiert und postum zum Oberst ernannt und mit Orden um seine Verdienste ausgezeichnet.

Ein Teil der Familie verließ Ungarn im Jahre 1945. Karoly Pallavicini war erst in Amerika und später in Wien im Bankwesen tätig, unterstützte aber zeitlebens seine Heimat Ungarn, und war dort ein großer Befürworter der Öffnung. Seine Familie bewohnt heute das Wiener Palais Pallavicini, das seit dem Jahre 1842 zu ihren Besitztümern zählt.

WappenBearbeiten

Stammwappen

in einem Schach von fünf roten und vier silbernen Feldern

Wappen des italienischen Zweiges

Im Schild das Stammwappen, goldenes Schildhaupt mit einem schwarzen bekrönten Adler

Wappen des ungarischen Zweiges

In Gold ein schwarzer zweiköpfiger gekrönter Adler mit ausgespannten Flügeln, von sich gestreckten goldenen Fängen, ausgeschlagener roter Zunge, auf dessen Brust ein Schild, bestehend in einem Schach von fünf goldenen und vier blauen Feldern unter einem silbernen Schildhaupt, worin ein horizontal liegendes dreifaches schwarzes Kreuz.

 
Wappen der ungarischen Grafen Pallavicini

Bekannte NamensträgerBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: House of Pallavicini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wayback Machine. 11. Oktober 2016, abgerufen am 23. Januar 2021.
  2. Luigi Chini: I Pallavicino - la storia di una famiglia longobarda. L.I.R. edizioni, Piacenza 2014.
  3. History of the Malaspinas - I Malaspina. Abgerufen am 24. Januar 2021.
  4. Pedigree: Obert I (Marquis) of ITALY. Abgerufen am 23. Januar 2021.
  5. Pallavicini nell'Enciclopedia Treccani. Abgerufen am 24. Januar 2021 (it-IT).
  6. Kempelen Béla: Magyar nemes családok.
  7. Geschichte. Abgerufen am 23. Januar 2021.