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Governance in Kursachsen beschreibt den Grad und die Art der Einbindung gesellschaftlicher Zivilkräfte in den politisch-administrativen Entscheidungsprozess, mit dem Ziel der Veränderung der herrschenden Institutionen in Kursachsen. Zusätzlich determiniert sie die dazugehörigen Akteure und deren Stellung im politisch-administrativen System im kursächsischen Staat. Es werden die Vetospieler in Kursachsen der Frühen Neuzeit identifiziert und die politischen Entscheidungswege offengelegt und analysiert.

Governance in SachsenBearbeiten

Die kursächsische Bevölkerung war aus sozialer Perspektive für ihre Zeit bereits stark differenziert, wandel- und transformierbar. Die Bevölkerungsentwicklung in Kursachsen war mit der westlichen Entwicklungsrichtung vergleichbar und bewegte sich mit ihr mit. Die stetige Reformierung sämtlicher Gesellschaftsstrukturen in Sachsen ermöglichte seit 1500 eine geordnete und zentrale Errichtung von komplexen System- und Organisationsstrukturen wodurch sich ein umfassendes vormodernes Staatswesen über der Bevölkerung ausformte, das den gesellschaftlichen und herrschaftlichen Interessenausgleich organisierte. Dieses System wird in der Verwaltungswissenschaft als politisch-administratives System bezeichnet und beinhaltet alle tragenden Akteure die den Institutionenwandlungsprozess in Kursachsen ordneten, zentralisierten, politisch legitimierten und umsetzten. Dabei trugen die Akteure die Interessen der maßgeblichen Bevölkerungsgruppen zusammen und erarbeiteten politische Vorschläge die im Systemapparat neu verhandelt und schließlich zum Beispiel über Gesetze und kurfürstliche Erlasse institutionalisiert wurden. Schriftlichkeit und Standardisierung waren bereits früh verbreitete Formen von Governancehandlungen in Sachsen gewesen. Dadurch wurde ein großer Teil der Bevölkerung erreicht und es konnte durch die Gesetzgebung eine Gleichbehandlung über das gesamte Territorium Kursachsens angestrebt werden. Die staatliche Gesetzgebung verdrängte daher erfolgreich im 18. Jahrhundert feudale Strukturen und Lehnsverhältnisse in großen Teilen des sächsischen Territoriums.

Hauptsächlich organisierten die Landesstrukturen allein durch ihr geordnetes Bestehen einen landesweiten legitimierten politischen Ausgleich, wodurch einzelne außenstehende Interessen- und Akteurskonstellationen eingebunden und berücksichtigt wurden und Landesherrschaft an vielen Stellhebeln beeinflussbar blieb. Die Kohärenz des Territoriums wurde dadurch deutlich gefördert und eine straffe und gegliederte zivile Ordnung ermöglicht. Die Akteurskonstellationen vor allem der Landstände, des Kurfürsten und der Verwaltung waren verschränkt, losgelöst handelnde Akteure besaßen kaum Veränderungspotenziale und benötigten daher eine breite Unterstützungsbasis zur Erreichung einer politischen Majorität. Fehlte diese breite Unterstützung so wie in Polen während der Herrschaft Augusts II. wurden innenpolitische Reformen blockiert und scheiterten.

Die Stabilität und Wandelfähigkeit des sächsischen Territoriums erhielt durch die Institutionalisierung der einzelnen Politikfelder (Finanzen, Auswärtiges, Inneres, Recht, Infrastruktur, Bergbau) einen deutlichen Schub. Da eine geschriebene Verfassung fehlte, waren die Beeinflussungen der Akteure in hohem Maße informell. Geordnete Lobbyismusstrukturen zum Beispiel am sächsischen Hof vergleichbar mit heutigen Politikagenturen waren noch nicht vorhanden.

Zwischenstaatlich waren Subsidienzahlungen Mittel der Interessenbeeinflussung in der Frühen Neuzeit. Im 17. Jahrhundert vermieteten sächsische Fürsten mehrfach Soldaten an fremde Mächte unter Zahlung von Subsidien.

Korporative AkteureBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Reiner Gross: Geschichte Sachsens, Edition Leipzig, Sonderausgabe der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung Dresden/Leipzig 2012