Hamburger Hochbahn

Verkehrsunternehmen in Hamburg
Hamburger Hochbahn AG
Hochbahn.svg

DT5 in Richtung Hauptbahnhof-Süd.JPG
Linie U3 der Hochbahn mit der U-Bahn-Haltestelle Baumwall

Basisinformationen
Unternehmenssitz Hamburg
Webpräsenz www.hochbahn.de
Eigentümer Freie und Hansestadt Hamburg
Gründung 27. Mai 1911
Vorstand Henrik Falk (Vorsitzender/Unternehmenssteuerung)
Claudia Güsken (Personal und Betrieb)
Helmut König (Finanzen und Nachhaltigkeit)
Jens-Günter Lang (Technik)
Verkehrsverbund Hamburger Verkehrsverbund (HVV)
Mitarbeiter 6074 (Dez. 2019)[1]
Umsatz 534,3 Mio. Euro (2019)dep1
Linien
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
U-Bahn 4
Bus 114
Anzahl Fahrzeuge
U-Bahnwagen 269 Einheiten, davon:
DT1: 3 (abgestellt)
DT2: 1 (abgestellt)
DT3: 30
DT4: 126 (incl. VGN)
DT5: 118 (insg. 163 bestellt)
Omnibusse 1090 Fahrzeuge (2019), davon:
• 622 Stadtbusse (incl. Schnellbusse)
(davon 33 Batteriebusse, 25 Hybridbusse)
• 323 Gelenkbusse (davon 2 Brennstoffzellenbusse, 20 Hybridbusse, 305 Dieselbusse)
• 90 Großraum-Gelenkbusse
Statistik
Fahrgäste 396,749 Mio. (2019)[2]
Fahrleistung 129,6 Mio. km pro Jahr
Haltestellen U-Bahn: 93, Bus: 1402
Einzugsgebiet Hamburg (außer Bezirk Bergedorf)dep1
Länge Liniennetz
U-Bahn-Linien 105,8 km (mit VGN)dep1
Buslinien 964 kmdep1
Betriebseinrichtungen
Betriebshöfe U-Bahn: 3, Bus: 8

Die Hamburger Hochbahn AG (HHA) ist das größte Verkehrsunternehmen in Hamburg. Sie betreibt die Hamburger U-Bahn und einen Großteil des Hamburger Stadtbus-Netzes.

Aktie über 1000 Mark der Hamburger Hochbahn AG vom Dezember 1919
U1-Haltestelle Jungfernstieg mit DT4
U-Bahn-Streckennetz
„XXL-Bus“ (Doppelgelenkbus Van Hool AGG 300) auf der Metrobuslinie 5

Die Hochbahn ist eines der größten Nahverkehrsunternehmen in Deutschland und der größte Dienstleister im Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Im Jahr 2019 beförderte der Betrieb etwa 396,749 Mio. Fahrgäste (Bus: 217,244 Mio., U-Bahn: 249,52 Mio., Umsteiger zwischen den beiden Verkehrsmitteln sind bei der Gesamtzahl nur einmal berücksichtigt) und beschäftigte 6074 Menschen, davon 129 Auszubildende.[3] Die Hamburger Hochbahn AG befindet sich über die HGV Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH vollständig im Eigentum der Freien und Hansestadt Hamburg.

GeschichteBearbeiten

Die Hamburger Hochbahn wurde am 27. Mai 1911 in Form einer Aktiengesellschaft als Konsortium zwischen Siemens & Halske und AEG gegründet. Sie ist seit 1912 privater Betreiber der damals neu erbauten Hochbahn, erster Direktor war Wilhelm Stein, erster Aufsichtsratsvorsitzender Albert Ballin[4]. Die Stadt Hamburg verpachtete die Bahnanlagen an das Unternehmen, das nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen geführt wurde. Die erste Hochbahnstrecke wurde 1912 mit der Ringlinie, Teil der heutigen U-Bahn-Linie U3, in Betrieb genommen. Es folgte die heute nicht mehr existierende Linie vom Hauptbahnhof nach Rothenburgsort.

Die HHA übernahm 1918/1919 die Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft in Hamburg (SEGH), 1923 die Hamburg-Altonaer Centralbahn (HAC) und 1924 die Elektrische Kleinbahn Alt-Rahlstedt – Volksdorf – Wohldorf (EKV).

Das Tochterunternehmen Fahrzeugwerkstätten Falkenried (FFG) entwickelte, baute und wartete früher auf dem ehemaligen Betriebsgelände am Falkenried Straßenbahn- und U-Bahn-Fahrzeuge sowie Busse. In der Zentrale in Hummelsbüttel sowie vier weiteren Werkstätten auf den Betriebshöfen der Hochbahn ist sie heute als Volldienstleister der Hochbahn u. a. für Wartung und Instandsetzung der Busflotte zuständig. Die ersten Omnibusse bei der HHA fuhren am 5. Dezember 1921 auf Linie.

Am 1. April 1919 übernahm die HHA auch den Betrieb der Alsterschiffe von der Alsterdampfschiffahrts-GmbH. Von 1924 bis 1935 übertrug sie den technischen Betrieb jedoch an die Ewerführerei Lütgens & Reimers. Im Zweiten Weltkrieg setzte auch die Hamburger Hochbahn Zwangsarbeiter ein. Im Stadtgebiet gab es fünf Lager, in denen vor allem sowjetische Kriegsgefangene eingesetzt wurden.[5]

1965 war die Hamburger Hochbahn eines der Gründungsmitglieder des Hamburger Verkehrsverbundes HVV – des ersten Verkehrsverbundes weltweit. 1977 erfolgte die Gründung der ATG Alster-Touristik mit einer Neuausrichtung auf Ausflugs-, Rundfahrt- und Touristikangebote auf der Außen- und Binnenalster. 1978 beförderte die HHA mit 1800 Fahrzeugen auf 111,45 Mio. Wagen- bzw. Schiffs-Kilometern 398,2 Mio. Fahrgäste, davon entfielen 175,8 Mio. Fahrgäste auf den Betriebsteil U-Bahn, 221,0 Mio. auf den Busbereich und 1,4 Mio. auf die Alsterschifffahrt. Hinzu kamen 8,5 Mio. Fahrgäste von der am 1. Oktober 1978 eingestellten Straßenbahn[6].

Viele Jahre war die Hochbahn an der Börse gelistet und zahlte außenstehenden Aktionären eine Garantiedividende. Nach der Änderung des Aktiengesetzes mit vereinfachten Möglichkeiten eines Squeeze-out wurden 2003 alle freien Aktionäre abgefunden, so dass sich die Anteile heute komplett im Besitz der Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement befinden.

StraßenbahnBearbeiten

Die Hochbahn betrieb auch die Straßenbahn in Hamburg, deren Linien und Strecken nach 1955 nach und nach durch U-Bahn-Verbindungen und hauptsächlich Busbetrieb, auch im gebrochenen Verkehr umgestellt wurde. Die letzte Linie wurde im Herbst 1978 auf Busbetrieb umgestellt.

Anfang 2009 wurde das Unternehmen von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt mit der Planung der Stadtbahn Hamburg betraut, die allerdings Ende 2010 nach einem Koalitionsbruch in Hamburg fallengelassen und nach einem Regierungswechsel 2011 nicht erneut verfolgt wurde.

BusseBearbeiten

Die Hamburger Hochbahn befasst sich seit zwei Jahrzehnten mit der Nutzung von Wasserstoff im Mobilitätssystem der Zukunft. 2003 wurden die ersten Busse mit Brennstoffzellen in Betrieb genommen. Auf Beschluss rot-grünen Senats bestellt die Hochbahn ab 2020 nur noch Busse, die kein CO2 ausstoßen. Ziel ist es, dass Ende diesen Jahrzehnts die gesamte Flotte emissionsfrei unterwegs ist.[7][8]

Tochtergesellschaften und BeteiligungenBearbeiten

  • ATG Alster-Touristik GmbH, Hamburg (100 %), 1977 ausgegründet aus dem Betriebszweig Alsterschifffahrt, deren Linien nun außerhalb des HVV neben dem Touristikbereich betrieben werden
  • FFG Fahrzeugwerkstätten Falkenried GmbH, Hamburg (100 %), im Juni 1968 ausgegründet aus der Straßenbahn-Hauptwerkstatt zur Entwicklung von Fahrzeugtechnik sowie Elektrotechnik und Heizungs- und Lüftungsbau
  • HADAG Seetouristik und Fährdienst AG, Hamburg (100 %), Passagierschiffsverkehr auf der Elbe
  • HHW Hamburger Hochbahn-Wache GmbH, Hamburg (100 %), 1993 gegründet als Hamburger U-Bahn-Wache GmbH (HUW)[9][10]
  • TEREG Gebäudedienste GmbH, Hamburg (56 % Hochbahn, 44 % Vattenfall), 1963 als TEREG Technische Reinigungsgesellschaft Schmeisser mbH gegründet, 1974 wurde die HEW Mitgesellschafter
  • ZOB Hamburg GmbH (72,1 %), Betrieb des Zentralen Busbahnhofs südöstlich des Hauptbahnhofs
  • HSF Hamburger Schnellbahn-Fahrzeug-Gesellschaft mbH, Hamburg (100 %)
  • HOCHBAHN Verwaltungsgesellschaft, Hamburg (100 %)
  • HOCHBAHN Grundstücksverwaltungsgesellschaft mbH & Co. KG, Hamburg (100 %)
  • HOCHBAHN Beteiligungsgesellschaft mbH, Hamburg (100 %)
    • HSG Hanseatische Siedlungs-Gesellschaft mbH, Hamburg (100 %), 1934 durch die Hamburger Sparkasse von 1827 gegründet, 1943 von der HHA-Muttergesellschaft übernommen als gemeinnützige Wohnungsgesellschaft zur Schaffung von Wohnraum für ausgebombte Betriebsangehörige
  • hySOLUTIONS GmbH, Hamburg (56 % Hochbahn, 12,5 % Vattenfall, 12,5 % Stromnetz Hamburg, 5 % Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH), 4 % Handelskammer Hamburg, 4 % Handwerkskammer Hamburg, 3 % Gasnetz Hamburg, 3 % Hamburg Port Authority (HPA)), gegründet im September 2005 zur Förderung, Betreuung und Einsatz der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie sowie elektrischer Antriebs- und Versorgungssysteme in Hamburg
  • HVW Hamburger Verkehrsmittel-Werbung GmbH, Hamburg (24,9 % Hochbahn, 75,1 % DSM Deutsche Städte-Medien GmbH), gegründet im Juni 1937 zur Vermarktung und Durchführung von Werbung auf und in HHA-Verkehrsmitteln und deren Haltestellen[11], gehört jetzt zur Ströer-Gruppe; Tochtergesellschaft der HVW war die Spezialreklame A. von Beyer & Co GmbH, die seit den 1930er Jahren in Schleswig-Holstein Plakatanschläge durchführte und in den 1970er bis 1990er Jahren für das Schwesterunternehmen Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) und das damalige HHA-Tochterunternehmen Pinneberger Verkehrsgesellschaft (PVG) zuständig war

ehemalige Tochterunternehmen

  • Friedrich Jasper Rund- und Gesellschaftsfahrten GmbH, Hamburg (100 %), am 1. November 1959 durch die HHA übernommen, bot neben Busreiseverkehr und Touristikangeboten in Reisebüros auch den Anschluss des Flughafens Hamburg mit Bussen außerhalb des HVV; ein Busbetriebsunternehmen, dessen Fahrer hauptsächlich Fahrleistungen für die Muttergesellschaft HHA übernahmen, wurde 2019 auf die Muttergesellschaft verschmolzen. Ein Tochterunternehmen von Jasper war die Dau-Reisen GmbH mit eigenen Reisebüros, und zuletzt auch ein weiteres vorheriges Tochterunternehmen der HHA-Mutter, die Travers Omnibusgesellschaft mbH (TOG), die Auftragsleistungen im Linienverkehr für die HHA und früher auch für die VHH sowie Werkverkehr und auch Gelegenheitsverkehr durchführte. Deren Tochterunternehmen waren wiederum die Peter Marquardt Omnibusgesellschaft mbH in Stöckte und die Hansa Kiel Grundstücksverwaltungsgesellschaft mbH (ehemals Autobus Fernfahrten Hansa GmbH).
  • Reiseagentur Hans H. Grünwold GmbH, ein Reiseunternehmen, an dem die HHA in den 1970er bis 1990er Jahren eine Beteiligung von 25 % hatte, das damals auch Vermietungen der Verkehrsmittel aller zur Unternehmensgruppe gehörenden Verkehrsunternehmen anbot
  • SBG Süderelbe Bus GmbH, Hamburg (100 %), Busbetriebsunternehmen für Leistungen auf Hochbahn-Buslinien im südwestlichen Hamburg; 2019 mit der Muttergesellschaft verschmolzen
  • P + R Betriebsgesellschaft für Parken und Reisen mbH, 1969 gegründet zur Bewirtschaftung von (einigen größeren) P+R-Anlagen an U-Bahn-Haltestellen
  • Hamburg-Consult Gesellschaft für Verkehrsberatung und Verfahrenstechniken mbH (HC), Hamburg, 1967 gegründet, um die Erfahrungen der Fachleute der HHA anderen Unternehmen im In- und Ausland weiter zu geben und bis in die 1990er Jahre Forschungsaufträge des BMFT durchzuführen
  • VDV eTicket Service GmbH & Co. KG, Köln (10,13 %)
  • BeNEX GmbH, Hamburg (51 %): Mit Eintragung in das Handelsregister vom 25. Mai 2007 wurde der Expansionsbetrieb der Hamburger Hochbahn AG für Verkehre außerhalb des Hamburger Raumes auf die BeNEX ausgegliedert, an der die Investmentgesellschaft International Public Partnerships (INPP) 49 % der Anteile hielt. Diese Beteiligung der HHA wurde im Juli 2019 an die INPP veräußert[12]. In der BeNEX GmbH wurden die Beteiligungen im SPNV und im ÖSPV außerhalb Hamburgs gehalten:

Anfang 1979 wurde die HHA Teilhaber der Hamburger C-Bahn-Gesellschaft mbH[13], zusammen mit Mannesmann DEMAG Fördertechnik in Wetter und der Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH in München. Mit Unterstützung des BMFT sollte sie für Planung und Betrieb einer C-Bahn-Demonstrationsanlage in Hamburg (City Nord)[14] sorgen, die dann nicht zur Ausführung kam.

FahrgastinformationBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Hamburger Hochbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lagebericht und Jahresabschluss 2019, Hochbahn-Unternehmensbericht 2019, S. 14, abgerufen am 20. Juni 2020
  2. Lagebericht und Jahresabschluss 2019 Hochbahn Unternehmensbericht 2019, S. 8, abgerufen am 20. Juni 2020
  3. Unternehmensbericht 2019 der Hochbahn, abgerufen am 20. Juni 2020
  4. Joachim Häger: Hammonia und ihre U-Bahn. Hamburg 1986, ISBN 3-7672-9967-4
  5. Zwangsarbeit in der Hamburger Kriegswirtschaft 1939-1945. Landeszentrale für Politische Bildung Hamburg, abgerufen am 21. März 2020.
  6. Hamburger Hochbahn AG: Daten und Fakten. In: Prospekt zur IVA 1979
  7. Gernot Knödler: Auf dem Weg zum emissionsfreien Bus: Ein Mann brennt für Wasserstoff. In: Die Tageszeitung: taz. 27. Juli 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 29. Juli 2020]).
  8. Gernot Knödler: Der Norden pusht den Wasserstoff: Ein Stoff macht Karriere. In: Die Tageszeitung: taz. 24. Juli 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 29. Juli 2020]).
  9. Hamburger U-Bahn-Wache. In: Fahr mit uns 3/1993, S. 2
  10. Über uns hochbahnwache.de, abgerufen am 11. Januar 2021
  11. 100 Jahre rollende Werbung. In: Fahr mit uns, Heft 2/1962, Hamburger illustrierte Straßenbahnzeitschrift, Hamburger Hochbahn AG, Hamburg 1962, S. 4/5
  12. BeNEX-Anteile verkauft. Abgerufen am 18. August 2019.
  13. Tradition · Leistung · Fortschritt. Imagebroschüre der Hamburger Hochbahn AG, Hamburg 1979
  14. C-Bahn in der Hamburger City Nord, abgerufen am 11. September 2019