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Klosterruine Limburg von Süden
Blick aus dem Mittelschiff zum Chorbereich
Blick auf den Chor von Osten

Das Kloster Limburg (nach dem Zerfall oft auch Klosterruine Limburg, einst Abtei „Zum heilgen Kreuz“ oder Kloster Limburg an der Haardt) ist ein ehemaliges Kloster aus dem Mittelalter. Es liegt am Ostrand des Pfälzerwalds auf der Gemarkung der rheinland-pfälzischen Kreisstadt Bad Dürkheim. Die im romanischen Stil errichtete Anlage existiert nur noch als Ruine. Sie zählt zu den größten und bedeutendsten Denkmälern der frühsalischen Baukunst.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

 
Blick auf die Ruine von Osten, dahinter der Pfälzerwald

Die Klosterruine Limburg liegt im Naturpark Pfälzerwald hoch über dem Südufer des linken Rhein-Nebenflusses Isenach, der im Westen von Bad Dürkheim den Ostrand des Pfälzerwalds, die Haardt, durchbricht und zunächst in das Hügelland an der Deutschen Weinstraße, dann in die Rheinebene eintritt. Die Anlage befindet sich auf dem heutigen Limburgberg, der 260,5 m hoch ist, und zwar nordöstlich des Gipfels etwas unterhalb auf 245 bis 250 m Höhe.[3] Außerhalb des Klostergeländes erstreckt sich das 1989 gegründete und etwa 12 Hektar große Naturschutzgebiet Haardtrand – Am Limburgberg (NSG-Nr. 163433).[4]

Die Limburg lässt sich zu Fuß über die Bad Dürkheimer Stadtteile Grethen und Hausen erreichen, mit dem Kraftfahrzeug über den Stadtteil Seebach.

UmgebungBearbeiten

In der Umgebung gibt es weitere historische Stätten: ebenfalls rechts der Isenach die mittelalterliche Hardenburg, gegenüber, links der Isenach, den Teufelsstein mit vermutlich urgeschichtlichen Bearbeitungsspuren, die keltische Heidenmauer und den römischen Steinbruch Kriemhildenstuhl.

GeschichteBearbeiten

FrühgeschichteBearbeiten

Das älteste festgestellte Bauwerk auf dem späteren „Linthberg“[Anm. 1] ist eine keltische Höhensiedlung.[5][6] Archäologische Ausgrabungen sollen weitere Erkenntnisse zu diesem keltischen Zentrum erbringen.[7] Weitere Zeugnisse der keltischen Epoche im Umland sind das 1864 beim Bau der Pfälzischen Nordbahn zwischen Bad Dürkheim und Wachenheim an der Weinstraße entdeckte Fürstengrab auf dem Heidenfeld sowie Anzeichen für weitere fünf mögliche Fürstengräber und der Fund einer Carnyx, eines keltischen Blasinstruments, bei Umbauarbeiten im Bereich der heutigen Gaststätte im Klosterbezirk. Auch aus der römischen Zeit gibt es Funde.[8]

HochmittelalterBearbeiten

 
Mittelschiff gegen Westen, im Vordergrund das Grab der Königin Gunhild
 
Grab der Königin Gunhild
 
Klosterwappen: Kreuz mit Dornenkrone

Im 9. Jahrhundert legten die in Worms residierenden Gaugrafen aus dem Geschlecht der Salier eine Burg an, die den Eingang des Isenachtals beherrschte. Wie die Burg ausgesehen hat, ist weitgehend unbekannt.[Anm. 2] Die archäologisch ausgegrabenen Relikte sind spärlich, und die ergrabenen Befunde erfassen nur einen Teil der Anlage. Sie lassen eine Rekonstruktion nicht zu.[9] Es ist nicht bekannt, ob die Burg zur Zeit der Klostergründung noch genutzt oder schon aufgegeben war.[10] Deren militärische Funktion übernahm gut 300 Jahre später die Hardenburg, die 2 km weiter westlich errichtet wurde.

Unter Beibehaltung des Namens in der Umgangssprache, der offiziell allerdings Kloster zum Heiligen Kreuz lautete[11], wurde die Limburg ab 1025[12] als Hauskloster der Salier zu einer Abtei des Benediktinerordens mit Basilika umgebaut. Einige Jahre später begann der Bau des Doms zu Speyer.[Anm. 3] Als Baumeister der Anlage auf der Limburg wurde ein Mönch namens Gumbert identifiziert, der 1035 auch kurzfristig als dritter Abt amtierte und dessen Grabplatte erhalten ist, von dem aber sonst kaum etwas bekannt ist.[13]

Das Kloster erhielt eine reiche Ausstattung, die sich weit über die Region hinaus erstreckte. Erste Teile der Kirche wurden 1035 in Anwesenheit Kaiser Konrad II. der Gottesmutter Maria geweiht. Es handelte sich um drei Altäre in der Krypta. Die Weihe der gesamten Kirche erfolgte 1042. Als Patrozinium wurden das Heilige Kreuz, die Jungfrau Maria und der Evangelist Johannes gewählt.[14] Die offizielle Bezeichnung der Abtei lautete: „Stift zum Heiligen Kreuz“. Darauf bezieht sich auch dessen Wappen, ein schwarzes Kreuz auf silbernem Feld.[15]

Vorübergehend, von 1042 bis 1056, wurden die Reichskleinodien im Kloster aufbewahrt.[16] Als Gunhild von Dänemark, die Gattin des späteren Kaiser Heinrich III., 1038 in Italien starb, wurde ihr Leichnam über die Alpen gebracht und im Kloster beerdigt.[17] Ob das 1935 archäologisch untersuchte Grab, das sich in prominentester Lage fand, direkt vor dem zentralen Altar vor dem Lettner, ihr zuzurechnen ist, bleibt aufgrund der Differenzen zwischen dem anthropologischen Befund und der historischen Überlieferung unsicher.[18]

Am 3. Dezember 1038 beschloss eine Synode im Kloster Limburg in Anwesenheit des Kaisers die heute noch geltende Regel, wie die Adventsonntage im Kirchenjahr liegen und zu berechnen sind.[19]

Unter Abt Einhard II., der ab 1060 zugleich Bischof von Speyer war, wurde das Kloster Limburg 1065 dem Bistum Speyer unterstellt. Seine Schätze, darunter zahlreiches goldenes liturgisches Gerät und 34 Pfund unverarbeitetes Gold, ließ Einhard II. nach Speyer abtransportieren.[20] Erst 1120 wurde das Kloster wieder vom Bistum unabhängig,[21] die materiellen Verluste aber wurden nicht erstattet.[22]

In der Auseinandersetzung zwischen Kaiser Lothar III. und dem staufischen Herzog Friedrich II., dem Erben der ausgestorbenen Salier, kam es 1128 zu einer – letztendlich folgenlosen − wochenlangen Belagerung des Klosters, in dem sich Anhänger der Staufer verschanzt hatten.[23]

Im 12. Jahrhundert hatte die Abtei Münzrecht. Eine entsprechende Privilegierung hat sich nicht erhalten, jedoch sind entsprechende Prägungen von Denaren bekannt.[24]

1196 erhielten die Äbte des Klosters das Recht, die bischöfliche Mitra tragen zu dürfen.[25]

SpätmittelalterBearbeiten

1206[26], nach anderen Quellen 1237, wurden die Grafen von Leiningen in Nachfolge der ausgestorbenen Salier Schutzvögte des Klosters. Sie nutzten diese Stellung, um in den 1220er Jahren und in unmittelbarer Nähe und auf Grundeigentum des Klosters die Hartenburg zu errichten. Erst 1249 wurde das Kloster dafür entschädigt.[27]

Bereits 1364[28], dann erneut 1376 wurden die baulichen Anlagen des Klosters in Fehden der Leininger mit Worms, Mainz und Speyer stark beschädigt. 1404 musste das Kloster den Leininger Grafen zugestehen, wichtige Entscheidungen, die das Außenverhältnis des Klosters betrafen, nicht ohne deren Zustimmung zu treffen.[29]

1416 erließ der Abt eine Gerichtsordnung[30], 1449 eine Marktordnung für Dürkheim und wandelte den dortigen Jahrmarkt in ein öffentliches Kirchweihfest um, das später als Dürkheimer Wurstmarkt zum größten Weinfest der Welt wurde.

1470/71 kam es im Zuge einer Erbauseinandersetzung im Haus Leiningen zu einem regionalen Krieg, bei dem zunächst Leiningische Truppen das Kloster Limburg plünderten. Nur die Bibliothek und die Reliquien wurden im Kloster belassen. Der in die Auseinandersetzung involvierte Kurfürst Friedrich der Siegreiche von der Pfalz trug den Sieg davon. Die Leininger mussten ihm beim Friedensschluss auch die Vogtei über das Kloster Limburg abtreten.[31] Diese neue Situation führte in den folgenden Jahren zu ständigen Reibereien zwischen Kloster und den Leiningeren[32], die am 30. August 1504 darin gipfelten, dass Graf Emich IX.[Anm. 4] von Leiningen-Hardenburg das Kloster während des Landshuter Erbfolgekriegs niederbrannte.

Auch die innere Verfassung des Klosters gab zur Sorge Anlass. 1481 trat es der Bursfelder Kongregation bei, die das Ziel hatte, die Benediktiner-Klöster zu reformieren.[33]

Frühe NeuzeitBearbeiten

Das Kloster wurde nur teilweise wieder aufgebaut, 1510 bis 1540 ließen die Äbte Werner Breder von Hohenstein († 1531) und Apollo von Vilbel († 1536) zunächst die Wohngebäude und das Refektorium neu errichten. Unterbrochen wurde das 1525 von erneuten Zerstörungen im Bauernkrieg.[34] Die Besetzung des Klosters mit Mönchen war damals nur noch gering. Es waren in der Regel weniger als 10. Von der Kirchenruine wurde 1540 bis 1554 deshalb nur noch der Chorbereich wieder hergestellt.[35] Dabei wurde in den Triumphbogen eine Wand eingesetzt, die den Chor von der im Übrigen Ruine bleibenden Kirche abtrennte. Im Chor wurden die gotischen Elemente, etwa die Fenster, eingefügt. Die Mauerhöhe wurde auf die Höhe der Solbänke des salischen Baus reduziert und ein Gewölbe eingefügt.[36] Das Kirchenschiff blieb als Ruine stehen, womit der bauliche Verfall der Anlage begann.[37]

Die Reformation traf das Kloster endgültig, als dessen Vogt, Kurfürst Ottheinrich, am 23. Januar 1556 den römisch-katholischen Gottesdienst verbot.[38] 1562 widmete Abt Johann IV. von Bingenheim die Einkünfte, die in (Bad) Dürkheim dem Hospital und dem Antonius-Altar zustanden, um und finanzierte damit die Stelle eines Schullehrers. Der Kurfürst verbot, neue Mönche aufzunehmen. Seine Versuche, den Konvent zur Annahme der Reformation zu bewegen, war nur bei einigen Mitgliedern erfolgreich. Nach dem Tod des Abtes Johann IV. von Bingenheim 1574 wurde kein Nachfolger mehr gewählt. Das Kloster wurde durch die Kurpfalz säkularisiert. Der Konvent bestand damals noch aus einem Prior und zwei Mönchen.[39] Die baulichen Anlagen verfielen nach der Säkularisation endgültig.[40]

Im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs versuchte die katholische Seite, sich wieder in den Besitz des Klosters zu setzen. 1621 wurde in Deutz Johann V. Jordans zum Abt ernannt, als österreichische und spanische Truppen die Kurpfalz besetzt hielten. Da aber die lutherischen Schweden in der Auseinandersetzung bald die Oberhand gewannen, wurde er wieder vertrieben. Erst 1645 wurde er vom bischöflichen Generalvikar von Speyer wieder eingesetzt. Allerdings fiel die Abtei im Westfälischen Frieden 1648 wieder an die Kurpfalz, die Abt Johann V. 1650 mit Gewalt vertrieb.[41] Die Anlage wurde in der Folgezeit als Steinbruch genutzt.

Seit dem 19. JahrhundertBearbeiten

1843[42][Anm. 5] kaufte die Stadt Dürkheim die Ruine vom Staat und ließ um sie herum und innerhalb des Kirchenschiffs einen romantischen englischen Landschaftsgarten durch den Heidelberger Universitätsgärtner und großherzoglich badischen Gartendirektor Johann Christian Metzger (1789–1852) anlegen.[43] Damals wurden auch erste Maßnahmen ergriffen, die Ruine zu erhalten.[44] 1890 und erneut 1925/26 wurden Sicherungsarbeiten durchgeführt.[45]

1935 fanden im Chorbereich und östlich der Klosterkirche archäologische Grabungen zu der Burg, die hier vor dem Kloster stand, statt.[46] 1988 wurden diese Ergebnisse durch Suchschnitte noch einmal bestätigt.[47] Weitere archäologische Grabungen auf dem Gelände sollen die Kenntnisse zu dessen vorgeschichtlicher Besiedlung erweitern.[7]

Um die Bewahrung der der baulichen Reste des Klosters Limburg bemühen sich heute die Stadt Bad Dürkheim, die staatliche Denkmalpflege von Rheinland-Pfalz und die Aktion Limburg e. V. In den Jahren 1969 bis 1982 fanden umfassende – die Ruine auch teilweise ergänzende – Sanierungen statt. Die Ergänzungen waren aus statischen, aber auch aus didaktischen Gründen erforderlich. Zu diesen Maßnahmen zählten 1979 die Wiedererrichtung des Nordturms des Westgebäudes als Widerlager, damit das Westgebäude nicht weiter wegrutschte[48], das Wiedereinfügen der eingestürzten Ostwand des südlichen Querhauses[49] und die Wiedererrichtung der eingestürzten Krypta 1978 bis 1982.[50]

Am 14. Juli 2017, kurz nach Mitternacht, brach auf der Limburg ein Feuer aus, wodurch die Klosterschänke zerstört wurde. Der Wirt, der im Dach des Gebäudes übernachtete, kam dabei ums Leben. Sämtliche Veranstaltungen auf der Limburg, die bis Mitte August stattfinden sollten, wurden abgesagt.[51][52][53]

AnlageBearbeiten

 
Grundriss der Basilika (Osten oben) nach Georg Dehio[54]
 
Gotischer Südwest-Turm aus dem 14. Jahrhundert
 
Krypta (Rekonstruktion aus den 1970er Jahren)
 
Innenansicht des Chores

UmfeldBearbeiten

Ehemals war das ganze Plateau des Klosterbergs mit einer Mauer umgeben, von der sich wenige Überreste am südlichen Plateaurand erhalten haben. Eine Pforte nebst kleiner Kapelle mit erhaltenem Gewölbekeller bestanden westlich des Refektoriums. Die Hänge des Berges waren durch Trockenmauern terrassenförmig abgestuft und wurden landwirtschaftlich intensiv genutzt.[55]

KirchengebäudeBearbeiten

ÄußeresBearbeiten

Die Kirche ist eine langgestreckte dreischiffige romanische Säulen­basilika mit Querhaus. Der Grundriss des Hauptchors ist quadratisch. Das Gebäude ist aus rotem Buntsandstein errichtet, überwiegend aus kleineren Bruchsteinen, Zierelemente dagegen aus behauenen Quadern. Die Bruchsteinflächen waren ursprünglich verputzt.[56] Der original Verputz ist stellenweise noch erhalten.[Anm. 6] Die stets aus unverputzten Quadern bestehenden Eckabschlüsse von Querhaus und Chor sind mit einer linienhaften Ornamentik verziert, die auch auf Quadern gelben Buntsandsteins in der Krypta des Speyerer Doms vorhanden ist. Die Länge der Ruine beträgt ohne Vorhalle 73 m, die Breite des Querhauses 38 m.[57] Die Umfassungsmauern sind im Wesentlichen noch bis zur Höhe der Mauerkrone erhalten.

Wie der westliche Abschluss der Kirche aussah, ist umstritten.[58] Es gibt eine Reihe von Rekonstruktionsvorschlägen: Einige nehmen eine einem Westwerk ähnliche Dreiturmfassade,[59] andere wiederum eine Doppelturmfassade[60] an. Aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts gibt es eine „Beschreibung“ des westlichen Endes der Kirche von Johannes Trithemius. Er berichtet von drei Türmen, die sechs Glocken trugen.[61][Anm. 7]

Dehio nimmt eine Vorhalle und ein Paradies an.[62] Die Funktion der dort noch in geringem Umfang sichtbaren baulichen Reste könnte nur nach einer archäologischen Untersuchung festgestellt werden. Auch hier weichen die Rekonstruktionsvorschläge voneinander ab. Der Südwest-Turm stürzte im 13. Jahrhundert ein, möglicherweise bei dem Erdbeben 1289.[63] Der heute noch bis unter die Dachbekrönung erhaltene Turm ist ein Wiederaufbau aus dem 14. Jahrhundert in gotischen Formen. In dessen drittem Obergeschoss befindet sich an der Westseite ein Relief, das die Klosterkirche darstellt.[64] Dieser Südwest-Turm ist für die Öffentlichkeit eingeschränkt zugänglich.[Anm. 8]

InneresBearbeiten

Vierung, Querhausarme und der etwa 1,80 m erhöhte Chor beschreiben im Grundriss jeweils ein Quadrat von 12 m Seitenlänge. Wandpfeiler und Gewände bestanden aus sorgfältig bearbeiteten Werksteinen. Während die Pfeiler und die gequaderten Gliederungen unverputzt blieben, waren die übrigen Wandflächen verputzt[65] und – wie in mittelalterlichen Kirchen üblich – ursprünglich wohl bemalt. Die Arkaden (elf auf jeder Seite des Hauptschiffes) und die darüber liegende Wand sind eingestürzt. Einige der Säulen, die attische Basen und Würfelkapitelle hatten, wurden wieder aufgerichtet, eine ersetzt. Weitere Stellen, an denen ehemals Säulen standen, wurden durch dort gepflanzte Bäume markiert.[66] Der Boden der gesamten Kirche ist nicht waagerecht konstruiert, sondern besitzt eine wahrnehmbare Neigung Richtung Chor.

Jeder der beiden Querschiffarme weist eine halbkreisförmige, nach Osten ausgerichtete Apsis auf. An den übrigen Außenwänden der Querhäuser fiel Licht durch außergewöhnlich große Rundbogenfenster ein,[67] die in zwei Reihen übereinander in je drei Achsen angeordnet sind. Die Sohlbänke der Fenster weisen nach außen Kragsteine auf, deren Funktion nicht geklärt ist.[68]

Unter dem Chor liegt die zuvor eingestürzte, 1979 rekonstruierte Krypta, der einzige Gebäudeteil der Klosterkirche, der in salischer Zeit eingewölbt war. Vier Säulen mit Würfelkapitellen tragen das Gewölbe mittig, das so drei Mal drei Joche bildet. In der Ostwand befinden sich drei Altarnischen.[69] Die Krypta bezieht Mauerwerk mit ein, dass aus der salischen Burg stammt, die hier vor dem Kloster stand.[70]

Ausstattung und BibliothekBearbeiten

Die Position der Chorschranken und des Lettners wurden bei den archäologischen Grabungen 1935 festgestellt.[71] Zu den Altären, mit denen die Kirche ausgestattet war, gibt es Überlegungen.[72] Im gotischen Südwestturm befindet sich eine Stiftergruppe mit Kaiser Konrad II. und einem Kirchenmodell, das die Kirche zeigt.[73] Bei Restaurierungsarbeiten fand sich 1979 an der Nordwand des Querschiffs der Rest eines salischen Freskos. Es wurde geborgen und befindet sich heute im Historischen Museum der Pfalz.[74]

Kaiser Heinrich III. schenkte dem Kloster 1047 ein Stück des Heiligen Kreuzes, das er aus Italien mitgebracht hatte.[75]

Zwei gotische Madonnen-Figuren werden in der Literatur dem Kloster zugeschrieben. Beide wurden 1842 von Pfarrer Philipp Braun auf dem Dachboden der Kirche in Grethen gefunden.[76] Dieser Fundort gehört zwar ins unmittelbare Umfeld des Klosters Limburg, belegt aber noch nicht, dass die Figuren aus dem Kloster stammen. Die erste, die Limburger Madonna (13. Jahrhundert), gelangte über den Kunsthandel 1879 nach Köln. Dort kann sie in der Kirche St. Maria im Kapitol besichtigt werden. Eine Replik befindet sich in St. Ludwig in Bad Dürkheim. Die zweite, wesentlich kleinere gotische Madonna steht heute in der Severikirche in Fulda.[77]

Die Urkunden des Klosterarchivs wurden 1839 an das Kloster St. Urban in Pfaffnau, Kanton Luzern, Schweiz, verkauft. Nachdem dieses Kloster 1848 aufgelöst worden war, kamen sie ins Staatsarchiv Luzern.[78]

Zur Bibliothek des Klosters gehörte der Dagulf-Psalter.[79] Heute befindet er sich in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.[80] Ebenfalls zur Klosterbibliothek gehörte das Limburger Evangeliar[81], vom Anfang des 11. Jahrhunderts, das heute in der Kölner Dombibliothek aufbewahrt wird.[82]

KlostergebäudeBearbeiten

 
Ruine des Kreuzgangs aus dem 16. Jahrhundert

Von den ehemaligen Klostergebäuden sind einige an der Nordseite der Kirche erhalten. Dazu zählen die gotischen Reste des Kreuzgangs, des Kapitelsaals und des Winterrefektoriums. Das Sommerrefektorium im Stil der Renaissance ist in seinen Außenwänden weitgehend erhalten. Unter der modern eingezogenen Betondecke befindet sich noch das historische Kellergewölbe.[83] Ein 86 Meter tiefer Brunnen, der 1972 wieder ausgeräumt wurde, liegt östlich des Kirchenchores.[84]

Sagen und LegendenBearbeiten

Kaiser Konrad II. persönlich soll an ein und demselben Tag sowohl den Grundstein des Klosters wie auch den des Kaiserdoms zu Speyer gelegt haben.

Die Sage vom nahegelegenen Teufelsstein will des Klosters Gründungsmythos sein.

Eine alte Chronik berichtet von einem unterirdischen Gang, der die Abtei Limburg mit dem westlich im Tal gelegenen Nonnenkloster Hausen (Bad Dürkheim) verband.[85]

Nach dem Klosterbrand von 1504 soll in der Nähe des Klosters eine goldene Krone gefunden worden sein, die ehemals das Haupt einer der oben genannten Madonnen geziert haben mochte. Der Finder schmolz das Gold ein und veräußerte den Gewinn in Gasthäusern. Als Strafe Gottes soll ihn alsbald der Tod ereilt haben.

Heutige NutzungBearbeiten

 
Refektoriumsbau mit Gartenlokal

Die Anlage ist außerhalb von Veranstaltungen öffentlich zugänglich, Eintritt wird nicht erhoben. Von Juni bis Ende August finden in der Klosterruine Freilichtveranstaltungen wie Konzerte, Theater- und Opernaufführungen statt. Das Standesamt Bad Dürkheim führt in der Krypta Trauungen durch.[86]

In der ehemaligen Sakristei der Klosterbasilika ist ein Restaurant eingebaut, die Klosterschänke Limburg.[87] Nördlich des Kirchenschiffs und westlich der Klosterschänke befindet sich die Ruine des Refektoriums. Ihr ist ein von der Klosterschänke betriebenes Gartenlokal vorgelagert. Die Klosterschänke wurde am 14. Juli 2017 durch ein Feuer zerstört, weswegen eine Bewirtung bis auf Weiteres nicht möglich ist.[51][88]

WissenswertesBearbeiten

 
Rekonstruktionszeichnung auf einem Geldschein der Stadt Bad Dürkheim aus dem Jahr 1923

Umstritten ist, ob der hochmittelalterliche Sequenzendichter Gottschalk von Aachen zu Beginn seiner geistlichen Karriere Mönch des Klosters Limburg war. Die „Gottschalk-Skulpturen“ auf dem östlichen Areal des Bergsporns stellen Interpretationen von dessen Sequenz „IN OCTAVA EPIPHANIAE“ dar.

Der Ursprung der unweit vom Kloster in der Rheinebene gelegenen Gemeinde Limburgerhof wurzelt in einer ehemaligen Besitzung des Klosters Limburg.

Der pfälzische Sänger, Schauspieler und Schriftsteller Eduard Jost soll sein 1869 entstandenes Pfälzerlied, das als „Nationalhymne“ der Region gilt, beim Turm der Klosterruine Limburg gedichtet haben. Daran erinnert dort eine Steinpyramide mit Gedenktafel.[89] Die Inspiration hierzu empfing Jost nach eigenem Bekunden „auf des Berges Gipfel“ stehend und „in süßer Ruh“ in die Ebene blickend.[90]

Ein Geldschein der Stadt Bad Dürkheim aus dem Jahr 1923 mit dem Inflationswert „500 Millionen Mark“ zeigt eine Rekonstruktionszeichnung der Klosterkirche von Wilhelm Manchot.

Die 1953 gegründeten Dürkheimer Pfadfinder vom Stamm Salier trugen das Bild der Limburg in ihrem Wappen, welches aber inzwischen in den Pfälzer Löwen geändert wurde.[91]

Seit 1991 wird in Bad Dürkheim alle drei Jahre der Limburg-Preis für Prosa-Literatur verliehen.

An das Kloster erinnerte der alte Name Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten Kloster Limburg. Nach ihrer überregionalen Ausdehnung nannte sie sich in Vier Jahreszeiten Winzer um.[92]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Band Rheinland-Pfalz und Saarland. Deutscher Kunstverlag, München 1984, S. 558–560.
  • Regine Dollinger: Erhalt einer Kirchenruine durch Teilrekonstruktion – Beispiel Limburg a.d. Haardt. In: Denkmalpflege in Rheinmland-Pfalz. Jahrgang 37/38: Kopie – Rekonstruktion – historisierende Erinnerung. Tag der Denkmalpflege Rheinland-Pfalz und Saarland 1983. Jahresberichte 1982–83. Wernersche Verlagsgesellschaft Worms 1984. ISSN 0341-9967, S. 107–114.
  • Georg Peter Karn und Rolf Mertzenich: Kreis Bad Dürkheim (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler Rheinland-Pfalz, Band 13.1). Wernersche Verlagsgesellschaft Worms 1995, S. 98–101.
  • Augustin Keßler: Die Limburg bei Bad Dürkheim. 2. Auflage: bearbeitet von Werner Mühlpfordt. Bad Dürkheim 1987.
  • Augustin Keßler: Die „Schätze“ der Limburg. In: Jens Werner: Kloster zum Hl. Kreuz. Limburg. Bad Dürkheim 1993, S. 78–81.
  • Franz Klimm und Alexander Thon: Zur Baugeschichte der Klosterkirche Limburg an der Haardt. In: Kaiserslauterer Jahrbuch für pfälzische Geschichte und Volkskunde 1 (2001), S. 13–86.
  • Franz Klimm: Limburg, Kloster Seelbach und Hardenburg. 5. Auflage. Speyer 1973.
  • Hanz Kunze: Die Klosterkirche Limburg an der Haardt und die Frage der Doppelturmfassade am Oberrhein. In: Oberrheinische Kunst 10 (1942), S. 5–38.
  • Wilhelm Manchot: Geschichte des Klosters Limburg a.d. Hardt. Eine bauwissenschaftliche und geschichtliche Abhandlung. Mannheim 1892. Nachdruck durch: Aktion Limburg e. V.
  • Heinz Steinhauer: Benediktinerabtei Limburg a.d. Haardt – Analyse zur Rekonstruktion des ehemaligen Westbaues. In: Mitteilungen des historischen Vereins der Pfalz 88. Speyer 1991. ISSN 0073-2680, S. 21–60.
  • Heinz Steinhauer: Limburg a.d. Haardt. Salierkastell und Benediktinerkloster. Ellerstadt 2003. Ohne ISBN.
  • Heinz Steinhauer und Werner Stubenrauch: Limburg. Salische Hausburg und salische Klostergründung. 2. Auflage: Bad Dürkheim 1992.
  • Fritz Wellmann: Kloster Limburg an der Haardt. Technische Hochschule Karlsruhe, Karlsruhe 1953 (Maschinenschriftliche Dissertation).
  • Jens Werner: Kloster zum Hl. Kreuz. Limburg. Bad Dürkheim 1993.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Der Name soll vom Lindwurm abgeleitet sein und somit „Drachenberg“ bedeuten.
  2. Steinhauer/Stubenrauch, S. 8–10, und Werner, S. 3 f., die den Sachstand dazu zusammenfassen, äußern überwiegend nur Vermutungen.
  3. Nach einer Legende (Manchot, S. 4 f), die allerdings in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in die wissenschaftliche Literatur einfloss (Franz Xaver Remling: Urkundliche Geschichte der ehemligen Abteien und Klöster im jetzigen Rhinbayern. Neustadt a.d. Haardt 1836. ND Pirmasens 1973, S. 117), legte Kaiser Konrad II. am 12. Juli 1030 morgens um 7 Uhr den Grundstein zur Benediktiner-Abtei und mittags um 13 Uhr desselben Tages denjenigen für den Speyerer Dom. Auf dieser Legende beruht auch eine Inschrift aus dem 19. Jahrhundert, die in der Westfassade der Kirchenruine eingelassen ist.
  4. Karn, S. 98, nennt Emich VIII.
  5. Manchot, S. 34, nennt dafür als einziger das Jahr 1847.
  6. Dehio, S. 559, spricht sogar davon, dass der Verputz noch „in großen Resten erhalten“ sei.
  7. Turres habebat in fine vesus Orientem 3 in quibus companae [campanae] 6. numero pendebant.“ (Türme hatte sie an ihrem westlichen Ende drei, in denen Glocken, sechs an der Zahl, hingen.) - zitiert nach Klimm/Thon: Zur Baugeschichte, S. 30f.
  8. Interessenten können sich den Schlüssel für den Zugang zum Turm in der Klosterschänke aushändigen lassen. Nach dem Stand von 2017 beläuft sich der Eintritt auf 1 Euro pro Person, zusätzlich ist ein Schlüsselpfand zu hinterlegen.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dehio, S. 558.
  2. Karn 98.
  3. Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise)
  4. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  5. Die Kelten im pfälzischen Siedlungsraum. Abgerufen am 15. Mai 2016.
  6. Steinhauer: Limburg a.d. Haardt, S. 7.
  7. a b Heidenmauer und Limburg mit Siedlungsumland … Abgerufen am 15. Mai 2016.
  8. Steinhauer: Limburg a.d. Haardt, S. 7.
  9. Werner, S. 3.
  10. Steinhauer/Stubenrauch, S. 9.
  11. Werner, S. 5.
  12. Dehio, S. 558.
  13. Klimm/Thon: Zur Baugeschichte, S. 57 ff; Werner, S. 30.
  14. Manchot, S. 9 und Anm. 1.
  15. Manchot, S. 10.
  16. Keßler: Die „Schätze“, S. 79.
  17. Klimm/Thon: Zur Baugeschichte, S. 56.
  18. Friedrich Sprater: Das Grab der Königin Gunhild auf der Limburg. In: Unsere Heimat. Blätter für pfälzisch-saarländisches Volkstum 4 (1938/39), S. 364–369.
  19. Siehe dazu Advent#Geschichte.
  20. Manchot, S. 10 f.
  21. Manchot, S. 12.
  22. Manchot, S. 11.
  23. Manchot, S. 15.
  24. Manchot, S. 17.
  25. Manchot, S. 17.
  26. Manchot, S. 17f.
  27. Manchot, S. 17f.
  28. Manchot, S. 20.
  29. Manchot, S. 21.
  30. Manchot, S. 23.
  31. Manchot, S. 23.
  32. Manchot, S. 24.
  33. Manchot, S. 24.
  34. Manchot, S. 30.
  35. Johann Georg Lehmann: Geschichte des Klosters Limburg bei Dürckheim an der Haardt. Frankenthal (Pfalz), 1822, S. 80 f. (Digitalscan); Dehio, S. 558.
  36. Dehio, S. 559.
  37. Dollinger: Erhalt, S. 108.
  38. Manchot, S. 32.
  39. Manchot, S. 33.
  40. Manchot, S. 34.
  41. Manchot, S. 33f.
  42. Werner, S. 11.
  43. Claudia Rink: Mit Spaten und Feder. Johann Metzger 1789–1852. Landschaftsarchitekt, Botaniker und Gestalter des Heidelberger Schlossgartens. Ubstadt-Weiher 2008. ISBN=978-3-89735-536-1, S. 26f.
  44. Manchot, S. 34.
  45. Steinhauer: Limburg a.d. Haardt, S. 25.
  46. Sprater: Das Grab; Klimm/Thon: Zur Baugeschichte, S. 35, 36, 54.
  47. Werner, S. 2.
  48. Dollinger: Erhalt, S. 111; Keßler: Die Limburg, S. 56.
  49. Dollinger: Erhalt, S. 111 f.
  50. Keßler: Die Limburg, S. 56.
  51. a b Peter Spengler: Limburg-Wirt verliert Leben im Feuer, Die Rheinpfalz, 15. Juli 2017
  52. Peter Spengler: Blickpunkt: Brand in der Klosterschänke Limburg, Die Rheinpfalz, 15. Juli 2017
  53. Peter Spengler: Brandursache weiter unklar, Die Rheinpfalz, 29. Juli 2017
  54. Dehio, S. 559.
  55. Karn, S. 100.
  56. Dehio, S. 559.
  57. Dehio, S. 558.
  58. Dehio, S. 560; Karn, S. 100.
  59. So: Klimm/Thon: Zur Baugeschichte; Steinhauer, S. 31, 43, 50, 51, 59; Wellmann (Steinhauer, S. 53); Werner S. 112f.
  60. So: Dehio, S. 558; ; W. Hartung (Steinhauer, S. 28, 58); Karn, S. 98; Kunze: Die Klosterkirche; Manchot (Steinhauer, S. 32, 57); Wellmann (Steinhauer, S. 55).
  61. Klimm/Thon: Zur Baugeschichte, S. 30f.
  62. Dehio, S. 558; so auch Karn, S. 98.
  63. Karn, S. 98.
  64. Dehio, S. 560.
  65. Dehio, S. 559.
  66. Dehio, S. 560.
  67. Karn, S. 98.
  68. Dehio, S. 559.
  69. Dehio, S. 559.
  70. Karn, S. 98.
  71. Klimm/Thon: Zur Baugeschichte, S. 34ff.
  72. Klimm/Thon: Zur Baugeschichte, S. 51ff.
  73. Klimm/Thon: Zur Baugeschichte, S. 39ff.
  74. Keßler: Die „Schätze“, S. 81.
  75. Manchot, S. 10.
  76. Keßler: Die „Schätze“, S. 79.
  77. Keßler: Die „Schätze“, S. 81.
  78. Werner, S. 11.
  79. Österreichische Nationalbibliothek,Wien, Signatur: Cod. 1861.
  80. Keßler: Die „Schätze“, S. 78.
  81. Col. Metr. 218.
  82. Keßler: Die „Schätze“, S. 78.
  83. Dehio, S. 560.
  84. Keßler: Die Limburg, S. 55.
  85. Geib, Karl: Sagen und Geschichten des Rheinlandes, S. 49.
  86. Stadt Bad Dürkheim: Informationen zum Heiraten in der Krypta. Abgerufen am 14. Juli 2017.
  87. Markus Spötzl: Klosterschänke Limburg. Abgerufen am 4. August 2017.
  88. Klosterschänke Limburg. Bad Dürkheim, 2017; abgerufen am 4. August 2017.
  89. Gedenktafel neben dem Turm.
  90. Liedtext, 1. Strophe.
  91. Pfadfinderstamm Salier: Stamm Salier Bad Dürkheim. Abgerufen am 17. Oktober 2012.
  92. Größter Weinbaubetrieb der Pfalz. In: Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Bad Dürkheimer Zeitung. Ludwigshafen 25. November 2010.

Koordinaten: 49° 27′ 23″ N, 8° 8′ 47″ O