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Münchner Rundfunkorchester

Logo des Münchner Rundfunkorchesters
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Münchner Rundfunkorchester
Münchner Rundfunkorchester

Das Münchner Rundfunkorchester wurde 1952 in München gegründet. Neben dem seit 1949 bestehenden BR-Symphonieorchester entstand damit die zweite Orchesterformation des Bayerischen Rundfunks. In der Münchner Orchesterlandschaft gilt das Rundfunkorchester als Klangkörper mit einem breiten künstlerischen Spektrum.[1]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Mit der Gründung des Münchner Rundfunkorchesters im Jahr 1952 wollte der Bayerische Rundfunk vor allem die „gehobene Unterhaltungsmusik“ pflegen. Im Zentrum der Aufführungen standen von Anbeginn die Münchner Sonntagskonzerte, die bis heute ein Schwerpunkt des Repertoires des Orchesters sind.[2]

In den ersten 65 Jahren seines Bestehens hatte das Orchester insgesamt acht Chefdirigenten.[3] Die Sonntagskonzertreihe startete im Gründungsjahr 1952 unter Werner Schmidt-Boelcke dem ersten Dirigenten des Orchesters. Das Konzert war überschrieben mit dem Motto „Meister der heiteren Muse“. Im Vordergrund stand damals die leichte Muse, vor allem im Operettenbereich. Später ging die Entwicklung verstärkt in Richtung Oper. 1967 präsentierte das Orchester sein erstes „Münchner Funkkonzert“, unter Kurt Eichhorn als zweitem Chefdirigent. Der Schwerpunkt lag auf Werken wenig bekannter Komponisten. Gespielt wurden insbesondere Werke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ab Mitte der 1970er Jahre widmete sich der dritte Chefdirigent Heinz Wallberg neben dem Opern-Standardrepertoire gerne auch eher ausgefallenen Stücken wie z. B. der Oper La Bohème von Ruggero Leoncavallo. Von 1982 bis 1985 leitete Lamberto Gardelli das Münchner Rundfunkorchester. Sein Faible war die italienische Oper. 1985 dirigierte Werner Andreas Albert das 1. Promenadenkonzert; diese Reihe ersetzte von nun an die Funkkonzerte. Fünfter Chefdirigent war Giuseppe Patanè; sein besonderes Interesse galt vergessenen Bühnenwerken, so spielte er Pietro Mascagnis Oper Iris auf Schallplatte ein. Aufgrund von Patanès plötzlichem Tod im Mai 1989 währte seine offizielle Amtszeit als Chefdirigent weniger als eine Saison. 1992 trat Roberto Abbado als neuer Chefdirigent an, nachdem er wenige Wochen zuvor das Galakonzert zum 40-jährigen Jubiläum des Orchesters geleitet hatte. 1998 engagierte der Bayerische Rundfunk Marcello Viotti als Chefdirigenten des Orchesters. Unter dem Titel „Paradisi Gloria“ initiierte Viotti zur Jahrtausendwende einen Konzertzyklus mit geistlicher Musik des 20. Jahrhunderts.[4] Von 2006 bis August 2017 war Ulf Schirmer Künstlerischer Leiter des Orchesters. Inhaltliche Akzente setzte er u. a. mit der Uraufführung von Auftragswerken in der Reihe „Paradisi Gloria“ sowie mit interessanten Wiederentdeckungen im Bereich der Oper und Operette. Zum Beginn der Saison 2017/18 übernahm Ivan Repušić die Position als Chefdirigent. Bereits 2015 leitete er sein allererstes Sonntagskonzert am Pult des Münchner Rundfunkorchesters, nämlich Puccinis La rondine. Erstmals hat das Orchester auf seinen Wunsch hin für die Spielzeit 2017/18 einen Artist in Residence verpflichtet, nämlich die lettische Sopranistin Marina Rebeka.

Eine Auswahl aktueller CD-Einspielungen mit dem Münchner Rundfunkorchester ist auf seiner Homepage zu finden.[5]

ChefdirigentenBearbeiten

Auflösung und Rettung des OrchestersBearbeiten

2005 beschloss der Bayerische Rundfunk, das Münchner Rundfunkorchester bis Ende 2006 aus Spargründen aufzulösen.[7] Chefdirigent Marcello Viotti legte nach Bekanntwerden des Beschlusses sein Amt nieder. Auf die Geschäftsleitung des Bayerischen Rundfunks und die BR-Gremien prasselten landes- und bundesweit Proteste nieder. Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) warf dem BR vor, damit eine seiner erfolgreichsten Abteilungen auslöschen zu wollen und nannte dies einen „einmaligen Vorgang in der deutschen Nachkriegs-Rundfunkgeschichte“. Am 27. April 2005 wurde der Auflösungsbeschluss rückgängig gemacht.[8] In verkleinerter Form (rund 50 statt bisher 72 Instrumentalisten) kann das Rundfunkorchester seit dem 1. September 2006 weiter spielen und arbeitet seither verstärkt im jugendpädagogischen Bereich.

AuszeichnungenBearbeiten

Im Jahr 2010 erhielt das Rundfunkorchester unter der Leitung von Ulf Schirmer den ECHO Klassik 2010 für Karl Amadeus Hartmanns Operneinspielung von Des Simplicius Simplicissimus Jugend (nach dem Abenteuerlichen Simplicissimus von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen) in der Kategorie Operneinspielung des Jahres (20./21. Jahrhundert).

CD-ProduktionenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

Doris Sennefelder (Hrsg. im Auftrag des Bayerischen Rundfunks): 50 Jahre Münchner Rundfunkorchester 1952–2002. Bärenreiter, Kassel 2001, ISBN 3-7618-1530-1.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Biografie des Orchesters in klassik-heute.com, abgerufen am 10. September 2015
  2. Sonntagskonzerte auf br.de, abgerufen am 10. September 2015 (Memento vom 8. Oktober 2015 im Internet Archive)
  3. Biographie des Orchesters auf rundfunkorchester.de. Abgerufen am 6. September 2017.
  4. Paradisi-gloria-Konzerte 2015/2016, abgerufen am 10. September 2015 (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive)
  5. Diskografie Münchner Rundfunkorchester. Abgerufen am 6. September 2017.
  6. HERZLICH WILLKOMMEN, IVAN REPUŠIĆ! Münchner Rundfunkorchester, abgerufen am 26. April 2017.
  7. BR beschließt Orchesterauflösung, auf verdi.de, abgerufen am 10. September 2015
  8. Deutscher Musikrat: "Das Münchner Rundfunkorchester spielt weiter" vom 29. April 2005, abgerufen am 10. September 2015