Oserki (Kaliningrad, Gwardeisk)

Ort im Rajon Gwardeisk, Kaliningrad, Russland

Oserki (russisch Озерки, deutsch Groß Lindenau) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Gwardeisk. Die Siedlung gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gwardeisk.

Siedlung
Oserki
Groß Lindenau

Озерки
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gwardeisk
Frühere Namen Groß Lindenau (bis 1947)
Fläche 23 km²
Bevölkerung 2473 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40157
Postleitzahl 238224
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 206 816 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 38′ N, 20° 53′ OKoordinaten: 54° 37′ 40″ N, 20° 53′ 18″ O
Oserki (Kaliningrad, Gwardeisk) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Oserki (Kaliningrad, Gwardeisk) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Oserki liegt südlich des Pregel (russisch Pregolja) an der russischen Fernstraße R 508. Bis zur Rajonshauptstadt Gwardeisk (Tapiau) sind es 16, bis zur Oblastmetropole Kaliningrad (Königsberg) 26 Kilometer. Oserki Nowyje ist Bahnstation an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stattlupönen/Ebenrode) – einem Teilstück der einstigen Preußischen Ostbahn – zur Weiterfahrt nach Litauen und in das russische Kernland.

GeschichteBearbeiten

Das bis 1946 Groß Lindenau[2] genannte Dorf wurde im Jahre 1874 in den neu geschaffenen Amtsbezirk Ottenhagen[3] (ab 1927: Groß Ottenhagen, heute russisch: Berjosowka) integriert. Er gehörte bis 1939 zum Landkreis Königsberg (Preußen), danach zum Landkreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen.

In Groß Lindenau waren im Jahre 1910 insgesamt 1.057 Einwohner registriert[4]. Ihre Zahl stieg bis 1933 auf 1.397 und belief sich 1939 auf 1.514[5].

In Kriegsfolge kam Groß Lindenau mit dem nördlichen Ostpreußen 1945 zur Sowjetunion und erhielt 1947 die russische Bezeichnung Oserki.[6] Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Gwardeisk. Von 2005 bis 2014 war Oserki Sitz einer Landgemeinde und gehört seither zum Stadtkreis Gwardeisk.

Oserski selski Sowet/okrug 1947–2005Bearbeiten

Der Dorfsowjet Oserski selski Sowet (ru. Озерский сельский Совет) wurde im Juni 1947 im Rajon Gwardeisk eingerichtet.[6] Nach der Auflösung des Rajons Kaliningrad im Jahr 1959 wurde der Komsomolski selski Sowet (der vormalige Semjonowski selski Sowet) an den Oserski selski Sowet angeschlossen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Oserski selski okrug (ru. Озерский сельский округ). Im Jahr 1994 wurde der Saretschenski selski okrug angeschlossen. Im Jahr 2005 wurden die 16 Orte des Dorfbezirks in die neu gebildeten Landgemeinden Oserkowskoje selskoje posselenije und Snamenskoje selskoje posselenije eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Armeiskoje (Армейское) Ackerau Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Semjonowski im Rajon Kaliningrad. Er wurde vermutlich vor 1988 an den Ort Semjonowo angeschlossen. Offenbar gab es spätestens seit 1965 eine widersprüchliche Gesetzeslage, nach welcher dieser Ort einerseits zum Dorfsowjet Oserski im Rajon Gwardeisk gehörte, andererseits aber dem Rajon Prawdinsk zugerechnet wurde und wird.[7]
Baidukowo (Байдуково) Bärenbruch Der Ort wurde 1947 umbenannt und verlor vor 1975 seine Eigenständigkeit.
Berjosowka (Берёзовка) Groß Ottenhagen Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Chrabroje (Храброе) Wehnenfeld Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Semjonowski im Rajon Kaliningrad. Er wurde vor 1975 verlassen.
Datschnoje (Дачное) Neu Lindenau Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Juschnoje (Южное) Lindenthal Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Kaschtanowka (Каштановка) Groß Hohenhagen Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Semjonowski im Rajon Kaliningrad. Er wurde vermutlich vor 1988 an den Ort Komsomolsk angeschlossen.
Komsomolsk (Комсомольск) Löwenhagen Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Semjonowski im Rajon Kaliningrad.
Oserki (Озерки) Groß Lindenau Verwaltungssitz
Osjornoje (Озёрное) Groß Barthen und Klein Hohenhagen Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Semjonowski im Rajon Kaliningrad.
Osjorskoje (Озёрское) Klein Lindenau Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Ostrowskoje (Островское) bei Seewalde Der Ort wurde 1950 umbenannt.
Pestschanoje (Песчаное) Worienen Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Polessje (Полесье) Klein Ottenhagen Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Roslowka (Рословка) Lindenhof Der Ort wurde 1947 umbenannt und verlor vor 1975 seine Eigenständigkeit.
Saizewo (Зайцево) Waldhof Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Saosjornoje (Заозёрное) Lindenberg Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Sapadnoje (Западное) Rosengarten Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Schelesnodoroschnoje (Железнодорожное) Reichenhagen Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Semjonowski im Rajon Kaliningrad. Er wurde vor 1975 verlassen.
Semjonowo (Семёново) Fuchsberg Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst Verwaltungssitz des Dorfsowjets Semjonowski im Rajon Kaliningrad.
Trubnoje (Трубное) Seewalde[8] Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Tumanowka (Тумановка) Gauladen Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Wischnjowoje (Вишнёвое) Kapkeim Der Ort wurde 1947 umbenannt.

Die vier im Jahr 1947 umbenannten Orte Gribki (Langhöfel), Krasnoborskoje (Starkenberg), Prudy (Genslack) und Wessjoloje (Linkehnen), die zunächst ebenfalls in den Oserski selski Sowet eingeordnet wurden, kamen dann (vor 1975) aber in den Sarentschenski selski Sowet.

Im Jahr 1994 kamen aus dem aufgelösten Saretschenski selski okrug die Orte Gribki, Krasnoborskoje (seit 1997: Krasny Bor), Prudy, Rownoje, Rutschji, Saretschje, Suworowo und Wessjoloje (seit 1997: Wessjoly) zum Oserski selski okrug hinzu.

Oserkowskoje selskoje posselenije 2005–2014Bearbeiten

 
Die Lage der Landgemeinde Oserkowskoje selskoje posselenije im Südwesten des Rajon Gwardeisk

Die Landgemeinde Oserkowskoje selskoje posselenije (ru. Озерковское сельское поселение) wurde im Jahr 2005 gebildet.[9] Das Gemeindegebiet umfasste eine Fläche von 207 km² mit 4.810 Einwohnern (Stand: 2011). Im Jahr 2014 wurde die Gemeinde aufgelöst und deren Siedlungen in den neu gebildeten Stadtkreis Gwardeisk aufgenommen.

Zur Oserkowskoje selskoje posselenije gehörten 14 jeweils „Siedlung“ (russisch: possjolok) genannte Ortschaften:

Ortsname deutscher Name Ortsname deutscher Name
Berjosowka (Берёзовка) Groß Ottenhagen,
bis 1927: Ottenhagen
Prudy (Пруды) Genslack
Gribki (Грибки) Langhöfel Saretschje (Заречье) Pregelswalde
Komsomolsk (Комсомольск) Löwenhagen Semjonowo (Семёново) Fuchsberg und
Marienhagen
Krasny Bor (Красный Бор) Starkenberg Suworowo (Суворово) Zohpen
Oserki (Озерки) Groß Lindenau Tumanowka (Тумановка) Gauleden
Osjornoje (Озёрное) Groß Barthen und
Klein Hohenhagen
Wessjoly (Весёлый) Linkehnen
Ostrowskoje (Островское) Seewalde Wischnjowoje (Вишнёвое) Kapkeim

Kies und BetonBearbeiten

Wegen der großen Kiesvorkommen baute die Fa. Windschild & Langelott 1910 eine Betonmischanlage, in der vor allem hochwertige Röhren hergestellt wurden. Die Halle hatte 1000 m2 Grundfläche mit Gleisanschluss. Mehr als 20.000 dieser Röhren verließen jährlich das Werk. Das 500 Morgen große Betriebsgelände lag zum größeren Teil im Gemeindebezirk Seewalde. In der dortigen Pregelniederung lag das große Kiesvorkommen. Für den Abtransport von Kies und Sand wurde 1924 ein 1800 m langer Kanal zum Pregel gebaut. Es entstand ein tiefer Baggersee, der bei Kriegsende 90 Morgen groß war.[10]

KircheBearbeiten

Das Dorf Groß Lindenau war mit seiner größtenteils evangelischen Einwohnerschaft bis 1945 in das Kirchspiel der Kirche Groß Ottenhagen (heute russisch: Berjosowka) eingepfarrt. Es gehörte zum Kirchenkreis Königsberg-Land I (südlich des Pregel) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Groß Lindenau im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Gwardeisk (Tapiau), einer Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad[11] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

ZehlaubruchBearbeiten

Hauptartikel Zehlaubruch

Südlich von Oserki liegt das 23 km² umfassende Osjorskoje boloto(Zehlaubruch), ein Hochmoor, das umgeben wird vom Osjorski les (Forst Frisching). Das Gebiet gehört bereits zum Rajon Prawdinsk (Kreis Friedland (Ostpreußen)).

VerkehrBearbeiten

StraßenBearbeiten

Die Gemeinde Oserki wird von zwei Fernstraßen durchzogen: von der R 508 in Ost-West-Richtung und – am östlichen Rand – von der R 512. Im Übrigen vernetzen untergeordnete Nebenstraßen, zum Teil in nicht ausgebauter Weise, das Gemeindegebiet.

SchienenBearbeiten

Ebenfalls in Ost-West-Richtung verläuft die Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow, ein Teilstück der einstigen Preußischen Ostbahn durch das Gebiet der Gemeinde, die mit zwei Bahnstationen angeschlossen ist: Oserki und Komsomolsk (Löwenhagen). Die bis 1945 bestehende Bahnstrecke von Königsberg (Preußen) (Kaliningrad) über Gerdauen (Schelesnodoroschny) nach Angerburg (heute polnisch: Węgorzewo) mit den im heutigen Gemeindegebiet gelegenen Stationen Löwenhagen und Fuchsberg (Semjonowo) ist nicht mehr in Betrieb.

LuftBearbeiten

Der Flughafen Kaliningrad in Chrabrowo (Powunden) ist in einer Entfernung von 50 Kilometern über Fernstraßen zu erreichen.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Groß Lindenau
  3. Rolf Jehke, Amtsbezirk Ottenhagen/Groß Ottenhagen
  4. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Königsberg
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Samland. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  7. zumindest nach Kartenlage
  8. vgl. Ostrowskoje
  9. Durch das Закон Калининградской области от 24 февраля 2005 г. № 502 «О наделении муниципального образования «Гвардейский район» статусом муниципального района и об установлении границ и наделении соответствующим статусом муниципальных образований, находящихся на его территории» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 24. Februar 2005, Nr. 502: Über das Ausstatten der munizipalen Bildung "Rajon Gwardeisk" mit dem Status eines munizipalen Rajons und über das Festlegen der Grenzen und das Ausstatten mit dem entsprechenden Status der munizipalen Bildungen, die sich auf seinem Gebiet befinden)
  10. Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002, S. 111
  11. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info