Altenthann (Schwarzenbruck)

Ortsteil von Schwarzenbruck

Das Kirchdorf Altenthann ist ein Ortsteil der Gemeinde Schwarzenbruck im Landkreis Nürnberger Land, Mittelfranken/Bayern.

Altenthann
Koordinaten: 49° 22′ 5″ N, 11° 18′ 22″ O
Höhe: 420 m ü. NN
Einwohner: 674 (1. Aug. 2017)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 90592
Vorwahl: 09183
Ortsansicht
Ortsansicht

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Das ländlich geprägte Dorf liegt etwa vier Kilometer östlich von Schwarzenbruck. Nachbarorte im Uhrzeigersinn sind Winkelhaid, Grünsberg, Burgthann, Pattenhofen und Rummelsberg.

Naturräumliche ZuordnungBearbeiten

Naturräumlich gehört Altenthann zur Haupteinheit Vorland der Mittelfränkischen Frankenalb, die nach der naturräumlichen Gliederung Deutschlands (gemäß Meynen/Schmithüsen et al.) Teil der Haupteinheitengruppe Fränkisches Keuper-Lias-Land ist.[2][3]

GeologieBearbeiten

 
Rhätsandsteinschlucht des Thanngrabens bei Altenthann (2017)

Altenthann befindet sich im Südwestdeutschen Schichtstufenland, die Geologie wird von Schichten der Schwarzjura-Gruppe (Lias) und des Mittleren Keupers der Fränkischen Alb geprägt. Der topographische Hochpunkt Auf dem Berge (454 m ü. NN) sowie die beiden Höhenzüge Mühlberg und Höhe (440 m ü. NN) im Osten von Altenthann bestehen geologisch aus Lias-Schichten der Amaltheenton-Formation.[4][5][6] Im Westen des Ortsteiles sind grobkörnige Sandsteine und mittelgrauer Mergelstein der Gryphäensandstein- bis Numismalismergel-Formation aus der Schwarzjura-Gruppe bestimmend. Im Bereich des Thanngrabens treten quartäre Talfüllungen auf. Der Thanngraben befindet sich in einer Rhätsandsteinschlucht. Die Sandsteinschlucht mit anstehenden Felswänden zeichnet sich durch Rhätolias-Schichten der Schwarzjura-Gruppe aus, die auf Schichten der Trossingen-Formation (Feuerletten) lagern. Der rote bis tiefrote Ton- und Tonmergelstein der Feuerletten verleihen dem Landschaftsraum sein spezifisches Gepräge.[4] Die Schlucht wurde aufgrund ihrer landschaftlichen Schönheit und Eigenart und im Hinblick auf ihre erdgeschichtliche Bedeutung als geschützter Landschaftsbestandteil unter Naturschutz gestellt. Der 2,5 Hektar große Landschaftsraum wurde im Jahre 2000 unter der Bezeichnung „Thanngraben“ vom Landratsamt Nürnberger Land ausgewiesen.[7]

BodenBearbeiten

Die überwiegend landwirtschaftlich genutzten Freiflächen im Westen von Altenthann sind vorwiegend von Braunerde bedeckt. Im Osten dominieren Regosol- und Pelosol- sowie Braunerdeböden.[8] Die fruchtbaren Braunerdeböden werden verwiegend ackerbaulich genutzt. Die flachgründigen Regosolböden und die schwer zu bearbeitenden Pelosolböden werden als Grünland genutzt.[9]

In der Sandsteinschlucht des Thanngrabens sind Gley und andere grundwasserbeeinflusste Bodentypen mit skelettführendem Talsediment, die überwiegend aus Sanden bestehen, vorherrschend.[8]

KlimaBearbeiten

Altenthann liegt in der kühl-gemäßigten Klimazone und weist ein humides Klima auf. Der Ortsteil befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima. Nach der Klimaklassifikation von Köppen/Geiger zählt Altenthann zum warm gemäßigten Regenklima (Cfb-Klima). Dabei bleibt die mittlere Lufttemperatur des wärmsten Monats unter 22 °C und die des kältesten Monats über –3 °C.[10]

GeschichteBearbeiten

Altenthann wurde im Jahre 1504 nürnbergisch. Vorher war es pfälzisch. Im Jahre 1535 kaufte der Nürnberger Patrizier Paulus, Grundherr von Weiherhaus dort mehrere Güter, einschließlich der Kapelle und nannte sich seither Grundherr von Weiherhaus und Altenthann.[11]

Kirche St. VeitBearbeiten

 
Altenthann um 1760 mit der Kirche St. Veit, Kupferstich von Christoph Melchior Roth

Die im Terrakottaton gestrichene Kirche befindet sich oberhalb der Rhätsandsteinschlucht und ist umgeben von Fachwerkhäusern. Der Sakralbau prägt als höchstes Gebäude des Dorfes das Orts- und Landschaftsbild von Altenthann, wie der Kupferstich von Christoph Melchior Roth anschaulich zeigt. Die evangelische Pfarrkirche St. Veit ist von einem sichtbaren Befestigungsgraben umgeben. Der ursprüngliche Name St. Nikolaus deutet auf die ehemalige Nikolauskapelle hin, die auf dem Burgfelsen errichtet wurde.[11][12] Die erste urkundliche Erwähnung mit dem heutigen Namen St. Veit stammt aus dem Jahre 1464. Den beiden Namenspatronen Nikolaus von Myra und Veit sind eine hölzerne Figur und ein Glasbild im Innenraum der Kirche gewidmet.[13] Das Glasgemälde stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und stellt den heiligen Veit dar. Die Holzfigur symbolisiert den heiligen Nikolaus und entstand um 1500.[12] Im 17. Jahrhundert schlugen zwei Blitze in die kleine Kirche ein und ein anschließender Brand beschädigte das Sakralgebäude derart stark, dass die Kirche 1697 im Barockstil wieder aufgebaut wurde.[11][13][14] Der viereckige Westturm weist ein achteckiges Kranzgeschoss mit geschweifter Haube, eine sogenannten Welsche Haube, auf. Der Kirchturm zeichnet sich durch eine geringe Höhe im Verhältnis zum Langhausdach aus. Die Saalkirche ist mit einem Holztonnendach und Emporen in warmen Ockertönen an den Seiten ausgestattet.[11][12] Der Altar und die Kanzel wurden in der Zeit um 1700 gefertigt. Das Altarbild zeigt die vier Evangelisten: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.[13][12] Der Sockel des Altars, die sogenannte Predella stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert.[12]

Die Kirche St. Veit wurde im Jahre 1995 wieder im barocken Stil restauriert und der Gestaltung von 1697 entsprechend angepasst.[15]

Die Kirche war Filiale von Altdorf und erhielt 1610 einen eigenen Pfarrer. Bis zum Jahr 2000 besaß die Familie Grundherr noch das Patronsrecht. Mit der Schirmherrschaft war ein Mitspracherecht bei der Auswahl des Pfarrers verbunden und die Pflicht für den Erhalt der Kirche (Kirchenbaulast) zu sorgen.[11]

Burg AltenthannBearbeiten

 
Pfarrkirche St. Veit

An Stelle der Kirche stand im Mittelalter eine Burg, sie war der Stammsitz der Reichsministerialen von Altenthann. Die Spornlage auf einen nach drei Seiten hin steil abfallenden kleinen Hügel sowie künstlich angelegte Halsgräben bot Schutz vor Angreifern.[16] Die Ritter von Thann beteiligten sich als kaiserliche Ministeriale auch an den Kreuzzügen.[11] Ein Hermann von Thann ist bereits im Jahr 1140 urkundlich nachweisbar, damals befand er sich auf einem Hoftag von König Konrad III. Die Burg wurde vermutlich im Auftrag der Staufer errichtet, sie war also eine Reichsburg.

Grabungen und Pfostenlöcher belegen eine hölzerne Anlage aus dem 11. Jahrhundert, die später Burg Altenthann genannte wurde. Noch im 11. Jahrhundert ersetzte eine zweite Burg in Holzbauweise den ersten Bau.[16]

Später wechselten die Ministerialen ihren Sitz und zogen auf die von ihnen gebaute Burg Thann im gleichnamigen Ort. Die neue Burg Thann und die ältere Burg bestanden noch einige Zeit nebeneinander, die alte Burg wurde zu Altenthann.

Ehemalige GemeindeBearbeiten

Mit dem Gemeindeedikt (1808) wurde Altenthann eine politisch eigenständige Gemeinde, zu der die Orte Pattenhofen und Wallersberg gehörten. Am 1. Januar 1972 wurde Altenthann mit Wallersberg im Rahmen der bayrischen Gebietsreform nach Schwarzenbruck eingemeindet, während Pattenhofen zu Burgthann kam.[17]

BauwerkeBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde
Jahr 1910 1933 1939
Einwohnerzahl[18] 383 437 444
Ort
Jahr 1987[19] 2013 2017[1]
Einwohnerzahl 571 674 698

Tourismus und FreizeitBearbeiten

Rund um Altenthann gibt es zahlreiche Räthschluchten. In unmittelbarer Nähe der Kirche St. Veit führt der Fränkische Jakobsweg durch den Thanngraben.

LiteraturBearbeiten

  • Nürnberger Land. Karl Pfeiffer's Buchdruckerei und Verlag, Hersbruck 1993. ISBN 3-9800386-5-3

WeblinksBearbeiten

 Commons: Altenthann (Schwarzenbruck) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b www.schwarzenbruck.de, Einwohnerzahlen (Abgerufen am 20. August 2017)
  2. Karte der Naturraum-Haupteinheiten und Naturraum-Einheiten in Bayern. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 20. Januar 2019.
  3. Geodienst: Landschaften in Deutschland. Bundesamt für Naturschutz (BfN), abgerufen am 20. Januar 2019.
  4. a b Digitale Geologische Karte von Bayern 1:25.000 (dGK25). Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), abgerufen am 20. Januar 2019.
  5. BayernAtlas: Topographische Karte. Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, abgerufen am 20. Januar 2019.
  6. BayernAtlas: Geologische Karte von Bayern 1:500.000. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 20. Januar 2019.
  7. Verordnung über den geschützten Landschaftsbestandteil „Thanngraben“, Gemeinde Schwarzenbruck. Landratsamt Nürnberger Land, 18. Mai 2000, abgerufen am 20. Januar 2019.
  8. a b Übersichtsbodenkarte von Bayern 1:25.000. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 27. Januar 2019.
  9. BayernAtlas: Luftbild. Bayerische Vermessungsverwaltung, abgerufen am 27. Januar 2019.
  10. Klima. Climate-Data.org, abgerufen am 20. Januar 2019.
  11. a b c d e f Ursula Naumann: Altenthann in Mittelfranken. Bayerischer Rundfunk, 21. Oktober 2001, abgerufen am 26. Januar 2019.
  12. a b c d e Dehio Vereinigung e.V., Tilman Breuer (Hrsg.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. 2. Auflage. Bayern I: Franken. Deutscher Kunstverlag (DKV), München, Berlin 1999, ISBN 978-3-422-03051-0, S. 19.
  13. a b c St.Veit Kirche. Evang.-Luth. Kirchengemeinde Altenthann, abgerufen am 26. Januar 2019.
  14. Martin Simon, Friedrich von Grundherr, Matthias Exner: St. Veit Altenthann. Hrsg.: Evang.-Luth. Kirchengemeinde Altenthann.
  15. Michaela Moritz: Nürnberger Land. Hrsg.: Haus der Bayerischen Geschichte des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Nr. 11. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2014, ISBN 978-3-7917-2637-3, S. 42.
  16. a b Ernst Werner Schneider: Burgen, Schlösser und Ruinen im Nürnberger Land. 1. Auflage. Ernst Werner Schneider, Bad Windsheim 2017, ISBN 978-3-9814383-3-8, S. 141 f.
  17. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 542.
  18. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 180, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 346 (Digitalisat).