Mielec

Stadt in Polen

Mielec ist eine Stadt im Südosten von Polen. Sie gehört zur Woiwodschaft Karpatenvorland und ist Verwaltungssitz des Powiat Mielecki. Mielec liegt etwa 75 Kilometer nordwestlich der Provinzhauptstadt Rzeszów nahe der Grenze zu den Woiwodschaften Heiligkreuz und Kleinpolen. Die Stadt hat 61.000 Einwohner.

Mielec
Wappen von Mielec
Mielec (Polen)
Mielec
Mielec
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Karpatenvorland
Powiat: Mielec
Fläche: 47,36 km²
Geographische Lage: 50° 18′ N, 21° 28′ OKoordinaten: 50° 18′ 0″ N, 21° 28′ 0″ O
Einwohner: 60.366
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 39-300 bis 39-303, 39-323
Telefonvorwahl: (+48) 17
Kfz-Kennzeichen: RMI
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Rzeszów-Jasionka
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde & Landgemeinde
Einwohner: 60.366
(30. Jun. 2019)[1]
Gemeindenummer (GUS): 1811011
Verwaltung (Stand: 2018)
Stadtpräsident: Jacek Wiśniewski
Adresse: ul. Żeromskiego 26
39-300 Mielec
Webpräsenz: www.mielec.pl



Geographische LageBearbeiten

Der Fluss Wisłoka durchfließt die südwestliche Grenze von Mielec von Süden her und mündet etwa zehn Kilometer nördlich des Stadtgebiets in die Weichsel. Die Stadt liegt im Sandomirer Becken.

GeschichteBearbeiten

 
Marktplatz in Mielec

Der Ort Mielec wurde in der 1229 erschienenen Päpstlichen Bulle erstmals urkundlich erwähnt. Eine Pfarrei wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erwähnt. Am 17. März 1457 wurde ein Privileg für Gründung der Stadt Nowy Targ vom König Kasimir IV. Andreas für Jan Mielecki verliehen, aber die Stadt wurde erst von seinen Söhnen Jan und Bernardyn am 18. November 1470 gegründet. Die Stadt gehörte zum Kreis Sandomir in der Woiwodschaft Sandomir.

Bei der Ersten Teilung Polens kam Mielec 1772 zum neuen Königreich Galizien und Lodomerien des habsburgischen Kaiserreichs (ab 1804). Im Zuge der Josephinischen Kolonisation entstanden einige deutsche Kolonien in der Umgebung: Hohenbach, Schönanger, Tuszów Kolonia, Reichsheim, Josefsdorf, Fallbrunn bzw. Padew Kolonia, Sandlauter, und um die Mitte des 19. Jahrhunderts auch in Goleszów und Przebendów (Preppendorf).

1887 erhielt Mielec mit dem Teilstück Sandomierz–Dębica der heutigen Bahnstrecke Łódź–Dębica Eisenbahnanschluss.

Im Jahr 1900 machten die Juden in der Hauptstadt des Bezirkes Mielec die Mehrheit der Einwohner (2819 aus 4909) aus.[2]

1918, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der k.u.k. Monarchie, kam Mielec zu Polen. Unterbrochen wurde dies nur durch die Besetzung Polens durch die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

Vor dem Weltkrieg strebte Herbert Czaja, der Professor am Gymnasium in Mielec, das Deutschtum in der Umgebung mit beschränkten Erfolg wiederzubeleben. Die Besatzer verstärkten die Bemühungen nach dem Umbruch des Weltkriegs. Hans Zimmermann aus Czermin bzw. Hohenbach wurde zum neuen Bürgermeister in Mielec.[3]

Während des Weltkriegs kam es in Mielec zur ersten vollständigen Deportation aller Juden durch die deutschen Besatzer aus einem Ort, bei der auch viele Einwohner erschossen wurden. Im April 1942 wurden etwa 800 Juden aus Mielec zusammen mit etwa 1000 Wiener Juden nach Włodawa deportiert und von dort aus im Laufe der nächsten Monate in das Vernichtungslager Sobibor getrieben und dort ermordet. Mielec wurde zur ersten „judenfreien“ Stadt im besetzten Polen (9. März 1942) erklärt. Neben den Werkstätten der Ernst Heinkel Flugzeugwerke gab es in Mielec ein Arbeitslager unter direkter Aufsicht der SS. Zunächst wurden im Arbeitslager 250 Zwangsarbeiter eingesetzt, wovon 80 aus Mielec und die übrigen aus Wielopole Skrzynskie stammten. Bis zum Sommer 1943 stieg die Anzahl Zwangsarbeiter auf 1000 Personen, worunter auch Juden aus Tarnobrzeg und Huta Komarowska waren. Am 24. August 1944 wurde das Lager liquidiert. Einige Gefangene wurden nach Wieliczka überstellt, die restlichen ins KZ Flossenbürg. Etwa 200 Mitglieder der jüdischen Gemeinde Mielec überlebten den Zweiten Weltkrieg. Im Umfeld der Stadt wurden drei große Truppenübungsplätze angelegt der Truppenübungsplatz Süd, der Luftwaffenübungsplatz Gorno und SS-Truppenübungsplatz Heidelager.

 
Jüdische Bürger in Mielec an einem Stand
 
Heilig-Geist-Kirche in Mielec

VerkehrBearbeiten

Der Dienstbahnhof Mielec liegt an der Bahnstrecke Łódź–Dębica. Mielec ist eine der größten Städte Polens ohne Anschluss an den Schienenpersonenverkehr.

GemeindeBearbeiten

StadtgemeindeBearbeiten

Die Stadt Mielec bildet eine eigenständige Stadtgemeinde (gmina miejska).

LandgemeindeBearbeiten

Die eigenständige Landgemeinde (gmina wiejska) Mielec hat eine Fläche von 122,72 km². Zu ihr gehören dreizehn Ortschaften mit einem Schulzenamt (sołectwo).

PolitikBearbeiten

StadtpräsidentBearbeiten

An der Spitze der Verwaltung steht der Stadtpräsident. Seit dem 8. März 2018 war dies kommissarisch Fryderyk Kapinos (PiS), dem das Amt nach dem Tod des gewählten Präsidenten Daniel Kozdęba (SLD) übertragen worden war. Die turnusmäßige Wahl im Oktober 2018 brachte folgendes Ergebnis:[4]

  • Fryderyk Kapinos (Prawo i Sprawiedliwość) 37,5 % der Stimmen
  • Jacek Wiśniewski (Wahlkomitee „Gemeinsam für die Region Mielec“) 28,5 % der Stimmen
  • Zdzisław Nowakowski (Wahlkomitee „Unser Mielec“) 13,3 % der Stimmen
  • Grzegorz Ziomek (Kukiz’15) 12,1 % der Stimmen
  • Andrzej Skowron (Wahlkomitee „Neues Mielec – Andrzej Skowron“) 8,6 % der Stimmen

In der damit notwendigen Stichwahl setzte sich mit Jacek Wiśniewski der Zweitplatzierte des ersten Wahlgangs gegen Amtsinhaber Fryderyk Kapinos mit 54,8 % der Stimmen durch und wurde so neuer Stadtpräsident.

StadtratBearbeiten

Der Stadtrat von Mielec besteht aus 23 Mitgliedern. Die Wahl 2018 führte zu folgendem Ergebnis:[5]

  • Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 36,1 % der Stimmen, 10 Sitze
  • Wahlkomitee „Gemeinsam für die Region Mielec“ 22,1 % der Stimmen, 5 Sitze
  • Wahlkomitee „Unser Mielec“ 21,2 % der Stimmen, 6 Sitze
  • Kukiz’15 12,1 % der Stimmen, 2 Sitze
  • Wahlkomitee „Neues Mielec – Andrzej Skowron“ 8,7 % der Stimmen, kein Sitz

StädtepartnerschaftenBearbeiten

SportBearbeiten

In der Stadt ist der Verein Stal Mielec in den Sportarten Fußball, Handball, Leichtathletik und Volleyball aktiv.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Mielec – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. Ludwig Patryn (Hrsg.): Gemeindelexikon der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder, bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900, XII. Galizien. Wien 1907 (online).
  3. Marian Piórek: Z dziejów kolonii niemieckich w Puszczy Sandomierskiej (XVIII – XX w.). In: Rocznik Kolbuszowski. 2, 1987, S. 60–63.
  4. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 6. September 2020.
  5. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 6. September 2020.