Hauptmenü öffnen
Weetzen–Haste
Streckennummer (DB):1761
Kursbuchstrecke (DB):360.1; 360.2; 212a (1962)
Streckenlänge:25,4 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:15 kV 16,7 Hz ~
Höchstgeschwindigkeit:Weetzen–Barsinghausen: 120 km/h
Barsinghausen–Haste: 80 km/h
Zweigleisigkeit:Weetzen–Egestorf
Strecke – geradeaus
Hauptstrecke aus Hannover
S-Bahnhof
25,4 Haste
   
Hauptstrecke nach Minden
   
Waldstraße (L 449) (bis April 2015)
Straßenbrücke
Waldstraße (L 449) (ab April 2015)
   
Übergabebf / Rz-Abstellgruppe
Bahnübergang
24,107 Hauptstraße (K 50)
   
Süntelbahn nach Bad Münder am Deister
S-Bahnhalt…
21,3 Bad Nenndorf früher: -Nord / Keilbahnhof
Bahnübergang
Rotrehre
Bahnübergang
Bundesstraße 442
Bahnübergang
19,455 Nenndorfer Straße
Straßenbrücke
A 2
Bahnübergang
18,6 Feldweg (Anrufschranke)
S-Bahnhof
18,1 Bantorf
Bahnübergang
18,054 B 65
   
Anschluss Zeche Antonie
S-Bahnhalt…
16,5 Winninghausen
Bahnübergang
Heerstraße (K 244)
Bahnübergang
15,8 Feldweg (Winninghäuser Weg)
Bahnübergang
14,8 Feldweg
Brücke (mittel)
14,2 Rehrbrinkstraße (L 392)
Bahnübergang
13,716 Berliner Straße
S-Bahnhof
13,5 Barsinghausen 99 m
   
zum Klosterstollen, Übergabe Straßenbahn
Brücke (mittel)
Hannoversche Straße (K 241)
   
13,2 Industrieanschluss, urspr. Schacht IV
Bahnübergang
11,507 Landstraße (K 237)
   
11,324 Stoppstraße (L 391), 1899 bis 1953 Kreuzung mit Straßenbahn
S-Bahnhalt…
11,3 Kirchdorf (Deister)
Bahnübergang
10,660 Rottkampweg
Bahnübergang
10,291 Nienstedter Straße (L 401)
S-Bahnhof
9,2 Egestorf (Deister) 104 m
Bahnübergang
8,985 Wennigser Straße (L 391)
Straßenbrücke
(L 391)
S-Bahnhof
5,0 Wennigsen (Deister) 97 m
Bahnübergang
4,744 Degerser Straße (L 390)
S-Bahnhalt…
2,3 Lemmie
Bahnübergang
2,257 (K 230)
Brücke (mittel)
Bundesstraße 217
Bahnübergang
0,478 Humboldtstraße (K 228)
   
Strecke aus Altenbeken
S-Bahnhof
0,0 Weetzen 68 m
Strecke – geradeaus
Strecke nach Hannover

Die Deisterbahn oder auch Deisterstrecke verläuft am Nordrand des Deisters zwischen Weetzen und Haste. Die durchgehend elektrifizierte Bahnstrecke in Niedersachsen gehört heute zum Netz der S-Bahn Hannover.

GeschichteBearbeiten

Die Konzession für die Hauptstrecke nach Altenbeken sowie den Abzweig nach Haste wurde am 25. November 1868 an die Hannover-Altenbekener Eisenbahn-Gesellschaft erteilt. Die Bahnstrecke wurde hauptsächlich zum Transport von Schüttgut (Deisterkohle, Steine sowie Zuckerrüben aus dem Calenberger Land) erbaut. Der Abschnitt Weetzen–Barsinghausen wurde am 1. Mai 1872, der restliche Teil bis Haste am 15. August 1872 in Betrieb genommen. Zu diesem Zeitpunkt existierten die Haltepunkte Winninghausen, Lemmie, Kirchdorf und Bantorf noch nicht. Die Strecke bis Barsinghausen wurde zunächst mit zwei Zugpaaren täglich, nach der Verlängerung bis Haste die gesamte Strecke mit drei Zugpaaren bedient. Die Strecke wurde sofort auch für die Postzustellung zu den Bahnhöfen Barsinghausen und Wennigsen (Deister) verwendet.

Am 1. Oktober 1901 wurde der Haltepunkt Winninghausen eröffnet. Seit spätestens 1902 gab es Bemühungen der Bauern aus Lemmie und Sorsum eine Initiative zur Einrichtung eines Haltepunktes bei Lemmie. Unterstützt wurden sie dabei ebenfalls von den Bauern aus Bönnigsen. Für sie war der Weg zum Bahnhof Wennigsen zwar deutlich kürzer, wegen einer starken Steigung mit Pferdefuhrwerken aber mühsamer. Schließlich erfolgte am 15. Dezember 1904 die Eröffnung des Haltepunktes Lemmie auf Land des geheimen Regierungsrates Ditfurth. Dieser bewohnte das angrenzende Rittergut Lemmie und hatte es unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Haltepunkte Kirchdorf (1955, auf Egestorfer Gebiet) und Bantorf (1975) folgten wesentlich später.

Am 22. März 1969 fuhr zum letzten Mal eine Dampflokomotive mit einem regulären Personenzug über die Strecke und der Zugbetrieb wurde auf Dieseltraktion umgestellt.[1] Nach Einstellungsplänen der DB Ende der 1960er Jahre wurde die Strecke mit finanzieller Unterstützung durch den Zweckverband Großraum Hannover (Großraumverband, GVH), einem Rechtsvorgänger der heutigen Region Hannover, elektrifiziert und am 31. Mai 1970 mit der ersten Fahrt einer Elektrolokomotive eröffnet. Zunächst wurden Wendezüge mit n-Wagen, ab 1989 mit Citybahn-Wagen eingesetzt, die hauptsächlich durch Elektrolokomotiven der Baureihe 141 gezogen bzw. geschoben wurden. Die Lok zog im Regelfall in Fahrtrichtung Haste.

Ende der 1990er Jahre wurden im Zuge der Einrichtung der S-Bahn Hannover für die kommende Expo 2000 die Bahnhöfe bzw. Haltepunkte modernisiert bzw. umgebaut oder verlegt (Egestorf) sowie die Teilstrecke von Weetzen bis Egestorf zweigleisig ausgebaut. Dabei kamen Y-Stahlschwellen zum Einsatz. Lediglich ein kurzes Teilstück direkt am Bahnhof Weetzen ist nach wie vor eingleisig, da ein zweigleisiger Ausbau hier bei nur geringem Nutzen eine erhebliche Kostensteigerung verursacht hätte. Bis zum zweigleisigen Ausbau bestanden im Abschnitt Weetzen–Egestorf nur in den beiden Bahnhöfen Wennigsen und Egestorf Ausweich­gleise. Die planmäßigen Zugkreuzungen fanden in Egestorf statt.

Die Bahnhöfe in Weetzen, Wennigsen, Egestorf und Barsinghausen verfügten früher über weitere Nebengleise zur Abfertigung von Stückgut. Die Güterabfertigung in Egestorf wurde Anfang der 1970er Jahre, die in Wennigsen in den 1980er Jahren aufgegeben und die entsprechenden Nebengleise größtenteils bei den Umbaumaßnahmen zur Einrichtung der S-Bahn entfernt. In Wennigsen blieb die Kopframpe zurück, die jedoch weder straßen- noch gleisseitig noch angeschlossen ist. Ebenfalls bis in die 1980er Jahre hinein befanden sich mechanische Stellwerke in den Bahnhöfen Egestorf und Wennigsen, bevor die Weichen und Signale von den Gleisbildstellwerken im benachbarten Barsinghausen und Weetzen aus gesteuert wurden. Im Zuge dieser Umstellung wurden die bisherigen Formsignale durch H/V-Lichtsignale ersetzt. Der Trennungsbahnhof Bad Nenndorf, der über ein eigenes Stellwerk verfügte, wurde nach der Aufgabe der Süntelbahn zu einem Haltepunkt zurückgebaut.

In Barsinghausen gab es früher östlich des Bahnhofs Anschlüsse zum Klosterstollen in Richtung Süden sowie zum Schacht IV in Richtung Norden. Der nordwärts führende Anschluss beginnt hinter der Überführung über die Hannoversche Straße und ist mit einer Schutzweiche ausgestattet. Er dient heute als Industriestammgleis Barsinghausen und führt nur noch bis ins Gewerbegebiet Brunslohe.

In den Jahren 2014 und 2015 wurde in Haste eine Straßenüberführung gebaut und der Fußgängertunnel im Bereich des Bahnhofs verlängert. Der Bahnübergang an der Waldstraße direkt südlich des Bahnhofs wurde daraufhin aufgehoben.

StreckenverlaufBearbeiten

Die Strecke verläuft im nordöstlichen Vorland des Deisters. Sie zweigt in Weetzen auf dem Gebiet der Stadt Ronnenberg von der Bahnstrecke Hannover–Altenbeken ab und verläuft von dort durch das Gebiet der Stadt Gehrden, der Gemeinde Wennigsen sowie der Städte Barsinghausen, Bad Nenndorf und der Gemeinde Haste an der Bahnstrecke Hannover – Minden. Im Bereich des Bahnhofs Egestorf (Deister) verläuft die Trasse unmittelbar am Rand des Deisters. Der gesamte Verlauf ist weitgehend eben und tunnellos. Nahe dem Abzweig Weetzen wird die Bundesstraße 217 über-, hinter dem Bahnhof Wennigsen die Landesstraße 391 in einem Einschnitt unterquert. Die meisten anderen Straßenkreuzungen erfolgen über höhengleiche Bahnübergänge, so z. B. in Weetzen, Lemmie, Wennigsen, Egestorf und weiteren Stellen im Gebiet von Barsinghausen, Bad Nenndorf und Haste.

Da ein erheblicher Teil der Trasse sozusagen am Fuße des hannoverschen „Hausgebirges“ verläuft, des namengebenden Deisters (Höhe bis zu 405 Meter), wird sie auch an Wochenenden stark von Ausflüglern und Wanderern genutzt. Im Bahnhof Haste endet die Deisterbahn auf einem separaten Gleis neben der Bahnstrecke Hannover–Minden–Ruhrgebiet.

Die Bahnhöfe in Weetzen und Haste sind von der DB Station&Service in die Kategorie 4 eingeordnet, die Haltepunkte Kirchdorf und Winninghausen in die Kategorie 6, alle anderen Bahnhöfe und Haltepunkte in die Kategorie 5.

BetriebBearbeiten

Heute wird die Strecke von den Linien S1, S2 und seit dem 15. Dezember 2013 auch von der S21 der S-Bahn Hannover befahren. Von 5:00 bis 22:00 Uhr besteht montags bis freitags mit einem Halbstundentakt die beste Bedienung der Deisterbahn in ihrer Geschichte. Die planmäßigen Kreuzungen der Linien S1 und S2 auf dem westlichen Streckenabschnitt finden im Bahnhof Bantorf statt. Im östlichen Abschnitt finden Fliegende Kreuzungen im Abschnitt zwischen Egestorf und Weetzen statt.

Der Güterverkehr spielt kaum mehr eine Rolle, lediglich im Industriegebiet Barsinghausen werden zwei Betriebe mit Gaskesselwagen und Hauben-/Planenwagen für Stahlprodukte von Hannover-Linden aus etwa einmal täglich bedient. Dieser Verkehr wird von der Lindener Hafenbahn durchgeführt. Die Verkehre werden in der Regel mit einer Voith Gravita durchgeführt und verkehren von Hannover-Linden kommend über Weetzen nach Barsinghausen. Der Rückweg führt seit der Einführung der S21 auf Grund von Trassenkonflikten in der Regel über Haste.

Bei der Fahrplangestaltung ist darauf geachtet worden, dass in Haste ein beidseitiger Anschluss und in Weetzen ein Anschluss in Richtung Hameln gegeben ist. Zusammen mit den Busanschlüssen wird im Gebiet der Deisterbahn das Ziel eines integralen Taktfahrplans nahezu erreicht.

Bei Störungen im Umfeld des Hauptbahnhofs Hannover wird die Strecke gelegentlich als Umleitungsstrecke für Fernverkehrszüge benutzt, daher sind hier von Zeit zu Zeit auch IC- oder Intercity-Express-Züge zu sehen.

Heutige SituationBearbeiten

InfrastrukturBearbeiten

Betrieblich ist die Strecke von Weetzen bis Barsinghausen als Hauptbahn und von Barsinghausen bis Haste als Nebenbahn eingestuft.

Die Strecke ist durchgängig elektrifiziert und im Abschnitt von Weetzen (ausschließlich der Bahnhofseinfahrt) bis Egestorf zweigleisig, ansonsten eingleisig. Es existiert lediglich in Barsinghausen noch ein Industrieanschluss, der nicht elektrifiziert ist. Weiterhin existieren im Bahnhof Barsinghausen noch Reste des ehemaligen dritten Bahnhofsgleises, das aber nicht mehr an die Strecke angeschlossen ist. Alle anderen Nebengleise sind vollständig abgebaut.

SicherungssystemeBearbeiten

Die Strecke wird von 2 Stellwerken aus gesteuert. Der östliche Streckenteil bis einschließlich des Bahnhofs Wennigsen wird vom Relaisstellwerk Weetzen aus gesteuert, der Abschnitt von Egestorf bis Bantorf vom Stellwerk im Bahnhof Barsinghausen. Ein weiteres Stellwerk befindet sich im Bahnhof Haste, das allerdings nur den Bereich des dortigen Bahnhofs kontrolliert.

Auf der gesamten Strecke kommen H/V-Lichtsignale zum Einsatz, teilweise in Kompaktbauform.

Die beiden Bahnübergänge direkt südlich des Bahnhofs Weetzen und direkt westlich des Bahnhofs Barsinghausen sind mit Vollabschlüssen (vierschlägige Schranke) gesichert. Die dazwischen liegenden Bahnübergänge sind sämtlich mit Halbschranken gesichert, ebenso wie die meisten Bahnübergänge westlich von Barsinghausen. Auf dem westlichen Abschnitt gibt es auch nur mit Andreaskreuz gesicherte Bahnübergänge.

Weitere PlanungenBearbeiten

Im Bahnhof Barsinghausen soll der Bahnsteig am Gleis 2 für etwa 2 Millionen Euro auf 210 Meter ausgebaut werden.[2]

Für den Bundesverkehrswegeplan 2015 ist ein Ausbauprojekt für eine verbesserte Güterumfahrung des Stadtgebiets Hannover angemeldet, in dem eine neue Verbindungskurve im Bereich Weetzen vorgesehen ist.[3]

Die Region plant einen weiteren Haltepunkt in Hannover-Waldhausen. Um die dadurch entstehende Fahrzeitverlängerung auszugleichen, soll der Abschnitt zwischen Bantorf und Winninghausen zweigleisig ausgebaut werden.[4]

LiteraturBearbeiten

  • Michael Bahls: Die Hannover-Altenbekener Eisenbahn. Kenning, Nordhorn 2006, ISBN 3-927587-77-X.
  • Alfred Gottwaldt: Hannover und seine Eisenbahnen. Alba, Düsseldorf 1992, ISBN 3-87094-345-9
  • Claus Beese: Die Kinder vom Deisterbahnhof, ISBN 978-3-86675-173-6
  • Helmut R. Sülldorf: Seit 1872, Deisterbahn Weetzen–Haste, 2. Auflage 2016, Heimatmuseum Wennigsen, 30974, Mühlenstraße 6

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 30 Jahre Stadtrecht Barsinghausen, Sonderbeilage der Deister Leine Zeitung vom 20. August 1999
  2. Barsinghäuser Bahnhof wird für zwei Millionen Euro ausgebaut Calenberger Online-News vom 4. Dezember 2014, abgerufen am 13. Januar 2015.
  3. Übersicht über die laufenden Vorhaben und die für den Bundesverkehrswegeplan vorgeschlagenen Vorhaben – Bundesschienenwege (Memento des Originals vom 3. Juli 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bmvi.de, Seite 23, abgerufen am 13. Januar 2015.
  4. Optimierung Bahnknoten Hannover. In: www.hannover.de. Stadt Hannover, abgerufen am 7. April 2018.