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Werkdaten
Titel: Maria Padilla
Titelblatt des Librettos, Mailand 1841

Titelblatt des Librettos, Mailand 1841

Form: Oper in drei Akten
Originalsprache: Italienisch
Musik: Gaetano Donizetti
Libretto: Gaetano Rossi
Uraufführung: 26. Dezember 1841
Ort der Uraufführung: Teatro alla Scala, Mailand
Spieldauer: 2 ¾ Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Kastilien, um 1350–1361
Personen
  • Don Pedro, Herzog von Kastilien und späterer König (Bariton)
  • Ramiro, Herzog von Albuquerque, Ministerpräsident (Bass)
  • Don Ruiz di Padilla, spanischer Edelmann (Tenor)
  • Don Luigi, Graf von Aguilar (Tenor)
  • Don Alfonso di Pardo, Cousin der Schwestern Padilla (Bass)
  • Bianca von Frankreich (stumme Rolle)
  • Donna Maria Padilla, Tochter von Don Ruiz und Mätresse von Don Pedro (Sopran)
  • Donna Ines Padilla, Tochter von Ruiz (Sopran)
  • Francisca, Marias Amme (Alt)
  • Hofstaat, kastilische und französische Würdenträger, Jäger, Vasallen der Padillas, königliche Garden (Chor)

Maria Padilla ist eine Oper (Originalbezeichnung: „melodramma“) von Gaetano Donizetti auf ein Libretto von Gaetano Rossi. Die 26. Dezember 1841 im Teatro alla Scala in Mailand uraufgeführte Oper hat drei Akte. Die Sänger der Uraufführung waren Sophie Löwe (Maria), Luigia Abbadia (Ines), Domenico Donzelli (Ruiz) und Giorgio Ronconi (Don Pedro). Das Libretto beruht auf der 1838 uraufgeführten Tragödie María de Padilla von Jacques-François Ancelot, die sich wiederum auf die historische Figur der María de Padilla (* 1334; † 1361) bezieht. Abweichend von der in romantischen Opern üblichen Besetzung ist in Maria Padilla der Tenor der Vater und der Liebhaber der Bariton.

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Erster AktBearbeiten

Atrium im maurischen Stil im Kastell der Padilla

Bei der Vorbereitung der Hochzeit von Inez Padilla mit dem Grafen Luis de Aguilar erzählt ihr ihre Schwester Maria von einem Traum, in dem sie sich als Königin gesehen habe. Ines warnt Maria vor überzogenen Erwartungen, aber offenbar ist Marias Ehrgeiz geweckt. Während der Hochzeitsfeierlichkeiten kommen sich Maria und der Graf Mendez näher.

Zimmer in der Wohnung Marias

Nach dem Fest versucht Mendez, Maria zu entführen. Es stellt sich heraus, dass er in Wahrheit Don Pedro ist, der künftige König Kastiliens (Pedro der Grausame). Als er in das Schlafzimmer Marias eindringt, will sie ihn um ihrer Ehre willen zunächst erdolchen, er schwört ihr aber große Liebe, sie sieht plötzlich die Erfüllung ihrer Träume in Reichweite, nötigt Pedro ein Eheversprechen ab und ist dann auch mit der Entführung einverstanden.

Zweiter AktBearbeiten

Saal in einem Palast in Sevilla

(zwei Jahre später)

Ein prunkvolles Fest im Palast des Königs Don Pedro: Maria ist die heimliche Ehefrau Don Pedros, offiziell aber nur seine Maitresse und aufgrund der illegitimen Verbindung und ihres geringen Adelstandes am Hof verachtet. Dem ersten Minister, dem Herzog von Albuquerque, ist Maria politisch im Weg, denn er strebt eine dynastische Verbindung Don Pedros mit dem französischen Königshaus an und hat eine entsprechende Ehe angebahnt.

Don Ruiz, der alte Vater der Padilla-Schwestern, kommt in den Palast und beklagt den Verlust seiner Ehre durch die Schande seiner Tochter. Er beleidigt Don Pedro und fordert ihn zum Duell, das die Höflinge aber verhindern. Don Ruiz soll sofort hingerichtet werden, aber Maria kann bei Don Pedro eine Begnadigung erwirken.

Dritter AktBearbeiten

Bescheidene Wohnung im Haus des Grafen von Aguilar

Hier ist Don Ruiz untergekommen, der mittlerweile wahnsinnig geworden ist. Maria ist gekommen, um doch noch Vergebung von ihrem Vater zu erhalten. Der trällert im Nebenzimmer ein Wiegenlied Marias; Maria singt mit, so dass sie der Vater trotz seines Wahnsinns erkennt. Um sich zu rechtfertigen, zeigt Maria ihrem Vater ein schriftliches Eheversprechen von Don Pedro. Der Vater gerät schon bei der bloßen Nennung des Namens des Königs in rasende Wut und wirft das Schreiben ins Feuer. Während draußen Bianca, die Prinzessin von Frankreich, schon als künftige Königin gefeiert wird, sieht sich Maria verloren.

Saal im Königspalast

Im Palast des Königs findet bereits die Hochzeit Don Pedros mit Bianca statt. Don Pedro will Bianca zur Königin krönen, da stürzt Maria herein, sie erinnert den König an seinen Treueschwur und fordert die Krone für sich. Ines führt den wahnsinnigen Ruiz, die Inkarnation des schlechten Gewissens, herein, da erkennt der König seine Schuld und er bekennt sich gegen die Staatsraison und – gegen den Protest der Hofleute und der französischen Gesandten – zu Maria. Alles könnte nun gut werden, doch Maria bricht, vom Glück überwältigt, tot zusammen.

Ursprüngliche Fassung des Schlusses, die von der Zensur untersagt wurde: Der König erhört Maria nicht, daraufhin erdolcht sie sich.

Lieto Fine (Happy End) ab der Aufführung in Triest (1842) und damit endgültiger Schluss: Maria bricht nicht tot zusammen; sie wird von Pedro geheiratet und ist nun offizielle Königin von Kastilien.

OrchesterBearbeiten

Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:[1]

WerkgeschichteBearbeiten

Donizetti stand bei Maria Padilla für seine Verhältnisse ungewöhnlich viel Zeit zur Verfügung: Er hatte mit der Komposition bereits im Sommer 1841 begonnen, die Arbeit mehrfach unterbrochen und war schließlich am 2. November bis auf die Instrumentierung fertig geworden. Dafür blieben ihm dann noch knapp zwei Monate Zeit.[2] Am 10. Dezember begannen die Proben; noch während der Probenzeit musste aber noch der Schluss der Oper geändert werden, weil die Zensur einen Freitod auf offener Bühne nicht erlauben wollte.[1]:34

Die Uraufführung fand am 26. Dezember 1841 unter der musikalischen Leitung von Eugenio Cavallini im Teatro alla Scala in Mailand statt. Das Bühnenbild stammte von Baldassarre Cavallotti. Es sangen Giorgio Ronconi (Don Pedro), Gaetano Rossi (Ramiro), Domenico Donzelli (Don Ruiz), Ranieri Pochini (Don Luigi), Agostino Berini (Don Alfonso), Sophie Löwe (Maria Padilla), Luigia Abbadia (Ines Padilla) und Teresa Ruggeri-Visanetti (Francisca).[3]

Die Aufführung war zwar kein Triumph wie etwa Lucia di Lammermoor, aber doch ein hinreichend großer Erfolg; der Komponist wurde (entsprechend den damaligen Gepflogenheiten) noch während der Aufführung achtmal herausgerufen. Maria Padilla brachte es in der ersten Spielzeit in Mailand auf 24 Aufführungen. Am 1. März 1842 wurde die Oper in Triest gegeben, dafür komponierte Donizetti ein Lieto fine; die neue Cabaletta finale schrieb er für Eugenia Tadolini, die die Titelpartie auch in der Premiere am San Carlo in Neapel sang. Dafür unterzog Donizetti die Oper einer weiteren Revision.[4] In Neapel hatte die Oper Erfolg und wurde ab 1842 mehrere Jahre lang gespielt.[1]:36 In der Karnevalssaison 1843 war die Oper am Teatro La Fenice in Venedig ein Misserfolg und kam auf nur drei Aufführungen.[5] Außerhalb Italiens hielt sich Maria Padilla noch bis in die 1860er-Jahre vereinzelt im Spielplan, beispielsweise in Lissabon (1846) und in Wien (1847),[1]:37 dann verschwand sie ganz. Erst 1973 kam wieder es zu einer Aufführung in London; seither kommt es gelegentlich, vor allem im angelsächsischen Raum, zu neuen Inszenierungen, so 1979 erneut in London, 1982 in Parma, 1990 in Omaha (mit Renée Fleming als Maria), 2008 in Boston oder zuletzt 2012 erneut in London. Aufführungen an deutschsprachigen Opernhäusern sind nach 1847 nicht bekannt.

DiskographieBearbeiten

  • 1973: Kenneth Montgomery; Janet Price, Margreta Elkins, Gunnar Drago, Christian du Plessis, Malcolm King, Patricia Sabin; Bournemouth Sinfonietta und Chor Opera Rara; Unique Opera Records
  • 1980: Alun Francis; Lois McDonall, Della Jones, Graham Clark, Christian du Plessis, Roderick Earle, Ian Caley; London Symphony Orchestra und Geoffrey Mitchell Choir; Opera Rara
  • 1990: John DeMain; Renée Fleming, Stella Zambalis, Hans Gregory Ashbaker, Motti Kaston, Dan Smith, Arturo Valencia; Orchestra und Chor der Oper Omaha; Premiere Opera

WeblinksBearbeiten

  Commons: Maria Padilla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Norbert Miller: Maria Padilla. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 2: Werke. Donizetti – Henze. Piper, München/Zürich 1987, ISBN 3-492-02412-2, S. 34–37.
  2. Herbert Weinstock: Donizetti. Edition Kunzelmann, Adliswil, 1983, S. 161.
  3. 26. Dezember 1841: „Maria Padilla“ im Almanacco von Gherardo Casaglia, abgerufen am 28. Juli 2019.
  4. Jeremy Commons: Maria Padilla. Booklet-Text zum CD-Set Donizetti: Maria Padilla mit Lois McDonall, Alun Francis u. a. Opera Rara, 1992: ORC 6. S. 10–50, hier: S. 37–40 und S. 44
  5. Herbert Weinstock: Donizetti. Edition Kunzelmann, Adliswil, 1983, S. 162.