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Nemsdorf (Rohr)

Ortschaft in Deutschland

Nemsdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Rohr im Landkreis Roth in Mittelfranken.

Nemsdorf
Gemeinde Rohr
Koordinaten: 49° 22′ 15″ N, 10° 58′ 50″ O
Höhe: 340–367 m ü. NHN
Einwohner: 163 (25. Mai 1987)[1]
Postleitzahl: 91189
Vorwahl: 0911
Blick aus südlicher Richtung über das Zwieselbachtal auf Nemsdorf
Blick aus südlicher Richtung über das Zwieselbachtal auf Nemsdorf

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Das Dorf ist mit dem nördlich gelegenen Göckenhof zu einer geschlossenen Siedlung zusammengewachsen. Durch den Ort fließt der Zwieselbach, der ein linker Zufluss der Rednitz ist. Im Ort mündet der Wintergraben als rechter Zufluss des Zwieselbachs. Im Süden grenzt das St. Peterholz an. Im Nordwesten liegt die Pilzleite.[2]

GeologieBearbeiten

Der Landschaftsraum von Nemsdorf wird durch Sandsteinkeuper bestimmt. Die Keuperlandschaft weist eine klassische Schichtabfolge entlang des Zwieselbaches auf. Auf den tonigen Lehrbergschichten der Steigerwald-Formation lagern Blasensandstein und Coburger Sandstein der Hassberge-Formation. Die Talaue wird durch quartäre Talfüllungen bedeckt.[3]

Auf dem Sandsteinkeuper haben sich Braunerdeböden entwickelt. In der Talaue des Zwieselbaches dominieren hingegen grundwasserbeeinflusste Böden wie Gley.[4]

KlimaBearbeiten

Nemsdorf liegt in der kühl-gemäßigten Klimazone und weist ein humides Klima auf. Das Zwieselbachtal befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima. Nach der Klimaklassifikation von  Köppen/Geiger zählt Nemsdorf zum warm gemäßigten Regenklima (Cfb-Klima). Dabei bleibt die mittlere Lufttemperatur des wärmsten Monats unter 22 °C und die des kältesten Monats über –3 °C. Die sandigen Keuperflächen erwärmen sich im Frühjahr und Herbst schneller als die wiesengeprägten Aueflächen entlang des Zwieselbaches.[5]

SchutzgebieteBearbeiten

Die Tallandschaft und die angrenzenden Waldgebiete südlich der Dietersdorfer Straße sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und Bestandteil des 14.569 Hektar großen Schutzgebietes Südliches Mittelfränkisches Becken westlich der Schwäbischen Rezat und der Rednitz mit Spalter Hügelland, Abenberger Hügelgruppe und Heidenberg.[6][7]

GeschichteBearbeiten

Der Ort wurde 1225 als „Nemsdorf“ erstmals urkundlich in einem Schreiben König Heinrichs erwähnt,[8] in dem er das Nürnberger Schottenkloster St. Egidien mit drei Lehen in Nemsdorf in seinen Schutz nahm. Die Gründung des Ortes dürfte viel früher, wahrscheinlich zwischen 800 und 1000, durch einen Siedler namens Nemoj erfolgt sein. Die intensivere Besiedelung der Gegend mit freien Bauern erfolgte erst im 11. und 12. Jahrhundert durch Reichsministeriale der damals herrschenden Hohenstaufen. Die Schreibweise Nemsdorfs änderte sich im Lauf der Jahrhunderte mehrmals: „Nemszdorff“ wurde zu „Nemstorf“ (1261), „Memstorf“ (1340), „Nemstorff“ (1425), „Niembstorff“ (1530), „Nembstorff“ (1548), „Nembsdorff“ (1648) und „Nembsdorf“ (1801).

Im 13. Jahrhundert bestand der Ort aus vier Ganzhöfen.[9] 1434 sind im markgräflichen Salbuch für „Nemszdorff“ fünf Anwesen verzeichnet, von denen nur ein Gut markgräflich war, während zwei weitere Güter und zwei Seldengüter fremdherrisch waren. 1530 gibt es bereits neun Anwesen, von denen ein Hof dem Markgraftum Ansbach, drei Güter der Reichsstadt Nürnberg und fünf Güter der Nürnberger Patrizierfamilie Haller von Hallerstein unterstanden. 1623 und 1682 gab es nur sieben Anwesen, die allesamt Nürnberger Grundholden unterstanden. 1732 gab es laut den Oberamtsbeschreibungen von Johann Georg Vetter in Nemsdorf zehn Haushalte und ein Hirtenhaus. Ein halbes Anwesen unterstand dem Kastenamt Schwabach, drei Anwesen dem Reichen Almosen der Reichsstadt Nürnberg und sechseinhalb Anwesen den Nürnberger Eigenherrn (von Ebner: eines, von Haller: fünfeinhalb).[10] Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Nemsdorf mit Göckenhof eine Gemeinde. In Nemsdorf gab es weiterhin zehn Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Schwabach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte die Reichsstadt Nürnberg inne. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherren: Ein halbes Anwesen dem Kastenamt Schwabach, zwei Anwesen dem Landesalmosenamt der Reichsstadt Nürnberg und siebeneinhalb Anwesen den Nürnberger Eigenherren (von Ebner: eines, von Haller: sechseinhalb). Neben den Haushalten gab es noch das Hirtenhaus, das ein kommunales Gebäude war.[11] 1801 gab es dreizehn Haushalte, wovon nur einer dem Kastenamt Schwabach unterstand.[12]

 
Vierseithof Am Wintergraben in Nemsdorf

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 Nemsdorf dem Steuerdistrikt Regelsbach, II. Sektion zugeordnet. Es gehörte auch der 1818 gebildeten Ruralgemeinde Regelsbach an. Am 1. Mai 1978 wurde Nemsdorf im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Rohr eingegliedert.[13]

BaudenkmälerBearbeiten

  • Am Wintergraben 2: Vierseithof
  • Dietersdorfer Str. 3: Dazugehörige Scheune
  • Steiner Str. 18: Dazugehörige Fachwerkscheune

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 93 88 159* 85 99 70 74 147 103 157 163
Häuser[14] 11 15 13 13 14 16 22 54
Quelle [15] [16] [17] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [24] [1]
* inklusive Göckenhof

ReligionBearbeiten

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend evangelisch-lutherisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Georg (Dietersdorf) gepfarrt.[11]

VerkehrBearbeiten

Die Kreisstraße RH 11/SC 1 führt nach Hengdorf bzw. nach Dietersdorf. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt am Göckenhof vorbei nach Eckershof.

Zwischen Dietersdorf und Nemsdorf führt südlich des Zwieselbachtales, zwischen Waldgrenze und Wiesenaue ein Wanderweg durch das Landschaftsschutzgebiet. In Nemsdorf folgt der beschilderte Weg am Weiher des Vierseithofes der Straße Am Wintergraben. Der Wanderweg durchquert den Wald am Fuße des Rotenberges und geleitet nach Hengdorf (Regelsbach). Nördlich des Zwieselbaches verläuft der Weg über Kleinweismannsdorf nach Großweismannsdorf (Roßtal).[25]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Nemsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 348 (Digitalisat).
  2. Nemsdorf im BayernAtlas
  3. UmweltAtlas Bayern: Digitale Geologische Karte 1:25.000. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 11. Mai 2018.
  4. UmweltAtlas Bayern: Übersichtsbodenkarte von Bayern 1:25.000 (ÜBK25). Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 11. Mai 2018.
  5. Klima. Climate-Data.org, abgerufen am 11. Mai 2018.
  6. BayernAtlas: Thema Umwelt. Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, abgerufen am 11. Mai 2018.
  7. Schutzgebiete. Landkreis Roth, abgerufen am 11. Mai 2018.
  8. F. Eigler, S. 237.
  9. F. Eigler, S. 246.
  10. F. Eigler, S. 237.
  11. a b F. Eigler, S. 407.
  12. J. K. Bundschuh, Bd. 3, Sp. 725.
  13. F. Eigler, S. 481.
  14. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  15. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 62 (Digitalisat).
  16. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 238 (Digitalisat).
  17. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1087, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  18. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1253, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  19. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1188 (Digitalisat).
  20. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1261 (Digitalisat).
  21. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1298 (Digitalisat).
  22. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1127 (Digitalisat).
  23. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 825 (Digitalisat).
  24. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 180 (Digitalisat).
  25. BayernAtlas: Thema Freiizeit in Bayern. Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, abgerufen am 11. Mai 2018.