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Edo Osterloh

deutscher evangelischer Theologe und Politiker (CDU), MdL

LebenBearbeiten

Vor Eintritt in die Nachkriegs-PolitikBearbeiten

Der Sohn eines Bauern besuchte gegen den Willen seines Vaters nach der Volksschule die Oberrealschule, auf der er 1928 das Reifezeugnis erwarb. Danach studierte er Theologie und Philosophie an der Kirchlichen Hochschule Bethel sowie den Universitäten in Marburg, Göttingen und Zürich. Die finanziellen Mittel stellte ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes zur Verfügung, in den Semesterferien arbeitete er als Werkstudent bei der I.G. Farben in Leverkusen.[1]

In Göttingen trat er dem „Studentenkampfbund Deutsche Christen“ bei und wurde dessen Hochschulgruppenführer. Unter seiner Ägide erschien die Schrift Das Evangelium im Dritten Reich, in dem Volksgemeinschaft und Rasse verherrlicht werden. Am 10. Mai 1933 organisierte er eine NS-Bücherverbrennung vor der Göttinger Albanikirche.[2] Noch im selben Jahr distanzierte er sich aber wieder von dieser Haltung und bezeichnete sein Engagement als „Irrtum “und „Illusion“, von der er „durch die faktischen Erfahrungen und mein Lutherstudium befreit“ worden sei.[3]

Nach Abschluss seines Studiums war er kurze Zeit als Assistent in Bethel und als Hilfsprediger in Rüstringen tätig.

Osterloh schloss sich in der Folge der Bekennenden Kirche an und übernahm in deren Auftrag 1935 eine Dozententätigkeit an der Kirchlichen Hochschule Berlin-Zehlendorf. Hier unterrichtete er im lutherischen Zweig als Repetent die Fächer Altes Testament, Hebräisch und Philosophie, trotz schwieriger politischer Umstände und Lehrverbot. Weiterhin gehörte er der illegalen Prüfungskommission an und übernahm 1937 das Amt des Studentenpfarrers der Bekennenden Kirche.

1940 wurde Osterloh zum Kriegsdienst eingezogen. Er war während seiner fünfjährigen Militärzeit als Artillerieoffizier im Fronteinsatz und an einer Militärschule tätig. Später gehörte er als sogenannter Fachoffizier zum Generalstab der Heeresgruppe Mitte. Im Mai 1945 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Im August 1945 gelang ihm die Flucht. Nach seiner Rückkehr übernahm Osterloh ein Pfarramt in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, für das er sich bereits während der Kriegsjahre beworben hatte. Gemeinsam mit Hermann Ehlers, als hauptamtliches juristisches Mitglied, wurde er im Oktober 1945 als nebenamtliches geistliches Mitglied, ab 1947 als hauptamtliches Mitglied, in den Oberkirchenrat dieser Landeskirche gewählt. 1949 nahm er einen Ruf als Oberkirchenrat des Landeskirchenamtes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover an. In dieser Funktion widmete er sich vornehmlich Schul- und Erziehungsfragen.

Nach Eintritt in die PolitikBearbeiten

Osterloh schloss sich dann der CDU an, in der er sich für eine liberale Familien- und Bildungspolitik einsetzte. 1953 wurde er zum Ministerialrat im Bundesministerium des Innern ernannt und mit der Leitung des Referates 2 (Schul- und Erziehungsangelegenheiten) beauftragt. Im Januar 1954 wurde er Ministerialdirektor. Am 18. Januar 1956 wurde Osterloh Kultusminister von Schleswig-Holstein (siehe Kabinett von Hassel I). Bei den Landtagswahlen 1958 und 1962 wurde er für den Wahlkreis Steinburg-Süderdithmarschen in den schleswig-holsteinischen Landtag gewählt.

Er gehörte außerdem verschiedenen Kuratorien und Stiftungsvorständen an. In der politischen Arbeit galt sein Einsatz einer Volksschul- und Berufsschulreform. Sein Ziel war eine Verbesserung des schulischen Ausbildungsstandes vor allem der ländlichen und der sozial benachteiligten Jugend. In zahlreichen Publikationen thematisierte Osterloh bildungspolitische Fragen. Er entwarf „Grundsätze der Schul- und Kulturpolitik“, untersuchte die Entwicklung des Volksschulwesens in Deutschland und erörterte das Verhältnis von „Arbeit, Freizeit und Familie“.

In kulturpolitischen Kreisen der CDU galt Osterloh als Experte. Wiederholt kritisierte er den autoritären Regierungsstil Konrad Adenauers. Seine Amtsführung als Kultusminister war wiederholt von schweren Konflikten geprägt. Im Mittelpunkt stand dabei die Rolle von Kieler Universitätsprofessoren im Dritten Reich. Osterloh vertrat die Ansicht, dass man zwar „keinen [NS-]Verbrecher ungestraft lassen“ dürfe, doch hielt er „das nachträgliche Einfangen und Aburteilen einzelner Sündenböcke“ und das „späte Opfern einzelner“ für problematisch.[4] Insbesondere setzte er sich dafür ein, dass der Hauptsturmführer der SS Hans Joachim Beyer in Flensburg angehende Lehrkräfte unterrichtete und, als er ab 1961 wegen seiner Beteiligung am Holocaust in dieser Rolle nicht mehr zu halten war, bei vollen Bezügen beurlaubt wurde.

Osterloh setzte sich dabei mit der Frage von Schuld und Verantwortung im Blick auf die nationalsozialistische Terrorherrschaft auseinander. Vermutlich war die bedrängte Lage, in die Osterloh als ein auf Ausgleich und Verständigung setzender Vermittler im Kontext solcher Konflikte geriet, ein Auslöser dafür, dass er am 25. Februar 1964 Suizid beging.

Osterloh hinterließ seine zweite Ehefrau Gertrud geb. Wilmanns, mit der er seit 1943 verheiratet war, und acht Kinder, darunter seine 1944 geborene Tochter Lerke.[5] Zwei der Kinder stammten aus der ersten Ehe (1935) mit Anneliese geb. Hübner († 1941). Ulrike Meinhof war seine Nichte und sein Patenkind.[6]

AuszeichnungenBearbeiten

  • 1943: Eisernes Kreuz 2. Klasse[7]
  • Ein Studentenwohnheim der Universität Kiel trägt seinen Namen.[8]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Edo Osterloh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Peter Zocher: Edo Osterloh - vom Theologen zum christlichen Politiker. S. 28 f.
  2. Hartwig Hohnsbein: Bekenntnisse aus dem Verlag V&R. In: Ossietzky Nr. 16/2010, S. 587 (Online)
  3. Peter Zocher: Edo Osterloh. S. 33 f.
  4. zitiert aus: Schatten am Meer. In: Der Spiegel. Nr. 10, 1964, S. 21–22 (online).
  5. Schatten am Meer. In: Der Spiegel. Nr. 10, 1964, S. 21–22 (online).
  6. Brigitte Kaff: Osterloh, Edo. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 618 f. (Digitalisat).
  7. Peter Zocher: Edo Osterloh – Vom Theologen zum christlichen Politiker. Eine Fallstudie zum Verhältnis von Theologie und Politik im 20. Jahrhundert. (AKiZ B 48), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 99
  8. www.studentenwerk.sh, abgerufen am 1. Februar 2018.