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Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (französisch Communauté économique des États de l’Afrique de l’Ouest, CEDEAO; englisch Economic Community of West African States, ECOWAS; portugiesisch Comunidade Económica dos Estados da África Ocidental, CEDEAO) ist eine Internationale Organisation von derzeit 15 Staaten in Westafrika.[1]

Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft
CEDEAO/ECOWAS
 

Mitgliedstaaten
Englische Bezeichnung Economic Community of West African States (ECOWAS)
Französische Bezeichnung Communauté économique des États de l’Afrique de l’Ouest (CEDEAO)
Portugiesische Bezeichnung Comunidade Económica dos Estados da África Ocidental (CEDEAO)
Organisationsart Regionale wirtschaftliche und politische Kooperation
Sitz der Organe
Vorsitz Muhammadu Buhari
Parlamentarische Versammlung Community Parliament
Mitgliedstaaten 15:
Amts- und Arbeitssprachen
Fläche 5.112.903 km²
Einwohnerzahl 320 Millionen
Bevölkerungsdichte 66(2014) Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt 563,412 Mrd. US$ (2017)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 1.300 US$
(Schätzung 2013)
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Gründung

28. Mai 1975
(Vertrag von Lagos)

Währungen

(Gemeinschaftswährung Eco geplant)

Hymne [1]
Zeitzone UTC−1 bis UTC+1
Tochterorganisationen
  • Parlament (Community Parliament)
  • Kommission
  • Gerichtshof (Court of Justice)
  • Entwicklungs- und Investitionsbank (Bank for Investment and Development; EBID)
  • Organisationseinheit für die Vorbereitung von Infrastrukturprojekte und Entwicklung (Infrastructure Projects Preparation and Development Unit; PPDU)
  • Regionalstelle für erneuerbare Energien und Energieeinsparung (Regional Centre for Renewable Energy and Energy Efficiency; ECREEE)
  • Regionale Regulierungsstelle für Elektrizität (Regional Electricity Regulatory Authority; ERERA)
  • Multilaterale Aktionsgruppe gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung in Westafrika (Inter-governmental Action Group against Money Laundary and Terrorist Financing in West Africa; GIABA)
  • Gender and Development Centre
  • Water Resources Coordination Centre (WRCC)
  • Westafrikanische Gesundheitsorganisation (West African Health Organisation; WAHO)
  • West African Monetary Agency (WAMA)
  • Westafrikanischer Elektrizitätspool (West African Power Pool; WAPP)
  • Youth and Sports Development Centre
  • Committee on Administration, Finance, Budget control & Audits
  • Committee on Agriculture, Environment, Water ressources and Sustainable development
  • Committee on Communications and Information technology
  • Committee on Economic policies, Private sector & NEPAD
  • Committee on Education, Science and Technologys
  • Committee on Gender, Women empowerment & Social protection
  • Committee on Health and Social services
  • Committee on Human rights, Child protection & Other vulnerable groups
  • Committee on Infrastructure, Energy, Mine & Industry
  • Committee on Labour, Employment, Youth, sport & Culture
  • Committee on Legal and Judicial affairs
  • Committee on Political affairs, Peace, Security & Affairs peer review mechanism
  • Committee on Trade, Customs & Free movement
ecowas.int

GeschichteBearbeiten

Vorläufer der Vereinigung nach der Auflösung der französischen Kolonie Französisch-Westafrika war die am 9. Juni 1959 gegründete Westafrikanische Zollunion (Union Douanière de l’Afrique de l’Ouest; UDAO). Am 14. März 1966 wurde die UDAO in eine umfassende Organisation mit Namen Zollunion westafrikanischer Staaten (Union Douanière des États de l’Afrique de l’Ouest; UDEAO) umgeformt. Auf dem Gipfeltreffen der UDEAO am 21. Mai 1970 in Bamako wurde diese formell aufgelöst und erneut 1973 die Gründung einer Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Communauté Economique de l'Afrique de l'Ouest; CEAO) mit Sitz in Ouagadougou beschlossen.[2][3] Die CEAO wurde auf dem Gipfeltreffen in Abidjan am 12. April 1974 mit den Mitgliedsstaaten Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Mali, Mauretanien, Niger und Senegal gegründet. Neben der Mano River Union (MRU) mit der Elfenbeinküste, Guinea, Liberia und Sierra Leone mit Sitz in Freetown ist die CEAO weiterhin eine eigenständige Organisation in Westafrika.

Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft wurde am 28. Mai 1975 mit der Unterzeichnung des Vertrages von Lagos gegründet und trat 1976 in Kraft. 1978 folgte ein Nichtangriffsprotokoll und am 29. Mai 1981 ein Abkommen über gemeinsame Verteidigung durch die ECOWAS Monitoring Group (ECOMOG).

Der am 24. Juli 1993 in Cotonou (Benin) geschlossene Revised Treaty ersetzte den Vertrag von Lagos formell und stellte die ECOWAS auf eine neue rechtliche Grundlage. Ziel des Zusammenschlusses ist der Ausbau der wirtschaftlichen Integration. Dazu kamen im Laufe der Zeit weitere Ziele, u. a. eine graduelle politische Integration, die Ausdruck in der Einrichtung eines gemeinsamen westafrikanischen Gerichtshofes fand sowie in einem gemeinsamen westafrikanischen Parlament im Jahre 2001. Darüber hinaus ist mit der militärischen Intervention der ECOMOG in Liberia während des Bürgerkrieges Anfang der 90er Jahre eine wichtige sicherheitspolitische Rolle hinzugekommen, die den sich verändernden Rahmenbedingungen nach Ende des Kalten Krieges Rechnung tragen solle.

Ziel zum Zeitpunkt der Gründung war es, „kollektive Selbstversorgung“ für die Mitgliedsstaaten zu erreichen, möglich durch die Errichtung eines gemeinsamen Binnenmarktes und einer Wirtschafts- und Währungsunion. Die zuletzt beschlossene Einführung des Eco als westafrikanische Währung wurde nach 2004 noch einmal 2009 verschoben, da aufgrund der politischen und ökonomischen Probleme die vereinbarten Konvergenzkriterien nicht von allen Beteiligten erfüllt werden konnten. Die Einführung ist nun für 2020 geplant.[4]

Mauretanien, eines der Gründungsmitglieder, verließ 2001 die Gemeinschaft, um sich politisch mehr im arabisch-afrikanischen Raum zu orientieren (Arabische Liga, Union des Arabischen Maghreb).

Innergemeinschaftlich ist die Struktur durch eine starke Vormachtstellung Nigerias gekennzeichnet. Auch das Sekretariat hat seinen Sitz im nigerianischen Abuja. Das Land stellt mehr als die Hälfte der Bevölkerung und Wirtschaftskraft der Gemeinschaft. Innerhalb der ECOWAS gibt es noch eine eigene, frankophone Gemeinschaft ähnlicher Struktur, die zumindest derzeit noch als Konkurrenz zur größeren Organisation angesehen werden muss.

Organe und InstitutionenBearbeiten

 
EBID-Hauptsitz in Lomé, Togo
  • ECOWAS-Kommission (The ECOWAS Commission), 1977 bis 2006 als Exekutivrat bezeichnet, in Abuja (Nigeria)[5]
  • ECOWAS-Parlament (The ECOWAS Parliament), in Abuja, Nigeria[6]
  • Gericht der Gemeinschaft (The Community Court of Justice) in Abuja, Nigeria[7]
  • Entwicklungsbank EBID (ECOWAS Bank for Investment and Development) mit Sitz in Lomé (Togo)[8]
  • Westafrikanische Gesundheitsorganisation (West African Health Organisation) in Bobo-Dioulasso (Burkina Faso)[9]
  • Multilaterale Aktionsgruppe gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung in Westafrika (The Inter-Governmental Action Group against Money Laundering and Terrorism Financing in West Africa) mit Sitz in Dakar (Senegal)[10]

ParlamentBearbeiten

Das ECOWAS-Parlament hat 115 Abgeordnete. Die Anzahl der Sitze je Mitgliedsstaat orientiert sich an der Einwohnerzahl. Nigeria hat 35 Sitze, gefolgt von Ghana mit acht Sitzen und der Elfenbeinküste mit sieben Sitzen. Burkina Faso, Guinea, Mali, Niger und Senegal entsenden jeweils sechs, alle anderen Staaten fünf Abgeordnete.[11]

Mitgliedsstaaten und KennzahlenBearbeiten

Quelle sofern nicht anders genannt: World Fact Book, Abgerufen am 31. August 2017

Staat Hauptstadt Bevöl­kerung Fläche (km²) BIP
(Mio. US$)
(gegenüber Vorjahr)
Amts­sprache
Benin  Benin1 Porto-Novo 10.741.000 112.622 893 Französisch
Burkina Faso  Burkina Faso1 Ouagadougou 19.521.533 274.200 12.010 Französisch
Elfenbeinküste  Elfenbeinküste1, 3 Yamoussoukro 23.740.424 322.463 34.650 Französisch
Gambia  Gambia2 Banjul 2.009.648 11.300 886 Englisch
Ghana  Ghana2 Accra 26.908.262 238.533 42.760 Englisch
Guinea-a  Guinea2,3 Conakry 12.093.349 245.857 6.754 Französisch
Guinea-Bissau  Guinea-Bissau1 Bissau 1.759.159 36.125 1.168 Portugiesisch
Kap Verde  Kap Verde Praia 553.432 4.033 1.684 Portugiesisch
Liberia  Liberia2,3 Monrovia 4.299.944 111.369 2.112 Englisch
Mali  Mali1 Bamako 17.467.108 1.240.192 14.160 Französisch
Niger  Niger1 Niamey 18.638.600 1.266.700 7.556 Französisch
Nigeria  Nigeria2 Abuja 186.053.368 923.768 415.100 Englisch
Senegal  Senegal1 Dakar 14.320.055 196.722 14.870 Französisch
Sierra Leone  Sierra Leone2,3 Freetown 6.018.888 71.740 4.289 Englisch
Togo  Togo1 Lomé 7.756.937 56.785 4.520 Französisch

1Diese Länder bilden zudem die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA).
2Diese Länder bilden zudem die Westafrikanische Währungszone (WAMZ).
3Diese Länder bilden zudem die Mano River Union (MRU).

Marokko bekundete 2017 erstmals sein Interesse der Wirtschaftsgemeinschaft beizutreten. Das Land hat seitdem zahlreiche bilaterale Verträge mit Mitgliedsstaaten geschlossen. Dennoch spricht sich vor allem Nigeria gegen eine Mitgliedschaft aus.[12]

FührungspersonenBearbeiten

Präsidenten der ECOWAS-Kommission (seit 2007)Bearbeiten

Amtszeit Präsident/in Mitgliedstaat
1. Januar 2007 – 18. Februar 2010 Mohamed Ibn Chambas Ghana  Ghana
18. Februar 2010 – 1. März 2012 James Victor Gbeho Ghana  Ghana
1. März 2012 – 4. Juni 2016 Kadré Désiré Ouédraogo Burkina Faso  Burkina Faso
4. Juni 2016 – 27. Juli 2018 Marcel Alain de Souza Benin  Benin
seit 27. Juli 2018 Jean-Claude Kassi Brou Elfenbeinküste  Elfenbeinküste

Geschäftsführende Sekretäre des Exekutivrates (1977–2006)Bearbeiten

Amtszeit Sekretär/in Mitgliedstaat
Januar 1977–1985 Aboubakar Diaby Ouattara Elfenbeinküste  Elfenbeinküste
1985–1989 Momodu Munu Sierra Leone  Sierra Leone
1989–1993 Abass Bundu Sierra Leone  Sierra Leone
1993–1997 Edouard Benjamin Guinea-a  Guinea
September 1997 – 31. Januar 2002 Lansana Kouyaté Guinea-a  Guinea
1. Februar 2002 – 31. Dezember 2006 Mohamed Ibn Chambas Ghana  Ghana

VorsitzendeBearbeiten

 
Ellen Johnson Sirleaf, Vorsitzende der ECOWAS 2016/17
Amtszeit Vorsitzende/r Mitgliedstaat
1977–1978 Gnassingbé Eyadéma Togo  Togo
1978–1979 Olusegun Obasanjo Nigeria  Nigeria
1979–1980 Léopold Sédar Senghor Senegal  Senegal
1980–1981 Gnassingbé Eyadéma Togo  Togo
1981–1982 Siaka Stevens Sierra Leone  Sierra Leone
1982–1983 Mathieu Kérékou Benin  Benin
1983–1984 Ahmed Sékou Touré Guinea-a  Guinea
1984–1985 Lansana Conté Guinea-a  Guinea
1985 – 27. August 1985 Muhammadu Buhari Nigeria  Nigeria
27. August 1985 – 1989 Ibrahim Babangida Nigeria  Nigeria
1989–1990 Dawda Jawara Gambia  Gambia
1990–1991 Blaise Compaoré Burkina Faso  Burkina Faso
1991–1992 Dawda Jawara Gambia  Gambia
1992–1993 Abdou Diouf Senegal  Senegal
1993–1994 Nicéphore Dieudonné Soglo Benin  Benin
1994 – 27. Juli 1996 Jerry Rawlings Ghana  Ghana
27. Juli 1996 – 8. Juni 1998 Sani Abacha Nigeria  Nigeria
9. Juni 1998 – 1999 Abdulsalami Abubakar Nigeria  Nigeria
1999 Gnassingbé Eyadéma Togo  Togo
1999 – 21. Dezember 2001 Alpha Oumar Konaré Mali  Mali
21. Dezember 2001 – 31. Januar 2003 Abdoulaye Wade Senegal  Senegal
31. Januar 2003 – 19. Januar 2005 John Agyekum Kufuor Ghana  Ghana
19. Januar 2005 – 19. Januar 2007 Mamadou Tandja Niger  Niger
19. Januar 2007 – 19. Dezember 2008 Blaise Compaoré Burkina Faso  Burkina Faso
19. Dezember 2008 – 18. Februar 2010 Umaru Yar’Adua Nigeria  Nigeria
18. Februar 2010 – 16. Februar 2012 Goodluck Jonathan Nigeria  Nigeria
17. Februar 2012 – 28. März 2014 Alassane Ouattara Elfenbeinküste  Elfenbeinküste
28. März 2014 – 19. Mai 2015 John Dramani Mahama Ghana  Ghana
19. Mai 2015 – 4. Juni 2016 Macky Sall Senegal  Senegal
4. Juni 2016 – 4. Juni 2017 Ellen Johnson Sirleaf Liberia  Liberia
4. Juni 2017 – 1. August 2018 Faure Gnassingbé Togo  Togo
seit 1. August 2018 Muhammadu Buhari Nigeria  Nigeria

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Julian Dörr: ECOWAS - Afrikanische Wirtschaftsgemeinschaft. In: Görres-Gesellschaft und Verlag Herder (Hrsg.): Herder Staatslexikon. 8. Auflage. Band 1. Herder, Freiburg 2018, ISBN 978-3-451-37511-8, S. 1488–1490 (staatslexikon-online.de).
  2. Die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS) - ein neuer Integrationsversuch, Autor: Rolf Langhammer in: Europa Archiv, 5/1976, Seite 163
  3. Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart. Neue Folge, Band 26 - herausgegeben von Gerhard Leibholz, Mohr Siebeck Verlag 1977, Seite 663, ISBN 3166403825
  4. Again, hope dims for Eco’s takeoff in 2015 (Memento vom 4. August 2013 im Internet Archive) 14. Januar 2013 in The Nigeria Guardian (Abgerufen am 15. Januar 2013)
  5. Offizielle Seite der ECOWAS Commission. Abgerufen am 31. August 2017.
  6. ECOWAS Parliament. Offizielle Website. (Memento des Originals vom 6. Oktober 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ecowasparliament.org Abgerufen am 5. Dezember 2016. (englisch)
  7. The Community Court of Justice. Offizielle Website. Abgerufen am 5. Dezember 2016.
  8. ECOWAS Bank for Investment and Development. Offizielle Website. Abgerufen am 5. Dezember 2016.
  9. West African Health Organisation. Offizielle Website. Abgerufen am 5. Dezember 2016. (englisch)
  10. Offizielle Seite der GIABA. Abgerufen am 31. August 2017.
  11. About Us - ECOWAS Parliament. ECOWAS. (Memento des Originals vom 7. März 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ecowasparliament.org Abgerufen am 31. August 2017.
  12. Morocco’s Ecowas bid sparks African fear and suspicion. Financial Times, 24. Januar 2019.