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Mikorowo (deutsch Mickrow, kasch. Mikrowò) ist ein altes kaschubisches Dorf in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Es gehört zur Landgemeinde Czarna Dąbrówka (Schwarz Damerkow) im Powiat Bytowski (Kreis Bütow).

Mikorowo
Mikorowo führt kein Wappen
Mikorowo (Polen)
Mikorowo
Mikorowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Bytów
Gmina: Czarna Dąbrówka
Geographische Lage: 54° 24′ N, 17° 35′ OKoordinaten: 54° 24′ 21″ N, 17° 34′ 48″ O
Höhe: 99 m n.p.m.
Einwohner: 230 (31. März 2011[1])
Postleitzahl: 76-243
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GSL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Chlewnica/DK6Kozin
Łupawa/DW211 → Mikorowo
Schienenweg: Danzig–Stargard
Bahnstation: Potęgowo (11 km)
Nächster int. Flughafen: Danzig



Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Mikorowo liegt in Hinterpommern, vierzig Kilometer südöstlich der Kreisstadt Słupsk (Stolp). An seiner südlichen Grenze liegt der Binnensee Jezioro Mikorowo (Mickrower See).

OrtsnameBearbeiten

Ältere Namensformen sind Mykerow, Micorow und Mickerow.

VerkehrBearbeiten

Durch den Mikorowo verläuft eine Nebenstraße, die Chlewnica (Karlshöhe) an der polnischen Landesstraße 6 (ehemalige deutsche Reichsstraße 2, heute auch Europastraße 28) mit Kozin (Kosemühl) an der Woiwodschaftsstraße 212 (Teilstück der ehemaligen deutschen Reichsstraße 158) verbindet. Von Łupawa (Lupow) an der Woiwodschaftsstraße 212 herkommend endet eine andere Straße in Mikorowo.

Zwischen 1902 und 1945 hatte der damals Mickrow genannte Ort Bahnanschluss über die sieben Kilometer entfernte Station Helenenhof (heute polnisch: Kostroga) an der Bahnstrecke Lauenburg–Bütow (Lębork–Bytów). Heute ist Potęgowo (Pottangow), das elf Kilometer nordwärts liegt, der nächste Bahnhof und liegt an der Bahnstrecke von Danzig nach Stargard.

GeschichteBearbeiten

 
Mickrow östlich von Stolp und östlich des Dorfs Lupow am Fluss Lupow auf einer Landkarte von 1905.

Seiner historischen Dorfform nach war Mikorowo ein Zeilendorf. Im Jahre 1301 war es im Besitz des Burggrafen von Schlawe (Sławno), und bereits 1330 wird ein Woylaus de Micorow als Besitzer genannt. 1480 ist die Familie von Grumbkow Eigentümerin, und ab 1527 ist Mickrow Puttkamerscher Lehnsbesitz.

Im Jahre 1732 erwarb den Besitz der Geheimrat und Kammerpräsident Christian Ernst von Münchow. Unter seiner Regie wurde das Gutshaus gebaut. Sein Sohn, der – inzwischen in den Grafenstand erhobene – Rittmeister Karl Gustav erbte dann Mickrow, das bis 1860 im Besitz dieser Familie blieb.

Um 1784 gab es in Mickrow ein Vorwerk, einen Prediger, einen Küster, fünf Bauern, sechs Halbbauern, einen Krug, eine Schmiede, auf der Feldmark das Vorwerk Brügge (polnisch: Przywodzie) an der Lupow (Łupawa), die Vorwerke Philippsthal (Dzierzlin), Sophienhof (Przybin) und Wilhelmsberg (Przedecz) und einen Krug („Unterkrug“) bei insgesamt 30 Haushaltungen.[2]

Im Jahre 1884 war Wilhelm Walenius Herr auf Mickrow, nach ihm sein Sohn Nikolaus. Letzte Eigentümerin von Mickrow war Ellen von Mitzlaff. Das Gut hatte damals die Größe von 1537,5 Hektar.

Im Jahre 1910 hatte Mickrow (Gutsbezirk und Landgemeinde) 593 Einwohner. Im Jahr 1925 standen in der Gemeinde Mickrow 71 Wohngebäude. Die Anzahl der Einwohner betrug 1933 noch 499 und 1939 nur noch 458.

Bis 1945 gehörte die Gemeinde Mickrow zum Landkreis Stolp im Regierungsbezirk Köslin (Koszalin) der Provinz Pommern. Auf der 1844 Hektar großen Gemeindefläche befanden sich insgesamt acht Wohnplätze:

  • Brügge (Orzywodzie)
  • Mickrow
  • Philippsthal (Dzierzlin)
  • Schwarze Hütte
  • Sophienhof (Przybin)
  • Waldhof (Suszka)
  • Wilhelmsberg (Przedecz)
  • Ziegelei

Hauptwohnort war Mickrow. Die Gemeinde Mickrow war bis 1945 Sitz eines Amts- und Standesamtsbezirks, in den auch die Gemeinden Karwen (Karwno), Varzmin (Warcimino) und Vargow (Wargowo) eingegliedert waren. Amtsgerichtsbezirk war Lauenburg in Pommern (Lębork). In der Gemeinde Mickrow gab es außer dem Gut 51 bäuerliche Betriebe.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Mickrow am 8. März 1945 auf militärische Anordnung hin geräumt. Der Treck zog über Kutusow (Kotuszewo) und Groß Wunneschin (Unieszyno) und Lauenburg (Lębork) bis an die westpreußische Grenze. Dort wurde er von sowjetischen Truppen überrollt. Nur drei Familien soll die Flucht von Gotenhafen (Gdynia) aus mit dem Schiff in den Westen gelungen sein. Die übrigen Dorfbewohner kehrten nach Tagen und Wochen zu Fuß in das 30 Kilometer entfernte Heimatdorf zurück. Etwa 26 Dorfbewohner waren in Mickrow zurückgeblieben und in den Ausbauten fast alle.

Am 9. März 1945 wurde Mickrow von der Roten Armee besetzt. Zwischen Vargow und Mickrow und östlich des Dorfs war es zu vereinzelten Panzergefechten gekommen. Das Gut nahmen die sowjetischen Truppen in Besitz und bewirtschafteten es. Im Gutshaus wurde eine sowjetische Kommandantur eingerichtet. Nach Kriegsende wurde Mickrow zusammen mit ganz Hinterpommern unter polnische Verwaltung gestellt. Die Dorfbevölkerung wurde von den Polen in der Folgezeit über die Oder vertrieben.[3] Mickrow wurde in Mikorowo umbenannt.

Später wurden in der BRD 224 und in der DDR 96 aus der Gemeinde Mickrow gekommene Dorfbewohner ermittelt.[3]

Das Dorf ist heute ein Schulzenamt der Gmina Czarna Dąbrówka im Powiat Bytowski in der Woiwodschaft Pommern (1975 bis 1998 Woiwodschaft Słupsk) ist. Im Jahr 2011 wurden in Mickrow 230 Einwohner gezählt.

KircheBearbeiten

PfarrkircheBearbeiten

Bereits im Jahre 1491 wurde in Mickrow eine Kirche genannt. Sie wurde 1675 abgebrochen und drei Jahre später neu errichtet. Bereits 1815 wurde wieder eine Kirche gebaut, die bis heute besteht: ein schmuckloses Gebäude im Fachwerkstil mit Dachreiter. 130 Jahre lang war es ein evangelisches Gotteshaus, das 1945 zugunsten der katholischen Kirche enteignet wurde und – nach neuer Weihe – den Namen Kościół Świętego Kazimierza (Kirche des Heiligen Kasimirs / Kasimirkirche) bekam.

Kirchspiel/PfarreiBearbeiten

Schon in vorreformatorischer Zeit war Mickrow ein Kirchdorf. Mit der Reformation in Pommern (1535) wurde es Pfarrsitz eines evangelischen Kirchspiels, in dem – laut Anweisung aus dem Jahre 1590 – in deutscher und kaschubischer Sprache gepredigt werden musste. Noch 1815 galt diese Bestimmung. Damals gehörte das Kirchspiel Mickrow zur Synode Stolp (Słupsk), kam ab 1817 zur Synode Alt Kolziglow (Kołczygłowy) und ab 1871 zum Kirchenkreis Stolp-Altstadt in der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union.

Im Jahre 1744 wurde in dem zu Mickrow eingepfarrten Ort Kosemühl (Kozin) eine Kirche errichtet und 1746 dort ein eigener Pfarrer eingesetzt. Ab 1894 war es Sitz eines Pfarrvikars, der dann in Klein Rakitt (Rokitki) und später in Groß Rakitt (Rokity) ansässig war, bis 1909 ein eigenes Kirchspiel Groß Rakitt gegründet wurde.

Im Jahre 1940 gehörten zum Kirchspiel Mickrow 2499 Gemeindeglieder, von denen 1021 zur Filialkirche Kosemühl gehörten. Eingepfarrt waren neben Mickrow und Kosemühl die Ortschaften: Karwen (Karwno), Vargow (Wargowo), Dambee (1937–45 Eichen, Dąbie), Eichenfelde (Grzężnik), Friedrichswalde, Helenenhof (Kostroga), Kose (Kozy), Kutusow (Kotuszewo), Landhof (Owsianka), Lessaken (Lesiaki), Mutzkow und Varzmin (Warcimino).

Seit 1945 leben überwiegend katholische Einwohner in Mikorowo. Der Ort ist immer noch Pfarrsitz mit der Filialkirche in Kozin (Kosemühl), aber nur noch mit den Ortschaften Kozy (Kose), Wargowo (Vargow), Lesiaki (Lessaken) und Kotuszewo (Kutusow). Die Pfarrei Mikorowo gehört jetzt zum Dekanat Łupawa (Lupow) im Bistum Pelplin der Katholischen Kirche in Polen. Hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören jetzt zur Kreuzkirchengemeinde in Słupsk (Stolp) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen – mit der Filialkirche in Lębork (Lauenburg in Pommern).

SchuleBearbeiten

In Mickrow gab es im Jahre 1932 eine dreistufige Volksschule. Hier unterrichteten zwei Lehrer in drei Klassen 90 Schulkinder.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mickrow – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. GUS 2011: Ludność w miejscowościach statystycznych według ekonomicznych grup wieku (polnisch), 31. März 2011, abgerufen am 26. Juni 2017
  2. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 986, Nr. 90.
  3. a b Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern. Lübeck 1989, S. 735 (Online; PDF)