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Liste der Patriarchen von Grado

Wikimedia-Liste

Die Frage, wer zu den Patriarchen von Grado zu rechnen sei, ist für das Frühmittelalter seit Jahrhunderten umstritten. Daher kommen die Autoren auf stark divergierende Angaben, eine Unsicherheit, die durch die Widersprüchlichkeit der Quellenangaben und die spät einsetzende venezianische Überlieferung noch gesteigert wird. 1875 zählte etwa Simone Dellagiacoma 60 Patriarchen von Grado, die nach seiner Auffassung, die er in einer dreiseitigen Fußnote begründet, zwischen 725 und 1451 amtierten.[1] Heinrich Kretschmayr hingegen zählt 1905 in seiner Liste[2] allein fünf Patriarchen auf, die noch vor Candidianus in den von ihm benutzten Quellen erscheinen, nämlich „Paulus (Paulinus)“, „Probinus“, „Elias“, „Severus“ und „Marcian“. Candidianus datiert er etwa in die Jahre 607 bis 612 oder 610 bis 615, die Quellen geben als Amtsdauer fünf Jahre an.[3]

In Grado ansässige PatriarchenBearbeiten

  • Candidianus (606–612)
  • Epiphanius (612613) † 616
  • Cyprianus (613627)
  • Primogenius (630–647)
  • Maximus II. (649)
  • Stephanus II. (670672)
  • Agatho († 679)
  • Christophorus (682–717)
  • Donatus (717–725)
  • Antoninus (725–747)
  • Emilianus (747–755)
  • Vitalianus (755–767)
  • Johannes von Grado (767–802)
  • Fortunatus II. (802/3–820) † wohl 825/826
  • Johannes V. (820825)
  • Venerius Trasmondo (825–851/2)
  • Viktor I. (852–858)
  • Vitalis I. Parteciaco (Partecipazio) (858–...)
  • Petrus I. Marturio (875–877/8)
  • Viktor II. Parteciaco (878–...)
  • Georgius
  • Vitalis II.
  • Domenicus I. Tribuno (904–...)
  • Dominicus II. (919)
  • Laurentius Mastalico
  • Marinus Contarini (933–...)
  •  ? (944)
  • Bonus Blancanico (960)
  • Vitalis III. Barbolani
  • Vitalis IV. Candiano (9761017)
  • Orso Orseolo (10181026)
  • Vakanz
  • Orso Orseolo (10301049)
  • Dominicus III. Bulzano (1050(?))
  • Dominicus IV. Marango (1050(?)–?)
  • Dominicus V. Cerbano (1074–1077)
  • Johannes VI. Saponario
  • Petrus II. Badoer da Noale (1092–1105)

In Venedig ansässige PatriarchenBearbeiten

Nach dem Tod des letzten Patriarchen 1451 wurde das Patriarchat Grado durch Papst Nikolaus V. aufgelöst und an seiner Stelle zusammen mit den Bistümern Castello und Venedig das Patriarchat von Venedig eingerichtet, dessen erster Patriarch Lorenzo Giustiniani war.

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Schmidinger: Patriarch und Landesherr. Die weltliche Herrschaft der Patriarchen von Aquileja bis zum Ende der Staufer, Graz/Köln 1954.
  • Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig, Bd. 1, Gotha 1905, S. 402–404 (seine Liste reicht von 560 bis 1205)
  • Gerhard Rösch: Der venezianische Adel bis zur Schließung des Großen Rates, Sigmaringen 1989, S. 185–189.
  • Simone Dellagiacoma: Fortunato di Trieste patriarca di Grado, 803-825, in: Archeografo triestino, n.s. 3 (1872–1875) 317–339 (diskutiert in einer mehrseitigen Fußnote die Frage, ab wann es Patriarchen von Grado gab und kommt zu dem Ergebnis, dass davon erst ab 717 (Donato) oder 725 die Rede sein kann). (Google Books)

AnmerkungenBearbeiten

  1. Simone Dellagiacoma: Fortunato di Trieste patriarca di Grado, 803-825, in: Archeografo triestino, n.s. 3 (1872–1875) 317–339, hier: S. 317.
  2. Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig, Bd. I, Gotha 1905, S. 402–404.
  3. Als Amtsjahre zählt er für „Paulus (Paulinus)“ 12 Jahre, für „Probinus“ ein Jahr, „Elias“ 14 Jahre und 10 Monate, „Severus“ 21 Jahre und für „Marcian“ 3 Jahre und 5 Tage. Damit ergeben sich für Kretschmayr bei allen Unsicherheiten der Datierung als Amtszeiten (560)–572, 572, 572–586, 586–607 (?) sowie 607 (?) – 610 (?). Die Angaben über die Amtsdauern bezieht er aus dem Chronicon Venetum, darüber hinaus aus der Cronica de singulis patriarchis nove Aquileiae sowie den Chroniken des Paulus Diaconus und des Johannes. Kryptisch fügt er an: „Mancherlei aus Dokumenten“ (S. 402).