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Deutscher Sparkassen- und Giroverband

Dachverband der Sparkassen-Finanzgruppe

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband e. V. (DSGV) ist der Dachverband der Sparkassen-Finanzgruppe mit Sitz in Berlin und Bonn. Mitglieder sind die regionalen Sparkassen- und Giroverbände und die Landesbanken. Daneben existiert der Deutsche Sparkassen- und Giroverband öffentliche Körperschaft, in dem nur die regionalen Sparkassenverbände Mitglieder sind.

Deutscher Sparkassen- und Giroverband
(DSGV)
Logo
Rechtsform eingetragener Verein
Sitz Berlin[1]
Gründung 1924

Präsident Helmut Schleweis[2]
Vizepräsident(en) Thomas Mang
Vorstand Karl-Peter Schackmann-Fallis
Joachim Schmalzl
Mitglieder 23
Website www.dsgv.de[3]

Inhaltsverzeichnis

VerbandsdatenBearbeiten

Der Verband repräsentiert die Sparkassen-Finanzgruppe, die aus rund 540 Unternehmen besteht, darunter 385 Sparkassen mit über 13.000 Geschäftsstellen und 209.588 Mitarbeitern (Stand: 31. Dezember 2018).[4] Insgesamt arbeiten in der Sparkassen-Finanzgruppe 312.800 Menschen. Sie hat ein Geschäftsvolumen von 2.840 Mrd. €. Das macht die Sparkassen-Finanzgruppe zur größten kreditwirtschaftlichen Gruppe Europas (Stand: 31. Dezember 2017).[5]

 
Sitz des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes in der Charlottenstraße 47, Ecke Behrenstraße in Berlin-Mitte

Der Verband entstand 1924 aus der Fusion des Deutschen Sparkassenverbandes und des Deutschen Zentral-Giroverbands. Anfang der 1970er Jahre bezog er ein neuerrichtetes Verwaltungsgebäude in Bonn, das Anfang der 1990er-Jahre erweitert wurde. 1999 zog der Verband von Bonn nach Berlin um. In Bonn blieben die zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen der Sparkassen-Finanzgruppe: die Management-Akademie der Sparkassen-Finanzgruppe, die Wissenschaftsförderung, die Eberle-Butschkau-Stiftung sowie die eigene, staatlich anerkannte Hochschule. In der Nähe Berlins ist der DSGV seit 1997 Eigentümer von Schloss Neuhardenberg, 2001 übertrug er der Stiftung Schloss Neuhardenberg GmbH die Verantwortung für das Veranstaltungsprogramm, das Tagungsgeschehen und den Hotelbetrieb.[6]

Ziel und Aufgabe[7] ist die Vertretung der Interessen der Sparkassen-Finanzgruppe und die Organisation der Willensbildung innerhalb dieser Gruppe. Zudem wird die strategische Ausrichtung, in Form von Konzepten zu markt- und betriebsstrategischen Themen, erarbeitet.

Der Verband ist Herausgeber der Sparkassenzeitung, die im Deutschen Sparkassenverlag erscheint und Inhaber der Rechte an der Marke, dem Logo und der Farbe der Sparkasse.[8]

Der Österreichische Sparkassenverband und der Verband Schweizerischer Kantonalbanken sind außerordentliche Mitglieder des DSGV, umgekehrt ist der DSGV auch ein außerordentliches Mitglied bei den beiden Verbänden in Österreich und der Schweiz. Zudem vertritt der DSGV die deutsche Sparkassen-Finanzgruppe in internationalen Sparkassengremien, wie der Europäischen Sparkassenvereinigung (ESV) und dem Weltinstitut der Sparkassen (WIS) in Brüssel.

Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und GiroverbandsBearbeiten

EinrichtungenBearbeiten

  • Die staatlich anerkannte Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe in Bonn bietet die Möglichkeit eines Bachelor- und MBA-Studiums. Das Studium richtet sich an Nachwuchskräfte der Finanzwirtschaft.
  • Die Management-Akademie ist die zentrale Weiterbildungsstätte der Sparkassen-Finanzgruppe und übernimmt verbandspolitische Aufgaben im Bereich Personalwirtschaft und Personalentwicklung.
  • Die Wissenschaftsförderung initiiert und vertieft den Dialog zwischen der Wissenschaft und der Sparkassen-Finanzgruppe. Dabei unterstützt sie die Forschung und Lehre auf dem Gebiet des Geld-, Bank- und Börsenwesens sowie der Sparkassengeschichte und fördert dabei den Wissenstransfer von der Wissenschaft in die Praxis.
  • Die Sparkassen Rating und Risikosystem GmbH unterstützt mit Methoden und Verfahren für das Risikomanagement, für die Kapitalplanung und Risikotragfähigkeitsberechnung sowie in den Themen Meldewesen und Internes Reporting.[9]
  • Der Europaservice der Sparkassen-Finanzgruppe bietet für kleine und mittlere Unternehmen Informationen und Beratung über den Europäischen Binnenmarkt, dessen wirtschaftliche, rechtliche und soziale Auswirkungen sowie seine künftige Erweiterung – in allen Fragen, die für Unternehmen interessant sind. Der EuropaService ist eine Einrichtung für Kunden und Institute der Sparkassen-Finanzgruppe. Er kooperiert mit der EU-Kommission und deren „Enterprise Europe Network“ aus 500 Einrichtungen in 40 Ländern.
  • Sparkassenstiftung für internationale Kooperation e. V. mit Sitz in Bonn: Die Sparkassenstiftung konzentriert sich hauptsächlich auf sechs Projekttypen:
    • Entwicklung von Retailbanken, z. B. im Bereich Risikomanagement.
    • Kreditlinien für KMU („Down-scaling“), z. B. German-Azerbaijanian Fund in Aserbaidschan.
    • Mikrofinanz, z. B. Transformation von unregulierten Mikrofinanzinstitutionen in formelle (Mikrofinanz-)Banken.
    • Personalentwicklung und Training, z. B. Gründung von Bankakademien, die Entwicklung von Curricula und Trainingskursen und die Organisation von Seminaren und Konferenzen (Bankenplanspiele).
    • Finanzsektorentwicklung, z. B. Beratung von Mikrofinanzverbänden und Zentralbanken.
    • Finanzielle Grundbildung und Sparmobilisierung, z. B. Einführung des Weltspartages und begleitender Aktionen.
  • Beratungsdienst Geld und Haushalt: Unterstützt Verbraucher bei der privaten Finanzplanung mit kostenlosen Angeboten. Ziel ist die Vermittlung von finanzieller Bildung und Prävention vor Überschuldung.
  • Stiftung Schloss Neuhardenberg
  • Schlichtungsstelle

Sparkassen-FinanzgruppeBearbeiten

Die Sparkassen-Finanzgruppe besteht aus mehreren Regionalverbänden, Verbundpartnern und Servicegesellschaften.

Regionale Sparkassen- und GiroverbändeBearbeiten

 
Regionale Sparkassen- und Giroverbände in Deutschland
 
Die deutschen Sparkassen- und Giroverbände und deren angehörende Sparkassen
  1. Sparkassenverband Baden-Württemberg (SVBW, Sitz: Stuttgart)
  2. Sparkassenverband Bayern (SVB, Sitz: München)
  3. Sparkassenverband Berlin (SV Berlin, Sitz: Berlin)
  4. Hanseatischer Sparkassen- und Giroverband (HSGV, Sitz: Hamburg)
  5. Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen (SGVHT, Sitz: Frankfurt am Main und Erfurt)
  6. Sparkassenverband Niedersachsen (SVN, Sitz: Hannover)
  7. Ostdeutscher Sparkassenverband (OSV, Sitz: Berlin)
  8. Rheinischer Sparkassen- und Giroverband (RSGV, Sitz: Düsseldorf)
  9. Sparkassenverband Rheinland-Pfalz (SVRP, Sitz: Budenheim)
  10. Sparkassenverband Saar (SV Saar, Sitz: Saarbrücken)
  11. Sparkassenverband Westfalen-Lippe (SVWL, Sitz: Münster)
  12. Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein (SGVSH, Sitz: Kiel)

Insgesamt gibt es 12 Regionalverbände in der Sparkassen-Finanzgruppe mit 2.698 Mitarbeitern.

LandesbankenBearbeiten

6 Landesbanken (ohne DekaBank Deutsche Girozentrale) (Stand: 31. Dezember 2017); Mitarbeiter (In- und Ausland) ca. 34.836 (Stand: 31. Dezember 2017).

Ehemalige Landesbanken

LandesbausparkassenBearbeiten

8 Landesbausparkassen(LBS), Mitarbeiter ca. 6.918 (Stand: 31. Dezember 2017).

  1. LBS Bayerische Landesbausparkasse (LBS Bayern)
  2. Landesbausparkasse Hessen-Thüringen (LBS He.-Thü.)
  3. LBS Norddeutsche Landesbausparkasse Berlin-Hannover (LBS Nord)
  4. LBS Ostdeutsche Landesbausparkasse AG (LBS Ost)
  5. LBS Landesbausparkasse Saar (LBS Saar)
  6. LBS Bausparkasse Schleswig-Holstein-Hamburg AG (LBS SHH)
  7. LBS Landesbausparkasse Südwest
    (Die LBS Baden-Württemberg und die LBS Rheinland-Pfalz sind fusioniert zur LBS Südwest[10])
  8. LBS Westdeutsche Landesbausparkasse (LBS West inkl. die ehemalige LBS Bremen[11])

SparkassenBearbeiten

385 Sparkassen mit rund 210.000 Mitarbeitern in über 13.000 Geschäftsstellen (Stand: 31. Dezember 2018)[12]

Öffentliche regionale ErstversichererBearbeiten

11 Institute, Mitarbeiter ca. 30.000.[13]

DekaBank Deutsche GirozentraleBearbeiten

  • DekaBank Deutsche Girozentrale, Zentraler Asset Manager der Sparkassen-Finanzgruppe, rund 4,7 Millionen betreute Depots, Total Assets 276 Mrd. Euro (Stand 31. Dezember 2018)[14]

Sparkassen BrokerBearbeiten

  • Sparkassen Broker (S Broker AG & Co. KG), Zentraler Online-Broker der Sparkassen-Finanzgruppe

Deutsche Leasing GruppeBearbeiten

Finanz InformatikBearbeiten

DSV-Gruppe (Deutscher Sparkassenverlag)Bearbeiten

  • DSV-Gruppe, zentraler Produkt- und Lösungsanbieter in der Sparkassen-Finanzgruppe

Gesellschaftliches Engagement der Sparkassen-Finanzgruppe und des DSGVBearbeiten

Wie die Sparkassen-Institute engagiert sich der Deutsche Sparkassen- und Giroverband auf unterschiedlichste Weise für das Gemeinwohl. In ihrem "Bericht an die Gesellschaft"[15] belegt die Sparkassen-Finanzgruppe ihre Beiträge für die nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Mit ihrer unternehmerischen Haltung, ihren Produkten und gesellschaftlichen Initiativen engagiert sie sich – ihrem öffentlichen Auftrag folgend – vor Ort in vielschichtiger Weise. Für die Sparkassen steht ihr jeweiliges Geschäftsgebiet im Fokus der Förderung.

Gefördert werden Vereine aus Kunst, Sport und Kultur, Umwelt- und Sozialprojekte sowie Einrichtungen zur akademischen und wirtschaftlichen Weiterbildung[16], wie z. B. der Finanzberatungsdienst „Geld und Haushalt“ oder das Planspiel Börse. Des Weiteren gibt es in der Sparkassen-Finanzgruppe zahlreiche Stiftungen, die bestimmte Projekte fördern. Partner für die Institute und Stiftungen der Sparkassen-Finanzgruppe bei der Kulturförderung ist regelmäßig der Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.

Beispiele für bisherige und laufende ProjekteBearbeiten

  • Seit 2006 fördert die Sparkassen-Finanzgruppe die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, seit 2011 ist sie Hauptförderer; ebenso ist sie seit 2011 Hauptförderer der Staatlichen Museen zu Berlin[17].
  • Im Jubiläumsjahr des Bauhaus unterstützt die Sparkassen-Finanzgruppe zahlreiche Einzelvorhaben, Veranstaltungen und Reihen[18]
  • In Schloss Neuhardenberg hat die Sparkassen-Finanzgruppe ein Zentrum für Kunst und Kultur, Wissenschaft und Wirtschaftsethik eingerichtet.
  • Von Beginn an unterstützt die Sparkassen-Finanzgruppe den Wettbewerb "Jugend musiziert" auf allen drei Wettbewerbsebenen, seit 1991 ist sie Hauptsponsor[19]
  • Unter dem Motto „Erleben ist einfach“ war die Sparkassen-Finanzgruppe im Jahr 2017 Hauptförderer der Documenta 14 in Kassel und der Skulptur.Projekte Münster, außerdem war sie Partner des Deutschen Pavillons auf der 57. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia
  • Der Verein war Hauptsponsor der RUHR.2010 und ergänzte das Kulturprogramm durch die "Ruhrblicke".

Olympia Partner DeutschlandBearbeiten

Als „Olympia Partner Deutschland“ unterstützt die Sparkassen-Finanzgruppe seit 2008 die deutsche Olympiamannschaft. Seit 2012 werden auch die paralympischen Mannschaften unterstützt. Im Fokus stehen auch die Nachwuchsförderung von jungen Sportlern und der Breitsport. Mit rund 90 Millionen Euro ist die Sparkassen-Finanzgruppe der größte nicht-staatliche Sportförderer in Deutschland.[20]

Bericht an die GesellschaftBearbeiten

Im Juli 2014 hat der Deutsche Sparkassen- und Giroverband den ersten Bericht an die Gesellschaft der Sparkassen-Finanzgruppe vorgelegt. Ziel des Berichts ist die Förderung der nachhaltigen Entwicklung in Deutschland sowie eine bessere Wahrnehmung des Engagements von öffentlich-rechtlichen Sparkassen. In Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung war die Sparkassen-Finanzgruppe der erste kreditwirtschaftliche Verbund in Deutschland, der mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex kooperierte. Für die Sparkassen wurde ein eigenes Indikatoren-System zur Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt und wurde vom Rat für Nachhaltige Entwicklung anerkannt. Anhand von 61 Indikatoren können die Sparkassen ihre Beiträge für eine nachhaltige Entwicklung und ihre Leistungen zur Erfüllung des öffentlichen Auftrags abbilden.[21]

MitgliedschaftenBearbeiten

Der Verein ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung. Zudem ist der DSGV außerordentliches Mitglied des Österreichischen Sparkassenverbands und des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken. Im Gegenzug sind beide Verbände ebenfalls außerordentliche Mitglieder des DSGV.[22]

GeschichteBearbeiten

1884 erfolgte die Gründung des Deutschen Sparkassenverbandes. Den bis dahin nur lokal und regional tätigen Sparkasseninstituten eröffnete sich dadurch die Möglichkeit, geschlossen aufzutreten und ihren politischen Einfluss deutlich zu erhöhen. Die Strukturen und Geschäftsfelder der Sparkassen veränderten sich seit 1900 sehr rasch. Dank der Initiative Johann Christian Eberles setzte sich der bargeldlose Zahlungsverkehr bei den Sparkassen durch und regionale Giroverbände und Girozentralen entstanden. Um die Arbeit der regionalen Giroverbände zu koordinieren und für einen Liquiditätsausgleich zu sorgen, wurde 1916 der Deutsche Zentral-Giroverband gegründet. Aus der Fusion des Deutschen Sparkassenverbandes und des Deutschen Zentral-Giroverbandes ging 1924 der Deutsche Sparkassen- und Giroverband als Körperschaft des öffentlichen Rechts (DSGV ö.K.) hervor. In den DSGV integriert wurde auch der Deutsche Verband der kommunalen Banken. Seinen Sitz hatte der neue Dachverband in Berlin.[23]

In den 1920er Jahren trug der DSGV ö. K.dazu bei, dass sich bei den Sparkassen einheitliche Geschäftsgrundlagen, beispielsweise im Giroverkehr, durchsetzten. Der Verband unterstützte die Sparkassen beim weiteren Ausbau ihrer Geschäftsfelder, vor allem im Wertpapier-, Depositen- und Kreditgeschäft. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der DSGV organisatorisch und personell „gleichgeschaltet“ und als „Wirtschaftsgruppe Sparkassen“ innerhalb der „Reichsgruppe Banken“ dem Reichswirtschaftsministerium unterstellt.[24] DSGV-Präsident Ernst Kleiner, der die „Gleichschaltung“ mitgetragen hatte, musste gleichwohl 1935 aus dem Amt scheiden. Seine Nachfolge trat Johannes Heintze an, ein hoher Beamter aus dem Reichswirtschaftsministerium. Er starb 1945 in sowjetischer Haft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Deutschen Teilung war der DSGV ö.K. zunächst inaktiv. Er wurde erst in den 1950er Jahren reaktiviert und fungiert seitdem im Wesentlichen als Träger zentraler Sparkasseneinrichtungen. Die Aufgaben eines Spitzenverbandes der Sparkassenorganisation in der Bundesrepublik Deutschland übernahm 1947 die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sparkassen- und Giroverbände und Girozentralen. Sie wurde 1953 in Deutscher Sparkassen- und Giroverband e. V. (DSGV e. V.) umbenannt. Die Geschäftsstelle befand sich zunächst in Frankfurt am Main und war seit 1951 in Bonn ansässig.[25] Unter seinem ersten Präsidenten Fritz Butschkau stellte der DSGV e. V. in der Zeit des Wiederaufbaus in der Bundesrepublik Deutschland (*1953-67) die Themen Geldwertstabilität und Inflationsbekämpfung in den Mittelpunkt seiner Arbeit.[26] Als sich Ende der 1950er Jahre der Wettbewerb in der deutschen Kreditwirtschaft verschärfte, verteidigte der DSGV die Position der Sparkassenorganisation, deren Institute sich zu Universalkredinstituten entwickelten. Unter Butschkaus Nachfolger Ludwig Poullain begann 1967 die Ära der zunehmenden Marktorientierung der Sparkassen. Professionalisierung und Automatisierung des Sparkassenbetriebs machten große Fortschritte.[27] Der Ausbau der Geschäftstätigkeit, die weiter fortschreitende Technisierung, die Europäisierung und Globalisierung waren wichtige Arbeitsthemen in den darauf folgenden Jahrzehnten.

Noch in der Umbruchzeit 1989/90 knüpfte der Verband unter seinem seit 1972 amtierenden Präsidenten Helmut Geiger Kontakte zur Sparkassenorganisation der DDR und unterstützte diese bei der Transformation der ostdeutschen Sparkassen in moderne Geldinstitute. Zeitgleich mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Teilstaaten trat im Herbst 1990 die gesamtdeutsche Sparkassen-Finanzgruppe ins Leben.[28] Auf den Sparkassentagen von 1995 („Verantwortung in Gesellschaft und Region“) und 1998 („Zukunft Europa – Standort: hier“) unterstrich Horst Köhler – DSGV-Präsident von 1993 bis 1998 – die Zukunftsfähigkeit der Sparkassen-Finanzgruppe im Wettbewerb und hob die regionale Verantwortung sowie die Positionierung der Sparkassen in Europa hervor.[29] In der Amtszeit von Dietrich H. Hoppenstedt kam 2001 eine Verständigung mit der EU-Kommission über die Änderung der Haftungsgrundlagen für Sparkassen und Landesbanken zustande. Auf ihrer Basis entfiel 2005 die Gewährträgerhaftung für neue Verbindlichkeiten der Institute und die Anstaltslast wurde ersetzt.[30] Bereits 1999 hatte der Verband begonnen, seine Geschäftsstelle wieder nach Berlin zu verlagern. In die Präsidentschaft von Heinrich Haasis, der Hoppenstedt 2006 nachfolgte, fiel die internationale Finanzmarktkrise, deren Kulminationspunkt 2008 der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers war. Aufgrund ihrer regionalen Verwurzelung, ihrer engen Verflechtung mit der Realwirtschaft und weitgehenden Unabhängigkeit von den internationalen Kapitalmärkten erwiesen sich die deutschen Sparkassen als ein Stabilitätsanker in der Krise. 2007 organisierte der DSGV den Kauf der Landesbank Berlin und ihrer Tochtergesellschaft Berliner Sparkasse durch die Sparkassen. Dadurch gelang es, eine Privatisierung der Sparkasse in der deutschen Hauptstadt zu verhindern.[31][32] Von 2012 bis Ende November 2017 stand Georg Fahrenschon an der Spitze des DSGV.[33]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Amtsgericht Berlin Charlottenburg, VR 35468 B
  2. https://www.dsgv.de/verband/leitung/helmut-schleweis.html
  3. Bekanntmachung der öffentlichen Liste über die Registrierung von Verbänden und deren Vertretern. (Memento vom 29. Dezember 2009 im Internet Archive) (PDF; 4,6 MB) Verbandseintrag Nr. 1043
  4. Deutscher Sparkassen- und Giroverband e. V.: Pressemitteilung zur Bilanzpressekonferenz der Sparkassen-Finanzgruppe. Abgerufen am 18. April 2019 (deutsch).
  5. PDF-Dokument: "Die Sparkassen-Finanzgruppe in Zahlen 2017"
  6. https://www.schlossneuhardenberg.de/stiftung/geschichte/
  7. https://www.dsgv.de/verband/aufgaben.html
  8. Auszug aus dem Markenregister Deutsches Patent- und Markenamt.
  9. https://www.s-rating-risikosysteme.de/ueber-uns/Unternehmen.html
  10. Größte Landesbausparkasse Deutschlands gestartet, abgerufen am 24. Januar 2019
  11. LBS West übernimmt LBS Bremen, abgerufen am 22. August 2014.
  12. Sparkassen. In: dsgv.de. Abgerufen am 18. April 2019.
  13. https://www.voev.de/oeffentliche-versicherer/#bundesbuerger
  14. https://www.deka.de/deka-gruppe/presse/archiv/2019-1/april/deka-zahlen-2018-bestaetigen-stabilitaet-des-geschaeftsmodells
  15. "Im Auftrag der Gesellschaft"
  16. Pressemitteilung: Sparkassen-Finanzgruppe fördert das Gemeinwohl im Jahr 2018 mit 422 Mio. Euro
  17. [1]
  18. Sparkasse.de: 100 Jahre Bauhaus
  19. Musikförderung der Sparkassen-Finanzgruppe
  20. dsgv.de
  21. https://www.dsgv.de/unsere-verantwortung/bericht-an-die-gesellschaft.html
  22. Schweizer Kantonalbanken werden Mitglieder des DSGV. dsgv.de, abgerufen am 22. August 2014.
  23. H. Pohl, B. Rudolph, G.Schulz: Wirtschafts- und Sozialgeschichte der deutschen Sparkassen im 20. Jahrhundert. 2005, S. 32–81ff.
  24. H. Pohl, B. Rudolph, G.Schulz: Wirtschafts- und Sozialgeschichte der deutschen Sparkassen im 20. Jahrhundert. 2005, S. 160ff.
  25. J. Mura: Entwicklungslinien der deutschen Sparkassengeschichten. 1987, S. 58ff.
  26. T. Wehber: Fritz Buschkau. In: H. Pohl (Hrsg.): Deutsche Bankiers des 20. Jahrhunderts. 2008, S. 35ff.
  27. H. Pohl, B. Rudolph, G.Schulz: Wirtschafts- und Sozialgeschichte der deutschen Sparkassen im 20. Jahrhundert. 2005, S. 336ff.
  28. H.-G. Günther, W. Geiger: Neugestaltung des ostdeutschen Sparkassenwesens 1990–1995. 1998, S. 45ff., 155ff.
  29. Horst Köhler: Deutsche Sparkassenorganisation: Verantwortung in Gesellschaft und Region. Deutscher Sparkassentag 1995 in Hannover, 1995, S. 205ff.
  30. H.-P. Burghof: Auslaufen der Gewährträgerhaftung für Sparkassen und Landesbanken. In: D. Lindenlaub, C. Burhop, J. Scholtysek (Hrsg.): Schlüsselereignisse der deutschen Bankengeschichte. 2013, S. 464ff.
  31. Norbert Schwaldt: Sparkassen übernehmen die Landesbank Berlin. In: Die Welt, 16. Juni 2007
  32. Sparkassen kaufen LBB
  33. Fahrenschon legt Präsidentenamt nieder. Abgerufen am 11. Dezember 2017.