Maienfeld

Gemeinde in der Schweiz
Maienfeld
Wappen von Maienfeld
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton GraubündenKanton Graubünden Graubünden (GR)
Region: Landquart
BFS-Nr.: 3953i1f3f4
Postleitzahl: 7304
Koordinaten: 759104 / 208455Koordinaten: 47° 0′ 29″ N, 9° 31′ 52″ O; CH1903: 759104 / 208455
Höhe: 504 m ü. M.
Höhenbereich: 495–2567 m ü. M.
Fläche: 32.33 km²
Einwohner: 2945 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 91 Einw. pro km²
Website: www.maienfeld.ch
Maienfeld, Sicht von Südwesten

Maienfeld, Sicht von Südwesten

Lage der Gemeinde
ChapfenseeGigerwaldseeLünerseeMapraggseeLiechtensteinÖsterreichKanton St. GallenRegion ImbodenRegion PlessurRegion Prättigau/DavosMaienfeldFläschJeninsMaienfeldFläschMalans GRLandquart GRLandquart GRTrimmisUntervazZizersKarte von Maienfeld
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Maienfeld (rätoromanisch Audio-Datei / Hörbeispiel Maiavilla?/i) ist eine Gemeinde mit Stadtrecht in der Bündner Herrschaft am Fusse des Falknis. Maienfeld ist umgeben von Rebbergen. Maienfeld ist im Roman Heidi von Johanna Spyri Ankunftsort der Protagonistin in der Schweiz. Politisch gehört Maienfeld zu der Region Landquart des Kantons Graubünden.

GeschichteBearbeiten

Auf Gemeindegebiet wurden prähistorische Funde gemacht. Erstmals erwähnt wird Maienfeld im 4. Jahrhundert als Magia auf der Peutingerschen Tafel, 801–805 als Lupinis. Magia war wohl römische Station an den historischen Strassen im Rheintal, an der Verzweigung des Wegs nach Zürich (Turicum) und Bregenz (Brigantium).

Das Stadtrecht ist 1434 erstmals dokumentiert, das Marktrecht lag jedoch bei Malans. Traditionell wird Maienfeld auch heute noch Stadt genannt, der zentrale Platz ist das Städtli. Seit 1436 war Maienfeld Mitglied des Zehngerichtebunds, 1438 schloss es einen Stadtrechtsvertrag mit den Freiherren von Brandis. Diese waren von 1416 bis 1510 Landesherren von Maienfeld zusammen mit der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg im heutigen Liechtenstein. 1499 wurde Maienfeld im Zuge des Schwabenkrieges von den Eidgenossen und Bündnern besetzt. Dabei gerieten die Freiherren in Gefangenschaft. 1510 kauften die Drei Bünde Maienfeld von den Freiherren von Brandis. Damit war Maienfeld in einer komischen Situation. Einerseits waren die Maienfelder als Mitglied des Zehngerichtsbundes Landesherren, anderseits aber Untertanen der Drei Bünde, da Maienfeld Teil einer «Gemeinen Herrschaft» der Drei Bünde mit Namen «Bündner Herrschaft» war.[2] Da die Herrschaften Schellenberg und Vaduz an die Grafen von Sulz verkauft wurden entstand die heutige Landesgrenze in der Nähe des St. Luzisteig zwischen Liechtenstein und der Schweiz. Maienfeld wurde zur Grenzstadt. 1803 kam Maienfeld mit dem Beitritt der Drei Bünde zur Schweiz.

Ab dem 14. Jahrhundert wanderten Walser in der Umgebung der Stadt ein und gründeten mehrere Siedlungen, die als Walsergemeinde Berg Teil der Stadt wurden, deren Bewohner jedoch erst Jahrhunderte später ins Stadtbürgerrecht aufgenommen wurden. Zu diesen Siedlungen gehören Rofels, Bovel, Guscha, Stürfis und Vatscherin («Hölzli»), die beiden letzteren heute Wüstungen.[3]

 
Rathaus von Maienfeld (rechts)

Maienfeld, bis zu diesem Zeitpunkt rätoromanisch, wurde im 16. Jahrhundert germanisiert. Die Reformation wurde schon 1529 eingeführt.

Nach dem Bau der Rheintallinie von St. Gallen nach Chur Mitte des 19. Jahrhunderts, kurze Zeit später mit Abzweigung nach Zürich, verlor die Stadt an Bedeutung für den Personen- und Güterverkehr, die Funktion als regionales Zentrum ging an die nahegelegenen Orte Bad Ragaz, Sargans und Landquart über.

WappenBearbeiten

Beschreibung: In Blau drei (2:1) gestellte sechszackige goldene Sterne.

GeographieBearbeiten

 
Ruine Wartenstein, im Hintergrund Maienfeld
 
Historisches Luftbild aus 400 m von Walter Mittelholzer von 1924

Maienfeld liegt acht Kilometer südöstlich von Sargans im unteren Churer Rheintal und wird auch die dritte Stadt am Rhein genannt. Das Gemeindegebiet grenzt im Westen an die Gemeinde Bad Ragaz, Kanton St. Gallen, im Westen und Norden an Gebiete der Gemeinde Fläsch, Kanton Graubünden, im Norden an Gebiete der Gemeinden Balzers, Triesen und Schaan im Fürstentum Liechtenstein, Nenzing im Vorarlberg, im Osten an die Gemeinde Seewis im Prättigau, im Südwesten an die Gemeinden Jenins und Malans, im Süden an Gebiete der Gemeinden Landquart und Zizers.

Der Ort liegt auf der rechten Talseite des Rheins am Fuss des Falknis und besteht aus dem Städtchen, Bovel, Rofels und St. Luzisteig, einem Passübergang ins Fürstentum Liechtenstein mit der Festung St. Luzisteig aus dem 18. Jahrhundert, die heute noch als Kaserne der Schweizer Armee genutzt wird. Die alte Walsersiedlung Stürfis wurde bereits 1633 aufgegeben und in eine Alp der Stadt Maienfeld umgewandelt, die Bewohner nach Rofels umgesiedelt. Die Walsersiedlung Guscha dagegen war noch bis 1969 bewohnt, als die zwei letzten ansässigen Familien nach dem Verkauf des Landes an die Armee als Übungsgelände wegzogen. Zwischen Maienfeld und Jenins liegt das Bachbett der Teilerrüfi.

Vom gesamten Gemeindegebiet von 3237 ha sind 1433 ha landwirtschaftliche Nutzflächen. Der grösste Teil davon besteht aus Ackerland und Maiensässen (737 ha), doch dienen 122 ha dem Reb-, Obst- und Gartenbau. 1034 ha des Gemeindeareals sind von Wald und Gehölz bedeckt. Nebst 596 ha unproduktiver Fläche (meist Gebirge) werden 174 ha als Siedlungsfläche genutzt.

Bis zum 23. Oktober 1977 bestand eine sogenannte Kommunanz, in Form des Gemeinschaftsgebietes Maienfeld-Fläsch, das den Gemeinden Fläsch und Maienfeld gemeinsam gehörte.

BevölkerungBearbeiten

Von den 2432 Bewohnern am Ende des Jahres 2004 waren 2208 (= 91 %) Schweizer Staatsangehörige. Bei der Volkszählung 2000 gaben als Hauptsprache 92 % Deutsch an (häufigste Hauptsprache), 1,5 % Portugiesisch (zweithäufigste) und 1,5 % Rätoromanisch (dritthäufigste).

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1950 2000 2010
Einwohnerzahl 1232 1240 1568 2368 2554

BildungBearbeiten

Maienfeld ist Standort einer Primarschule (1. bis 6. Schuljahr) für die Gemeinde Maienfeld sowie eines Kreisschulzentrums mit einer Sekundar- und Realschule (7. bis 9. Schuljahr) für die Gemeinden Fläsch, Maienfeld und Jenins (Kreis Maienfeld ohne Gemeinde Malans).

In Maienfeld liegt zudem das interkantonale Bildungszentrum Wald Maienfeld, in dem Fachleute für Wald und Landwirtschaft ausgebildet werden.

WirtschaftBearbeiten

 
Über den Rebbergen steht der Falknis

Der Weinbau spielt seit alters her eine wichtige Rolle und ist der grösste Wirtschaftszweig. Das Weingut Schloss Salenegg gilt als ältestes noch bestehendes Weingut Europas.[4] Hauptsorte ist der Blauburgunder (Pinot Noir), der früher unter dem Namen Beerliwein verkauft wurde; heute ist dieser Name nur noch selten zu finden. An zweiter Stelle folgt der Riesling-Silvaner gefolgt von Weissburgunder (Pinot Blanc), Chardonnay und Grauburgunder (Pinot Gris). In Maienfeld wird eine Rebfläche von 108,9 ha bewirtschaftet (Graubünden total: 418,5 ha). Sie ist damit die grösste Weinbaugemeinde im Kanton Graubünden.

Die übrige Landwirtschaft besteht aus Ackerbau und Viehwirtschaft. Es gibt einige kleinere Industriebetriebe. Ein grosser Teil der in Maienfeld wohnhaften Arbeitsbevölkerung pendelt zur Arbeit in die nächstgelegenen grösseren Ortschaften resp. Städte wie bspw. Chur, Landquart, Sargans oder Bad Ragaz.

TourismusBearbeiten

Seit der Roman Heidi von Johanna Spyri erschienen ist, gilt die Gemeinde als Heimatort dieser Romanfigur. Der Ortsteil Rofels wird oft auch als Heididörfli bezeichnet. Der Heiditourismus führt Touristen aus aller Welt in die Gemeinde. 500 Höhenmeter oberhalb des Städtchens liegt die «Heidialp» auf dem Ochsenberg.

Auf den Hausberg Falknis, der jedoch auf Gemeindegebiet von Fläsch liegt, und zahlreiche andere Berge in der Umgebung können Bergtouren unternommen werden.

Als wichtiger Ort der Bündner Herrschaft besuchen jährlich zahlreiche nationale und internationale Touristen sowohl die Altstadt als auch die nähere Umgebung inklusive der Maienfeld umgebenden Rebberge.

Maienfeld verfügt über Beherbergungsmöglichkeiten unterschiedlicher Grösse.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Die Altstadt mit Resten der Stadtmauer, das Schloss Brandis (mit Bildern des Waltensburger Meisters) sowie das Schloss Salenegg sind im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz als von nationaler Bedeutung aufgeführt.[5]

Inmitten des Stadtkerns steht die Amanduskirche. Das Schloss Salenegg oberhalb von Maienfeld ist seit Jahrhunderten im Besitz der Familie Gugelberg von Moos. Weitere Herrensitze im Ortskern gehören bis heute den Bündner Adelsgeschlechtern von Salis und Sprecher von Bernegg.

Eine naturkundliche Sehenswürdigkeit ist der jahrhundertealte Eichenwald nördlich des Städtchens (oberhalb der Siedlung Bovel).

VerkehrBearbeiten

 
Bündner Herrschaft bei Maienfeld

Maienfeld liegt an der Hauptstrasse 28 von Landquart über die St. Luzisteig nach Balzers sowie an der Autobahn A 13. Auf Gemeindegebiet liegen die Ausfahrt 13 (Maienfeld) und Teile der Ausfahrt 14 (Landquart) sowie der Autobahnraststätte Heidiland. Die SBB-Bahnstrecke von Chur nach Sargans und weiter nach St. Gallen oder Zürich bedient den Bahnhof Maienfeld im Halbstundentakt.

Veranstaltungen und BrauchtumBearbeiten

Jährlich im Oktober findet das Internationale Pferderennen Maienfeld Bad Ragaz statt. Ein besonderer Maienfelder Osterbrauch war das Eiertrööla, das jeweils am Ostersonntag auf dem Eierbühel (Eierhügel) zwischen Rofels und Bovel stattfand. Der Brauch ist mittlerweile in Vergessenheit geraten und wird nur noch sehr vereinzelt von Familien im Ort gepflegt.

Ein Höhepunkt im Herbst ist der Wimmlet, wie die Lese der Trauben auch genannt wird. Im September und Oktober helfen dann jeweils bunte Gruppen aus Freunden, Bekannten aber auch Externen den Weinbauern dabei, die Ernte einzufahren.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter MaienfeldsBearbeiten

Weitere PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Die Südostschweiz (Hrsg.): Die Gemeinden des Kantons Graubünden. 2. Auflage, Rüegger, Chur / Zürich 2003, ISBN 3-7253-0741-5 (Beschreibung von 208 Gemeinden des Kantons zum Jubiläum "200 Jahre Graubünden")

WeblinksBearbeiten

Commons: Maienfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. Historisches Lexikon der Schweiz Maienfeld
  3. Anton Moser: Ein verschwundenes Bündnerdorf: die freien Walser auf Stürfis, Vatscherinenberg, Rofels und Guscha (Mutzen). Bündnerisches Monatsblatt, Band 1915, Heft 3, doi:10.5169/seals-395876
  4. Zukunft ist Herkunft (Memento des Originals vom 24. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schloss-salenegg.ch auf der Webseite von Schloss Salenegg
  5. Inventaire suisse des biens culturels d'importance nationale et régionale (édition de 1995)