Callenberg

Gemeinde im Landkreis Zwickau, Sachsen, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Callenberg
Callenberg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Callenberg hervorgehoben

Koordinaten: 50° 51′ N, 12° 38′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Zwickau
Höhe: 310 m ü. NHN
Fläche: 39,86 km2
Einwohner: 4934 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 124 Einwohner je km2
Postleitzahl: 09337
Vorwahlen: 03722; 03723 und 037608Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: Z, GC, HOT, WDA
Gemeindeschlüssel: 14 5 24 020
Gemeindegliederung: 7 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 40, Ortsteil Falken
09337 Callenberg
Website: www.callenberg.de
Bürgermeister: Daniel Röthig (CDU)
Lage der Gemeinde Callenberg im Landkreis Zwickau
BernsdorfCallenbergCrimmitschauCrinitzbergDennheritzFraureuthGersdorfGlauchauHartensteinHartmannsdorfHirschfeldHohenstein-ErnstthalKirchbergLangenbernsdorfLangenweißbachLichtensteinLichtentanneLimbach-OberfrohnaMeeraneMülsenNeukirchen/PleißeNiederfrohnaOberlungwitzOberwieraReinsdorfRemseSchönbergSt. EgidienWaldenburgWerdauWildenfelsWilkau-HaßlauZwickauSachsenThüringenVogtlandkreisErzgebirgskreisChemnitzLandkreis MittelsachsenKarte
Über dieses Bild

Callenberg ist eine Gemeinde im Nordosten des Landkreises Zwickau. Der Sitz der Verwaltung befindet sich im Ortsteil Falken.

GeografieBearbeiten

Geografische Lage und VerkehrBearbeiten

Callenberg liegt an der B 180 (Altenburg-Stollberg) zwischen den beiden Städten Limbach-Oberfrohna und Glauchau. Beide Städte sind ca. 13 km entfernt. 4 km südlich verläuft die A 4. Diese ist über den Anschluss Hohenstein-Ernstthal zu erreichen. Durch das Gemeindegebiet verlief die Industriebahn der Nickelhütte St. Egidien.

NachbargemeindenBearbeiten

Angrenzende Gemeinden sind St. Egidien, die Städte Glauchau, Hohenstein-Ernstthal, Limbach-Oberfrohna und Waldenburg im Landkreis Zwickau sowie die kreisfreie Stadt Chemnitz.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Callenberg, Grumbach, Reichenbach, Obercallenberg, Falken, Langenberg, Langenchursdorf und Meinsdorf.

GeologieBearbeiten

 
Ehem. Nickelgrube Callenberg Nord II
 
Kirche in Callenberg

Bei Callenberg befindet sich die größte Nickelerzlagerstätte Mitteleuropas. Bereits Ende des 14. Jahrhunderts wurden in der Umgebung Callenbergs Erze abgebaut. Seit dem 17. Jahrhundert wurde im Oberwald selber Nickeleisenstein gefördert. Allerdings kam der Bergbau im 18. Jahrhundert zum Erliegen. Ein erneuter Abbau war nach dem Ersten Weltkrieg geplant, kam aber nicht zustande. Als die Wismut nach dem Zweiten Weltkrieg hier nach Pechblende suchte, wurde stattdessen eine große Nickellagerstätte entdeckt. Seit den 1950er Jahren wurde im Raum Callenberg Nickelerz im Tagebau abgebaut und in der Nickelhütte St. Egidien verarbeitet. Diese entstand um 1960 nördlich des Bahnhofs St. Egidien. Sie war mit den Gruben um Callenberg durch eine schmalspurige Erzbahn verbunden. Nach der Einstellung der Erzförderung wurde nach 1990 die Erzbahn eingestellt und die Strecke vollständig abgebaut. Die Restlöcher der Tagebaue wurden nach 1990 saniert. Eines davon ist der heutige Stausee Oberwald. Im Jahr 1977 wurde im Nickeltagebau Callenberg Nord I das sehr seltene Mineral Krokoit oder Rotbleierz (ein Blei(II)-chromat) gefunden.

GeschichteBearbeiten

 
Rathaus in Callenberg

Alle sieben Ortsteile der heutigen Gemeinde Callenberg wurden im 12. bis 13. Jahrhundert im Zuge des Ausbaus der Herrschaft Waldenburg gegründet. Der namensgebende Hauptort Callenberg wurde 1244 als Kallenberc erstmals urkundlich erwähnt. Der Name bedeutet so viel wie Ort am kahlen Berg, welcher von dem bis um 1840 unbewaldeten Hügel im Unterdorf abgeleitet ist. Bereits um 1150 erfolgte vermutlich der Bau eines Rittersitzes am Böhmischen Steig, einer alten Handelsstraße, auf der Salz aus dem Pleißengau von Altenburg nach Böhmen transportiert wurde. Bis um 1300 waren die adligen Ritter von Callenberg im Besitz des Rittersitzes. Nachdem sich Berthold von Cahlenberg, der letzte Vertreter dieser Familie, in den geistlichen Stand zurückgezogen hatte, übernahm die Familie von Kaufungen die Herrschaft auf Callenberg. Obwohl sie von den Herren von Waldenburg lehnsabhängig waren, übten sie über Callenberg und nach 1482 auch über Langenberg und über ein Drittel von Langenchursdorf die Grundherrschaft und die Gerichtsbarkeit aus. Der Rittersitz in Callenberg wurde seit 1551 als Rittergut bezeichnet. Nach dem Aussterben der „Jungker von Kauffungen“ wurden im Jahr 1582 die Herren von Schönburg-Waldenburg Besitzer des Ritterguts. Im Jahre 1617 wurde es an Jakob Bellyn verlehnt, danach an die Familie von Dobeneck und bis 1714 an die Familie von der Planitz. Nach dem Brand im Jahre 1799 wurde das Rittergut weiter nördlich an der Waldenburger Straße neu errichtet. Das alte Herrenhaus wurde seitdem als Gasthaus genutzt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich im Ort eine starke Textilindustrie. Zwischen 1856 und 1859 wurde die St. Katharinenkirche neu errichtet.

Bezüglich der Grundherrschaft gehörte Callenberg bis ins 19. Jahrhundert zum Rittergut Callenberg,[2] welches wiederum als Vasallengericht unter der Verwaltung der schönburgischen Herrschaft Waldenburg stand.[3][4] Nachdem auf dem Gebiet der Rezessherrschaften Schönburg im Jahr 1878 eine Verwaltungsreform durchgeführt wurde, kam Callenberg im Jahr 1880 zur neu gegründeten sächsischen Amtshauptmannschaft Glauchau.[5] In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung des Orts. Zwischen 1886 und 1909 entstanden sieben Rundstuhlwirkereien. Ein weiterer großer Erwerbszweig der Callenberger war die Textilindustrie. In dieser Branche sind heute noch drei kleine Unternehmen im Ort ansässig. Callenberg erhielt zwischen 1856 und 1859 die neu erbaute „St. Katharinenkirche“ und 1924 ein neues Rathaus. Im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone ab 1945 wurden die Herren von Schönburg-Waldenburg enteignet. Das Gelände des Ritterguts Callenberg wurde in 19 Neubaernstellen aufgeteilt.

Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Gemeinde Callenberg im Jahr 1952 zum Kreis Hohenstein-Ernstthal im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt). Der Gemeindeverband Callenberg wurde 1973 aus den Gemeinden Callenberg, Grumbach, Reichenbach, Langenchursdorf, Falken und Meinsdorf gebildet. Bereits ein Jahr später wurde am 1. März 1974 die Gemeinde Grumbach eingemeindet.[6] Die Gemeinde Callenberg kam im Jahr 1990 zum sächsischen Landkreis Hohenstein-Ernstthal, der 1994 im Landkreis Chemnitzer Land bzw. 2008 im Landkreis Zwickau aufging. Die Gemeinde Reichenbach wurde am 1. März 1994 eingemeindet.[7] Am 1. Januar 1999 wurde die Gemeinde Chursbachtal in die Gemeinde Callenberg eingegliedert.[8] Sie war am 1. Januar 1994 aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Falken, Langenberg (mit dem am 1. März 1974 eingegliederten Meinsdorf) und Langenchursdorf entstanden.[9] Im Sommer 2012 liefen erste Verhandlungen des Ortsteils Meinsdorf mit der Nachbarstadt Limbach-Oberfrohna über eine Eingemeindung in diese. Grund dafür ist die enge kulturelle Bindung an die Stadt und die Erwartung, dass sich Callenberg künftig mit Hohenstein-Ernstthal zusammenschließen könnte.[10]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Am 3. Oktober 1990 zählte Callenberg 5501 Einwohner. Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres:

1998 bis 2002

  • 1998: 5759
  • 1999: 5750
  • 2000: 5720
  • 2001: 5764
  • 2002: 5755

2003 bis 2007

  • 2003: 5760
  • 2004: 5694
  • 2005: 5689
  • 2006: 5623
  • 2007: 5580

ab 2008

  • 2008: 5444
  • 2009: 5402
  • 2011: 5337
  • 2012: 5216
  • 2013: 5136
Datenquelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Gemeinderatswahl 2014[11]
Wahlbeteiligung: 54,7 %
 %
30
20
10
0
22,7 %
13,2 %
28,2 %
17,5 %
12,7 %
3,0 %
2,7 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-6,2 %p
-13,7 %p
+15,0 %p
+5,8 %p
+3,3 %p
-1,6 %p
-0,2 %p
-2,3 %p

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 5 Sitze
  • Unabhängige Bürgergemeinschaft (UBG): 4 Sitze
  • Freie Bürgerbewegung Callenberg (FBB C): 3 Sitze
  • FWV: 2 Sitze
  • LINKE: 2 Sitze

BürgermeisterBearbeiten

Im März 2013 wurde Daniel Röthig zum neuen Bürgermeister gewählt.[12]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Hochzeitskapelle Callenberg in Reichenbach

Sehenswürdigkeiten in der Gemeinde CallenbergBearbeiten

 
Stausee Oberwald
  • Landschaftsschutzgebiete Muldental
  • Stausee Oberwald
  • Hochzeitskapelle Callenberg
  • Mühle Langenchursdorf
  • Schulmuseum im Café „Zur Alten Schule“ in Callenberg

Sehenswürdigkeiten im UmkreisBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung stehenBearbeiten

  • Uwe Grüning (* 1942), Schriftsteller und Politiker (CDU, MdL 1990–2004, Medienrat ab 2004), lebte 1944–1951 in Callenberg

WeblinksBearbeiten

Commons: Callenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Das Rittergut Callenberg auf www.sachsens-schlösser.de
  3. mittelmosel&source=bl&ots=dMF-pRvx7O&sig=c1L3cggzmakVMveI6mcSuYZsL8g&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiJpo7x-vjOAhVvSZoKHdoUAgwQ6AEIPTAH#v=onepage&q=rittergut%20mittelmosel&f=false Handbuch der Geographie, S. 501
  4. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 92 f.
  5. Die Amtshauptmannschaft Glauchau im Gemeindeverzeichnis 1900
  6. Grumbach auf gov.genealogy.net
  7. Reichenbach auf gov.genealogy.net
  8. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  9. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  10. Meinsdorfer flirten mit dem Nachbarn
  11. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  12. https://www.freiepresse.de/LOKALES/ZWICKAU/HOHENSTEIN-ERNSTTHAL/Daniel-Roethig-neuer-Callenberger-Buergermeister-artikel8309679.php#