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Klaus Schwarzkopf

deutscher Schauspieler und Synchronsprecher

Klaus Schwarzkopf (* 18. Dezember 1922 in Neuruppin; † 21. Juni 1991 in Bochum) war ein deutscher Schauspieler und Synchronsprecher.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Schwarzkopf wuchs bei seiner Mutter Gertrud auf und war wegen einer Knochentuberkulose jahrelang an ein Gipsbett gefesselt; sein Vater verstarb bereits wenige Wochen nach seiner Geburt. Nach seiner Schulzeit folgte eine Ausbildung im Verwaltungsbereich und er wurde Regierungsinspektor.[1] Gegen den ausdrücklichen Willen seiner Mutter begann er mit 20 Jahren – noch während des Zweiten Weltkriegs – eine vierjährige Schauspielausbildung in Berlin, die er 1947 erfolgreich absolvierte.[1]

Zeit seines Lebens hielt Schwarzkopf sein Privatleben von der Öffentlichkeit fern. So äußerte er sich einmal in einem Interview:[2]

„Ich habe das Heiraten verpasst! Der Beruf ist so dominierend in meinem Leben, dass private Gefühle und Wünsche zu kurz kommen.“

Im Juni 1991 wurde er wegen einer akuten doppelseitigen Lungenentzündung in das Bochumer St. Josef-Hospital eingeliefert.[3] Sein Münchner Management informierte die Presse, dass Schwarzkopf laufende Dreharbeiten zu Der große Bellheim nicht gefährden wollte und deshalb „eine schwere Lungenentzündung“ verschleppt hätte.[3][4] Nach seinem Tod berichteten deutsche Tageszeitungen, dass Schwarzkopf im Alter von 68 Jahren an den Folgen der Immunschwächekrankheit AIDS verstorben sei.[4]

Obwohl seine Homosexualität bereits zu seinen Lebzeiten vermutet wurde, so wurde diese erst ein Jahr vor seinem Tod durch die Presseberichterstattung zu einem Buch von Hermann J. Huber thematisiert und es kam zu seinem Zwangs-Outing – auch wenn Schwarzkopf dazu öffentlich nie Stellung bezog.[5][6] Verschiedene Publikationen behaupteten später, Schwarzkopf hätte eine langjährige geheime Beziehung mit dem ehemaligen Tänzer und Regisseur Hubertus Moeller geführt;[7][8] dieser stellte 2016 in einem Interview allerdings richtig, dass zwischen ihm und Schwarzkopf lediglich eine enge Freundschaft bestanden hätte, nie aber eine Lebenspartnerschaft.[9]

Seine letzte Ruhestätte fand der Wahlmünchner in Aidenbach in Niederbayern.[10]

KarriereBearbeiten

TheaterBearbeiten

Schwarzkopf debütierte 1947 als Theaterschauspieler unter Boleslav Barlog am Berliner Schlosspark Theater neben Hildegard Knef. 1953 wechselte Schwarzkopf nach Wiesbaden, später war er in Hannover und München engagiert. Er avancierte zum Publikumsliebling und wurde zum „Bayerischen Staatsschauspieler“ ernannt.

In den 1970er Jahren war er in Produktionen des Hamburger Thalia-Theaters zu sehen (u. a. in Gin Romme von James Saunders an der Seite von Edda Seippel sowie 1979 in Boy Goberts dortiger Abschiedsproduktion, Goethes Faust. Eine Tragödie. und Faust. Der Tragödie zweiter Teil, in der Inszenierung von Hans Hollmann). In den 1980er Jahren verpflichtete ihn Gobert an die Staatlichen Schauspielbühnen Berlin, wo er unter anderem 1982 den russischen Gesandten in der deutschen Erstaufführung von Sławomir Mrożeks Der Botschafter und 1984 den Hauptmann von Köpenick in Carl Zuckmayers gleichnamigem Stück darstellte.

Schwarzkopfs Repertoire umfasste Rollen wie den schwulen Friseur Harry in Charles Dyers Unter der Treppe und den Vertreter Willy Loman in Arthur Millers Tod eines Handlungsreisenden, den er als seine Lieblingsrolle bezeichnete. Schwarzkopf war als intriganter Sekretär Wurm in Schillers Kabale und Liebe, als Hauptmann von Köpenick oder als Tartuffe zu sehen und trat auch in zeitgenössischen Stücken wie etwa Frauen vor Flusslandschaft nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Böll auf. Bis zum Ende seines Lebens war Schwarzkopf neben seiner Fernsehkarriere als Bühnenschauspieler erfolgreich.

Fernsehen und KinoBearbeiten

In den frühen 1960er Jahren begann Schwarzkopfs Fernsehkarriere. Der Charakterdarsteller trat im Lauf der Jahrzehnte in den unterschiedlichsten Rollen auf und wirkte in mehr als 250 Fernsehproduktionen mit. So war er in Krimiserien wie Der Kommissar, Derrick, Das Kriminalmuseum und Der Alte zu sehen und wurde gern als „Meister der leisen Töne“ bezeichnet. Der rundliche, kleingewachsene Darsteller stellte oft eher unscheinbare, „durchschnittliche“ Charaktere dar. 1969 war er in der Titelrolle der Fernsehadaption von Molières Tartuffe oder Der Betrüger zu sehen, 1970 spielte er in der Gaunerkomödie Der Mann, der den Eiffelturm verkaufte.

Zwischen 1971 und 1978 spielte Schwarzkopf in sieben Tatort-Krimis seine wohl populärste Fernsehrolle, den stets etwas mürrisch auftretenden Kommissar Finke, der zusammen mit seinem jeweiligen Assistenten in Kiel und Umgebung ermittelte. Die meisten Finke-Krimis wurden von dem späteren Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen inszeniert. Besondere Popularität erlangte 1977 die „Skandal“-Folge Reifezeugnis, mit der die damals 16-jährige Nastassja Kinski ihre internationale Karriere begründete. In Erinnerung bleibt Schwarzkopf auch durch seine Darstellung des Bankier Kesselmeyer in der Fernsehserie Die Buddenbrooks (1979).

Auch in den 1980er Jahren blieb Schwarzkopf ein vielbeschäftigter Darsteller im Fernsehen. Er spielte unter anderem in der Serie Wer den Schaden hat … (1981), im Mehrteiler Alte Gauner (1985), in Die Stunde des Léon Bisquet (1986) und in der Fernsehsatire Das blaue Bidet (1982) nach dem gleichnamigen Roman von Joseph Breitbach, in der ein Knopffabrikant all seine Habseligkeiten verkauft und erstmals einen Urlaub am Mittelmeer verbringen will. In mehreren Folgen der beliebten Serie Praxis Bülowbogen verkörperte Schwarzkopf von 1987 bis 1991 den ClochardGleisdreieck“.

Schwarzkopf spielte in Kinofilmen wie Herrliche Zeiten im Spessart (1967) und in den Simmel-Adaptionen Und Jimmy ging zum Regenbogen (1971), Der Stoff aus dem die Träume sind (1972) und Alle Menschen werden Brüder (1973). 1973 war er auch in dem Psychothriller Einer von uns beiden zu sehen – als ein Soziologie-Professor, der von einem gescheiterten Studenten (Jürgen Prochnow) erpresst wird. Seinen letzten Kino-Auftritt hatte Schwarzkopf 1985 in Bernhard Wickis Die Grünstein-Variante.

1991 spielte er zunächst neben Mario Adorf, Will Quadflieg und Hans Korte eine der Hauptrollen in Dieter Wedels vierteiliger Miniserie Der große Bellheim. Im Juni musste Schwarzkopf die Dreharbeiten aufgrund seiner fortgeschrittenen Erkrankung abbrechen; seine Rolle wurde danach von Heinz Schubert übernommen.

SynchronBearbeiten

Dank seiner sanften, prägnanten Stimme war Klaus Schwarzkopf ein gefragter Synchronsprecher. Besondere Popularität erlangte er in den 1970er Jahren als deutsche Stimme von Peter Falk in der Rolle des Inspektor Columbo. Er sprach außerdem Darsteller wie Gower Champion in der Verfilmung des Musicals Show Boat Mississippi-Melodie (1951), William Shatner in Das Urteil von Nürnberg (1961), Mickey Rooney in In Beirut sind die Nächte lang (1965), Peter Lorre in Die Spur des Falken (Synchronisation von 1969). Neben Robert Mitchum, Burt Lancaster, Bob Hope, Douglas Fairbanks junior und vielen weiteren lieh er Tony Curtis in Winchester ’73 und Lloyd Bridges in Zwölf Uhr mittags aus dem Jahr 1953 seine Stimme. In der Dieter Hallervorden-Komödie Ach du lieber Harry von 1980 war er die deutsche Stimme von Jacques Marin.

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

TonträgerBearbeiten

HörspieleBearbeiten

  • 1963: Die Harakiri-Serie. Kriminalhörspiel von Herbert Asmodi. Regie: Hans Dieter Schwarze. Bayerischer Rundfunk 1963. Auf CD erschienen bei Pidax Hörspiel-Klassiker.
  • 1964: Träume von Günter Eich. Regie: Otto Kurth. Bayerischer Rundfunk 1964.
  • 1969: Woyzeck von Georg Büchner. (Andres). Regie: Heinz von Cramer. Bayerischer Rundfunk 1969.
  • 1970: Beschreibung von San Marco von Michel Butor. Regie: Heinz von Cramer. Bayerischer Rundfunk/Westdeutscher Rundfunk/Südwestfunk 1970.

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Rosemarie Kuheim: Klaus Schwarzkopf - Biografie (de) In: Deutsches Filmhaus. 12. Juni 2019. Abgerufen am 4. Juli 2019.
  2. Bild-Zeitung München, 25. Juni 1991, nach einem älteren Interview mit Schwarzkopf.
  3. a b Schauspieler Klaus Schwarzkopf gestorben: In aller Stille beigesetzt (de). In: Neues Deutschland, 25. Juni 1991. Abgerufen am 4. Juli 2019. 
  4. a b Die Welt soll es wissen (de), DER SPIEGEL. 2. Dezember 1991. Abgerufen am 4. Juli 2019. 
  5. Hermann J. Huber: Leben - Lieben - Legenden: Die 60 schillerndsten Kultstars der Schwulen (de), Foerster, 1988, ISBN 978-3922257974, S. 264.
  6. Hermann J. Huber: Unsere Prominenz. DU & ICH, September 1990, S. 11.
  7. Axel Schock, Karen-Susan Fessel: OUT! – 800 berühmte Lesben, Schwule und Bisexuelle. Querverlag, Berlin 2004, ISBN 3-89656-111-1.
  8. Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann – Ein biographisches Lexikon. Suhrkamp Taschenbuch, Hamburg 2001, ISBN 3-518-39766-4.
  9. Gudrun Passarge: Oberschleißheim – Von der Laune zur Liebe (de). In: Süddeutsche Zeitung, 24. August 2016. Abgerufen am 3. Juli 2019. 
  10. knerger.de: Das Grab von Klaus Schwarzkopf