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Werkdaten
Titel: Maria Stuart
Originaltitel: Maria Stuarda
Titelblatt des Librettos, Mailand 1835

Titelblatt des Librettos, Mailand 1835

Form: Tragedia lirica in drei Akten (vier Teilen)
Originalsprache: Italienisch
Musik: Gaetano Donizetti
Libretto: Giuseppe Bardari
Literarische Vorlage: Maria Stuart von Friedrich Schiller
Uraufführung: 1) 18. Oktober 1834 als Buondelmonte
2) 30. Dezember 1835 als Maria Stuarda
Ort der Uraufführung: 1) Teatro San Carlo Neapel
2) Teatro alla Scala Mailand
Spieldauer: ca. 2 ½ Stunden
Ort und Zeit der Handlung: England 1587
Personen

Maria Stuarda (in der deutschen Fassung Maria Stuart) ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Tragedia lirica“) in drei Akten (vier Teilen) von Gaetano Donizetti. Das Libretto verfasste Giuseppe Bardari. Als literarische Vorlage diente ihm das Drama Maria Stuart von Friedrich Schiller. Die Handlung der Oper musste nach diversen Schwierigkeiten durch die Zensur kurzfristig mit einer anderen Handlung und unter dem Titel Buondelmonte aufgeführt werden. Diese Fassung erlebte ihre Uraufführung am 18. Oktober 1834 im Teatro San Carlo in Neapel. In einer leicht überarbeiteten Fassung wurde die Oper am 30. Dezember 1835 am Teatro alla Scala in Mailand erstmals unter dem Originaltitel gespielt.

HandlungBearbeiten

Die Oper spielt im Palast zu Westminster sowie im Schloss und dem angrenzenden Park zu Fotheringhay 1587 während der letzten Lebenstage Maria Stuarts.

Erster AktBearbeiten

Erster Teil: Galerie im Palast von Westminster

Ein französischer Diplomat überbringt der englischen Monarchin ein Schreiben seines Königs, in dem dieser um ihre Hand anhält. Gleichzeitig bittet er Elisabetta, Maria Stuarda wieder die Freiheit zu schenken. (Die Königin von Schottland wurde vor 18 Jahren von ihrem Volk vertrieben, weil sie ihren Gatten ermorden ließ, und suchte bei ihrer englischen Cousine Schutz. Elisabetta selbst fürchtete jedoch um ihren Thron und ließ Maria gefangen nehmen.) Auch die beim Königshof versammelte Gesellschaft unterstützt den Wunsch des französischen Königs. Einzig und allein Cecil, der Baron von Burleigh, fordert den Tod Marias. Er war früher selbst einmal in die schöne Königin von Schottland verliebt. Als sie ihn aber abgewiesen hatte, wandelte sich seine Liebe in Hass.

Der Graf von Shrewsbury, Giorgio Talbot, überbringt Graf Leicester ein Schreiben der inhaftierten Königin, in dem sie darum bittet, er möge sich doch bei Elisabetta für sie einsetzen. Leicester genießt die hohe Gunst seiner Herrscherin. Weil sein Herz aber für die schöne Maria entbrannt ist, ist er allzu gerne geneigt, bei Elisabetta ein gutes Wort für die Schottin einzulegen. Nach langem Zureden erklärt sich Elisabetta bereit, sich mit Maria zu treffen.

Zweiter AktBearbeiten

Zweiter Teil: Park des Schlosses zu Fotheringhay

Maria ist froh, nach langer Kerkerhaft endlich mal wieder einen Sonnentag an der frischen Luft genießen zu können. Als von ferne Hörner ertönen, schlägt ihr Herz höher. Sie ist sich bewusst, dass Elisabetta mit ihrer Jagdgesellschaft auf dem Weg nach Fotheringhay ist. Plötzlich steht Graf Leicester vor ihr. Er ist der Jagdgesellschaft vorausgeeilt, um sich unter vier Augen mit ihr unterhalten zu können. Er fleht die von ihm so geschätzte Maria an, sich demütig vor Elisabetta niederzuwerfen. Dies sei der einzige Ausweg, um ihr Leben zu retten. In Sorge um Leicesters persönliches Geschick erklärt sie sich schließlich dazu bereit.

Beim Zusammentreffen der beiden Königinnen kommt alles anders, als von Maria erhofft. Die stolze Engländerin hat für ihre Verwandte nur Hohn und Spott übrig. Sie erinnert sie an ihre früheren Amouren und an ihren Mann, den sie verraten hatte und anschließend töten ließ. Maria hält die Schmach nicht lange aus und dreht den Spieß um, indem sie Elisabetta die Verachtung über ihre Herkunft ins Gesicht schleudert: Tief geschändet sei Englands Thron durch den Bastard, der sie sei.

Wachen führen Maria ab.

Dritter AktBearbeiten

Dritter Teil: Galerie im Palast von Westminster

Cecil drängt Elisabetta, endlich Marias Todesurteil zu unterschreiben. Zunächst zögert sie; doch als sie Leicester erblickt und ihr bewusst wird, welch hinterhältiges Spiel er mit ihr getrieben hat, setzt sie ihren Namen unter das Dokument.

Cecil triumphiert und fordert seinen Widersacher Leicester auf, sich freiwillig gefangen zu geben. Er gesteht ihm auch, selbst dafür gesorgt zu haben, dass Marias Brief ihm zugespielt worden sei. Er habe dies alles so geschickt eingefädelt, um ihn als Verschwörer gegen Elisabetta überführen zu können.

Vierter Teil: Gemach im Gefängnis von Maria Stuarda

Maria ist sich bewusst, dass sie bald dem Henker zugeführt wird. Talbot und Cecil überbringen ihr das Urteil. Sie lässt ihr Leben Revue passieren. Dabei denkt sie vor allem an ihren Ehemann, dessen Tod sie zu verantworten hat. Sie ist so mitgenommen, dass sie Wahnvorstellungen bekommt. Talbot, der unter seiner Kleidung ein Priestergewand trägt, kann sie wieder in die Realität zurückzuführen. Bei ihm legt sie ihre letzte Beichte ab.

Saal neben der Hinrichtungsstätte

Als Akt letzter Gnade erlaubt Elisabetta Maria, dass ihre Dienerin Anna sie auf das Schafott begleiten darf. Maria verzeiht Elisabetta und betritt gefasst die Hinrichtungsstätte.

GestaltungBearbeiten

InstrumentationBearbeiten

Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:[1]

MusikBearbeiten

Maria Stuarda ist eine typische Belcanto-Oper. Als musikalische Höhepunkte seien hervorgehoben:

  • Cavatine der Elisabetta im ersten Akt: Ah! quando all'ara sorgemi – Ah dal ciel discenda un raggio
  • Leicesters Cavatine und sein anschließendes Duett mit Talbot im ersten Akt: Ah! rimiro il bel sembiante
  • Die „Trost-“ oder „Beleidigungs-Szene“ von Maria und Elizabeth im zweiten Akt: Morta al mondo, morta al trono
  • Arie der Maria in der zweiten Szene des dritten Aktes: Ah! se un giorno
  • Marias Duett mit ihrer Amme und Chor im dritten Akt: Anna! Qui più sommessi … Deh! Tu di un’umile preghiera il suono Anna!

EntstehungBearbeiten

Das Teatro San Carlo in Neapel beauftragte Donizetti 1834, Giuseppe Bardaris Libretto Maria Stuarda zu vertonen. Im August des Jahres sollte Premiere sein. Die beiden weiblichen Hauptrollen wurden ursprünglich Giuseppina Ronzi de Begnis (als Maria Stuarda) und Anna del Sere (als Elisabeth I.) auf den Leib geschrieben. Bereits während der Proben kam es jedoch zu einem Skandal wegen der heftigen Eifersüchteleien und Handgreiflichkeiten zwischen den beiden Primadonnen. Dabei soll Del Sere so mitgenommen gewesen sein, dass sie sich zwei Wochen lang von ihren blauen Flecken erholen musste.[2] Wegen „innerbetrieblicher und Besetzungsschwierigkeiten“ wurde die Generalprobe immer weiter hinausgeschoben. Als sie dann Ende September endlich stattfand, tauchte ganz überraschend die Königin beider Sizilien, Maria Christina von Neapel – einer direkten Nachfahrin der historischen Maria Stuart[3] –, im Theater auf und wollte sich die Oper schon vor der Uraufführung ansehen. Während der letzte Akt über die Bühne ging, passierte schließlich das Verhängnis: Die Monarchin war von Maria Stuarts Geständnissen in der Beichtszene so schockiert, dass sie in Ohnmacht fiel. Die Folge war, dass die Zensur die Aufführung des Werkes mit einem Verbot belegte.

Donizetti hielt seine Musik für zu wertvoll, als sie einfach in der Versenkung verschwinden zu lassen. In Gemeinschaftsarbeit mit einem neapolitanischen Librettisten verfasste er einen neuen Text, den er seiner Musik unterlegte. Am 18. Oktober 1834 erlebte dann die neue Oper unter dem Titel Buondelmonte eine nicht besonders erfolgreiche Uraufführung im Teatro San Carlo Neapel mit Francesco Pedrazzi (Buondelmonte), Giuseppina Ronzi de Begnis (Bianca), Federico Crespi (Lamberto), Anna Salvetti (Eleonora), Anna del Sere (Irene), Carlo Porto Ottolini (Tedaldo), Teresa Zappucci (Giovanna), Natale Costantini (Mosca), Achille Balestracci (Oderigo) und Sparalik (Stiatta). Der Dirigent war Nicola Festa, und das Bühnenbild stammte von Pasquale Canna.[4] Nur Giuseppina Ronzi de Begnis erhielt sehr positive Kritiken.[5]

Als die Mailänder Scala für die Premiere zum Jahreswechsel 1835/1836 nach einer geeigneten Oper Ausschau hielt, schlug die damals schon sehr berühmte Sängerin Maria Malibran Donizettis „verbotene“ Oper Maria Stuarda vor. Nach heftiger Diskussion wurde das Werk angenommen. Donizetti erhielt den Segen, seine lyrische Tragödie im Original herauszubringen. Am 30. Dezember war es dann soweit. Aber wieder hatte es das Schicksal nicht gut mit der Oper gemeint. Beide Sängerinnen, die Maria und Elisabetta verkörpern sollten, waren völlig indisponiert. Das Beste wäre gewesen, die Uraufführung auf das kommende Jahr zu verschieben. Die Sängerinnen wollten jedoch so kurz vor dem Jahreswechsel nicht auf ihre Gage verzichten und bestanden darauf, dass das Werk über die Bühne ging.

Die Uraufführung fand also am 30. Dezember 1835 statt – mit Maria Malibran in der Titelrolle sowie Giacinta Puzzi Toso (Elisabetta), Teresa Moja (Anna), Domenico Reina (Roberto Leicester), Ignazio Marini (Giorgio Talbot) und Pietro Novelli (Lord Guglielmo Cecil). Der erste Geiger Eugenio Cavallini hatte die musikalische Leitung. Die Bühnenbilder stammten von Baldassarre Cavallotti und Domenico Menozzi.[6] Das Ende war vorhersehbar: Der Erfolg war wiederum nur sehr mäßig. Daraufhin wurde Donizetti so zornig, dass er nie mehr etwas mit der Mailänder Scala zu tun haben wollte.

Erst 123 Jahre später wurde Maria Stuarda in der ursprünglichen Fassung wiederentdeckt. Die Aufführung nach einer solch langen Pause erfolgte 1958 in Donizettis Geburtsort Bergamo, und dieses Mal blieb ihr der verdiente Erfolg nicht versagt.

1986 wurde in Stockholm ein Autograf als einzig authentische Überlieferung aufgefunden. Diese liegt der 1991 bei Casa Ricordi erschienen kritischen Ausgabe von Anders Wiklund zugrunde. Diese Fassung ist gekennzeichnet durch nur zwei Akte statt der bisherigen drei, wobei die bisherigen ersten beiden Akte zum ersten Akt zusammengefasst wurden und damit der dritte Akt zum zweiten Akt wurde.[7] Heutige Inszenierungen beziehen sich vorwiegend auf diese Fassung.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Maria Stuarda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Norbert Miller: Maria Stuarda. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 1: Werke. Abbatini – Donizetti. Piper, München / Zürich 1986, ISBN 3-492-02411-4, S. 759.
  2. Giorgio Migliavacca: „Maria Stuarda: Von den schwierigen Anfängen zum Glanzstück der Renaissance des Belcanto“, Booklet-Text zur CD: Maria Stuarda, mit Edita Gruberova u. a., Nightingale Classics, Zürich 2000, S. 16–23, hier: S. 19.
  3. Maria Christina war Enkelin von Franz I. Stephan, der selber wiederum ein Enkel von Liselotte von der Pfalz war. Deren Großmutter väterlicherseits war Elisabeth Stuart, eine Enkelin von Maria Stuart.
  4. 18. 19 1834: „Buondelmonte“ im Almanacco von Gherardo Casaglia, abgerufen am 8. August 2019.
  5. Giorgio Migliavacca: Maria Stuarda: Von den schwierigen Anfängen zum Glanzstück der Renaissance des Belcanto. Booklet-Text zur CD: Maria Stuarda mit Edita Gruberova u. a. Nightingale Classics, Zürich 2000, S. 16–23, hier: S. 21.
  6. 30. Dezember 1835: „Maria Stuarda“ im Almanacco von Gherardo Casaglia, abgerufen am 8. August 2019.
  7. Maria Stuart - Gaetano Donizetti. In: Mittelsächsisches Theater (Hrsg.): Programmheft, Spielzeit 2018/19. S. 18.