Sant’Onofrio al Gianicolo

Kirchengebäude in Rom
Sant’Onofrio al Gianicolo
Patrozinium: Heiliger Onophrios
Weihetag:
Kardinalpriester: vakant
Anschrift: Piazza di Sant’Onofrio, 2
00165 Roma

Sant’Onofrio al Gianicolo ist eine Klosterkirche im Rione Trastevere in Rom. Sie ist Titelkirche der römisch-katholischen Kirche. Seit 1945 ist Kirche und Kloster geistlicher Sitz des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Vorhof der Kirche
Rudolf von Alt (?), Blick von Sant’Onofrio auf Rom, 1835

GeschichteBearbeiten

Das Kloster wurde 1419 als Eremitage durch den Mönch Nicola da Forca Palena gegründet, der am Gianicolo ein Grundstück mit Weinberg erworben hatte. Finanziert wurde der Bau durch Spenden unter anderem von Kardinal Giovanni Domenico De Cupis sowie Kardinal Gabriele Condulmer, dem späteren Papst Eugen IV..

Die dem Heiligen Onophrios, einem Anachoreten aus Ägypten im 4. Jahrhundert, geweihte Kirche liegt an der Salita Sant’Onofrio am Fuß des Gianicolo. Das Kloster Sant’Onofrio mit Kreuzgang und die Kirche gelten als die frühesten Bauwerke der Renaissance in Rom.

Mit dem Bau der Kirche wurde 1439 begonnen, die Innenausstattung wurde bis ins 16. Jahrhundert durchgeführt. Papst Sixtus V. ließ 1446 im Zuge seiner städtebaulichen Erschließung Roms die heutige Salita Sant’Onofrio anlegen, die das Kloster mit der Porta Santo Spirito, einem der ältesten Eingangstore zum Vatikan, verbindet. Das Areal wurde den Mönchen der Armen Eremiten des Heiligen Hieronymus anvertraut, die bis zu ihrer Auflösung 1933 das Anwesen verwalteten. Seit 1946 werden Kirche und Klostergebäude zum Orden der franziskanischen Societas Adunationis (Frati Francescani dell’Atonement) bewirtschaftet.

Berühmter Gast des Klosters war der Dichter Torquato Tasso, der das Kloster wegen seiner Krankheit aufgesucht hatte und dort am Tag vor seiner Dichterkrönung am 25. April 1595 verstarb und in der Seitenkapelle des Heiligen Onofrio bestattet wurde. Auf Anordnung des Papstes wurde Tasso in Sant’Onofrio begraben; 1930 gingen die Bestände des Tasso-Museums in den Besitz des Hl. Stuhls über.

Ritterorden vom Heiligen Grab zu JerusalemBearbeiten

Papst Pius XII. setzte am 15. August 1945 fest, dass der Sitz des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem von Jerusalem nach Rom verlegt werden soll, eben nach Sant’Onofrio al Gianicolo. Hier befindet sich auch das Grab von Nicola Kardinal Canali, Großmeister des Ordens von 1949 bis 1960.

Architektur und InnenausstattungBearbeiten

Zum Vorhof, von dem aus man einen spektakulären Blick auf Rom und die Michelangelo-Kuppel des Petersdoms hat, führt eine breite Treppe mit zwei Absätzen. Der Brunnen im baumbestandenen Hof wurde 1924 aus mehreren in den kommunalen Museen gelagerten historischen Fundstücken zusammengesetzt.[1] Flankiert wird der Vorhof auf der einen Seite von einem Portikus mit Säulenarkaden. In drei Lünetten-Fresken ist das Leben des Hl. Onofrio und dem Hl. Hieronymus dargestellt, die Domenichino und Sebastiano Strada zugeschrieben werden. Das folgende Geschoss wird durch schmale rechteckige Fenster, die sich mit quadratischen, schmal profilierten Feldern abwechseln, flachen Lisenen und Friese gegliedert.

Im Portikus zur Rechten des Portals, gegenüber der ehemaligen Wohnung des Kustoden, ist der Eingang zum Kreuzgang des Klosters. In der Lünette über dem Renaissanceportal befindet sich ein Fresko mit einer Madonna mit Kind von Claudio Ridolfi aus dem Jahr 1600.

Der Innenraum im Stil der Renaissance wird geprägt durch gotische Architekturelemente. Die einschiffige Kirche mit einem rechteckigen Raum ist kreuzgewölbt aus Spitzbögen wird abgeschlossen mit einer polygonalen Apsis. Das Kirchenschiff wird von fünf Kapellen an den Seiten begleitet, die geweiht wurde zu Ehren:

  • Heiliger Onofrio
  • Heilige Jungfrau von Loretto
  • Kruzifix
  • Heiliger Pius X.
  • Heiliger Hieronymus

Altarbilder und WandfreskenBearbeiten

Grabmäler, Epitaphe, ErinnerungstafelnBearbeiten

 
Erinnerungstafeln an die Besuche von Goethe und Chateaubriand

Sant’Onofrio ist mit einer Fülle von Grabmälern, Epitaphen, Wappen von Bauherren und unterschiedlichen Erinnerungstafeln ausgestattet. Zwei Tafeln neben der Treppe zum Kloster erinnern an die Bauherren der Salita, Papst Sixtus V. und Papst Clemens VIII., der die Pflasterung der Straße veranlasst hat.

In die hohe Stützmauer im Garten vor der Kirche sind zwei Erinnerungstafeln an die Besuche von Johann Wolfgang von Goethe (1787), Giacomo Leopardi (1822/23) und François-René de Chateaubriand (1828/29) in Sant’Onofrio eingelassen.

Im Portikus neben dem Eingang zur Kirche befindet sich das Grabmal des Kirchengründers, Nicola da Forca Palena, sowie die Wappen von Stifterfamilien, die das Kloster finanziell unterstützt haben; im Gang zum Kloster die Grabmäler des italienischen Lyrikers und Dramatikers Alessandro Guidi (1650–1712) und des römischen Kunstförderers Giuseppe Rondinini (1725–1801).

In der Kirche selbst zu sehen sind das Grab von Torquato Tasso (1544–1595) mit einer schlichten Marmorplatte und einem Epitaph mit Porträt des Dichters, eine Stiftung von Kardinal Bonifazio Bevilacqua Aldobrandini (1571–1627) von 1608 und das aufwendige Grabmonument für Tasso des römischen Bildhauers Giuseppe de Fabris (1790–1860) von 1857, außerdem die Grabmäler für den Kardinal Filippo Sega (1537–1596) mit einem Porträt von Domenichino, den Kardinal Giuseppe Mezzofanti, für Giovanni Sacco, Sekretär von Julius II., ausgeführt von Bildhauern aus der Schule von Andrea Bregno.

 
Kreuzgang

KreuzgangBearbeiten

Zum Kloster gehört ein Kreuzgang aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, der über das Atrium der Kirche zugänglich ist. Das schlichte Untergeschoss mit säulengestützten Arkadenöffnungen ist kreuzgewölbt, die Lünetten enthalten Fresken mit Darstellungen aus dem Leben des Hl. Onophrius von Vespasiano Strada, Claudio Ridolfi und Cavalier d’Arpiano. Das darüberliegende Loggiageschoss zeichnet sich durch schlanke, polygonale Säulen aus.

MuseumBearbeiten

Im Kloster gibt es ein kleines Tasso-Museum, Museo del Tasso, in dem Manuskripte und frühe Druckausgaben der Werke von Torquato Tasso gezeigt werden.

KardinaldiakoneBearbeiten

Die Kirche wurde am 6. Juli 1517 durch Papst Leo X. zur Titeldiakonie erhoben.

KardinalpriesterBearbeiten

Am 13. April 1587 erfolgte die Ernennung zur Titelkirche der römisch-katholischen Kirche durch Papst Sixtus V.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Anna Ferrari-Bravo (Hrsg.): Roma. Guida d’Italia. 3. Auflage, Mailand 2007, ISBN 88-365-4134-8, S. 598–602.
  • Anton Henze u. a. (Hrsg.): Reclams Kunstführer Rom. 5. Auflage, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-010402-5, S. 245–246.

WeblinksBearbeiten

Commons: Sant’Onofrio al Gianicolo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fontana di piazza S. Onofrio

Koordinaten: 41° 53′ 50″ N, 12° 27′ 41″ O