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Bistum Erfurt

römisch-katholisches Bistum in Deutschland

Das Bistum Erfurt (lat.: Dioecesis Erfordiensis) ist eine römisch-katholische Diözese in Thüringen. Bischof und Domkapitel haben an der Kathedrale Beatae Mariae Virginis in Erfurt ihren Sitz.

Bistum Erfurt
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Basisdaten
Staat Deutschland
Kirchenprovinz Paderborn
Metropolitanbistum Erzbistum Paderborn
Diözesanbischof Ulrich Neymeyr
Weihbischof Reinhard Hauke
Emeritierter Diözesanbischof Joachim Wanke
Generalvikar Raimund Beck
Fläche 12.000 km²
Dekanate 7 (2018[1])
Pfarreien 45 (31. Dezember 2018[2])
Katholiken 146.310 (31. Dezember 2018[2])
Diözesanpriester 164 (31. Dezember 2018[3])
Ordenspriester 16 (31. Dezember 2018[3])
Katholiken je Priester 813
Ständige Diakone 19 (31. Dezember 2018[3])
Ordensbrüder 21 (31. Dezember 2018[3])
Ordensschwestern 198 (31. Dezember 2018[3])
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Latein, Deutsch
Kathedrale Erfurter Dom
Website www.bistum-erfurt.de
Kirchenprovinz
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Über dieses Bild
Erfurter Dom und Severikirche
St. Marien in Heiligenstadt – Zentrum des katholischen Eichsfeldes

Katholisch geprägte Gebiete im Bistum sind das Eichsfeld, wo sich fast zwei Drittel der Gemeinden befinden, und in geringem Maße auch die Stadt Erfurt. Dies resultiert aus der engen geschichtlichen Bindung der beiden Regionen an Kurmainz. Die sonstigen Gebiete des Bistums gehörten früher zu Kursachsen oder einem der Thüringischen Staaten und sind dementsprechend evangelisch-lutherisch geprägt. Die Katholiken stellen dort nur eine kleine Minderheit in der Bevölkerung.

GeschichteBearbeiten

Der heilige Bonifatius gründete erstmals 742 ein Bistum in Erfurt. Dieses wurde aber bereits 755 wieder aufgelöst und dem Bistum Mainz zugeschlagen. Einziger Bischof war Adalar.

Ab 1821 gehörte Thüringen größtenteils zum Gebiet des Bistums Paderborn. Mit dem Preußischen Konkordat von 1929 erfolgte eine Neuordnung der Bistümer. Für das Gebiet des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Meiningen, größtenteils südlich vom Thüringer Wald gelegen, war der Bischof von Würzburg zuständig. Die Gebiete der ehemaligen reussischen Fürstentümer und des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Altenburg, im Osten gelegen, kamen zum Bistum Meißen und für den Rest, das nördliche Gebiet Thüringens, war der Bischof von Fulda zuständig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es für die Bischöfe aus Fulda und Würzburg immer schwieriger, die Amtsgeschäfte im thüringischen Teil ihrer Bistümer wahrzunehmen. Deshalb folgte 1946 für das östliche Gebiet des Bistums Fulda die Errichtung eines Bischöflichen Generalvikariats in Erfurt mit Einsetzung des Erfurter Dompropstes Joseph Freusberg als Generalvikar, der 1953 auch Weihbischof wurde. Sein Nachfolger Hugo Aufderbeck wurde 1968 zum Bischöflichen Kommissar ernannt. Das Bistum Würzburg hatte bereits nach 1920 das Bischöfliche Kommissariat Meiningen errichtet und ernannte es 1959 zum Bischöflichen Generalvikariat in Meiningen und setzte Joseph Schönauer als Generalvikar ein (ab 1967 Bischöflicher Kommissar). Sein Nachfolger war 1970 Karl Ebert.

Mit der Neuordnung der katholischen Kirche in der DDR wurden 1973 per Dekret des Heiligen Stuhls die Gebiete der Bistümer Fulda und Würzburg dem neuen Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen zugeordnet, gehörten aber weiterhin rechtlich zu den beiden Bistümern. Leiter des Bischöflichen Amtes wurde als Apostolischer Administrator, Hugo Aufderbeck, dem 1981 Joachim Wanke nachfolgte.

Nach einem Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Thüringen über die Errichtung des Bistums Erfurt vom 14. Juni 1994 wurde das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen am 8. Juli 1994 mit der Apostolischen Konstitution Quo aptius durch Papst Johannes Paul II. zum Bistum erhoben und der Kirchenprovinz Paderborn zugeordnet. Joachim Wanke kann seitdem als Diözesanbischof bezeichnet werden.[4][5] Das Dekanat Geisa in der thüringischen Rhön verblieb aufgrund geschichtlich sehr enger Verbindungen beim Bistum Fulda.

Mit dem Apostolischen Schreiben Fideles ecclesialis bestätigte Johannes Paul II. am 21. September 1994 die Hl. Elisabeth von Thüringen als Bistumspatronin; der Hl. Bonifatius und der Hl. Kilian wurden Mitpatrone.[6]

GegenwartBearbeiten

Bedingt durch den demografischen Wandel sinkt die Zahl der Gläubigen beträchtlich – dies hat direkten Einfluss auf die Kirchenstruktur. Zum 1. Januar 2005 begann eine Strukturreform, bei der die Anzahl der Dekanate von 14 auf 7 und die Pfarreien von 120 zunächst auf 95 reduziert wurde. 2008 wurde die Anzahl der Pfarrgemeinden weiter auf 74 gesenkt, 2014 hatte sich die Zahl der Pfarreien mit 63 im Vergleich zu 2005 fast halbiert.[7] Die aufgelösten Pfarreien bestehen weiter als Filialgemeinden einer größeren Pfarrei fort. Bis zum Jahr 2020 sollen die Pfarreien durch schrittweise Zusammenlegungen weiter auf 33 verringert werden.[8] Dies ist vor allem dem Priestermangel im Bistum geschuldet. Da dadurch allerdings viele Pfarreien sehr groß werden und ihnen teils mehrere Filialgemeinden zugeordnet sein sollen, setzt das Bistum verstärkt auf die Arbeit von Laien, unter anderem als Diakonatshelfer.

Mit Wirkung zum 1. Oktober 2012 nahm Papst Benedikt das Rücktrittsgesuch des Bischofs Wanke aus gesundheitlichen Gründen an. Seitdem befand sich das Bistum in der Sedisvakanz.[9] Am 2. Oktober 2012 wählte das Erfurter Domkapitel Weihbischof Reinhard Hauke zum Diözesanadministrator.[10] Fast zwei Jahre nach dem Rücktritt von Bischof Wanke wurde am 19. September 2014 die Ernennung des bisherigen Weihbischofs in Mainz, Ulrich Neymeyr, zum Bischof von Erfurt durch Papst Franziskus bekanntgegeben. Am 22. November 2014 wurde Neymeyr im Erfurter Dom ins Amt eingeführt.

BischöfeBearbeiten

Zur Zeit der ersten Bistumsgründung
Apostolische Administratoren des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen
Bischöfe des Bistums Erfurt
Weihbischöfe des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen
Weihbischöfe im Bistum Erfurt

BistumsgliederungBearbeiten

Das Bistum Erfurt gliedert sich in die folgenden sieben Dekanate (Stand 2016)
(siehe auch Kirchengebäude des Bistums Erfurt):

 
St. Josef (Erfurt)
 
St. Lorenz in Erfurt
 
Die Melchendorfer Kirche (Erfurt)
 
St. Wigbert in Erfurt
 
Kirche St. Marien in Meiningen, Sitz des Dekanats Meiningen
 
Katholische Kirche in Ilmenau, einer der wenigen Kirchenneubauten der DDR-Zeit (1983)
 
St. Johannes Baptist (Jena)

Kirchliche EinrichtungenBearbeiten

 
Hochamt anlässlich der Bistumswallfahrt 2004 auf den Domstufen in Erfurt

StudentengemeindenBearbeiten

An allen Hochschulstandorten des Bistums sind die Ortspfarrer gleichzeitig als Hochschulseelsorger eingesetzt. In Erfurt, Ilmenau, Jena und Weimar existieren zudem eigene Studentengemeinden (KSG).

Die Gemeinden in Jena und Weimar werden von einem gemeinsamen Seelsorger betreut, der nur für die Studentenseelsorge abgestellt ist. Seit 2010 wird dieses Amt nicht mehr von einem Priester, sondern durch eine Referentin begleitet, da Pfr. Pohlmann als Nachfolger von Monsignore Karl-Heinz Ducke die Ortsgemeinde Jena übernommen hat. Bis 2012 wurde die Gemeinde in Erfurt durch den Dompfarrer betreut. Durch einen notwendig gewordenen Personalwechsel ist die Seelsorge nun durch einen Mitarbeiter der Theologischen Fakultät in Erfurt übernommen worden.

Auch die Gemeinde in Ilmenau wird ihren Pfarrer verlieren. 2016 werden die Pfarrgemeinden Arnstadt und Ilmenau fusioniert, wobei das Pfarramt nach Arnstadt zieht. Geplant ist dann eine gemeinsame Studentenseelsorge für Erfurt und Ilmenau.

KlösterBearbeiten

SchulenBearbeiten

Häuser des BistumsBearbeiten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

KirchenBearbeiten

WallfahrtsorteBearbeiten

 
Die Wallfahrtskapelle Etzelsbach

Die wichtigsten Wallfahrten des Bistums sind die Männerwallfahrt zum Klüschen Hagis, die Frauenwallfahrt zum Kerbschen Berg, sowie die Bistumswallfahrt und die Jugendwallfahrt zum Domberg in Erfurt. Daneben existieren viele kleinere Wallfahrten, vor allem im katholisch geprägten Eichsfeld.

Das Gebiet der Diözese wird auch von mehreren historischen Wallfahrtswegen durchzogen. Zum großen Teil wurden diese erst nach der Wiedervereinigung wiederhergestellt.

KirchenschließungenBearbeiten

Im Gebiet des Bistums Erfurt wurde, wie auch in vielen anderen katholischen Bistümern in Deutschland, in den letzten Jahren aus Kostengründen der Immobilienbestand reduziert. Unter anderem wurden folgende Gotteshäuser profaniert:

  • Aschara, Kapelle: 2012 geschlossen[11]
  • Bad Liebenstein, Kapelle: geschlossen, Nachnutzung als Brasserie[12]
  • Breitungen/Werra, Kapelle: 1949 geweiht, 2012 geschlossen[13]
  • Heringen bei Nordhausen, Kapelle, 31. Juli 2004 aufgegeben
  • Köppelsdorf, Kapelle: 1952 geweiht, 1990 letzter Gottesdienst[14]
  • Plaue, St.-Sigismund-Kapelle: 1730 errichtet, 2005 entweiht, 2011 verkauft[15][16]
  • Rastenberg, St. Josef der Arbeiter, Kirche, 24. November 2003 aufgegeben
  • Ziegenrück, Maria Mittlerin aller Gnaden, Kirche, August 2000 profaniert

DiözesankalenderBearbeiten

Im Bistum Erfurt wird der Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet um die folgenden Eigenfeiern ergänzt (dahinter jeweils der Rang):

  • 1. Februar: Hl. Severus, Bischof von Ravenna – g
  • 12. Februar: Hl. Gregor II., Papst – g
  • 13. März: Hl. Paulina, Ordensfrau – g
  • 30. Mai: sel. Otto Neururer, Priester und Märtyrer – g
  • 7. Juni: Hll. Adalar und Eoban, Bischöfe und Märtyrer – im Erfurter Dom G, im restlichen Bistum g
  • 27. Juni: Hll. Aureus, Bischof und Justinus, Diakon (beide Märtyrer) – in Heiligenstadt g
  • 7. Juli Hll. Willibald, Bischof und und Wunibald, Abt – G
  • 8. Juli: Hl. Kilian, Bischof, Glaubensbote, Märtyrer, Mitpatron des Bistums – G (im RK g)
  • 12. August: Hl. Radegunde von Thüringen, Königin – G
  • 13. August Hl. Wigbert, Abt – G
  • 28. September: Hl. Lioba und Thekla, Äbtissinnen – g
  • 9. Oktober: Hl. Günther von Thüringen, Einsiedler, Glaubensbote – G
  • 14. Oktober: Hl. Burkhard, Bischof – g
  • 27. Oktober: Jahrestag der Weihe des Domes zu Erfurt – im Dom H, im restlichen Bistum F
  • 5. November: Weihetag der konsekrierten Kirchen, die nicht ihren wirklichen Weihetag feiern – H
  • 11. November: Hl. Martin von Tours, Patron der Stadt Erfurt und des Eichsfeldes – in der Stadt Erfurt H, im Eichsfeld F
  • 19. November: Hl. Elisabeth von Thüringen, Landgräfin, Patronin des Bistums – F
  • 9. Dezember: sel. Liborius Wagner, Priester und Märtyrer – g

Abkürzungen: H = Hochfest, F = Fest, G = gebotener Gedenktag, g = nicht gebotener Gedenktag, RK = Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bistum Erfurt in Zahlen. In: bistum-erfurt.de. Bischöfliches Ordinariat, abgerufen am 8. September 2019.
  2. a b Katholische Kirche in Deutschland. (PDF: 1.041 kB) Statistische Daten 2018. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, 19. Juli 2019, S. 3, abgerufen am 19. Juli 2019.
  3. AP2019
  4. Ioannes Paulus II: Const. Apost. Quo aptius, AAS 87 (1995), n. 3, S. 221ff.
  5. Bischof em. Dr. Joachim Wanke. In: bistum-erfurt.de. Bischöfliches Ordinariat, abgerufen am 8. September 2019.
  6. Ioannes Paulus II: Litt. Apost. Fideles ecclesialis, AAS 87 (1995).
  7. Katrin Zeiß/Simona Block: Gemeinden schrumpfen: Weite Wege zu den Pfarrämtern. Kirchen in Mitteldeutschland können Stellen kaum besetzen. S. 5 in Leipziger Volkszeitung vom 3. Februar 2014
  8. Strukturreform im Bistum Erfurt 2012–2020 (Memento vom 27. März 2017 im Internet Archive)
  9. Erfurter Bischof Joachim Wanke geht in den Ruhestand. In: bistum-erfurt.de. Bischöfliches Ordinariat, 1. Oktober 2012, abgerufen am 8. September 2019.
  10. Weihbischof Hauke zum Diözesan-Administrator gewählt. In: bistum-erfurt.de. Bischöfliches Ordinariat, 2. Oktober 2012, abgerufen am 8. September 2019.
  11. Aschara. In: kath-kirche-badlangensalza.de. 16. März 2019, abgerufen am 8. September 2019.
  12. Hotel Kapelle. In: rennsteig.de. Abgerufen am 8. September 2019.
  13. Ende und Amen. In: nsuedthueringen.de. 9. November 2012, abgerufen am 8. September 2019.
  14. Chronik. In: st-stefan-sonneberg.de. Abgerufen am 8. September 2019.
  15. Thomas Becker: Kapelle „St. Sigismund“ in Plaue soll heute verseigert werden. In: thueringer-allgemeine.de. 31. August 2011, abgerufen am 8. September 2019.
  16. Britt Mandler: Tag des offenen Denkmals lockte Tausende Besucher zur Farbenpracht. In: thueringer-allgemeine.de. 15. September 2014, abgerufen am 8. September 2019.