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Kadelburg (Küssaberg)

Ortsteil von Küssaberg, Baden-Württemberg, Deutschland

GeografieBearbeiten

Kadelburg liegt am Rhein, der hier von Rheinheim in Richtung Ettikon fließt.

NamensgebungBearbeiten

Der Name der Ortschaft leitet sich ab „von der ‚Castelburg‘[Anm 1],einer kleinen Abschnittsbefestigung in Winkellage auf einem Hochplateau über Kadelburg. Die [bis 1963 noch] vorhandenen Ruinen der Verteidigungswerke deuten auf eine einstmals nur schwache Umwehrungen dieses Platzes hin [...] Hier könnte am ehesten der befestigte Hof eines (alamannischen?) Edelherren gestanden haben, der von den Merowinger- oder Karolingerkönigen konfisziert worden ist.“[1]

„Der Ort erscheint erstmals urkundlich in Schenkungen König Karls III. an das Kloster Reichenau 876 bzw. 881 als Kadilburck. [...] Eine solche Benennung setzt aber die Burg eines Adligen namens „Kadil“ voraus. Da sie für die Siedlung zu ihren Füßen namensgebend geworden ist, muß das Gründungsdatum der Burg entschieden früher liegen als die Quellennachricht. (Gersbach bezieht sich hier auf zwei Literaturbelege.)[2]

Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins, 1969, S. 217.

Gersbach schreibt auch, dass „zwischen der Burg und dem alamannischen Gräberfeld zu Füßen direkte Beziehungen stehen (könnten).“ (Anm. 106, S. 209).[3]

Die in der Literatur anzutreffende Darstellung, der Name würde sich von „Kadoltesburg“ ableiten, wird von Gersbach zurückgewiesen: „Für die Schreibweise Kadoltesburg, die seit 876 in Schenkungen an das Kloster Rheinau vorkommen soll, konnte ich sowenig einen Beleg finden wie für die Schenkungen selbst.“[4] In der von Hans Matt-Willmatt bearbeiteten Chronik des Kreises Waldshut schrieb der Autor hingegen: „In der Karolingerzeit wird ‚Kadoltesburg‘ 876 als Vergabung des im Alb- und Klettgau begüterten Gaugrafen Gotsbert an das Kloster Rheinau bereits erstmals erwähnt.“[5] Eine Prüfung der Urkunden bzw. von Urkunden aus dem Jahr 876 steht noch aus.

Der Küssaberger Heimatforscher Emil Müller-Ettikon, ging bei Kadelburg von einer keltischen Gründung aus, die auf die dortige noch heute bestehende Fährverbindung über den Hochrhein Bezug nimmt, „denn Kadelburg heißt nichts anderes als Fährburg. (Der erste englische Dichter, der seinem Namen nach keltischer Herkunft war, hieß Cadmon = Fährmann)“.[6] In Literatur und Forschung zu dem keltischen Dichter Cædmon bzw. ‚Cadmon‘ findet sich jedoch kein Hinweis, der die Annahme von Emil Müller-Ettikon bestätigt.

GeschichteBearbeiten

 
Kirche „der ältesten evangelischen Gemeinde im badischen Oberland.“

Die Endbezeichnung „burg“ im Ortsnamen „weist auf einen befestigten Platz hin. Es ist fast mit Sicherheit anzunehmen, daß die auf der Bürglenhöhe beim Friedhof im Boden versteckten Mauern zu einer vorgeschichtlichen Befestigungsanlage oder zu einem römischen Wachturm gehören. […] 1832 wurde auf der Bürglenhöhe die weit ins Land schauende evangelische Kirche gebaut.“[7]

Zur Topographie und den Befunden zur einstigen Befestigung siehe: Wallburg Kadelburg

RiffhausenBearbeiten

Name: Ripahusen (1282), Rüffenhausen, Rievenhausen, Riffenhusen (15. Jh.):

„Riffhausen war eine selbstständige Gemarkung zwischen Kadelburg und den Talgemeinden (= Dangstetten, Rheinheim, Reckingen), vom Friedhag der Sulzer umgeben. Sie gehörte zum Zehntbezirk des Verenastifts. […] Riffhausen ist heute eine Wüstung = ein aufgegebener Siedlungsplatz. Der Name geht auf die kelto-romanische Zeit zurück. Rovina wird zu Rüffi und bedeutet Bergrutsch. Daß der Name seine Berechtigung hat, kann man heute noch leicht an dem Rutschgelände erkennen.“[8]

Am 1. Januar 1973 wurde Kadelburg in die neue Gemeinde Küssaberg eingegliedert.[9]

WirtschaftBearbeiten

In Kadelburg besteht ein Campingplatz. Auf der Schweizer Rheinseite befindet sich die Barzmühle, die mit der Fähre Zurzach–Kadelburg, einem Weidling, erreicht werden kann.

AnmerkungenBearbeiten

  1. Die Benennung „Castelburg“ erscheint als eine viel spätere, aber noch im 20. Jahrhundert geläufige Prägung, so bei K. Schmid: Zur Problematik von Familie, Sippe und Geschlecht, Haus und Dynastie beim mittelalterlichen Adel, Zeitschr. Gesch. D. Oberrheins,105, 1957,1 ff., bes. 41. Schmid schreibt, dass sich „Adelshöfe niemals zu Hochadelssitzen des Hohen Mittelalters entwickelt (hätten), was auch auf die Castelburg zutrifft.“ Das bedeutet, 'Kadelburg' leitet sich von der Burg auf dem Plateau ab, jedoch nicht von dem Namen „Castelburg“. In: E. Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins, 1969, S. 208, Anm. 102.

LiteraturBearbeiten

  • Die Chronik des Kreises Waldshut. Das Haus- und Heimatbuch des Landkreises Waldshut. Hrsg.: Landkreis Waldshut, Vorwort von Landrat Wilfried Schäfer. Bearbeitet von Hans Matt-Willmatt, Vocke-Verlag, Waldshut 1957.
  • Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins (Funde und Fundstellen in den Landkreisen Säckingen und Waldshut), Hrsg.: Staatliches Amt für Ur- und Frühgeschichte Freiburg und Staatliches Amt für Denkmalpflege, Abt. Ur- u. Frühgeschichte Karlsruhe, Badische Fundberichte, Sonderheft 11 (Katalogband), 1969.
  • Emil Müller-Ettikon: Aus der Geschichte des Dorfes Kadelburg, 1956.
  • Emil Müller-Ettikon in: Der Klettgau. Hrsg.: Bürgermeister Franz Schmidt im Auftrag der Stadt Tiengen (Hochrhein), 1971.
  • Norbert Nothelfer (Hrsg.): Der Kreis Waldshut, 1979.
  • Emil Müller-Ettikon: Kurzer Überblick über die Geschichte Küssabergs. Hrsg.: Gemeinde Küssaberg, Verlag H. Zimmermann, Waldshut 1981.
  • Waldemar Lutz und Hansjörg Noe (Hrsg.): Kennzeichen WT Heimatkunde für den Landkreis Waldshut, Reinhard Caspers (Mithrsg.), 1989, ISBN 3-12-258330-5.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins (Funde und Fundstellen in den Landkreisen Säckingen und Waldshut), Hrsg.: Staatliches Amt für Ur- und Frühgeschichte Freiburg und Staatliches Amt für Denkmalpflege, Abt. Ur- u. Frühgeschichte Karlsruhe, Badische Fundberichte, Sonderheft 11 (Katalogband), 1969, S. 208 f.
  2. Gallus Oheim: Die Chronik, hg. Von K. Brandi (=Quellen und Forschungen zur Geschichte der Abtei Reichenau II, 1893, 18) und P. Kehrer im Vorwort zu: Monumentum Germaniae Historica, Diploma Karoli III. (1937) 43, Nr. 41.
  3. E. Gersbach: Urgeschichte, 1969, S. 209, Anm. 106.
  4. Gersbach führt dazu an: „Vergleiche Das Großherzogtum Baden, (1865), 863, Spalte Kadelburg. [Katalogband]. Auch H. Maurer: Das Land zwischen Schwarzwald und Rande, S. 61 ff., kennt keinen Rheinauer Besitz in Kadelburg.“
  5. Die Chronik des Kreises Waldshut. Das Haus- und Heimatbuch des Landkreises Waldshut. Hrsg.: Landkreis Waldshut, Vorwort von Landrat Wilfried Schäfer. Bearbeitet von Hans Matt-Willmatt, Vocke-Verlag, Waldshut 1957, S. 56.
  6. E. Müller-Ettikon: Was die Namen über die Entstehung von Siedlungen verraten in: Der Klettgau, Hrsg.: Bürgermeister Franz Schmidt, im Auftrag der Stadt Tiengen/Hochrhein, 1971, S. 60.
  7. Die Chronik des Kreises Waldshut. Bearbeitet von Hans Matt-Willmatt, Waldshut 1957, S. 56.
  8. Emil Müller-Ettikon: Kurzer Überblick über die Geschichte Küssabergs. Hrsg.: Gemeinde Küssaberg, Verlag H. Zimmermann, Waldshut 1981, S. 152 f.
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 505.

Koordinaten: 47° 37′ N, 8° 18′ O