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Armsfeld ist ein Stadtteil von Bad Wildungen im südöstlichen Teil des nordhessischen Landkreises Waldeck-Frankenberg.

Armsfeld
Koordinaten: 51° 3′ 6″ N, 9° 3′ 48″ O
Höhe: 371 m
Einwohner: 279 (31. Dez. 2018)[1]
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 34537
Vorwahl: 05621

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Der Ort liegt am Oberlauf der Urff im Kellerwald in einer waldreichen Umgebung etwa 8 km südlich der Kernstadt Bad Wildungen. Die gesamte Gemarkung ist Teil des Naturparks Kellerwald-Edersee; am östlichen Ortsrand verläuft der Kellerwaldsteig.

GeschichteBearbeiten

Im 12. Jahrhundert wird der Ort erstmals als „unscheinbarer“ Besitz der „Junker von Ermbrechtisfelde“ erwähnt (Über dieses Adelsgeschlecht ist nur wenig bekannt).

Die üppigen Buchen- und Eichenwälder, besonders aber wertvolle Rohstoffe wie Blei und Eisen waren die treibende Kraft einer vorindustriellen Berg- und Eisenindustrie. Im Jahre 1253, so ist es überliefert, übertrugen der Ludowinger Ministeriale Conrad von Ermbrechtisfelde und seine Lebensgefährtin „zu ihrem Seelenheil“ ihre gesamten Besitzungen, darunter ein Drittel des Dorfes, gegen eine lebenslange Rente an das Kloster Haina. 1254 erwarb das Kloster auch die beiden anderen Drittel durch Schenkung von Ludwig und Volknand von Zwehren und durch Tausch von den Herren Heinrich und Eckehardt von Ermbrechtisfelde. Im Mai 1281 wurde das Dorf auf Bitten des Klosters von Graf Otto I. von Waldeck von allen Diensten und Abgaben gegenüber der Grafschaft befreit.

Grenzstreitigkeiten zwischen der Landgrafschaft Hessen und der Grafschaft Waldeck, bei denen es um die Nutzung von Bodenschätzen ging, führten 1510 fast zur Zerstörung des Dorfes durch landgräfliche Truppen unter Eberhard Schenck zu Schweinsberg und Hermann Schütze.

Nachdem im Jahre 1526 in der Landgrafschaft Hessen und in der Grafschaft Waldeck die Reformation eingeführt worden war, kam es zu weiteren Streitigkeiten, da Armsfeld einerseits seit 1253/54 eine Klosterpfarrei des nunmehr aufgelösten und als Landeshospital der Landgrafschaft Hessen gehörenden Klosters Haina gewesen war, andererseits aber auch seit 1502 zum Bereich der Erzpriesterkirche Bergheim und damit kirchlich zu Waldeck gehörte. Als Landgraf Moritz von Hessen-Kassel 1605 zum Calvinismus übertrat, spitzten sich die Konflikte zu, da der Armsfelder Pfarrer von Hessen-Kassel besoldet wurde, ihm aber wie allen waldeckischen Pfarrern die Befolgung der in Hessen-Kassel eingeführten kirchlichen Reformen verboten war. Der Streit darum, welche kirchliche Behörde nun den Pfarrer zu stellen und zu versorgen hatte und nach welcher Lehre das Abendmahl zu zelebrieren sei, wurde gelegentlich sogar mit Gewalt ausgetragen.

Im 19. Jahrhundert handelten sich die Armsfelder den spöttischen Beinamen „Armsfelder Dickwätze“ ein, zurückzuführen auf die zunehmende Anzahl wohlgenährter Schweine, die sich in den weiten Buchen- und Eichenwäldern ausgiebig sattfressen konnten.

Das Aufblühen der Eisenindustrie im Ruhrgebiet führte ab etwa 1840 zu einer allmählichen Abwanderung von Menschen dorthin. Eine Anzahl Armsfelder wanderte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zudem nach Amerika aus, so dass der im Jahre 1840 erreichte Höchststand von 441 Einwohnern seitdem nie wieder erreicht wurde.

Im Rahmen des Vertragsnaturschutzes engagieren sich seit 1992 die ortsansässigen Landwirte in der Landschaftspflege des Naturparks Kellerwald-Edersee.

Armsfeld wurde im Rahmen der Gebietsreform in Hessen am 31. Dezember 1971 ein Stadtteil von Bad Wildungen.[2]

 
Die Fachwerkkirche

FachwerkkircheBearbeiten

Die 1587 erbaute und um 1650 um Glockenturm und einen Vorraum erweiterte denkmalgeschützte Evangelische Kirche Armsfeld ist eine der drei ältesten Fachwerkkirchen in Hessen. Restauriert wurde die Kirche im Jahre 2007. Im Inneren befindet sich eine L-förmige Empore. Der Barockaltar stammt aus Lelbach. Die Orgel wurde im Jahre 1732 von dem Orgelbauer Daniel Mütze erbaut[3] und zuletzt 2011 von dem Rotenburger Orgelbauer Dieter Noeske restauriert.

PersönlichkeitenBearbeiten

Am 6. Dezember 1589 wurde der Philosoph Christoph Scheibler in Armsfeld geboren.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Armsfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stadt Bad Wildungen in Zahlen, abgerufen am 8. Februar 2019
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 408.
  3. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I, Regierungsbezirke Gießen und Kassel, begründet vom Tag der Denkmalpflege 1900, fortgesetzt von Ernst Gall, bearbeitet von Folkhard Cremer, Tobias Michael Wolf und anderen, 2008, Deutscher Kunstverlag, München, Berlin, ISBN 978-3-422-03092-3, Seite 30f.