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Oberwil-Lieli
Wappen von Oberwil-Lieli
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4074i1f3f4
Postleitzahl: 8966
Koordinaten: 671596 / 243331Koordinaten: 47° 20′ 13″ N, 8° 23′ 9″ O; CH1903: 671596 / 243331
Höhe: 565 m ü. M.
Fläche: 5.35 km²
Einwohner: 2419 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 452 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
11,8 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.oberwil-lieli.ch
Oberwil-Lieli

Oberwil-Lieli

Karte
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Oberwil-Lieli, im örtlichen Schweizerdeutsch Oberwiil und Niel [ˌɔbərˈʋiːl], [niəl],[3] statt letzterem jünger [ˈliəlɪ],[4] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Bremgarten im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt an der Grenze zum Kanton Zürich und besteht aus den beiden Ortschaften Oberwil und Lieli. Bis 1984 hiess die Gemeinde offiziell Oberwil (AG).

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Die Gemeinde liegt auf dem Holzbirrliberg, einem sanft gewellten Hügelzug östlich des Reusstals. Oberwil befindet sich im Südwesten des Gemeindegebiets an Hanglage auf 530 m ü. M. Drei Bäche, die durch tief eingeschnittene Tobel fliessen, entwässern die Hochebene zur Reuss hin. Fast mit Oberwil zusammengewachsen sind die Siedlungen Buechimoos und Augenweid. Rund einen Kilometer nordöstlich von Oberwil, getrennt durch den Falterhauwald, liegt das Dorf Lieli auf 590 m ü. M. Ganz im Osten des Gemeindegebiets entspringt der Lunnerenbach, der in die Reppisch fliesst.[5]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 535 Hektaren, davon sind 136 Hektaren mit Wald bedeckt und 101 Hektaren überbaut.[6] Der höchste Punkt befindet sich auf 674 m ü. M. im Oberholz nördlich von Lieli, der tiefste auf 450 m ü. M. im Gebiet Halden südlich von Oberwil. Nachbargemeinden sind Berikon im Norden, Birmensdorf im Nordosten, Aesch im Osten, Arni im Südosten, Unterlunkhofen im Süden und Zufikon im Westen.

GeschichteBearbeiten

Die erste urkundliche Erwähnung von Willare erfolgte im Jahr 1040, als König Heinrich III. dem Kloster Einsiedeln seinen Besitz bestätigte. Der Ortsname stammt von althochdeutsch wīlari «Hofsiedlung» und wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Ober-Wiler näher bestimmt.[7] Lieli, älter mundartlich Niel, wird erstmals ebenfalls 1040 als in Liele genannt und kommt von althochdeutsch liola bzw. schweizerdeutsch Niele «Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba)».[4][8]

 
Luftansicht (1964)

Im Mittelalter lag Oberwil im Herrschaftsbereich des Hauses Habsburg-Laufenburg. Zu den Lehnsherren gehörten die Klöster Engelberg und Muri. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau, und Oberwil gelangte zum Kelleramt im Herrschaftsbereich der Stadt Zürich. 1429 erwarb Bremgarten die niedere Gerichtsbarkeit. Während des Alten Zürichkriegs verwüsteten die Innerschweizer im Jahr 1445 das Dorf. 1529 traten die Einwohner zur Reformation über, mussten aber nur zwei Jahre später nach dem Zweiten Kappelerkrieg zum Katholizismus zurückkehren. Im Ersten Villmergerkrieg von 1656 plünderten durchmarschierende Truppen das Dorf erneut. Nach der Eroberung der Schweiz durch die Franzosen und der Ausrufung der Helvetischen Republik im März 1798 folgte die Auflösung des Kelleramts. Oberwil und Lieli waren Gemeinden im kurzlebigen Kanton Baden, ab 1803 gehörten sie zum Kanton Aargau.

Das Dorf Lieli war bis 1908 eine selbständige Gemeinde. Aufgrund ihrer schlechten finanziellen Lage vollzog der Grosse Rat des Kantons Aargau die Fusion gegen den Willen der Bevölkerung. Die Gemeinde hiess weiterhin Oberwil. Am 1. Januar 1984 änderte sie jedoch den Namen in Oberwil-Lieli, um der gewachsenen Bedeutung Lielis gerecht zu werden. Nachdem die Bevölkerungszahl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts leicht rückläufig gewesen war, entwickelte sich die Gemeinde ab den 1960er Jahren aufgrund der Nähe zu Zürich zu einer beliebten Wohngemeinde und die Einwohnerzahl vervierfachte sich.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Kirche St. Michael in Oberwil
 
Fachwerkhaus in Oberwil

Die katholische Pfarrkirche St. Michael in Oberwil reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück, aus dieser Zeit ist der romanische Kirchturm erhalten geblieben. 1445 wurde die Kirche während des Alten Zürichkriegs in Brand gesteckt, 1501 erfolgte ein Neubau. Während des Ersten Villmergerkriegs erlitt die Kirche wiederum schwere Verwüstungen. Ihr heutiges barockes Aussehen erhielt sie 1672/73.[9]

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss auf grünem Dreiberg ausgerissener grüner Birnbaum mit gelben Früchten.» Der Birnbaum auf dem seit 1953 in dieser Form bestehenden Wappen weist auf den Holzbirrliberg hin. 1915 hatte der Historiker Walther Merz ohne Erfolg vorgeschlagen, das Wappen der aus Oberwil stammenden Familie von Wile zu führen (weisser Balken in Rot).[10]

BevölkerungBearbeiten

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[11]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2015
Einwohner 734 649 602 605 551 768 1191 1591 1729 2157 2419

Am 31. Dezember 2018 lebten 2419 Menschen in Oberwil-Lieli, der Ausländeranteil betrug 11,8 %. Gemäss 2015 erhobenen Daten bezeichneten sich 36,2 % als römisch-katholisch und 29,0 % als reformiert; 34,8 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[12] 95,1 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 1,1 % Italienisch sowie je 1,0 % Englisch und Französisch.[13]

Politik und RechtBearbeiten

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat, der im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk für jeweils vier Jahre gewählt wird. Gemeindeammann ist seit 2017 Ilias Läber (parteilos).

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Oberwil-Lieli gehört zum Friedensrichterkreis Lunkhofen.

WirtschaftBearbeiten

In Oberwil-Lieli gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 420 Arbeitsplätze, davon 17 % in der Landwirtschaft, 18 % in der Industrie und 65 % im Dienstleistungssektor.[14] Die Gemeinde ist wegen ihrer attraktiven Lage vor allem ein Wohnstandort. Die meisten Erwerbstätigen arbeiten in Bremgarten oder in der Agglomeration Zürich. Ein besonderer Standortvorteil ist die Tatsache, dass Oberwil-Lieli den tiefsten Gemeindesteuerfuss im gesamten Kanton besitzt.[15]

VerkehrBearbeiten

 
Ortsumfahrungstunnel in Lieli

Während Oberwil etwas abseits des Durchgangsverkehrs an der Kantonsstrasse 411 liegt, führt durch Lieli die verkehrsreiche Kantonsstrasse 263 zwischen Bremgarten/Mutschellen im Westen und Zürich im Osten. Das Verkehrsaufkommen hat seit der Eröffnung der nahe gelegenen Westumfahrung Zürich (Autobahn A4) weiter zugenommen. Um die Bevölkerung vor den schädlichen Auswirkungen zu schützen, entstand unter Lieli hindurch ein Umfahrungstunnel, der seit April 2008 in Betrieb ist.[16]

Oberwil und Lieli werden durch eine zwischen dem Bahnhof Berikon-Widen der Bremgarten-Dietikon-Bahn und dem Bahnhof Zürich Wiedikon verkehrende Postautolinie erschlossen. Hinzu kommt ein Schnellbus der Gesellschaft Limmat Bus von Bremgarten über Oberwil-Lieli und den Uetlibergtunnel zum Bahnhof Zürich Enge.

BildungBearbeiten

Die Gemeinde verfügt über drei Kindergärten und eine Primarschule, wobei das Schulgebäude genau in der Mitte zwischen den beiden Dörfern steht. Die Oberstufenschüler (Realschule, Sekundarschule und Bezirksschule) besuchen das Kreisschulzentrum im benachbarten Berikon. Das nächstgelegene Gymnasium ist die Kantonsschule Wohlen.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Oberwil-Lieli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. Gemäss Material des Sprachatlasses der deutschen Schweiz sowie dem am Ort ausgefüllten Wenkersatz.
  4. a b Gemäss Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 673 f.
  5. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090 und 1091, Swisstopo.
  6. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 14. Mai 2019.
  7. Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau (= Argovia 100/II). Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 332–334.
  8. Die Waldreben oder Nielen (Clematis). waldwissen.net, archiviert vom Original am 18. Juni 2011; abgerufen am 15. Januar 2010.
  9. Felder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band IV: Bezirk Bremgarten. S. 341–349.
  10. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 242.
  11. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 14. Mai 2019.
  12. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 14. Mai 2019.
  13. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 10. August 2018; abgerufen am 14. Mai 2019.
  14. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 14. Mai 2019.
  15. Das sind die Steuerhöllen und Steuerparadiese im Aargau. Aargauer Zeitung, 27. Januar 2015, abgerufen am 14. Mai 2019.
  16. Tunneleröffnung in Lieli. Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau, 18. April 2008, abgerufen am 15. Januar 2010.