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Jasień (Czarna Dąbrówka)

Dorf in Polen

Geographische LageBearbeiten

Jasień liegt im östlichen Hinterpommern, am Ostufer des nach dem Dorf benannten Jezioro Jasień (deutsch Jassener See) im Landschaftsschutzpark Stolpetal und etwa 15 Kilometer nordnordöstlich der Stadt Bytów (Bütow). Zum Dorf gehören neben dem ehemaligen Gut Haus Jassen die Siedlungen Łupawsko (Grünenwalde), Przylaskie (Glashütte), Będzieszyn (Vorwerk Brandstätt) und Ceromin (Zeromin).

GeschichteBearbeiten

 
Kirchdorf Jassen nordöstlich der Stadt Bütow (rechte Bildhälfte, durch Anklicken vergrößerbar) und nördlich der Stolpe an der Ostseite des Jassener Sees gelegen auf einer Landkarte von 1910.
 
Ehemalige evangelische Gutskirche; heutige katholische Corpus-Christi-Kirche.
 
Gebäude mit einem Ladenlokal.
 
Ruine des Gutshofs Jassen.

In älteren Urkunden erwähnte Namen des Orts sind 1335 Jessona[2][3], 1365 Gessyna[3], 1437 Jessen[4] und 1628 Jassen.[5] Besitzer des Guts und Kirchspiels waren 1335 der slawische Ritter Racislaw von Jessona[6] und 1360 Nikusch Swarsewitz. Mit einer Handfeste belehnt der Hochmeister des Deutschen Ordens Winrich von Kniprode denen Nikel und Bartusch das Dorf am 4. Juni 1365 zu kulmischem Recht unter gleichzeitiger Aufhebung des polnischen Rechts. Laut einer der Danziger Wachstafeln befand sich 1393 ein Prsibor im Besitz von Jassen. Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert befinden sich Dorf und Gut Jassen im Besitz der Familie von Wussow. So wird beispielsweise 1528 Matties Wussow als Besitzer genannt und 1628 Lorentz Wussow.[5] 1764 wird Jassen an Lorenz Heinrich von Puttkamer verkauft. Um 1784 gehören zu Jassen: ein Vorwerk, drei Bauern, drei Kossäten, ein Küster, ein Schmied, ein Gasthof mit insgesamt 20 Haushaltungen, weiterhin die Vorwerke bzw. Kolonien Busch-Schulitz, Bahrenbruch, halb Neuendorf, Krügke, Brandstätt, Babilonken und Teerofen.[7] Besitzer des Ritterguts waren damals die Erben des Lorenz Heinrich Freiherrn von Puttkamer. 1809 erfolgt der Verkauf der Hälfte von Neuendorf an einen Angehörigen der Familie Laszewski-Buchwalden.

Zwar liegt Jassen in einer Region, in der in älterer Zeit die kaschubische Sprache vertreten war, doch um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Kreis Bütow die Sprache kaum noch benutzt.[8][9]

Seit 1832 fanden in Jassen mehrere Besitzerwechsel statt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Familie von Wussow im Lande Bütow außer in Jassen auch in Wussanke ansässig.[10] Vor 1849 standen in Jassen 21 Häuser.[11] In Jassen befand sich im 19. Jahrhundert eines der 109 Patrimonialgerichte des Kreises Lauenburg-Bütow.[12]

Über den Zeitraum 1910–1934 war Graf Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin Eigentümer des Ritterguts Jassen, das er von einer Frau Schrader käuflich erworben hatte. Im Jahr 1925 gab es in Jassen 27 Wohngebäude und 376 Einwohner, die in 64 Haushaltungen lebten.[13] 1936 wird das Rittergut teilweise aufgesiedelt; es werden fünf Siedlerparzellen geschaffen, den Wald übernimmt der Forstfiskus.[14]

Vor 1945 gehörte die Gemeinde Jassen zum Landkreis Bütow im Regierungsbezirk Köslin der Provinz Pommern. Zu der Gemeinde gehörten sechs Wohnorte:[13]

  • Babilonken
  • Bahrenbruch
  • Glashütte
  • Halbinsel
  • Jassen
  • Jassener Mühle

Die Gemeindefläche betrug insgesamt 24,6 km². Hauptwohnort war das Kirchdorf Jassen.

Vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Jassen Anfang März 1945 von der Sowjetarmee besetzt. Bald darauf wurde Jassen zusammen mit ganz Hinterpommern unter polnische Verwaltung gestellt.

Von 1945 bis 1954 war Jasień eine Gemeinde, von 1975 bis 1998 gehörte der Ort zur Wojewodschaft Słupsk (Stolp). Heute hat Jasień etwa 400 Einwohner.

Einwohnerzahlen pro JahrBearbeiten

  • 1819: 162[14]
  • 1855: 375[14]
  • 1864: 543 (am 3. Dezember 1864, einschließlich Militär)[15]
  • 1885: 380[14]
  • 1905: 344[14]
  • 1925: 376[13]
  • 1933: 206[14]

KircheBearbeiten

Die vor 1945 in Jassen anwesende Dorfbevölkerung war überwiegend evangelisch; im Jahr 1925 hatte Jassen elf katholische Bewohner.[13] Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war das Kirchspiel Jassen eines von fünf evangelischen Kirchspielen, die im Lande Bütow existierten.[16] In das Kirchspiel Jassen eingepfarrt waren die Gemeinden Buchwalde, Klößen und Neuendorf.[17]

Geschichte des KirchengebäudesBearbeiten

Die evangelische Gutskirche zu Jassen ist erst nach Einführung der Reformation in Pommern erbaut worden[16]; im Jahr 1584 ließ sie Hans von Wussow als Begräbniskapelle errichten. Die Kirchenglocke von 1678 wurde der Kirchenchronik von Groß Pomeiske zufolge von ‚Hans Juergen Wussow‘ gestiftet. 1699 wurde von Nikolaus Lorenz von Wussow ein Neubau in der heutigen Form angelegt[18]; es handelt sich dabei um einen dreiseitig geschlossenen Fachwerkbau mit kleinem Südturm, dem eine Wetterfahne aufgesetzt wurde. Um 1810 wurde das baufällig gewordene Gebäude erneuert, bei gleichzeitiger Erweiterung durch einen Anbau an der Südseite. Im Zeitraum 1847–1851 wurden gründliche Renovierungsarbeiten durchgeführt, und das bisherige Schindeldach wurde durch ein Ziegeldach ersetzt. 1923 wurden die Dachbedeckungen nochmals ausgewechselt, und zwar erhielt das Kirchenschiff nun ein Strohdach, und das Kirchturm-Dach wurde mit Biberschwänzen abgedeckt. Im Jahr 1925 war die Kirche erneut renovierungsbedürftig; es wurde die Firma Hoffmann, Finkenwalde, mit der Wiederherstellung des Kirchengebäudes und seiner Innenausstattung beauftragt.[14]

Vorgeschichtliche FundeBearbeiten

In der Gemarkung des Dorfes Jassen sind ein Feuersteinmesser und ein aus Schiefer gefertigter Pflug-Keil gefunden worden. Die aus der Steinzeit stammenden Artefakte werden im Museum von Bütow aufbewahrt.[14]

VerkehrBearbeiten

Sechs Kilometer nördlich von Jasień verläuft die Wojewodschaftsstraße 211, die in westlicher Richtung über Czarna Dąbrówka nach Słupsk (Stolp) und in östlicher Richtung nach Kartuzy (Karthaus) führt.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Jasień – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Website der Gemeinde Czarna Dąbrówka, Liczba mieszkańców Gminy Czarna Dąbrówka na dzień 27.01.2011r., abgerufen am 4. Mai 2012
  2. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow. Teil I: Geschichte, Königsberg 1858, S. 55.
  3. a b Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow. Teil II: Urkunden, Königsberg 1859, S. 21 und S. 182.
  4. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow. Teil I: Geschichte, Königsberg 1858, S. 140.
  5. a b Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der pommerschen Ritterschaft vom 14.–19. Jahrhundert. Bath, Berlin 1863, 748 Seiten, S. 260.
  6. Johann Ludwig Quandt: Die Ostgrenzen Pommerns. In: Baltische Studien, Band 15, 1. Heft, Stettin 1853, S. 205–223, insbesondere S. 221.
  7. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil 2, Band 2, Stettin 1784, S. 1087, Nr. 6.
  8. A. Hilferding: Die Überreste der Slaven auf der Südseite des baltischen Meeres. In: Zeitschrift für slavische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Band I, Heft 1, Bautzen 1862, S. 81–97, Band I, Heft 4, Bautzen 1864,S. 230–239, insbesondere S. 94 ff., und Band II, Heft 2, Bautzen 1964, S. 81–111.
  9. Wobeser: Etwas von dem Wohnsitz der Cassuben, in: Anton Friedrich Büschings Wöchentliche Nachrichten. Siebenter Jahrgang, Berlin 1779, Nr. 23, S. 181–183
  10. Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues preussisches Adels-Lexicon. Band 2, Leipzig 1836, S. 26.
  11. Eugen Huhn: Topographisch-statistisch-historisches Lexikon von Deutschland. Band 3, Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1849, S. 401.
  12. W. C. Starke: Beiträge zur Kenntnis der bestehenden Gerichtsverfassung und der neuesten Resultate der Justizverwaltung in den Preußischen Staaten. Band 3, 1839, S. 253.
  13. a b c d Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Gemeinde Jassen im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern, 2011.
  14. a b c d e f g h Georg Sokollek: Pommern – Im Spiegel seiner über 2000jährigen Geschichte, insbesondere der Länder Lauenburg-Bütow. Bearbeitet von Gunter Sokollek und Michael Sokollek. Eigenverlag Georg Sokollek, Eberbach 1997; Druck: Druckhaus Darmstadt. Seiten 303–305.
  15. Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuer-Veranlagung im Regierungsbezirk Köslin. 2. Kreis Bütow. Stettin 1866, S. 2, Nr. 21.
  16. a b Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow. Teil I: Geschichte, Königsberg 1858, S. 140.
  17. Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Der Wohnort Jassen im ehemaligen Kreis Bütow, 2011.
  18. Michael Antoni und Georg Dehio: West- und Ostpreußen. Band 17, 1993, S. 289