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Johann Nepomuk Sepp

deutscher Historiker und Universitätsprofessor
Johann Nepomuk Sepp
Grab von Johann Sepp auf dem Alten Südlichen Friedhof in München Standort

Johann Nepomuk Sepp (* 7. August 1816 in Tölz in Oberbayern; † 5. Juni 1909 in München) war ein deutscher Historiker, Volkskundler, Kirchenhistoriker und Politiker.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Johann Nepomuk Sepp, Sohn eines Färbers und Rotgerbers, studierte 1834 bis 1836 und 1837 bis 1839 in München Philosophie und katholische Theologie, Rechtswissenschaften, Philologie und Geschichte. 1836 unterbrach er seine Hochschulstudien für eine Reise in die Schweiz und nach Italien, woraufhin er in das Priesterseminar Gregorianum in München eintrat. 1839 wurde er in München zum Dr. phil. promoviert und ließ sich als Privatgelehrter in Tölz nieder. 1844 bis 1846 lehrte er als Privatdozent an der Universität München.

Nachdem er 1845 und 1846 den Orient, besonders Syrien, Palästina und Ägypten, bereist hatte, erhielt er 1846 eine außerordentliche Professur in München, wurde aber 1847 mit sieben seiner Kollegen infolge der Lola-Montez-Affäre abgesetzt, die venia legendi wurde ihm entzogen und er wurde aus der bayerischen Hauptstadt verbannt. 1848 wurde er in die Frankfurter Nationalversammlung, 1849 in die bayerische Kammer der Abgeordneten gewählt. 1850, nach dem Rücktritt von König Ludwig I. von Bayern wurde Sepp rehabilitiert und 1850 bis 1864 außerordentlicher sowie 1864 bis 1867 ordentlicher Professor für Geschichte in München. 1861 kaufte er das teilweise zerstörte Kloster Wessobrunn, das damals als Steinbruch verwendet wurde, um es der Nachwelt zu erhalten.[1][2]

„Wegen persönlicher Beziehungen“ wurde Sepp im Dezember 1867 plötzlich in Ruhestand versetzt (vgl. seine Schrift Denkschrift in Sache meiner Quieszierung, München 1868). 1868 in das deutsche Zollparlament, 1869 wieder in die bayerische Kammer gewählt, war er hier in den kritischen Zeiten von 1870 und 1871 einer der einflussreichsten Vertreter der deutschnationalen Sache. Auf seine Anregung hin unternahm er im Frühjahr 1874 im Auftrag des Deutschen Reichs eine Forschungsreise, zusammen mit Hans Prutz, nach Tyros um die vermutete Grabstelle Kaiser Friedrichs aufzufinden.

Sepp war in hohem Maße belesen und selbst umfangreich publizistisch tätig. Er neigte bisweilen zu eigenwilligen Geschichtsdeutungen, weshalb er von Kollegen den respektvoll-ironischen Spitznamen: Die umgestürzte Bücherkiste erhielt. Als ein letztes Hauptwerk erschien 1890 sein Beitrag zur deutschen Volkskunde, Die Religion der alten Deutschen. Ihr Fortbestand in Volkssagen, Aufzügen und Festbräuchen bis zur Gegenwart als eine Art Rückschau, eine komprimierte, komparative Bestandsaufnahme des während seines Lebens angehäuften und verarbeiteten historisch-volkskundlich-religiösen Wissens, ein Buch, das, wie die meisten seiner Werke, bislang keine Neuauflage erfahren hat. Häufig zitiert wird jedoch immer noch sein, von ihm selbst als „letztergiebige“ Studie zu den Mythen, Sagen, Bräuchen und Sitten der Bayern bezeichnetes Buch Altbayerischer Sagenschatz aus dem Jahr 1876. Er versuchte darin, einen (ebenfalls stark komprimierten, sehr eklektischen) Überblick über die Sagenwelt Bayerns, soweit diese literarisch belegt war, zu schaffen. Sepp publizierte auch unter dem Pseudonym Eusebius Amort der Jüngere.

Seit den 1830er Jahren gehörte er zum Görreskreis in München; 1847 war er einer der Gründer der Akademischen Tafelrunde in München; in der Frankfurter Nationalversammlung gehörte er zum Katholischen Club, gehörte 1849 bis 1856 zum Verein für konstitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit in München, dessen Sprecher er zeitweise war.

In der Münchner Maxvorstadt ließ Sepp in den Jahren 1854 bis 1856 das kuriose neogotische Wohnhaus Sepp errichten, das im Zweiten Weltkrieg zerstört und anschließend durch einen Neubau ersetzt wurde.

Der umfangreiche Nachlass von Sepp befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek.

Sein Sohn Bernhard Sepp war ebenfalls Historiker.

GrabstätteBearbeiten

Die Grabstätte von Johann Sepp befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Mauer Rechts Platz 195 bei Gräberfeld 10) Standort.

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Das Leben Jesu Christi. Regensburg 1842–1846, 7 Bände; 2. Auflage 1853–1862, 6 Bände
  • Das Heidenthum und dessen Bedeutung für das Christenthum. Regensburg 1853, 3 Bände
  • Thaten und Lehren Jesu mit ihrer weltgeschichtlichen Beglaubigung. Schaffhausen 1864
  • Geschichte der Apostel vom Tod Jesu bis zur Zerstörung Jerusalems. 2. Auflage, Schaffhausen 1866
  • Das Hebräer-Evangelium oder die Markus- und Matthäus-Frage. Schaffhausen 1870
  • Jerusalem und das Heilige Land. Schaffhausen 1862–1863, 2 Bände; 2. Auflage, Regensburg 1872–1876
  • Neue architektonische Studien und historisch-topographische Forschungen in Palästina. Würzburg 1867
  • Ludwig Augustus, König von Bayern. Schaffhausen 1869
  • Deutschland und der Vatikan. Staats- und Volksmännern, sowie Kirchenobern zur ernsten Erwägung. München 1872.
  • Altbayerischer Sagenschatz. München 1876
  • Görres und seine Zeitgenossen. Nördlingen 1877
  • Meerfahrt nach Tyrus zur Ausgrabung der Kathedrale mit Barbarossas Grab. Leipzig 1879
  • Ein Volk von zehn Millionen, oder der Bayernstamm. München 1882
  • Der bayrische Bauernkrieg mit den Schlachten von Sendling und Aidenbach. München
  • Festschrift anläßlich der Enthüllung des Denkmals für Kaspar Winzerer (III) in Bad Tölz. 1887
  • Leben und Thaten des Feldhauptmanns Kaspar von Winzer, Obersten der Landsknechte, Burggrafen von Dürnstein, Staatsmaannes und Pflegers zu Tölz. Zur Enthüllung des Krieger-Monumentes mit dem erzenen Standbilde des goldenen Ritters. Tölz, am 26. Juni 1887
  • Die Religion der alten Deutschen. Ihr Fortbestand in Volkssagen, Aufzügen und Festbräuchen bis zur Gegenwart. München 1890
  • Name des Bodensees, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 23. Jg. 1894, S. 68–69 (Digitalisat)
  • Der Schmied von Kochel. Bühnenstücke in 5 Akten, 1898
  • Schmiedbalthes. Balthasar Maier im Türkenkriege und der Held in der Sendlinger Bauernschlacht. Gelegentlich der Errichtung seines Monumentes, 1900
  • Festschrift zur zweiten Jahrhundertwende der Schlacht bei Sendling. München 1905

LiteraturBearbeiten

  • Dr. Joh. Nepomuk Sepp (1816–1909). Ein Bild seines Lebens nach seinen eigenen Aufzeichnungen. Zwei Bände. Regensburg 1917.
  • Heinrich Best und Wilhelm Weege: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Düsseldorf 1996, S. 317f.
  • Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage 1888–1890, Band 14, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, S. 869 (Digitalisat).
  • Monika Fink-Lang: „Dem Geiste nach verpflichtet“. Die Görres-Schüler Johann Nepomuk Sepp und Michael Strodl. In: Helmut Flachenecker und Dietmar Grypa (Hrsg.): Schule, Universität und Bildung. Festschrift für Harald Dickerhof zum 65. Geburtstag. Regensburg 2007, S. 243–293.
  • Sr. Georgia Otto OSB: Prof. Dr. Johann Nepomuk Sepp (1816–1909). In: Gemeinde Wessobrunn (Hrsg.): 1250 Jahre Wessobrunn. Festschrift. Fink Verlag 2003, ISBN 978-3-89870-128-0, S. 107–111

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wolf Schmid: Wie Johann Sepp das Kloster rettete. In: Weilheimer Tagblatt vom 9. Februar 2012, Lokales Seite 6
  2. Georg Dehio (Begr.), Ernst Götz u. a. (Bearb.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern. 3. Auflage 2006. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin, S. 1380. ISBN 978-3-422-03115-9.