Marta Cartabia

italienische Verfassungsrechtlerin und Richterin
Marta Cartabia (2017)

Marta Maria Carla Cartabia (* 14. Mai 1963 in San Giorgio su Legnano) ist eine italienische Juristin. Sie ist Professorin für Verfassungsrecht und seit dem 13. September 2011 eine der fünfzehn Richter am Italienischen Verfassungsgericht. Im Jahr 2011 wurde sie vom damaligen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano ernannt. Am 11. Dezember 2019 wurde sie zur Präsidentin des Verfassungsgerichts gewählt.[1] Mit Marta Cartabia bekleidet erstmals eine Frau dieses Amt.

LebenBearbeiten

Marta Cartabia studierte Rechtswissenschaften an der Universität Mailand; 1987, mit 24 Jahren, schloss Cartabia ihr Jurastudium mit Bestnote ab. Thema ihrer Abschlussarbeit war Esiste un diritto costituzionale europeo? (Gibt es ein europäisches Verfassungsrecht?) und ihr Betreuer der spätere Verfassungsrichter Valerio Onida. Nach weiteren Studien im Ausland, von 1989 bis 1991 in Aix-en-Provence bei Louis Favoreu und im Herbst desselben Jahres an der University of Michigan Law School bei Joseph H. H. Weiler, wurde sie 1993 mit einer Arbeit zur europäischen Integration am Istituto Universitario Europeo (Fiesole) promoviert. Ihr Doktorvater war Bruno De Witte. Sie war anschließend tätig an verschiedenen Forschungsstellen und Dozenturen zum Öffentlichen Recht.

2005 erhielt sie einen Ruf auf die Professur für Öffentliches Recht an die Università di Milano-Bicocca. 2008 wurde sie an derselben Universität ordentliche Professorin für Verfassungsrecht.

Neben ihrer akademischen Laufbahn, die sie auch des Öfteren im Ausland lehren ließ, forschte und arbeitete sie auch am Verfassungsgericht und auf nationaler wie auch internationaler Ebene, auch in EU-Gremien. Sie gilt als Expertin für internationales Recht sowie für die Integration europäischer und nationaler Verfassungssysteme. Seit Dezember 2017 ist sie Ersatzmitglied der Venedig-Kommission des Europarates.

Zudem ist sie Redaktions- und Leitungsmitglied von vier juristischen Zeitschriften: Rivista italiana di diritto pubblico comunitario, Quaderni costituzionali, Rassegna di diritto pubblico europeo sowie Revista Española de Derecho Europeo. Seit 2009 ist sie außerdem Kodirektorin des Italian Journal of Public Law.

Marta Cartabia ist verheiratet, Katholikin und Mutter dreier Kinder.

Politische DebatteBearbeiten

Cartabia, die 2008 für die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte den rechtlichen Länderreport zur Homophobie und Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung verfasste,[2] wurde nach ihrer Nominierung durch Napolitano von verschiedenen LGBT-Medien vorgeworfen, die gleichgeschlechtliche Ehe abzulehnen und somit gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu diskriminieren.[3]

In einem Beitrag für das Buch von Francesco Occhetta: „Ricostruiamo la politica. Orientarsi nel tempo dei populismi.“ („Lasst uns die Politik wieder aufbauen. Orientierung in Zeiten des Populismus“) zitiert Marta Cartabia aus einer Predigt des emeritierten deutschen Papstes Benedikt XVI.: „Der Kompromiss ist die wahre Moral des politischen Handelns.“[4]

Ehrungen und AuszeichnungBearbeiten

Am 24. Oktober 2011 wurde sie auf Initiative Napolitanos zur Dama di Gran Croce Ordine al Merito della Repubblica Italiana ernannt.[5]

WeblinksBearbeiten

Commons: Marta Cartabia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Italiens Verfassungsgericht wird erstmals von einer Frau geleitet
  2. The social situation concerning homophobia and discrimination on grounds of sexual orientation in Italy (PDF; 202 kB), 2009, S. 3.
  3. Auswahl: Giorgio Napolitano nomina nuovo giudice della Corte Costituzionale contraria alle nozze gay auf queerblog.it, 9. September 2011; Marta Cartabia, il nuovo giudice omofobo della Corte Costituzionale, auf gaymagazine.likepage.it, 13. September 2011
  4. Francesco Occhetta: „Ricostruiamo la politica. Orientarsi nel tempo dei populismi“, San Paolo Edizioni, 2019
  5. Eintrag auf der Website des Quirinals