Torquato Tasso

italienischer Dichter

Torquato Tasso (* 11. März 1544 in Sorrent; † 25. April 1595 in Rom) war ein italienischer Dichter des 16. Jahrhunderts, der Zeit der Gegenreformation. Am bekanntesten wurde er durch das Epos La Gerusalemme liberata (Das befreite Jerusalem, ins Deutsche auch als Gottfried von Bulljon übersetzt), in dem er ein fiktives Gefecht zwischen Christen und Muslimen am Ende des Ersten Kreuzzuges während der Belagerung von Jerusalem beschreibt; bekannt wurde er auch durch die Geisteskrankheit, an der er den größten Teil seines Lebens litt.

Torquato Tasso
Signatur Torquato Tasso.PNG

LebenBearbeiten

Abstammung und GeburtBearbeiten

Bernardo Tasso, der Vater von Torquato, war ein Graf aus dem Hause Tasso von Bergamo,[1] von dem sich auch die Linie derer von Thurn und Taxis (italienisch: della Torre e Tasso) ableitet. Zwischen 1532 und 1558 arbeitete er als Sekretär im Dienste Ferrante Sanseverinos, des Fürsten von Salerno.[1] Tassos Mutter war Porzia dei Rossi, die Tochter einer noblen neapolitanischen Familie mit Wurzeln in Pistoia.[2]

Torquato Tasso wurde in Abwesenheit seines Vaters geboren, da dieser von 1543 bis 1544 mit seinem Herrn am vierten italienischen Krieg zwischen Karl V. und Franz I. teilnehmen musste.[1] Von seinen Geschwistern lernte Tasso nur seine ältere Schwester Cornelia kennen, da der 1542 geborene Bruder (er hieß ebenfalls Torquato) im Jahr seiner Geburt verstarb.[1]

Kindheit und JugendBearbeiten

Nach der Rückkehr des Vaters nach Sorrent im Januar 1545 zog die Familie im Sommer desselben Jahres nach Salerno,[2] wo Torquato Tasso seine ersten Jahre verbrachte. Als Ferrante Sanseverino mit Pedro Álvarez de Toledo, dem Vizekönig von Neapel, in Konflikt geriet, wurde er geächtet und enteignet.[1] Bernardo Tasso blieb seinem Herrn jedoch treu und verließ ebenfalls die Stadt, um diplomatische Aufgaben in Ferrara und später Paris anzunehmen.[1] Seine Ehefrau zog inzwischen zu ihren Eltern nach Neapel,[1] wo Torquato in einer von Jesuiten betriebenen Schule erzogen wurde.[2] Er lernte mit raschem Fortschritt Latein, Griechisch und Rhetorik. Die frühe Reife seines Intellekts und seine religiöse Leidenschaft erregten allgemeines Aufsehen, so dass er schon mit acht Jahren Berühmtheit erlangte.

1554 wurde dem zehnjährigen Torquato Tasso erlaubt, in Begleitung seines Hauslehrers Don Giovanni Angeluzzo zu seinem Vater zu ziehen, der inzwischen eine Wohnung im Palast des Kardinals Ippolito II. d’Este bewohnte.[2] Da die Familie seiner Mutter mit dieser Entscheidung nicht einverstanden war, durfte Porzia Tasso, sehr zu ihrem Kummer, ihren Mann nicht begleiten, woraufhin sie nur wenige Monate später verschied. Die Nachricht, dass sie sehr plötzlich und unter mysteriösen Umständen in Neapel starb, erreichte Bernardo und Torquato Tasso im Jahr 1556. Den Schmerz über dieses Ereignis verarbeitete Tasso später in der Kanzone Al Metauro.[2] Bernardo Tasso war überzeugt, dass seine Frau, die in der Nacht vor ihrem Tod unter plötzlichem Unwohlsein gelitten haben soll, von ihren Brüdern vergiftet worden sei, da diese auf eine Rückzahlung der Mitgift spekulierten.[1] Zu einem Rechtsstreit kam es jedoch erst, nachdem sich Cornelia Tasso im selben Jahr gegen den Willen ihres Vaters verheiratete und ihr Anspruch auf eine Mitgift aus dem mütterlichen Vermögen geprüft werden sollte.[1] Im Rahmen des Verfahrens wurde nun auch Torquato Tasso, wie zuvor schon sein Vater, zum Rebellen erklärt und der Besitz der verstorbenen Porzia Tasso zwischen ihren fünf Brüdern, ihrer Tochter Cornelia und der Regierung aufgeteilt. Aus dieser Zeit ist ein Brief des zwölfjährigen Torquato Tasso an die gleichnamige Nichte von Vittoria Colonna erhalten, in dem er sie als Ehefrau des einflussreichen García de Toledo Osorio um finanzielle Unterstützung bittet.[2]

Im September 1556 wurde Torquato Tasso in Begleitung von Don Angeluzzo[1] und Cristoforo Tasso (einem Cousin zweiten Grades, der zum Studium nach Rom gekommen war) zu Cristoforos Familie nach Bergamo geschickt.[2] Acht Monate später wurde Torquato von seinem Vater nach Pesaro gerufen, wo dieser zunächst als Gast und später als Bediensteter von Guidobaldo II. della Rovere lebte.[2]

Leben am Hof von UrbinoBearbeiten

Am Hof von Urbino wurde der junge Torquato Tasso zum Studiengefährten von Francesco Maria II. della Rovere, des Erben des Herzogs von Urbino, und wurde unter anderem von dem italienischen Schriftsteller Girolamo Muzio unterrichtet.[2] In den höfischen Kreisen wurden die ästhetischen und literarischen Studien gepflegt, die zu dieser Zeit in Mode waren. Bernardo Tasso las Gesänge seines Amadigi vor der Herzogin und ihren Damen oder diskutierte die Leistungen von Homer, Vergil und Ariost mit den Bibliothekaren und Sekretären des Herzogs. So wuchs Torquato in einer Atmosphäre von gebildetem Luxus und einem etwas pedantischen Kritizismus auf. Beides hatte einen großen Einfluss auf die Bildung seines Charakters.

Im Frühling 1559 unternahm Torquato Tasso mit seinem Vater eine Reise nach Venedig, wo er unter anderem Sperone Speroni, Girolamo Ruscelli und Francesco Patrizi da Cherso kennenlernte.[2] Die Eroberungen der Türken in Ungarn und ihre häufigen Angriffe an der italienischen Küste weckten in den Köpfen den Gedanken an einen neuen Kreuzzug. Torquato, der in der Abtei Cava de’ Tirreni das Grab von Papst Urban III. gesehen hatte und dem bei dieser Gelegenheit die Geschichte des Ersten Kreuzzuges erzählt worden sein soll, begann über ein Gedicht zu diesem Thema nachzudenken. Es ist jedoch nicht sicher, ob das erhaltene Fragment nicht zeitlich näher zum Rinaldo entstand. Das Bruchstück enthält den Stoff der ersten drei Gesänge des späteren Gerusalemme. Als Torquato merkte, dass das Werk sehr umfangreich und schwierig werden würde, und es ihn danach drängte, berühmt zu werden, legte er es beiseite und begann, an einem einfacheren zu arbeiten, aus dem später der Rinaldo werden sollte.

StudienjahreBearbeiten

Im Jahr 1560 begann Torquato Tasso in Padua mit dem Studium der Rechtswissenschaften, besuchte aber im Jahr darauf nur noch Vorlesungen in Philosophie und Sprachfertigkeit bei Francesco Piccolomini (1520–1604) und Carlo Sigonio.[2] In jenen Jahren gehörte Tasso auch einem privaten Kreis von Gelehrten rund um Sperone Speroni an.[3] Torquato betrieb seine Studien allerdings nicht unbedingt ausdauernd, bis ihm sein Vater nach einem Jahr erlaubte, sich für Philosophie und Rhetorik einzuschreiben. Von seinen Freunden ermutigt, arbeitete Tasso weiter an seinem Rinaldo.

Im Sommer 1562 wurde das erzählende Gedicht mit einer Widmung an Luigi d’Este, den damaligen Dienstherrn von Bernardo Tasso, veröffentlicht.[3] Das Gedicht beeindruckte wenig durch seine Handlung, den Stil und die Bearbeitung, aber durch seine Originalität, so dass sein Autor als der vielversprechendste Poet seiner Zeit gehandelt wurde, obwohl er noch nicht einmal 18 Jahre alt war. Der geschmeichelte Bernardo erlaubte den Druck des Epos.

Im November 1562 begann Tasso ein Studium in Bologna,[3] wo er oft private Literatur-Akademien besuchte. Den Sommer verbrachte er bei seinem Vater in Mantua, wo dieser als Sekretär von Guglielmo Gonzaga arbeitete.[3] Zu Beginn des Jahres 1564 gingen Torquato Tasso aus unbekannten Gründen die finanziellen Mittel aus, die er zur Fortsetzung seines Studiums benötigte.[3] Ungefähr zeitgleich wurde er beschuldigt, sich als Pasquillant zu betätigen, was zur Beschlagnahmung all seiner Papiere und letztlich zu einem Gerichtsprozess führte, von dem die Akten erhalten geblieben sind.[3] Tasso floh nach Modena zu Tommaso Rangone, einem alten Förderer seines Vaters.[3] Von dort aus schrieb er einen Brief an den Päpstlichen Legaten in Bologna, in dem er zwar zugibt, die Schmähschriften rezitiert zu haben, sich aber nicht über deren Verfasser äußert.[3] Im März 1564 kehrte Tasso auf Einladung des Prinzen Scipio Gonzaga nach Padua zurück.[3] Er wurde unter dem Namen Pentito Mitglied der von Gonzaga gegründeten Academia degli Eterei und nahm an der Universität seine unterbrochenen Studien wieder auf.[3] Ob Tasso seine Studien jemals abschloss, ist nicht bekannt.[3] Während seines Aufenthaltes in Padua verfasste er seine ersten lyrischen Stücke. Einige waren von Tassos erster Liebe zu Lucrezia Bendidio inspiriert, einer jungen Dame aus einer vornehmen ferraresischen Familie. Die anderen schrieb er für Laura Peperara, in die er sich während seiner Ferien in Mantua verliebt hatte.

FerraraBearbeiten

Nach Beendigung seines Studiums im Sommer 1565 begab sich Tasso nach Ferrara, um als Hofdichter in die Dienste des Kardinals Luigi d’Este zu treten.[4] Dort lernte er unter anderem Giovan Battista Nicolucci und Giovanni Battista Guarini kennen.[5] Am Hof hatte er auch die Gelegenheit, weiter am Gerusalemme zu arbeiten und stellte im Laufe des Jahres 1566 die ersten sechs Canti des Gottifredo fertig.

Am 5. September 1569 starb Bernardo Tasso im Beisein seines Sohnes in Ostiglia.[5] Im Oktober 1570 reiste Tasso zusammen mit anderen Höflingen nach Paris, wo sie finanzielle Angelegenheiten des Kardinals klären sollten und im Kloster Chaalis wohnten.[5] Der Kardinal selbst kam erst im Februar 1571 an, um an den Hochzeitsfestlichkeiten für Karl IX. teilzunehmen.[5]

Seine sehr offene Art zu sprechen und sein gewohnheitsmäßiger Mangel an Takt führten zu Streitigkeiten mit dem Kardinal. Es ist möglich, dass es einen kleinen Zwischenfall mit König Karl IX. gab, dessen Toleranz gegenüber den Hugenotten Tasso kritisierte. Deshalb verließ er Frankreich am 19. März schnellstmöglich. In seinem Dialog Cattaneo (1585) erwähnt Tasso, dass er während seines Aufenthaltes in Frankreich den Dichter Ronsard kennen lernte.

Am 15. April 1571 kehrte er für ein paar Tage nach Ferrara zurück, dann reiste er nach Rom, von dort nach Pesaro und Urbino, wo er Lucrezia d’Este traf, die im Jahr zuvor den Prinzen Francesco Maria II. della Rovere geheiratet hatte. Mit ihr kehrte er im September nach Ferrara zurück. Ab Januar des Jahres 1572 nahm er Dienst unter Herzog Alfonso II., dem Bruder von Kardinal Luigi d’Este, zuerst ohne fest definierte Tätigkeit, ab 1576 offiziell als Historiker des Hofes,[6] und erlangte unter diesem zunehmend Bekanntheit.[4]

Im Januar 1573 folgte Tasso dem Herzog zu den Festlichkeiten für Papst Gregor XIII. nach Rom und komponierte in wenigen Monaten die Aminta, ein Pastoraldrama, das er vermutlich im Frühling oder Sommer vor dem Hof von Ferrara präsentierte.[5] Im Jahr darauf wurde Tasso zum Professor für Geometrie in Ferrara ernannt.[7] Zur Karnevalszeit reiste Tasso nach Pesaro, wo er aus der Aminta vorlas und gemeinsam mit Jacopo Mazzoni an literarischen Disputen teilnahm.[7] Im Juli begleitete Tasso den Herzog nach Venedig, um bei der Durchreise von Heinrich III. anwesend zu sein, der aus Polen zurückkehrte, um die Krone Frankreichs in Besitz zu nehmen.[7]

La Gerusalemme LiberataBearbeiten

Tasso arbeitete weiter an seinem Hauptwerk La Gerusalemme Liberata, das er im April 1574, nachdem er sich über 15 Jahre damit beschäftigt hatte, vollendete. Er las es im folgenden Sommer dem Herzog und den Prinzessinnen vor. Die angenehmste Zeit seines Lebens war vorüber, seine größten Werke waren bereits geschrieben, als er sich mit unvermuteten Problemen konfrontiert sah. Anstatt das Werk sofort zu veröffentlichen, fühlte er sich verunsichert. Er sandte Manuskripte des Gerusalemme verschiedenen Größen seiner Zeit zu – Schriftstellern, Theologen, Philosophen –, um deren Meinungen einzuholen. Tasso bat sie, ihre Kritik zu äußern, und wollte ihre Vorschläge, soweit sie sich mit seinen Vorstellungen deckten, aufnehmen. Als er am 17. Februar 1575 die ersten vier Canti des Gerusalemme an Scipio Gonzaga schickte, rief dieser eine Art Komitee aus Gelehrten zusammen, die den Entwurf lektorieren sollten.[7] Neben Gonzaga umfasste die Gruppe die Humanisten Pietro Angelio da Barga (auch: Pietro degli Angeli), Flaminio de’ Nobili, Sperone Speroni und Silvio Antoniano.[7] Die Ergebnisse wurden Tasso postalisch übermittelt, der gegen Ende des Jahres 1575 schließlich selbst nach Rom kam.[7]

Zwar wurde das Gerusalemme im Allgemeinen gelobt, sollte aber in Einzelheiten geändert werden. Kritik gab es an der Handlung, am Titel, an einzelnen Episoden, an der Wortwahl sowie am moralischen Grundton.[7] Ein Freund merkte an, die Inquisition würde die übernatürlichen Teile nicht tolerieren, ein weiterer wünschte den Ausbau der magischsten Passagen – der Liebesgeschichten von Armida, Clorinda und Erminia. Einige meinten, die von Tasso gewählte epische Form passe nicht zum emotionalen Gehalt des Gedichtes und rieten zu einer Überarbeitung. Tassos Antwortbriefe wurden ohne dessen Zustimmung als Teil der 1587 erschienenen Lettere poetiche veröffentlicht und lassen eine große Furcht Tassos vor der Inquisition erkennen.[7] Es wird jedoch vermutet, dass Tasso diese Angst im Hinblick auf eine mögliche Veröffentlichung seiner Briefe übertrieb und zu einem Topos ausgestaltete.[7]

Im Juni 1575 hielt sich Tasso eine Zeit lang in Bologna auf. Dass er dort den örtlichen Inquisitor traf, weil er sich selbst der Häresie bezichtigte, gilt jedoch mittlerweile als unwahrscheinlich.[6] Sicher ist jedenfalls, dass Tasso im März von Alfonso II. als Historiograph und Nachfolger von Giovan Battista Pigna wieder nach Ferrara berufen wurde.[6]

Aus Tassos Briefwechsel in jener Zeit geht hervor, dass sich der Schriftsteller unter den anderen Höflingen zunehmend unwohl fühlte. Tasso beschwert sich unter anderem, dass man die an ihn adressierten Briefe unterschlage und heimlich seine Papiere durchwühle.[6] Mit Misstrauen und gelegentlichen Verdächtigungen konfrontiert Tasso auch den Dichter Orazio Ariosto, mit dem er in regelmäßigem Briefkontakt stand, den manche auf ein homosexuelles Verhältnis der beiden zurückführen.[6]

Tasso, von seinen Studien, dem anstrengenden Leben am Hofe und seiner Arbeit als Literat bereits stark gefordert, verkraftete die zusätzliche Anstrengung nicht und seine Gesundheit begann zu leiden. Er klagte über Kopfschmerzen, litt an malaria-ähnlichen Fieberschauern und wollte Ferrara verlassen. So begann er Verhandlungen mit dem Hof von Florenz zu führen, was den Herzog von Ferrara verärgerte, der nichts so sehr hasste, wie wenn ihn ein Höfling wegen eines rivalisierenden Herzogs verließ. Er argwöhnte, wenn er Tasso gehen ließe, würde das Gerusalemme Tassos neuen Herren, den Medici, gewidmet werden. Deshalb entschied er, Tasso die Erlaubnis, den Hof zu verlassen, zu verweigern.

Beginnender NiedergangBearbeiten

Im April 1576 besuchte Tasso die Stadt Modena, um dort den Osterfeierlichkeiten beizuwohnen. Als er im Mai zurück nach Ferrara kam, wurde er schwer krank. In den Jahren 1575 bis 1577 verschlechterte sich seine Gesundheit zusehends. Er litt an tiefer Niedergeschlagenheit und plötzlicher Melancholie. Von den Höflingen wurde er aufgrund seines Erfolgs am Hofe angefeindet. Sein leicht erregbares und argwöhnisches Temperament, Kränkungen gegenüber sehr empfindlich, förderte die Feindseligkeiten. Tasso wurde zum Opfer von Wahnvorstellungen, dachte, dass seine Diener sein Vertrauen missbrauchten, fürchtete, an die Inquisition verraten worden zu sein und erwartete täglich, vergiftet zu werden. Mit der Zeit entwickelte er eine Art Verfolgungswahn. Wahrscheinlich litt Tasso ab dem Jahr 1575 an einer Geisteskrankheit, die ihn, ohne ihn körperlich zu beeinträchtigen, aufgrund seines schwer tolerierbaren Verhaltens zum Problem für seine Gönner werden ließ. Heute geht man davon aus, dass es sich bei dieser Krankheit um eine Schizophrenie handelte.

Im September 1575 löste Tasso eine Schlägerei mit Ercole Fucci und dessen Bruder Maddalo (beide Mitglieder des Hofes) aus, indem er auf eine „freche und unverschämte Lüge“ mit einer Ohrfeige antwortete.[6] Der Geschlagene setzte sich mit einem Stock zur Wehr und der Bürgermeister von Ferrara teilte die Begebenheit schließlich dem Herzog mit. Letzterer behielt Tasso jedoch trotzdem an seinem Hof.

Die Weihnachtsfeiertage verbrachte Tasso als Gast von Ferrante Tassoni in Modena, wo er die Bekanntschaft der schönen und berühmten Dichterin Tarquinia Molza machte, die er später in seinem Dialog De l’amore (1585) auftreten ließ.[6] Auch der Discorso sopra la gelosia (gedruckt im Jahr 1585) könnte von Tassos Aufenthalt in Modena inspiriert sein.[6]

Ende Februar 1577 reiste Tasso zusammen mit dem Hofstaat von Ferrara nach Comacchio, wo er mit einer selbst verfassten Komödie, deren Prolog er persönlich vortrug, seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte.[6] Tasso klagte zunehmend über Belästigungen und Diebstähle vonseiten der Dienerschaft, weshalb er sich schließlich von Guidobaldo del Monte einen zuverlässigen Diener empfehlen ließ.[6] Viele Zeitgenossen hielten Tassos Argwohn für unberechtigt und es kam das Gerücht auf, Tasso sei geisteskrank.[6] Von frühen Tasso-Biographen wie Pierantonio Serassi (1721–1791) wurde diese Annahme zugunsten der These zurückgewiesen, dass Tasso einer höfischen Verschwörung zum Opfer gefallen sei.[6] Als Gegenposition gilt jene des Literaturwissenschaftlers Angelo Solerti (1865–1907), demzufolge Tasso unter akutem Verfolgungswahn gelitten haben soll.[6]

 
Tasso im Jahre 1577

Im Gegensatz zu der Frage, ob Tasso tatsächlich an einer Geisteskrankheit litt, gilt es als Tatsache, dass er zur Heilung derselben verschiedenen Behandlungen unterzogen wurde.[6] Auf eigene Anfrage ließ sich Tasso am 7. Juni 1577 durch den Inquisitor von Ferrara auf seine Rechtgläubigkeit prüfen, wo er allerdings nur einen Kollegen denunzierte.[6] Religiöser Eifer war in Ferrara, wo calvinistische Gedanken verbreitet waren, gefährlich. Die Absolution, die ihm der Inquisitor erteilte, beruhigte Tasso nicht. Er glaubte, man lasse ihn nur aus Mitleid in seinem Irrglauben verharren.

Am 18. Juni wurde Tasso eingesperrt, da er während eines Gesprächs mit Lucrezia d’Este einen ebenfalls anwesenden Diener mit einem Messer bedroht hatte.[6] Die Strafe dauerte jedoch nicht lange, bereits im Juli durfte Tasso den Herzog auf sein Lustschlösschen Belriguardo begleiten.[6] Was dort passierte, ist unbekannt. Einige Biographen behaupten, dass eine kompromittierende Liaison mit Leonora d’Este ans Licht gekommen sei und Tasso sich wahnsinnig stellte, um ihre Ehre zu schützen. Sicher ist nur, dass Tasso von Belriguardo nicht an den Hof von Ferrara zurückkehrte, sondern ins dortige Franziskanerkloster.[6] Dort blieb er einige Zeit, ständig in der Angst, durch die ihm verabreichten Medikamente vergiftet zu werden. Er glaubte, beim Herzog in Ungnade gefallen zu sein; der Gedanke, dass der Fürst ihn ermorden lassen wolle, ließ Tasso nicht mehr los.

Es gibt keine Beweise, dass sein Verhalten einer übermäßigen Leidenschaft zu Leonore d’Este entsprang. Der Herzog zeigte, entgegen seinem Tyrannenimage, eine beachtliche Nachsichtigkeit. Er war unbeugsam und wenig verständnisvoll, so geltungsbedürftig, wie es von einem Mann seines Ranges zu dieser Zeit zu erwarten war. Tasso gegenüber trat er weniger grausam auf, mit Sicherheit war er nicht das Ungeheuer, das später aus ihm gemacht wurde. Der weitere Verlauf der Beziehungen bestätigt das.

Nach seinem Aufenthalt im Kloster San Francesco kehrte Tasso wieder an den Hof von Ferrara zurück, von wo er in der Nacht vom 25. Juli 1577 nach Bologna floh.[8] Er verkleidete sich als Bauer und ging zu Fuß zu seiner Schwester in Sorrent. Tasso erschien vor ihr in der Verkleidung eines Schäfers, wie im Brief vom 14. November 1578 beschrieben, und berichtete ihr vom angeblichen Tod Tassos, wie Giovanni Battista Manso erzählt, um herauszufinden, welchen Effekt der Umstand auf sie haben würde.[9] Nachdem er seine Verkleidung gelüftet hatte, wurde er mit Freude von ihr aufgenommen. Ende Januar 1578 verspürte Tasso den Wunsch, seine Gedichte zu vollenden, und begab sich dafür nach Rom. Unterkunft fand er zunächst bei Kardinal Luigi d’Este, wenig später bei Giulio Masetti, dem Botschafter von Ferrara.

UnbeständigkeitBearbeiten

In Rom sehnte sich der des höfischen Lebens überdrüssige Tasso nach dem familiären Umfeld von Ferrara. Er schrieb einen bescheidenen Brief mit der Bitte, nach Ferrara zurückkehren zu dürfen. Alfonso gewährte das unter der Bedingung, dass Tasso sich einer medizinischen Behandlung seiner Melancholie unterzog. Bei seiner Rückkehr Mitte April 1578 wurde Tasso von der herzoglichen Familie wieder aufgenommen. Wären seine alten Krankheiten nicht wieder aufgelebt, hätte das Leben in Ferrara sicher wieder seinen alten Glanz angenommen. Allerdings gab es immer wieder Momente, in denen er zu Reizbarkeit, Launenhaftigkeit, Argwohn, verletzter Eitelkeit und gewalttätigen Ausbrüchen neigte.

In den ersten Julitagen flüchtete Tasso erneut, reiste durch Mantua, wo er verkaufte, was er besaß, und durch Padua, Venedig und Pesaro, wo er von Herzog Francesco Maria, dem Gefährten seiner Kindheit, aufs Neue empfangen wurde. Im September verließ er das Herzogtum heimlich und ging ins Piemont. Er erreichte zu Fuß die Tore von Turin, wo er, da er keine Bestätigung über seine Gesundheit (in Zeiten der Pest unumgänglich) besaß, von den Wachen nicht eingelassen wurde. Angelo Ingegneri, ein venezianischer Gelehrter, den Tasso in Ferrara kennen gelernt hatte, sorgte dafür, dass Tasso dennoch eingelassen wurde. Prinz Karl Emanuel I. bot ihm an, in seine Dienste zu treten, desgleichen der Erzbischof Kardinal Giulio della Rovere und der Marquis Philippe d’Este, Schwiegersohn des Herzogs Emmanuel-Philibert von Savoyen.

Wohin er auch ging, wurde er aufgrund seines Namens und seines dichterischen Talentes zuvorkommend aufgenommen. Aber schon bald (im November) wurde Tasso der Gesellschaft überdrüssig. Immer noch zog es ihn nach Ferrara. Also führte er wieder Verhandlungen mit dem Fürsten und im Februar 1579 wurde der Dichter ein weiteres Mal im Schloss aufgenommen. Alfonso war zu dieser Zeit im Begriff, seine dritte Heirat auszurichten, die Heirat mit Prinzessin Margarita von Mantua. Er hatte aus seinen beiden ersten Ehen keine Kinder, und sofern es keinen Erben gab, bestand die Möglichkeit, dass sein Rang dem Heiligen Stuhl zufiel (wie es später tatsächlich geschah). Die Hochzeitsfeierlichkeiten, während derer Tasso den Hof erreichte, boten dem alternden Bräutigam keine Gelegenheit zu großer Freude über die Rückkehr seines Schützlings. Alfonso war über die Notwendigkeit einer dritten Heirat nicht erfreut und seine Erwartungen, die Zukunft seiner Ehe betreffend, waren nicht sehr hoffnungsvoll. Tasso, zu sehr mit seinen eigenen Sorgen und Gefühlen beschäftigt, konnte für die Probleme seines Herren nicht die notwendige Beachtung aufbringen. Dennoch erbat er eine Audienz beim Herzog, die ihm allerdings abgeschlagen wurde. Er fühlte sich unter seinem Rang behandelt. Auch die Prinzessinnen wollten Tasso nicht sehen. Am Abend des 11. März verbreitete er gemeinsam mit Cornelio Bentivoglio, dem Hauptmann des Herzogs, Beschimpfungen gegen die Zustände am Hof. Als Tasso dem Hof wenig später vorgeführt wurde, wurde er Opfer einer heftigen Wahnattacke, so dass er ergriffen und ins Irrenhaus von St. Anna geschickt wurde, wo er – mehr als sieben Jahre lang – bis zum Juli 1586 verblieb. Nach langem Hoffen glaubte Herzog Alfonso, Tasso sei mit Gewissheit verrückt und St. Anna sei der sicherste Platz für ihn.

Leonora d’EsteBearbeiten

 
Eleonora d’Este

Ein Rätsel in Tassos Leben ist, warum es ihn immer wieder zum Hof von Ferrara zurückzog. Eine mögliche Ursache wäre eine unerfüllte Liebe zu Leonora d’Este. Allerdings gibt es für eine solche Liebschaft, wie bereits angeführt, keinen Beweis. Die Beziehung Tassos zu Leonora war nicht intimer oder leidenschaftlicher als die zu ihrer Schwester Lucrezia. Die Gedichte, die er einigen anderen Damen gewidmet hatte, waren nicht weniger respektvoll oder weniger leidenschaftlich als die, die er Leonora widmete. Hätte Tasso die Ehre Leonoras verletzt, so hätte der Herzog ihn sicher töten lassen. Die Gesellschaft propagierte Vergeltungsmaßnahmen im Falle einer Verletzung der Ehre einer Dame ihres Ranges. Auf alle Fälle hat sich Tasso Eleonora gegenüber nicht wie ein treuer Liebhaber verhalten; besonders als er 1578 und 1579 nach Ferrara zurückkehrte, zeigte er keinerlei übermäßige Bemühungen, den vertrauten Umgang mit Eleonora d’Este zurückzugewinnen. Wenn also Tasso tatsächlich sein ganzes Leben lang eine geheime Beziehung zu Leonora gehabt haben sollte, so ist dies im undurchdringlichen Nebel der Zeit verborgen.

In GefangenschaftBearbeiten

Tasso war mehr als sieben Jahre gefangen. Allerdings erhielt er nach den ersten Monaten seiner Einkerkerung geräumige Zimmer, durfte seine Mahlzeiten am Hofe des Herzogs einnehmen, bekam Besuche von seinen Freunden (unter anderem wurde er 1581 von Michel de Montaigne besucht), ihm wurden unter Begleitung von für ihn verantwortlichen Aufsichtspersonen seines Bekanntenkreises Ausflüge gestattet und er durfte freien Briefwechsel führen. Die Briefe, die er von St. Anna an die Prinzen Italiens, ihm gewogene Gönner und an Männer höchsten Rufes in Kunst und Kultur schrieb, bilden die wertvollste Informationsquelle, was seine Gesundheit und seinen geistigen Zustand angeht. Er sprach immer respektvoll, fast liebevoll von Herzog Alfonso. Kritiker behaupteten, Tasso küsse die Hand, die ihn züchtige, in der Hoffnung, er möge aus dem Gefängnis befreit werden; aber diese Meinung ist umstritten. Aus den Briefen geht hervor, dass er glaubte, unter einer ernsthaften Geisteskrankheit zu leiden. Er musste auch weiterhin überwacht werden, da er von Zeit zu Zeit unter gefährlichen Anfällen litt. Das neben langen Perioden, in denen er davon verschont blieb.

Tasso war in der Zeit seiner Gefangenschaft sehr produktiv. Er verfasste eine Vielzahl von Dialogen zu philosophischen und ethischen Themen. Abgesehen von einigen Oden und Sonetten, zum Teil Auftragswerken und nur bezüglich der Rhetorik von Interesse, schrieb er Gedichte. Alles, was er in dieser Zeit schrieb, wurde von denjenigen aufbewahrt, die, während sie ihn offenkundig für einen Verrückten hielten, dennoch großes Interesse an seinen Werken hatten.

1580 hörte Tasso, dass Teile seines Gerusalemme ohne seine Erlaubnis und ohne seine Korrekturen veröffentlicht worden waren: Celio Malaspina veröffentlichte in Venedig 14 Gesänge des Gerusalemme. Angelo Ingegneri, der ein vollständiges Manuskript besaß, gab im Jahr darauf eine Edition in Parma und eine weitere in Casalmaggiore heraus. In den folgenden sechs Monaten gab die Presse sieben verschiedene Editionen heraus. Der immer noch im Irrenhaus von St. Anna gefangene Tasso hatte keinerlei Einfluss auf seine Herausgeber und verdiente keinen Pfennig an seinem Meisterwerk, das ihn künstlerisch auf das Niveau von Petrarca und Ariost stellte. Ein konkurrierender Poet des Hofes von Ferrara, Giovanni Battista Guarini, übernahm es 1582, Tassos Verse zu überprüfen und herauszugeben, der aus seiner Zelle heraus zulassen musste, dass seine Oden und Sonette, persönlichen Gedichte und gelegentliche Grußworte gesammelt und berichtigt wurden, ohne dass er in Zweifelsfällen seinen Einfluss geltend machen konnte.

Einige Jahre später, 1585, erklärten zwei Florentiner Angehörige der Accademia della Crusca dem Gerusalemme den Krieg. Tasso sah sich verpflichtet, den Kritikern zu antworten und tat dies mit einer solchen Mäßigung und Kultiviertheit, dass es schien, als wäre er nicht nur ein herausragender Ehrenmann, sondern auch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte.

Tasso benahm sich in der Gefangenschaft angeblich pathetisch und gereizt, aber nie unedel. Er zeigte seinem Schaffen gegenüber Gleichgültigkeit und Großmut im Umgang mit seinen Kritikern. Merkwürdig scheint, dass er stets versuchte, seine zwei Neffen, die Söhne seiner Schwester Cornelia, am Hofe unterzubringen. Den einen schickte er dem Herzog von Mantua, Guglielmo I. von Gonzaga, den anderen dem Herzog von Parma, Ottavio Farnese.

Wiedergewonnene FreiheitBearbeiten

Der Prinz von Mantua, Vincenzo Gonzaga, kam häufig nach Ferrara, um dort seine Schwester, die neue Herzogin, zu sehen. Dabei besuchte er auch Tasso in seinem Gefängnis. Im Juli 1586 schlug er dem Herzog, mit dem Versprechen, ihn auf dessen Wunsch unverzüglich nach Ferrara zurückzubringen, vor, Tasso mit sich zu nehmen. Alfonso war einverstanden und am 13. Juli durfte der Poet sein Gefängnis verlassen, um sich nach Mantua zu begeben. Er lebte eine Weile in Freiheit im höfischen Trubel, beschäftigte sich mit seinen Gedichten und beendete eine bereits angefangene Tragödie unter dem Titel Galeatto, König von Norwegen, die er später in König Torrismondo umbenannte. 1587 begab er sich nach Bergamo, wo er Verwandte hatte und genoss die freudige Begrüßung in seiner Vaterstadt. Aber schon nach wenigen Monaten wurde er wieder unzufrieden. Vincenzo Gonzaga, der seinen Vater als Herzog von Mantua ersetzte, hatte wenig Muße, sich um den Dichter zu kümmern. Tasso fühlte sich vernachlässigt. Im Oktober des Jahres 1587 flüchtete er nach Modena, reiste dann durch Bologna und Loreto nach Rom, wo er bei seinem alten Freund Scipione Gonzaga, der nun der Patriarch von Jerusalem war, am 3. November Quartier nahm. Im Jahr darauf wanderte er, in der Hoffnung, seine Schwester wiederzusehen, nach Neapel und schrieb, nachdem sich herausgestellt hatte, dass seine Schwester gestorben war, dort im März ein schwermütiges Gedicht über den Monte Oliveto. Er lebte als Gast verschiedener vornehmer Herren. Besonders hervorzuheben ist Manso, der sein erster Biograph wurde.

Am 25. November 1589 kehrte Tasso nach Rom zurück, wo er wieder bei Scipione Gonzaga einkehrte, der inzwischen zum Kardinal ernannt worden war. In Rom lebte Tasso im Palais in der Via della Scrofa, das heute den Namen Palais Negroni-Galitzin trägt.

Aufgrund seines exzentrischen Verhaltens wurde er bald vor die Tür gesetzt. Tasso wurde krank und kam bis zum November bei den Mönchen des Klosters auf dem Monte Oliveto unter. In dieser Zeit verschlimmerte sich sein Geisteszustand zusehends. Deswegen begab er sich einen Monat später in ein Krankenhaus in Bergamo. Als er es 1590 wieder verließ, nahm ihn der Patriarch erneut auf. Aber Tassos rastloser Geist trieb ihn am 15. April nach Florenz, wo er von Großherzog Ferdinand I. fürstlich empfangen wurde. Im September reiste er wieder nach Rom.

Auch Vincenzo Gonzaga hatte ihn eingeladen, an seinen Hof zu kommen. Nach längeren Verhandlungen akzeptierte Tasso und erreichte Mantua am 17. März 1591. Während der ganzen Zeit sah er weiter seine Manuskripte durch und schmiedete neue Verse. Im August wurde der Dichter schwer krank; im November begleitete er den Herzog nach Rom, um Innozenz IX., den neuen Papst, zu begrüßen.

Im Januar 1592 wurde er von Matteo di Capua, dem Prinzen von Conca, eingeladen, nach Neapel zu kommen, wo er ein neues Gedicht, Il Mondo creato, begann, das erst 1607 posthum veröffentlicht wurde. Im April, als Tasso nach Rom zurückkehrte, musste er sich einige Tage nach Mola de Gaëta begeben, weil der berühmte Bandit Marco de Sciama sich in der Gegend befand. In Rom lebte er bis Juni bei Vincenzo Gonzaga, darauf bei Cinzio und Pietro Aldobrandini, dem Neffen von Papst Clemens VIII, der 1592 den Heiligen Stuhl bestiegen hatte. Beiden widmete er 1593 das Gerusalemme conquistata, eine überarbeitete Version des Gerusalemme liberata. In dieser Überarbeitung berücksichtigte Tasso viele Ratschläge seiner Dichterkollegen, die er zuvor außer Acht gelassen hatte.[7] Alles, was das Epos der früheren Jahre ansprechend gestaltet hatte, wurde von ihm rigoros ausgemerzt. Im selben Jahr erschien ein Prosastück in italienischen Blankversen, Le Sette Giornate, eine düstere Beschreibung des ersten Kapitels der Genesis, das nicht erhalten ist.

Päpstliche Würdigung und TodBearbeiten

Tassos Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends und seine Fertigkeiten stagnierten. Im Juni 1594 fand er Asyl bei den Mönchen von San Severino. Im November rief ihn der Papst nach Rom, um ihn mit der Krone des Poeten, mit der zuvor schon Petrarca geehrt worden war, auf dem Kapitol zu krönen. Tasso erreichte Rom schwerkrank. Zudem verschob sich die Krönungszeremonie, da auch Kardinal Aldobrandini erkrankt war. Man bereitete ihm angenehme Tage, der Papst sorgte dafür, dass Prinz Avellino, der Tassos ererbte Lehensgüter besaß, eine jährliche Rente an Tasso zahlte, dennoch verschlimmerte sich sein Leiden.

Anfang April 1595 begab Tasso sich in das Kloster Sant’ Onofrio, um dort genesen zu können. Angeblich sagte er, als er aus seiner Kutsche stieg, zum Prior des Klosters, dass er gekommen sei, um hier zu sterben. Der Papst sandte ihm seinen Leibarzt Cesalpino. Am 25. April 1595, einen Tag vor der geplanten Dichterkrönung, starb Torquato Tasso in Sant’Onofrio. Der Papst sorgte dafür, dass Tasso ein feierliches Begräbnis bekam. Auf eigenen Wunsch wurde er auf dem Gelände des Klosters begraben. Später wurden, wie die lateinische Inschrift am Boden besagt, seine Gebeine aus dem ursprünglichen Grab in das Denkmal aus dem 19. Jahrhundert in der letzten Seitenkapelle links verbracht.

WerkeBearbeiten

  • Torquato Tasso: Gerusalemme liberata. Herausgegeben von Lanfranco Caretti, Einaudi, Turin 1993.
    • Deutsche Übersetzungen der Gerusalemme liberata (Auswahl):
      • Gottfried von Bulljon von Diederich von dem Werder, hrsg. Gerhard Dünnhaupt, Tübingen 1974 (Nachdruck der Ausgabe von 1626).
      • Versuch einer poetischen Uebersetzung des Tassoischen Heldengedichts genannt: Gottfried, oder das Befreyte Jerusalem von Johann Friedrich Koppe. Leipzig 1744, Online.
      • Befreytes Jerusalem, 2 Bände, übersetzt von August Wilhelm Hauswald, Görlitz 1802, Erster Band, Zweyter Band.
      • J. D. Gries: Torquato Tasso’s Befreites Jerusalem, 4 Teile, Jena 1800–1803, umgearbeitete Fassung 1810; in Stanzen (wie das Original) übertragen; Text auf https://www.projekt-gutenberg.org/tasso/jerusalm/index.html
      • W. Heinse: Das befreyte Jerusalem, 4 Bde., 1781; Prosaübersetzung
      • E. Staiger: Tasso, Torquato: Werke und Briefe. Übersetzt und eingeleitet von Emil Staiger, München 1978 in Winkler Dünndruck-Bibliothek der Weltliteratur; darin in Blankversen übertragen ‚Die Befreiung Jerusalems‘ (man beachte: Staiger wählt dem Inhalt des Epos gemäß den Titel ‚Die Befreiung Jerusalems‘ und nicht wie üblich ‚Das befreite Jerusalem‘.)
  • Das Schäferspiel Aminta (1573) gilt als die schönste Pastoraldichtung in italienischer Sprache. Pastoraldrama, einfacher Handlungsverlauf, besticht durch lyrischen Charme.
  • Das Ritterepos Rinaldo (1562).
  • Kleine Prosawerke.
  • Torquato Tasso hinterließ rund 1700 Briefe.

In der Dichtung u. a. behandelt von Goethe: Torquato Tasso 1790, Lord Byron 1819, Ernst Raupach 1833, Paolo Giacometti 1855.

Standbilder und DenkmaleBearbeiten

  • Tasso-Eiche in Rom an der Rampa della Quercia südlich des Klosters Sant’Onofrio al Gianicolo: der schwarzverwitterte und von einem Metallgerüst gestützter Torso einer uralten Eiche, deren Schatten der Dichter aufzusuchen pflegte.
  • Standbild des Dichters auf der Piazza T. Tasso in seiner Geburtsstadt Sorrent.
  • Marmorherme von Gustav Blaeser im Dichterhain vor der Westseite des Schlosses Charlottenhof, genannt „Siam“, im Park von Sanssouci/Potsdam.
  • Standbild des Dichters auf der Piazza Vecchia in Bergamo, vor dem Palazzo della Ragione.

LiteraturBearbeiten

  • Claudio Gigante: Tasso, Torquato. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 95: Taranto–Togni. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2019, S. 139–149.
  • Rosanna Morace: Tasso, Bernardo. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 95: Taranto–Togni. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2019, S. 128–132.
  • Achim Aurnhammer (Hrsg.): Torquato Tasso in Deutschland. Seine Wirkung in Literatur, Kunst und Musik seit der Mitte des 18. Jahrhunderts. de Gruyter, Berlin u. a. 1995, ISBN 3-11-014546-4. (Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte, 3 (=237))
  • Winfried Wehle: Torquato Tasso. Sprachritter. Jahresgabe der Frankfurter Stiftung für Deutsch-Italienische Studien, Frankfurt a. M. 1997. PDF
  • Umberto Bosco: Tasso, Torquato. In: Enciclopedie on line. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1937.
  • Achim Aurnhammer: Rezension zu Aminta. Favola boschereccia. Ein Hirtenspiel. Italienisch und deutsch, übers. von János Riesz. Reclams Universalbibliothek, 446. In: Romanische Forschungen, Band 110, H. 1, 1998, S. 157–159 (u. a. ein Vergleich mit der Übers. durch Otto von Taube)

WeblinksBearbeiten

Commons: Torquato Tasso – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Torquato Tasso – Quellen und Volltexte (italienisch)
Wikisource: Torquato Tasso – Quellen und Volltexte

AnmerkungenBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j Rosanna Morace: Tasso, Bernardo. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 95: Taranto–Togni. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2019, S. 128.
  2. a b c d e f g h i j k Claudio Gigante: Tasso, Torquato. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 95: Taranto–Togni. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2019, S. 139.
  3. a b c d e f g h i j k Claudio Gigante: Tasso, Torquato. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 95: Taranto–Togni. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2019, S. 140.
  4. a b Evi Zemanek: Das Gesicht im Gedicht. Studien zum poetischen Porträt. Böhlau, Köln 2010, S. 147.
  5. a b c d e Claudio Gigante: Tasso, Torquato. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 95: Taranto–Togni. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2019, S. 141.
  6. a b c d e f g h i j k l m n o p q r Claudio Gigante: Tasso, Torquato. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 95: Taranto–Togni. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2019, S. 143.
  7. a b c d e f g h i j Claudio Gigante: Tasso, Torquato. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 95: Taranto–Togni. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2019, S. 142.
  8. Claudio Gigante: Tasso, Torquato. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 95: Taranto–Togni. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2019, S. 143–144.
  9. Claudio Gigante: Tasso, Torquato. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 95: Taranto–Togni. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2019, S. 144.
  10. Zu aktuellen Übersetzungen siehe die Rezension unter Literatur: Janos Riesz, Otto von Taube